{"id":2057,"date":"2013-03-03T13:41:06","date_gmt":"2013-03-03T12:41:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=2057"},"modified":"2013-03-03T13:41:06","modified_gmt":"2013-03-03T12:41:06","slug":"1-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=2057","title":{"rendered":"1."},"content":{"rendered":"<p align=\"center\">1.<\/p>\n<p align=\"center\">\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0 In einer abgedunkelten rosmarinfarbenen Mansarde lag Alban, unruhig tr\u00e4umend, auf seinem alten ausgelegenen Diwan, w\u00e4hrend der Klang der Mittagsglocken durch das ge\u00f6ffnete Fenster drang. Selbst die knarrenden Holzstufen der alten Eichentreppe, die einen Besuch ank\u00fcndigten, lie\u00df ihn seine Position auf der Couch, auf der er nun schon seit einigen Monaten unter derselben Decke lag, nicht ver\u00e4ndern. <\/p>\n<p>\u00a0\u00a0 Es wird Madeleine sein, dachte Alban, und beruhigte sich mit dem Gedanken, dass nur sie ihn so nenne. Aus einer Laune heraus, sagte er damals in der Schule seinem Banknachbarn, dass er sich seines normalen Namens entledigen wolle, schon lange f\u00fchle er sich nicht mehr angesprochen, wenn man ihn <em>Bernhard<\/em> nenne, erst recht nicht <em>Bernhard Ohnegrund<\/em>. Er sch\u00e4me sich dessen, auch wenn er nicht so recht wisse, warum. Es sei halt so. Und kaum dass er den Satz ausgesprochen und damit eines seiner l\u00e4ngsten Geheimnisse ihm entwichen war, begehrte Heinrich, sein Banknachbar, der es mittlerweile zu einem angesehenen Posten bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse gebracht hatte, mit schriller Stimme auf, indem er den Namen <em>Alban<\/em> laut in den Klassenraum schrie, Bernie hei\u00dft ab jetzt Alban, endlich hei\u00dft er Alban, und alle anderen wurden aufmerksam und warfen ihre Blicke auf den Tisch von Heinrich und \u2026 Alban, dachte Bernhard in diesem Augenblick selbst. Dabei kam er sich gar nicht einmal so verraten vor. Dennoch war er \u00fcberrascht, mit welcher Entschlossenheit Heinrich auf diesen Namen kam.<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0 Es war Madeleine. Alban erkannte sie stets an ihren Schritten, so wie er eigentlich jeden an seinem Schritt erkannte. Es war Madeleine mit einem Brief in der Hand. <em>Der hat,<\/em> sagte sie in ihrer sanften Stimme, <em>unten auf der Treppe gelegen\u2026<\/em> &#8211; auf der dritten Stufe, dachte Alban\u2026 &#8211; <em>auf der dritten Stufe,<\/em> sagte sie, <em>so wie immer<\/em>. Albans Hauswirtin Mia hatte sich mit der Zeit angew\u00f6hnt, all das, was f\u00fcr ihn bestimmt war, auf die dritte Stufe zu legen. Aber nicht nur postalisch, sondern auch<em> zum Verhungern<\/em>. Denn oft stand f\u00fcr ihn dort auch etwas zu essen auf einem Teller eingepackt in silbernes Lackpapier, das so herrlich rasselt, wenn man es ber\u00fchrt. Und er ber\u00fchrte so oft wie m\u00f6glich das Papier, wenn er mit dem Essen die Treppe wieder hinaufging. Er liebte dieses Ger\u00e4usch. Wie er auch Madeleines Stimme liebte; sie hatte auf ihn eine ungeheuer beruhigende Wirkung. So weich. Und liebevoll. Ganz nah bei ihm.\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. \u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 In einer abgedunkelten rosmarinfarbenen Mansarde lag Alban, unruhig tr\u00e4umend, auf seinem alten ausgelegenen Diwan, w\u00e4hrend der Klang der Mittagsglocken durch das ge\u00f6ffnete Fenster drang. 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