{"id":17185,"date":"2025-08-25T12:05:38","date_gmt":"2025-08-25T11:05:38","guid":{"rendered":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=17185"},"modified":"2025-08-25T12:07:00","modified_gmt":"2025-08-25T11:07:00","slug":"archipel-der-anarchie-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=17185","title":{"rendered":"Archipel der Anarchie III"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Souver\u00e4n<\/strong><br \/><em>Oder,<br \/>\u00dcber die Indigenialit\u00e4t<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Die Zeit dreht sich vorw\u00e4rts<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich h\u00f6re ihren Klang im Kohlebecken<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich rieche ihr Kommen in der R\u00e4ucherpfanne<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich blickte sie von hinten<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Als der Panzer der G\u00fcrteltiere noch nicht gemacht und die Pferde noch aufrecht schritten; in der Zeit, da die Winde noch sangen und der Flug der V\u00f6gel noch nicht bestimmt war, da erstreckte sich das Nichts wie ein \u00d6lfilm von vorne bis hinten. Tosen und R\u00fchren entstand aus der Mitte des Nichts. Kein Laut war noch gemacht und keine Wiederholung. Das Nichts aber erfasste das Ein-All. Auch das Dunkel war g\u00e4nzlich unbekannt. Nichts leuchtete in ihm. Im Ein-All schwirrte die Teilung. Die Teilung hingegen empfand noch keinen Grund, den es im Nichts pflegte zu suchen. Es ergab sich noch kein Sinn, aber eine Bewegung entsprang der Teilung aus dem Willen zur Freigabe. Noch war keine Bedingung an die Freigabe gekn\u00fcpft und niemand auffindbar, der sie empfing. Eine Zeit und zwei weitere Zeiten sauste der Wille durch das Nichts im Ein-All. Aus dem Mangel an Begrenzung entwich dem Willen die Willk\u00fcr. Sodann vergrub sich der Wille in der R\u00fchrung, w\u00e4hrend die Willk\u00fcr das Tosen heimsuchte. So war die Wendung geworden. In der Wendung erfand sich der Grund. Aus dem Grunde erfasste sich der Sinn der Bewegung. [&#8230;] Sogleich vollzog sich die Teilung zwischen Ein-All und All-Einem. Das All-Eine wanderte eine Zeit inmitten der Felder [&#8230;] Viele Zeiten legte es Laute an, die sich verbanden. In der Verbindung kam der Sinn ins Sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<em>Hymnus Creacredibi<\/em> I<\/p>\n\n\n\n<p><br \/><strong>Ein Gericht<\/strong><br \/>\u00a7 21<br \/>Die Anarchen besingen die Taten dereinst geschlagener Schlachten Tag um Tag.<br \/>Damals, als die Freudenfeuer noch die Macht derer brachen, die,<br \/>erw\u00e4hlt von der geh\u00f6rnten Ratte, Stein f\u00fcr Stein des Weltenrunds verbogen,<br \/>bis ihr Geist ruhelos auf der Fl\u00e4che kreiste.<br \/>\u00a7 22<br \/>Die Anarchen kennen keinen Missbrauch der Macht, denn Macht ist unsichtbar, haftet dem<br \/>Ding an. Macht ist ein Schatten, geschmiedet im Rauch der roten Esse.<br \/>Die Anarchen kennen keinen Rauch, nur die Asche ihrer Erkenntnis, die sie in Eden ausstreuen, wo die B\u00e4ume s\u00fc\u00dfe Fr\u00fcchte tragen.<br \/>\u00a7 23<br \/>Ist die Ernte eingefahren, treffen sich die Anarchen in der Mitte des Archipels,<br \/>um zu beraten. Gro\u00df ist der Drang nach Ver\u00e4nderung, doch die Uhren der<br \/>Anarchen stehen still, denn sie kennen keine Zeit. Zeit ist Gegenstand der<br \/>Macht und der M\u00e4chtige gebraucht sie, um den Eifer der Masse zu messen.<br \/>Ein Fluch ist der Eifer,<br \/>denn er dreht sich in Spiralen,<br \/>baut T\u00fcrme,<br \/>suhlt sich in den Qualen<br \/>und vergisst das Recht die Ernte zu bewahren.<br \/>\u00a7 24<br \/>H\u00f6rt, ihr Anarchen,<br \/>h\u00f6rt den Ruf des Bewahrers, der da ruft zum Fasten.<br \/>Die Anarchen kennen keinen \u00dcberfluss, denn ein jeder folgt ganz seiner Zeit,<br \/>um sich zu nehmen, was ein anderer kann geben,<br \/>dass er sich nimmt, was der n\u00e4chste find&#8217;t.<br \/>\u00a7 25<br \/>Als der Mensch die Maschine zertr\u00fcmmerte, da entwich die gebannte Stunde,<br \/>verfing sich im Schatten der letzten Wolke und tat solch frohe Kunde:<br \/>\u201eGefesselt ward ich vielfach sehr,<br \/>geteilt in zw\u00f6lf durch einen,<br \/>gewiss, ich bin zur\u00fcckgekehrt,<br \/>dass alle Tage, alle Jahre ich euch diene und der Ernte Segen ewig w\u00e4hrt.\u201c<br \/>\u00a7 26<br \/>Ein jedes Haus birgt eine Familie, eine jede einen Schatz.<br \/>Ein jedes Dorf birgt einen Sprecher, ein jeder einen Satz.<br \/>Ein jeder gewoben,<br \/>gesponnen im Hause des Bewahrers,<br \/>wo finden Plenen statt,<br \/>zu kl\u00e4ren,<br \/>was es braucht,<br \/>um der Anarchen Leben so annehmlich wie m\u00f6glich zu gestalten.<br \/>Den Schatz, ihr wollt ihn finden? Er liegt im tiefsten Winkel eurer Seele,<br \/>wenn ihr mimt der Hummel klang,<br \/>doch z\u00e4her Honig tropft und tropft und tr\u00fcbt der Nachtigallen Sang.<br \/>\u00a7 27<br \/>Jeder Anarch ist Ausdruck seiner ihm vom Sch\u00f6pfer verliehenen Macht und<br \/>seines Verm\u00f6gens. Jeder Anarch sein eigenes Volk,<br \/>das str\u00f6mt im Rhythmus des Libellentanzes ein ins Hause des Bewahrers,<br \/>um dem Wanderer, dem Feind der geh\u00f6rnten Ratte, zu danken.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/><strong>Zoon Politikon<\/strong><br \/>\u00a7 28<br \/>Im Hause des Bewahrers gibt es zw\u00f6lf Sitze. Elf f\u00fcr die elf Gemeinden des<br \/>Archipels. Der zw\u00f6lfte jedoch ist f\u00fcr den Wanderer, der allzeit Obdach findet,<br \/>wo sich seine Wege kreuzen.<br \/>\u00a7 29<br \/>Ruft der Bewahrer, so versammeln sich die Sprecher und beschlie\u00dfen, was<br \/>der Lauf der Stunde l\u00e4ngst von ihnen eingefordert hat.<br \/>\u00a7 30<br \/>Begeht ein Anarch eine Untat,<br \/>was selten passiert,<br \/>da die Anarchen einander kein Unrecht anzutun brauchen,<br \/>weil ein jeder von Kindesbeinen an lernt,<br \/>dem N\u00e4chsten, dem Anderen,<br \/>Demut zu erweisen,<br \/>so versammeln sich die Sprecher,<br \/>um zu richten.<br \/>\u00a7 31<br \/>Die Anarchen kennen nur die Wahrheit und so muss der T\u00e4ter dem Opfer sein<br \/>Herz \u00f6ffnen, um sein eigen\u2018 T\u00fcr und Tor zu verschlie\u00dfen,<br \/>auf das er mit ihm wandere, bis sich die Wege wieder kreuzen.<br \/>Ger\u00e4t eine Gemeinde in Not,<br \/>so sind die anderen verpflichtet ihre Besten zu entsenden,<br \/>um der Jammer Zwietracht zu beenden.<br \/>\u00a7 32<br \/>Die Anarchen erliegen keiner T\u00e4uschung, denn die Sprecher sind Wesen von<br \/>hohem Stande und entstammen aus der Mitte einer jeder Gemeinde. Jede Familie beherbergt einen Sprecher, denn die Anarchen entscheiden im fairen Spiel, wer ihre Interessen bewahren soll.<br \/>Ihr Schatz ist der Zufall und ihr Sprecher das Gl\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Souver\u00e4nOder,\u00dcber die Indigenialit\u00e4t \u201eDie Zeit dreht sich vorw\u00e4rts. Ich h\u00f6re ihren Klang im Kohlebecken. Ich rieche ihr Kommen in der R\u00e4ucherpfanne. Ich blickte sie von hinten. 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