{"id":17167,"date":"2025-08-13T12:46:34","date_gmt":"2025-08-13T11:46:34","guid":{"rendered":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=17167"},"modified":"2025-08-16T09:09:49","modified_gmt":"2025-08-16T08:09:49","slug":"archipel-der-anarchie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=17167","title":{"rendered":"Archipel der Anarchie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ouvert\u00fcre &#8211; Was, wenn die Revolution zum Mythos wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt einem von der Welt, wenn der Hunger eine neue gebiert?<br \/>Wo steht der Mensch heute;<br \/>und, was noch viel wichtiger ist;<br \/>was verlangt er uns, den alt und spr\u00f6d gewordenen Geistern noch alles ab?<br \/>\u00a7 1<br \/>Der Mensch will weder sterben, noch leiden,<br \/>aber er ertr\u00e4gt das Leben dennoch nicht,<br \/>verdammt zu Unrast und Unleben.<br \/>\u00a7 2<br \/>Sieg dem siegreichen Untod, triumphierend \u00fcber die Zeit.<br \/>Ich sehe wie das aufgedunsene Gehabe<br \/>jener grotesken Antagonisten stolz auf den<br \/>Promenaden im Schein der allzu festlichen Gesten zirkuliert,<br \/>die sich ihm niederwerfenden Massen verschlingend.<br \/>\u00a7 3<br \/>So stellt man mich erneut auf eine Probe dem Kapital den Kampf anzusagen,<br \/>jenem G\u00f6tzen der Pestilenz, um den sich der Plebs dr\u00e4ngt,<br \/>lechzend nach der W\u00e4rme des ersten aller Feuer.<br \/>\u00a7 4<br \/>Ich bin es leid am Weltschmerz zu vergehen,<br \/>will aufwachen aus diesem gr\u00e4sslichen Traum,<br \/>dieser perversen Proklamation einer f\u00fcr beendet gehaltenen Welt,<br \/>die sich selbst von der eigenen Vernichtung abh\u00e4lt,<br \/>die Wahrheit mit einer L\u00fcge nach der anderen verschleiert.<br \/>Wie also brechen den Bann?<br \/>Rammt euch die Messer zwischen die weichen Knochen,<br \/>in die feisten B\u00e4uche und schwingt euch empor zu den Sternen,<br \/>denn euch wurde alles genommen, au\u00dfer die Gewissheit einsam zu sein.<br \/>\u00a7 5<br \/>Ebenso viel habe ich f\u00fcr seine Apostel \u00fcbrig,<br \/>Apologeten einer apathischen Apartheid<br \/>mit Sinn f\u00fcr den wohl gr\u00f6\u00dften Frevel meiner Zeit;<br \/>Kurzsichtigkeit.<br \/>Denn wenn er kommt,<br \/>der Krieg aller gegen alle,<br \/>gibt es keine R\u00fcckschau mehr.<br \/>\u00a7 6<br \/>Welch\u2018 ein Hundesystem, sich selbst Wohlfahrt schimpfend.<br \/>Ich bin es leid zu produzieren und zu konsumieren.<br \/>Produktion und Konsum sind untrennbar verflochten.<br \/>So spinnt die Traumspinne ihren Faden um die scheidende Vernunft;<br \/>zieht die Schlinge stramm und f\u00fchrt uns am Seidenstrang in die Unm\u00fcndigkeit.<br \/>\u00a7 7<br \/>Ich k\u00fcnde das Ende der alten Welt,<br \/>die stirbt doch keine Erlaubnis dazu hat,<br \/>gar nicht f\u00e4hig dazu ist,<br \/>weil wir es nicht sind.<br \/>\u00a7 8<br \/>Welch\u2018 Schmach den eigenen Tod bis ins kleinste Atom zu spalten,<br \/>auf, dass sich ein jeder den Verlust der eigenen Leibhaftigkeit herbeisehnt.<br \/>Das Kapital ist zum Sterben verdammt und mit ihm die anhaftende Menschheit.<br \/>Es will zu seinem unsteten Siechtum zur\u00fcck.<br \/>Doch der Mensch verkraftet die Fluten des Abgrundes nicht.<br \/>Zu klein ist sein Verstand ihn zu fassen.<br \/>Und so treibt er im pechverklebten Urstrom der Selbstvergessenheit.<br \/>Das Kapital bringt nichts als die kosmische Unruhe \u2013 das ist sein Urseinsgrund.<br \/>Es ist nicht dazu bestimmt zu verweilen,<br \/>an der Sch\u00f6nheit der Sch\u00f6pfung derweil sinnliche Freuden zu versp\u00fcren.<br \/>Das Kapital kennt kein Leben,<br \/>aber doch braucht es dies,<br \/>um ja nicht von der Erde zu scheiden,<br \/>damit es zum Abgrund, aus dem es entschwunden ist, zur\u00fcckkehren kann.<br \/>Alles Heilige ist ihm fremd und so wird es alles was uns dereinst teuer und<br \/>lieb ist;<br \/>die Herrschaft, die Sch\u00f6pfung, die Liebe, den Gott<br \/>und sogar den eigenen Tod konsumieren und reproduzieren,<br \/>bis letztlich alle Substanz der Seele zerm\u00fcrbt ist.<br \/>\u00a7 9<br \/>Ja, es saugt sich fest an jedem Seelentrieb<br \/>und absorbiert unsere erbauliche Schaffenskraft,<br \/>genauer seine Genuit\u00e4t.<br \/>Kapital hat keine Seele<br \/>und vor Neid erz\u00fcrnt hat es sich zur Aufgabe gemacht sie zu beherrschen.<br \/>Wehe, der wache Beobachter entzieht sich seinem Einfluss.<br \/>Kapital hei\u00dft Abh\u00e4ngigkeit.<br \/>\u00a7 10<br \/>Der Mensch wurde nicht geschaffen das Unleben der Leere zu ertragen,<br \/>die es in alle Herzen rei\u00dft<br \/>und so w\u00e4hlt er, besten Gewissens dieser Welt etwas Gutes getan zu haben,<br \/>den Freitod.<br \/>\u00a7 11<br \/>Was \u00fcbrig bleibt, ist die Wut.<br \/>H\u00fctet euch vor den H\u00fctern der Ordnung,<br \/>denn damit die alte Welt sterben kann,<br \/>muss alle Ordnung fallen,<br \/>denn sie h\u00e4lt die Wut nicht aus, im Wissen, dass ihre Zeit gekommen ist.<br \/>Also greift sie zur Kontrolle.<br \/>Das Endstadium des Kapitals.<br \/>Ich ertrage meine Wut nicht mehr.<br \/>Ich bin es leid dieser Welt einen letzten Schrei entgegenzusetzen,<br \/>bevor ich in meine eigene fl\u00fcchte.<br \/>Die alte Welt wird sterben<br \/>und so bleibt mir nichts anderes \u00fcbrig in eine jenseits der Wirklichkeit zu<br \/>fliehen.<br \/>\u00a7 12<br \/>Ich bin weder Wirtschafts- noch Kriegsfl\u00fcchtling,<br \/>geschweige denn, dass ich um Leib und Leben f\u00fcrchten muss.<br \/>Nein,<br \/>ich fl\u00fcchte in die Dimensionen der Phantasie und Kreativit\u00e4t,<br \/>weil ich zu den unvern\u00fcnftig Privilegierten meines Standes geh\u00f6re,<br \/>denen sie noch nicht genommen wurde,<br \/>restriktiv ausgesaugt der Zwecklosigkeit und dem Hohn am Pranger preisgegeben,<br \/>unf\u00e4hig von einer besseren Welt zu tr\u00e4umen.<br \/>\u00a7 13<br \/>F\u00fcrwahr bedarf es einer Reaktion der Unterdr\u00fcckten, ihrer Phantasie beraubten;<br \/>der Entrechteten Spieler, T\u00e4nzer, Maler, Denker und Schreiber,<br \/>kurzum jeder der der Welt noch Demut vor dem Einen erweisen kann.<br \/>Die Lethargiker herrschen \u00fcber die Schaffenden;<br \/>und die Depression \u00fcber den Frohsinn.<br \/>\u00a7 14<br \/>Kreative aller Welten, vereinigt euch,<br \/>auf dass wir jedes einzelne Muster, jede Faser,<br \/>jede nur erdenkliche Form dekonstruieren,<br \/>die Illusion der Gequ\u00e4lten Stein f\u00fcr Stein abtragen;<br \/>und die Schleier frohlockend zerrei\u00dfen,<br \/>um sie nach unseren Vorstellungen neu zu erbauen und mit Liebe zu erf\u00fcllen.<br \/>Baut auf das neue Haus der Zusammenkunft.<br \/>Rei\u00dft sie ein, die Grenze zwischen der Wirklichkeit und der Phantasie.<br \/>H\u00f6ret, haltet euch bereit f\u00fcr die gro\u00dfe Beseelung;<br \/>Ja,<br \/>befreit euch vom Joch der Abh\u00e4ngigkeit.<br \/>\u00a7 15<br \/>Wer waren wir so blind und taub \u2013 so gierig \u2013<br \/>uns dem Strom hinzugeben \u2013 die uns erteilte und verliehene \u2013 Verantwortung,<br \/>an die geh\u00f6rnte Ratte abzugeben.<br \/>H\u00f6rt von der kommenden Welt,<br \/>die ich euch nun k\u00fcnde,<br \/>auf dass ihr mit mir, die ihr noch Willens seid,<br \/>das Schiff Richtung Eden besteigt.<br \/>Unsere Wiederkehr ist ungewiss.<br \/>\u00a7 16<br \/>Es ist Zeit die Reise \u00fcber den Abgrund anzutreten.<br \/>Noch seid ihr in Fesseln,<br \/>beseelt vom garstigen Geist der Maschine.<br \/>Denn die Maschine ist das geliebte Kind der geh\u00f6rnten Ratte.<br \/>Gei\u00dfelt euch nicht noch selbst f\u00fcr eure eigene Unm\u00fcndigkeit;<br \/>daf\u00fcr seid ihr erhabenen Subjekte viel zu schade.<br \/>Zerschlagt mit aller Macht,<br \/>mit der ihr euch Tag um Tag peinigt und den Kopf zermartert,<br \/>mit der ihr euch hetzt,<br \/>die Maschine<br \/>und verjagt die geh\u00f6rnte Ratte,<br \/>zur\u00fcck in die Tiefen der Erde,<br \/>aus der sie im schwelenden Schwefelkleid<br \/>und mit ihr die den Planeten befallende Pestilenz emporgestiegen war.<br \/>Dann seid ihr frei! Ihr habt einzig euer Leben zu verlieren,<br \/>den Tod aber zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><\/strong><strong>Die Kellerassel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dicker Rauch,<br \/>d\u00fcnner Bauch,<br \/>Bombenhagel,<br \/>wei\u00dfer Spargel,<br \/>Fliegen durch das Hinterland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Hosenlatz<br \/>und Gummifratz,<br \/>Feuerflamme,<br \/>von der Stange,<br \/>liegen Leichenteile quer verstreut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Sch\u00fctzengraben,<br \/>Unbehagen,<br \/>Steuerkn\u00fcppel<br \/>f\u00fcr die Kr\u00fcppel,<br \/>such das Heu im Nadelhaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Alles gut,<br \/>alles neu,<br \/>denn die Fliegen wern dich kriegen<br \/>und die Investoren feinen Schnaps.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Auf das Leben,<br \/>einen heben,<br \/>denn was bleibt dir,<br \/>du Soldat,<br \/>wenn die Anstalt vor dir schwebt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>High-Performer,<br \/>Kugelnormer,<br \/>Bildschirmschoner,<br \/>Plastekloner,<br \/>druckst du auch den Ausdruck und Geschrei?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Und der Krieg,<br \/>der mir lieb,<br \/>mit Bedauern<br \/>an den Mauern,<br \/>aufgehoben,<br \/>wie verlogen,<br \/>wird der Grund f\u00fcr Gr\u00fcnde sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Und der Mund,<br \/>bunter Hund,<br \/>Ungeheuer,<br \/>teuer teuer,<br \/>redet sich in Rage rein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Fliederbl\u00fcte,<br \/>Gott beh\u00fcte,<br \/>nicht sehr kurz<br \/>der Pulverfurz,<br \/>Fallen in der Hinterhand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Und der Friede,<br \/>der so pr\u00fcde,<br \/>schl\u00e4gt besonders aufs Gem\u00fcte,<br \/>wenn ich ihn im Sommerschlussverkauf<br \/>nur kriege. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Lied<\/strong>,<br \/>wie zwei Schneeflocken, die fallen,<br \/>wei\u00dfem Rauschen bei Mitternacht lauschend,<br \/>verzahnt.<br \/>Ein Hauchen sie durchhuschend.<br \/>Rauchend tr\u00e4umt ein Sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leise floss das Lied, das man der alten Tage wegen \u00f6fter anstimmte, aus<br \/>dem mit Holzapfel bewehrten Telekopf, wie zwei Schneeflocken, die fallen.<br \/>Zwei Schneeflocken, die fallen\/<br \/>Verklemmt\/<br \/>Einander, nimmer auseinander\/<br \/>Gehemmt\/<br \/>Wandern immer\/<br \/>Und m\u00e4andern\/<br \/>Liebe, die im Leib entbrennt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war wie ein ewiger Herbst, als sie beisammen Kartoffeln<br \/>sch\u00e4lten und \u00fcber die Helden der Arbeit sangen, da dr\u00f6hnten aus dem<br \/>Geb\u00fcsch heraus zwei Lichter, wie zwei Schneeflocken, die fallen, einander nie ber\u00fchrend; man vertraute auf die Sicherheit des Lichtes,<br \/>mit der Gewissheit man werde schon selbst in der bei einem sitzenden<br \/>Dunkelheit leuchten. Pustekuchen; schade um die erbeuteten<br \/>Kartoffeln, die zertreten nun den Park d\u00fcngen. Die Beine in die Hand<br \/>genommen, \u00fcberlegen, um des \u00dcberlebens Willen, st\u00fcrmten Bertram,<br \/>Wladimir und die anderen ein jed in eine Richtung, Hand in<br \/>Hand, wie zwei Schneeflocken, die fallen, preschend auf Toyotascheiben<br \/>klatschen, wenn der Wind sie erfasst, den Lichtern ausweichend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Lied, wie zwei Schneeflocken,<br \/>die fallen.<br \/>Wie Wildg\u00e4nse \u00fcber W\u00fcsten flattern.<br \/>Ein Lied,<br \/>wie Hasenhoppeln<br \/>auf der Bundesstra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/>Ein Lied, wie zwei Schneeflocken,<br \/>die fallen.<br \/>Zankend sie beisammen,<br \/>unentwegt,<br \/>wie Quallen,<br \/>nesselspitz verfangen,<br \/>gleich Kristallen in der Nase.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ouvert\u00fcre &#8211; Was, wenn die Revolution zum Mythos wird? Was bleibt einem von der Welt, wenn der Hunger eine neue gebiert?Wo steht der Mensch heute;und, was noch viel wichtiger ist;was verlangt er uns, den alt und spr\u00f6d gewordenen Geistern noch alles ab?\u00a7 1Der Mensch will weder sterben, noch leiden,aber er ertr\u00e4gt das Leben dennoch nicht,verdammt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1319,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_seo_schema_type":"","_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[59],"tags":[110,109,84,33,106,105,108,48],"class_list":["post-17167","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-panphobie","tag-avantgarde","tag-experiment","tag-lyrik","tag-mythos","tag-postdigital","tag-postmoderne","tag-religion","tag-satire"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":16068,"url":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=16068","url_meta":{"origin":17167,"position":0},"title":"DER SCHWERE FLUSS VERSINKT","author":"Urszula Benka","date":"24. 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