{"id":16059,"date":"2023-01-20T16:37:46","date_gmt":"2023-01-20T15:37:46","guid":{"rendered":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=16059"},"modified":"2023-01-20T16:37:46","modified_gmt":"2023-01-20T15:37:46","slug":"echo-auf-ilse-aichinger-fuer-das-neue-jahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=16059","title":{"rendered":"Echo auf: Ilse Aichinger, F\u00fcr das Neue Jahr"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Welcher Augenblick wird auch an einem weniger spektakul\u00e4ren als dem Silvestertag zuletzt oder kurz vor zuletzt kostbar gewesen sein? Wer wird die Schatten, die fallen, in solche verwandeln, die einem auf die Spr\u00fcnge helfen? Auch am Jahresanfang nehmen nur wenige ihre Entscheidungsm\u00f6glichkeiten wahr oder werden dazu ermutigt. Schatten aus dem letzten Jahr sind ihnen geblieben, aber es k\u00e4me darauf an, sie abzuwerfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(In: Ilse Aichinger, Unglaubw\u00fcrdige Reisen)<\/p>\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mein Dorf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man mich fragt, was ich mehr in Griechenland vermisse, dann ist die Antwort immer mein Dorf. Viele Leute fragen mich: Ist es nicht langweilig, in der Wildnis zu sein? Gef\u00e4llt es dir, so weit von der Stadt entfernt zu sein? Ich bin ein Stadtkind, ja. Ich liebe meine Stadt so sehr und bevorzugte schon immer Gro\u00dfst\u00e4dte. Aber was das Dorf mir bietet, das bietet die Stadt nicht, oder? Die Landschaften, die ich in meinem Dorf sehe, und die N\u00e4he zur Natur, zu den Bergen, zu den Tieren sind ein einzigartiges Gef\u00fchl. Schon die Fahrt ins Dorf ist eine Augenweide. Meer, ausgedehnte W\u00e4lder und der st\u00e4ndige Gesang der V\u00f6gel. Ich denke, diese Fahrt ist der sch\u00f6nste Moment des Tages. Ich f\u00fchle mich ruhig und friedlich. Auf dem Dorf bleibe ich aber nicht ruhig. Ich helfe meinem Opa \u00a0auf den Feldern, verbringe viel Zeit mit unseren Hunden und besuche Tanten und Onkel, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Aber das ist nicht f\u00fcr jeden Menschen etwas Sch\u00f6nes. An einem Ort nur von Verwandten umgeben zu sein, ist etwas, das viele Menschen vermeiden. Aber das st\u00f6rt mich nicht. Morgens aufzuwachen und mit Opa auf den Feldern, hoch oben in den Bergen, bis zum Sonnenuntergang zu wandern, ist f\u00fcr mich erfrischend. Solche Momente sind kostbar. Mit meinen Cousins und Cousinen auf dem rauen Terrain der H\u00fcgel zu sitzen, zu reden und gleichzeitig das endlose Gr\u00fcn und den Geruch von Erde und Olivenb\u00e4umen zu genie\u00dfen. Wir wussten, dass diese Landschaften bei unserer R\u00fcckkehr in die Stadt durch Wohnblocks, den st\u00e4ndigen L\u00e4rm\u00a0und unbekannte Gesichter \u00fcberall ersetzt w\u00fcrden. Deswegen ist dieser Augenblick immer etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches. Etwas Kostbares.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Petros Dramitinos<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hadleigh Castle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sonne scheint und eine leichte Brise weht durch die B\u00e4ume. Der Weg zur Burgruine ist steinig und uneben. Das Meer ist nicht weit, zwischen der Ruine und dem Strand liegt nur die Bahnstrecke. Wir laufen zu dem einzigen Turm, der noch steht. Auf dem Weg dorthin laufen wir an der Mauer vorbei, hinter der man noch hinunter in die Kerker sehen kann. Der Stein ist von der Sonne ganz warm und br\u00f6ckelig. Wir setzen uns ins trockene Gras. Es piekst und bleibt an unserer Haut kleben, aber das st\u00f6rt uns nicht. Wir breiten ein Handtuch auf dem Boden aus und legen das Baby darauf, das sich lachend hin- und her w\u00e4lzt, als wir es kitzeln. Es ist ruhig um uns, um diese Uhrzeit sind nicht mehr viele Menschen dort. Ein Hund rennt um uns herum, hechelnd und mit dem Schwanz wedelnd. Genauso gl\u00fccklich wie wir alle, froh, an einem so sch\u00f6nen Ort zu sein, sich einfach entspannen zu k\u00f6nnen mit Menschen, die man liebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Lea D\u00f6hms<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Moment der Freundschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist 15:26 Uhr, als unser Flugzeug den Flughafen von Athen erreicht. Ich hatte in der Nacht zuvor kein Auge zutun k\u00f6nnen. Zu gro\u00df war die Aufregung gewesen. Nach vier langen Jahren w\u00fcrde ich sie endlich wiedersehen. Ich w\u00fcrde endlich die Person wiedersehen, die mich die Bedeutung von wahrer Freundschaft lehrte und mir eine zweite Familie schenkte.<br \/>Nach vier langen Jahren w\u00fcrde ich auch das erste Mal wieder nach Athen reisen. Wie wird es wohl sein? Wird sich die Stadt ver\u00e4ndert haben? Wird es sich anders anf\u00fchlen, dort zu sein? Ich sch\u00fcttele den Kopf. Nein. Dies sind keine wichtigen Fragen, und die Antworten darauf sind es auch nicht.<br \/>Wichtig ist nicht die Stadt, sondern die Menschen, die in ihr leben. Was die Menschen mich f\u00fchlen lassen.<br \/>\u201eMeine Damen und Herren, willkommen in Athen.\u201c<br \/>Die Ansage der Flugbegleiterin holt mich in die Gegenwart zur\u00fcck. Die Passagiere fangen an das Flugzeug zu verlassen und in den Bus zu steigen. Die Aufregung wird gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer, je mehr sich der Bus dem Terminal n\u00e4hert. Ich betrete das riesige Geb\u00e4ude und mache mich auf den Weg, meinen Koffer zu holen. \u201eNur noch ein paar Minuten\u201c, denke ich mir und w\u00fcrde am liebsten schreien. Nach ein paar Minuten Wartezeit nehme ich meinen Koffer entgegen und laufe Richtung Ausgang. Und da sehe ich sie schon. Meine Definition von Freundschaft. Ich lasse meinen Koffer fallen und laufe auf sie zu. Sofort liegen wir uns in den Armen, und die Welt scheint f\u00fcr einen kleinen Moment vollkommen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Anna Kandylis<\/em><\/strong><br \/><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welcher Augenblick wird auch an einem weniger spektakul\u00e4ren als dem Silvestertag zuletzt oder kurz vor zuletzt kostbar gewesen sein? Wer wird die Schatten, die fallen, in solche verwandeln, die einem auf die Spr\u00fcnge helfen? Auch am Jahresanfang nehmen nur wenige ihre Entscheidungsm\u00f6glichkeiten wahr oder werden dazu ermutigt. 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