{"id":13589,"date":"2021-01-24T22:13:48","date_gmt":"2021-01-24T21:13:48","guid":{"rendered":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=13589"},"modified":"2022-01-29T09:59:03","modified_gmt":"2022-01-29T08:59:03","slug":"ende-der-zahlenspiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=13589","title":{"rendered":"Die T\u00fccken der Exponentialfunktion"},"content":{"rendered":"<p>Die Z\u00e4hlung der Intensivpl\u00e4tze, d.h. der Betten und des entsprechend ausgebildeten Personals, ist eine vergleichsweise valide Angelegenheit und gelingt jedem Klinikverwaltungsleiter allein mit Hilfe des Kleinen Einmaleins. Als weitaus weniger valide erweist sich der Nachweis eines in\u00adfek\u00adtu\u00f6sen Virus. Im Laufe des Sommers 2020 entbrannte ein heftiger Streit \u00fcber die Aussagekraft von PCR-Tests. In der New York Times vom 30. August wurde in einem Artikel unter dem Titel <i>\u201eYour coronavirus test is positive. Maybe it shouldn\u2019t be\u201c <\/i>\u00fcber die Abh\u00e4ngigkeit der Befunde von der Zahl der Analysezyklen (Cycle treshold, Ct-Wert) berichtet: W\u00e4hrend die Mehrzahl der Labore den Gesund\u00adheits\u00adbeh\u00f6rden lediglich mitteilt, ob der Test ein positives oder negatives Ergebnis habe, werde nicht mitgeteilt, wieviele Zyklen notwendig waren, um zu einem positiven Befund zu gelangen. Die Viruslast verh\u00e4lt sich aber umgekehrt proportional zum Ct-Wert, d.h. je mehr Zyklen erfordlich sind, desto geringer ist die Viruslast. Die Nachricht erreichte am 6. September auch die Tagesschau-Redaktion. Danach schien diese Erkenntnis dort rasch wieder in Vergessenheit zu geraten.<\/p>\n<p>Aus ihr ergeben sich gravierende Unsicherheiten f\u00fcr die Diagnose von Covid. Im PCR-Verfahren wird ein exponentiell wirksamer Verst\u00e4rker eingesetzt: Wenn in einer Probe zu Beginn nur ein einziges RNA-Partikel befindet, das mit dem gesuchten Target \u00fcbereinstimmt, so ver\u00advielfacht das PCR-Verfahren dieses Partikel im ersten Zyklus auf zwei, im zweiten auf vier, im dritten auf 16, im vierten auf 256 usw.<\/p>\n<p><i>Um dem sich allm\u00e4chtig d\u00fcnkenden Herrscher Shihram zu verdeutlichen, da\u00df er ohne sein Volk, ohne Bauern, L\u00e4ufer, Reiter und nicht zuletzt seine Gattin, nur winzige Schritte zu gehen imstande war,&nbsp; erfand der Weise Sissa das Schach\u00adspiel. Der Tyrann fand Gefallen daran, wurde milder und einsichtiger. Zum Dank gew\u00e4hrte er dem Weisen einen Wunsch. Sissa bat den K\u00f6nig, ihn mit einem Weizenkorn auf dem ersten Feld, zwei K\u00f6rnern auf dem zweiten Feld, vier auf dem dritten usw. zu entlohnen. Shihram lachte und war zugleich ver\u00e4rgert \u00fcber die Be\u00adschei\u00adden\u00adheit des Weisen. Wie hatte er sich vom Augenschein t\u00e4uschen lassen! Dem Hofmathematiker gelang es nicht, die gew\u00fcnschte Menge an Weizenk\u00f6rnern auszurechnen, und der Vorsteher der Kornkammern mu\u00dfte gestehen, da\u00df alle Vorr\u00e4te des Reiches nicht aus\u00adreichen w\u00fcrden, um den Wunsch des Weisen zu erf\u00fcllen.<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich \u00fcbersteigt der \u201ebescheidene\u201c Wunsch des Weisen bei 64 Schachfeldern das Tau\u00adsend\u00adfache der heutigen Getreideproduktion. Um ein RNA-Fragment des Coronavirus nachzuweisen, m\u00fcssen die Testlabore nicht ganz so weit gehen. Ihnen gen\u00fcgen zumeist \u201eschon\u201c 39 Analysezyklen bei der Anwendung des PCR-Tests. Ab dem 40. Zyklus verwerfen sie den Befund. Mit jedem Zyklus verdoppelt sich die Zahl des gefundenen Partikels und es vervielfacht sich in der Summe um das Tausend-, Millionen-, Milliarden-, Billionenfache. Die genaue Zahl des PCR-Verst\u00e4rkungseffektes l\u00e4\u00dft sich anhand der geometrischen Summen\u00adformel bestimmen:<\/p>\n<table cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" border=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\"><b>Analysezyklen (Ct)<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td style=\"text-align: center;\" width=\"300\" valign=\"top\"><strong>Vervielfachung des Zielpartikels<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">3<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">31<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">10<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1.023<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">15<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">32.767<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">20<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1.048.575<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">25<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">33.554.431<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">30<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1.073.741.823<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">35<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">34.359.738.367<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">40<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1.099.511.627.775<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"173\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">45<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"300\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">35.184.372.088.831<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 1: Exponentielle Vervielfachung eines gefundenen Partikels bei optimaler Durchf\u00fchrung des PCR-Tests<\/em><\/p>\n<p>Eine Verst\u00e4rkung durch vier bis sechs Zyklen gen\u00fcgt in der Regel, um das Target vom Hinter\u00adgrund\u00adrauschen unterscheiden zu k\u00f6nnen (Kaltenboeck &amp; Wang, 2005). F\u00fcr die Erkennung von Corona\u00adviren\u00ad werden 10 bis 45 Analysezyklen durchgef\u00fchrt. Was bedeutet diese phantastisch anmutende Steigerung der Sensitivit\u00e4t f\u00fcr die Interpretation des PCR-Testergebnisses? Kleinste Mengen k\u00f6nnen so vergr\u00f6\u00dfert werden, da\u00df sie makroskopische Effekte bewirken und zum Beispiel optisch sichtbar werden. Metaphorisch gesprochen wird ein Millivolt auf Hochspannung trans\u00adfor\u00admiert.<\/p>\n<p>Die Zu\u00adw\u00e4chse bei der Expo\u00adnentialfunktion sind gewaltig \u2013 daher fl\u00f6\u00dft eine \u201eexponentielle Ausbreitung\u201c des Virus Angst ein. Und wir k\u00f6nnen dankbar sein \u00fcber eine Regierende, die im Unterschied zu dem Tyrannen aus der Antike davon schon einmal vor langer Zeit in der Schule oder im Studium geh\u00f6rt hat. Nur gilt die Exponentialfunktion nicht allein f\u00fcr die idealisiert dargestellte Ausbreitung eines Virus, sondern auch f\u00fcr die Sensitivit\u00e4t des PCR-Tests: Sie w\u00e4chst mit jedem Zyklus. Und damit verliert der Test seine Validit\u00e4t. Seltsamerweise ist \u00f6ffentlich \u00fcber die Sen\u00adsi\u00adtivit\u00e4t und Spezifit\u00e4t des PCR-Tests in den letzten Monaten viel diskutiert worden \u2013 das wesentlich bedeutsamere Merkmal ist die Validit\u00e4t, d.h. seine sachliche G\u00fcltigkeit: Mi\u00dft der Test, was er zu messen vorgibt \u2013 diese Frage blieb weitgehend unbeachtet.<\/p>\n<p>\u201eHowever, it is important to keep in mind that Ct values, and typically used differences between Ct values of analyte and reference mRNA (Delta Ct), are exponentially related to the number of target copies. Thus, small errors in Delta Ct may become large errors in the ratios. These data underscore the extreme importance of tight control of all parameters and rigorous validation if real-time PCR protocols.\u201d (Bernhard Kaltenboeck &amp; Chenming Wang, 2005)<\/p>\n<p>Jedes Labor legt den Schwellenwert, ab welcher Zyklenzahl man einen positives Testergebnis nicht mehr als positiven Befund interpretiert, selbst fest oder richtet sich nach der Anweisung des jeweiligen Herstellers \u2013 es gibt keine Standardisierung daf\u00fcr. Das RKI wie auch PHE (Public Health England) bezeichnen den Ct-Wert daher als \u201esemiquantitativ\u201c, da er von Labor zu Labor eine andere Gr\u00f6\u00dfe darstellen k\u00f6nne. Wie genau der Ct-Wert mit der Aus\u00adgangs\u00admenge des Targets korreliert, h\u00e4ngt zudem von der Empfindlichkeit, Pr\u00e4zision und Effizienz des im Labor eingesetzten Testkits ab. Aus diesen Gr\u00fcnden riet im August 2020 auch das College of American Pathologists (CAP) zur Vorsicht bei der Interpretation des Ct-Wertes (Rhoads, 2020). Ct-Werte k\u00f6nnen zwischen 3 bis 12 Zyklen in Abh\u00e4ngigkeit von Target (Abstrich), Testkit und La\u00adbor\u00adpraxis schwanken. \u201eW\u00e4hrend der COVID-19-Pandemie ist es f\u00fcr klinische Labore \u00fcblich ge\u00adworden, mehrere RT-PCR-Assays zum Nachweis von SARS-CoV-2 durchzuf\u00fchren. Daher kann die Angabe des Ct-Werts bei allen positiven Ergebnissen verwirrend und irref\u00fchrend f\u00fcr den Auftraggeber sein\u201c, res\u00fcmierte im Oktober 2020 Matthew Binnicker, Direktor der klinischen Virologie an der Mayo Clinic in Rochester.<\/p>\n<p>Das Corman\/Drosten-Papier, das die WHO im Januar 2020 im Schnellverfahren zur Blaupause f\u00fcr die weltweit durchgef\u00fchrten Corona-PCR-Tests erhob, beinhaltete 45 (!) Analysezyklen. In ihrem Artikel stellte die New York Times im Sommer 2020 fest, da\u00df die meisten Labore den Schnitt bei 40 Zyklen ansetzten, einige wenige bei 37. Zu \u00e4hnlichen Ergebnissen kam eine kanadische Forschungs\u00adgruppe zur Diagnostik von Covid-19: In Kanada lag das Cutoff-Kriterium f\u00fcr einen Positiv\u00adbefund zwischen einem Ct-Wert von 36 und 40 (LeBlanc et al., 2020). Ein von der WHO akkreditierter, chinesischer PCR-Testkit-Hersteller gib in der Bedienungs\u00adan\u00adlei\u00adtung vor, da\u00df ein Ergebnis bis zu einem Ct-Wert von 37 als Positivbefund und erst ab einem Ct-Wert von 40 als Negativbefund zu inter\u00adpretiert werden soll, Werte dazwischen seien als Grauzone zu deuten (Jiangsu Bioperfectus Technologies).<\/p>\n<p>Dennoch stellt der Ct-Wert bei aller labortechnischen Variation ein Ma\u00df dar, dem eine klinische Bedeutsamkeit zukommt. Bereits im Fr\u00fchjahr 2020 zeigten einige Studien, da\u00df Patienten in den ersten Tagen der Infektion Ct-Werte unter 30 und oft unter 20 haben, was auf eine hohe Viruslast hinweist; wenn das Immun\u00adsystem das Coronavirus bek\u00e4mpft, steigen die Ct-Werte allm\u00e4hlich an. Eine Meta-Analyse \u00fcber 18 Studien, die im Juli in <i>Infectious Diseases and Therapy<\/i> erschien, fand signifikante Korrelationen zwischen Ct-Werten und der Schwere der Erkrankung sowie zwischen Ct und dem Vorhandensein biochemischer Indikatoren im Blutbild (Rao et al., 2020). Auch in neueren Studien wurde be\u00adobachtet, da\u00df eine h\u00f6here Viruslast die Ansteckungsf\u00e4higkeit stark beeinflussen und den Schweregrad der Erkrankung vorhersagen kann. So untersuchten Forscher um Bernard La Scola, Experte f\u00fcr Infektions\u00adkrankheiten am IHU-M\u00e9diterran\u00e9e Infection, 3790 positive Proben mit bekannten Ct-Werten darauf, ob sie lebensf\u00e4hige Viren enthielten. La Scola und seine Kollegen fanden heraus, da\u00df bei 70% der Proben ein Ct-Wert von 25 oder darunter ausreichte, um zu einem positiven Testergebnis zu gelangen. Dagegen enthielten weniger als 3% der F\u00e4lle mit Ct-Werten \u00fcber 35 vermehrungsf\u00e4hige Viren (Jaafar et al. 2020). Zudem wiesen etwa 40% der Personen, bei denen eine hohe Viruslast (Ct-Wert &lt; 25) festgestellt wurde, keine klinischen Symptome auf und blieben ge\u00adsund.<\/p>\n<p>Das amerikanische <i>Center for Desease Control<\/i> (CDC) empfahl im Som\u00admer daher einen Schwel\u00adlen\u00adwert von 33 Zyklen. Tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich w\u00e4ren 85-90% der im Juli in Mas\u00adsa\u00adchusetts als positiv gewerteten Coronatests bei einem Ct-Wert von 30 negativ ausgefallen. Das RKI riet im September, Personen mit einem positiven Testergebnis, das mit einem Ct-Wert von 30 oder h\u00f6her zustande gekommen sei, aus der Quarant\u00e4ne zu befreien. Laut Tagesschau wurde dies aber nur in Schwerin auch so praktiziert \u2013 in den meisten deutschen Kommunen erfahren die Gesund\u00adheits\u00e4mter den Ct-Wert gar nicht.<\/p>\n<p>Kary Mullis, der Erfinder des PCR-Tests, warnte \u2013 im Zusammenhang seiner umstrittenen Thesen zum HI-Virus \u2013 vor einer Gleichsetzung von positivem Testergebnis und klinischem Befund: Mit dem PCR-Test ist es m\u00f6glich, positiv getestet zu werden, ohne krank oder infektu\u00f6s zu sein. \u201eDie PCR hat alles revolutioniert. Sie hat die Molekularbiologie wirklich stark gemacht \u2013 was dann auch andere Bereiche ver\u00e4ndert hat, sogar weit entfernte wie \u00d6kologie und Evolution &#8230; Es ist unm\u00f6glich, den Einflu\u00df der PCR zu \u00fcbersch\u00e4tzen. Die F\u00e4higkeit, so viel DNA einer bestimmten Sequenz zu erzeugen, wie man will, ausgehend von ein paar einfachen Chemikalien und einigen Tem\u00ad\u00adpera\u00adtur\u00e4nderungen \u2013 das ist einfach magisch\u201c, wird David Bilder, Moleku\u00adlarbiologe in Berkely, in einem kritischen Nachruf auf Mullis zitiert. In einem Interview, das auf der Homepage von Kary Mullis zu finden ist, charakterisiert David Jay Brown die weiteren Einsatzgebiete der PCR wie folgt: \u201eSie hat nicht nur die Genforschung revolutioniert, sondern auch die Popkultur und die Science-Fiction be\u00adeinflu\u00dft. Da die PCR die F\u00e4higkeit besitzt, DNA aus Fossilien zu extrahieren, war sie die theoretische Grundlage f\u00fcr den Kinofilm <i>Jurassic Park<\/i>. Tats\u00e4chlich ist die PCR die Grundlage f\u00fcr eine v\u00f6llig neue wissen\u00adschaft\u00adliche Disziplin, die Pal\u00e4obiologie.\u201c Dar\u00fcberhinaus findet die PCR in der Forensik An\u00adwen\u00addung bei der Herstellung genetischer Fingerabdr\u00fccke, DNA-Tests (z.B. auch bei Mordopfern) oder Vaterschaftstests \u2013 Fragen also, bei denen es gerade nicht um ver\u00admeh\u00adrungs\u00adf\u00e4hige DNA-Sequenzen in lebenden Organismen geht.<\/p>\n<p>Wenn im Laufe der Corona-Pandemie behauptet wurde, da\u00df sich das Virus mit exponentieller Geschwindigkeit ausbreite, wurde nicht erw\u00e4hnt, auf welcher Anzahl von Analysezyklen die Messung des Virus beruhte. In einem Appell vom 21.1.2021 forderte die WHO die Labore auf, die Bedienungs\u00adan\u00adleitungen der PCR-Test-Kits gr\u00fcndlicher zu lesen, das klinische Erscheinungsbild der getesteten Personen in die Interpretation der Ergebnisse ein\u00adzu\u00adbe\u00adziehen, wie es vorgeschrieben ist, und die Schwellen\u00adwerte nur in begr\u00fcndeten Einzelf\u00e4llen manuell zu \u00e4ndern. Eine zugegeben recht skurrile Forderung der WHO.<\/p>\n<p>Wird der PCR-Test als diagnostisches Hilfsmittel in der Infektionsmedizin lediglich dichotom (\u201epositiv\u201c vs. \u201enegativ\u201c) ausgewertet, hat er wegen seiner \u00fcber\u00adsteuer\u00adbaren Sensitivit\u00e4t ein Vali\u00addi\u00adt\u00e4ts\u00adproblem: Er mi\u00dft keine Infektion, sondern das Vor\u00adhan\u00adden\u00adsein von Target-Partikeln, unabh\u00e4ngig von der Frage, ob diese ein vermehrungsf\u00e4higes Virus darstellen. \u201eHowever, RT-PCR does not distinguish between infectious and non-infectious virus\u201c, res\u00fcmierten Singanayagam et al. (2020) in ihrer Studie zur Dauer der Nachweisbarkeit von Coronaviren im PCR-Test. Die Autoren konnten bei Mehrfachtestungen in einer Zeitspanne \u00fcber 20 Tage bei 425 Patienten mit klinischer Symptomatik und positivem PCR-Ergebnis zeigen, da\u00df der Ct-Wert im Laufe der Zeit zunahm, d.h. sich die Viruslast verringerte. Nur aus 10% der Proben, die bei einem Ct-Wert \u00fcber 35 positiv wurden, lie\u00dfen sich vermehrungsf\u00e4hige Viren anz\u00fcchten. Zu einem \u00e4hnlichen Resultat gelangte eine Forscher\u00adgruppe von der Chung-Ang Universit\u00e4tsklinik in Seoul (S\u00fcdkorea),&nbsp;ver\u00f6ffentlicht am 27. Januar 2021 im New England Journal of Medicine: \u201eVom ersten Auftreten der Symptome lie\u00dfen sich im Median sieben Tage&nbsp; lang (95 %-Konfidenzintervall [KI], 5 bis 10) vermehrungsf\u00e4hige Viren\u00adkulturen be\u00adobachten, in der RT-PCR waren sie dagegen 34 Tage nachweisbar (untere Grenze des 95-%-KI, 24 Tage). Die l\u00e4ngste lebende Viruskultur war zw\u00f6lf Tage nach Symptombeginn festzustellen (bei Patient 6). Nach Abklingen des Fiebers wurden lebensf\u00e4hige Viren noch bis zu drei Tagen identifiziert (bei Patient 14). Die Virenkulturen waren <i>nur in Proben mit einem Zyklus-Schwellenwert von 28.4<\/i> <i>oder weniger<\/i> positiv &#8230; Unsere Ergebnisse k\u00f6nnen bei der Festlegung von Isolationszeiten f\u00fcr Patienten mit Covid-19 und bei der Absch\u00e4tzung des Risikos einer sekund\u00e4ren \u00dcbertragung bei engen Kontakten im Rahmen der Vertragsverfolgung hilfreich sein. Angesichts der kleinen Stichprobengr\u00f6\u00dfe, des inkonsistenten Zeitpunkts der Probenentnahme und der relativ milden Erkrankung der teilnehmenden Patienten sollten unsere Er\u00adgebnisse in gr\u00f6\u00dferen und vielf\u00e4ltigeren Patientengruppen verifiziert werden.\u201c (Kim et al., 2021)<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ber\u00fccksichtigung hoher Zyklenwerte spricht, da\u00df damit eine Infektion einer\u00adseits bereits im Fr\u00fchstadium und andererseits auch noch im Sp\u00e4tstadium, wenn das Virus bereits vom Rachen in die Lunge gewandert ist, erkannt werden kann. Tats\u00e4chlich ist die Viruslast bei Covid-Patienten etwa vom zweiten Tag vor dem Sichtbarwerden von klinischen Symptomen bis zum f\u00fcnften Tag nach dem ersten Auftreten von Symptomen am h\u00f6chsten. So argumentierte die amerikanische F.D.A. (Food and Drug Ad\u00admini\u00adstration) im Sommer 2020 f\u00fcr die Beibehaltung der hohen Ct-Schwellenwerte.<\/p>\n<p>Dem ist entgegenzuhalten, da\u00df auf diese Weise eine erhebliche An\u00adzahl falsch-positiver Test\u00ader\u00adgeb\u00adnisse in Kauf genommen wird: Es werden Menschen als \u201einfektu\u00f6s\u201c stig\u00admatisiert, die es in Wirklichkeit nicht sind. Die Steierm\u00e4rkische Kranken\u00adanstalten\u00adgesellschaft stellte daher im Oktober 2020 unmi\u00dfverst\u00e4ndlich fest: \u201eDa mittels PCR nur die virale RNA und nicht das gesamte, intakte Virus detektiert wird, ist ein SARS-Cov2-RNA-Nachweis nicht automatisch gleichzusetzen mit Infektuosit\u00e4t oder An\u00adsteckungsf\u00e4higkeit des Patienten.\u201c<\/p>\n<p>Dabei lassen sich falsch-positive Befunde mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschlie\u00dfen, wenn man Personen mit einem positiven Ergebnis bei hohem Ct nach einigen Stunden noch einmal testet \u2013 tragen sie tats\u00e4chlich ein lebensf\u00e4higes Virus in sich, dann w\u00fcrde es sich innerhalb dieser Zeit stark vermehren und bereits nach etwa 10 bis 15 Zyklen sichtbar werden. So empfiehlt die Steier\u00adm\u00e4rkische Krankenanstaltengesellschaft die Entlassung aus der Absonderung, wenn im Abstand von mindestens 48 Stunden zweimal nur ein Ct-Wert &gt; 30 zustande kam. Die fehlende Standardisierung der PCR-Tests insbesondere hinsichtlich des Ct-Wertes f\u00fchrte Michael Mina et al. (2021) in der renommierten <i>Lancet <\/i>zu der Einsch\u00e4tzung: \u201eF\u00fcr Ma\u00dfnahmen der \u00f6ffentlichen Gesundheit ist ein anderer Ansatz erforderlich. Tests, die helfen sollen, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu ver\u00adlang\u00adsamen, fragen nicht, ob jemand RNA von einer fr\u00fcheren Infektion in der Nase hat, sondern ob er heute infekti\u00f6s ist. Es ist ein Verlust f\u00fcr die Gesundheit, das soziale und wirtschaftliche Wohl\u00adergehen von Gemeinschaften, wenn postinfekti\u00f6se Personen positiv getestet und f\u00fcr 10 Tage isoliert werden. Unserer Ansicht nach ist der aktuelle PCR-Test daher nicht der geeignete Gold\u00adstandard eines SARS-CoV-2-Tests f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit.\u201c (Dt. VK)<\/p>\n<p>Eine akute Dringlichkeit hat im ersten Schritt die Verpflichtung der Labore, den Ct-Wert \u2013 auch wenn er nicht exakt vergleichbar ist und bei mehreren angewandten Testkits verwirrend erscheinen sollte \u2013 an die Gesundheitsbeh\u00f6rden zu melden. Solange die Ct-Werte unbekannt sind, k\u00f6nnen sie f\u00fcr die Entscheidungsfindung nicht ber\u00fccksichtigt werden. V\u00f6llig unverst\u00e4ndlich ist zudem, da\u00df das RKI seiner eigenen Empfehlung nicht nachkommt und nur Positivbefunde bei einem Ct-Wert unter 30 in die Coranastatistik aufnimmt. Bei allen methodischen Unsicherheiten w\u00fcrde die Validit\u00e4t der seit M\u00e4rz 2020 angeh\u00e4uften Zahlen erheblich wachsen. Bislang ist die wahre Ver\u00adbrei\u00adtung des Virus in Deutschland unbekannt. Ein Skandal angesichts der fortgesetzten Suspendierung fast aller Grundrechte! Erst im Oktober startete das RKI in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) eine repr\u00e4sentative Pr\u00e4\u00adva\u00adlenzstudie, die Coronabefunde aus PCR-, Antigen- und Antik\u00f6rpertests mit sozio\u00f6konomischen Daten von ca. 34.000 Erwachsenen verkn\u00fcpfen soll.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich dagegen wurden bereits Ende April, Ende Mai und Mitte November 2020 Baseline\u00adstudien zu der von COVID-19 betroffenen Bev\u00f6lkerung von Statistik Austria im Auftrag des Wissen\u00adschaftsministeriums und in Zusammenarbeit mit dem \u00d6sterreichischen Roten Kreuz sowie der Medizinischen Universit\u00e4t Wien durchgef\u00fchrt. Dabei ergab die Hochrechnung, da\u00df Ende April etwa 0.15% der Bev\u00f6lkerung infiziert war. Ende Mai lag die Zahl der Infizierten bereits unterhalb der statistischen Nachweisgrenze. Von 1.279 verwertbaren PCR-Proben wurde keine einzige positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Im November 2020 wurden zus\u00e4tzlich Blutproben entnommen, um Antik\u00f6rper festzustellen. 3.1% der \u00f6ster\u00adreichischen Bev\u00f6lkerung wiesen einen aktuell positiven PCR-Test auf, bei 4.7% waren Antik\u00f6rper nachweisbar. Be\u00admer\u00adkens\u00adwert ist, da\u00df 61% dieser F\u00e4lle den Gesundheitsbeh\u00f6rden bisher nicht bekannt waren, also der Dunkelziffer zu\u00adzu\u00adrechnen sind. Im Gesamtergebnis zeigt sich, da\u00df bei einer derart geringen Ver\u00adbrei\u00adtung des Coronavirus von einem erheblichen Pr\u00e4valenzfehler, d.h. einer hohen Zahl falsch-positiver Befunde bei der Ersttestung, auszugehen ist.<\/p>\n<p>Die fehlende Standardisierung der Testkits, Schwellenwerte, Laborroutinen und nicht zuletzt der sogenannten \u201eTeststrategien\u201c in den einzelnen L\u00e4ndern entzieht der internationalen Ver\u00adgleich\u00adbarkeit der Coronadaten die Grundlage. Tabellen, S\u00e4ulen\u00addiagramme, Farbkarten etc., in denen ver\u00adschiedene Regionen miteinander ver\u00adglichen werden \u2013 wie es in den Nachrichtensendungen seit 2020 gang und g\u00e4be ist, sind wissenschaftlich unredlich. In einem ZDF-Interview vom 23. No\u00advem\u00adber 2020 bezeichnete der renommierte Infektionsmediziner Wolfgang Schrappe die bisher er\u00adho\u00adbe\u00adnen Co\u00adrona\u00adzahlen als wertlos: \u201eDie t\u00e4glich erhobenen Infektionszahlen sind vom Nebel nicht weit entfernt. Wir testen 1.5 Millionen Leute in der Woche und haben meinetwegen 120 000 Test-Positive, aber wenn man 2.5 Millionen Leute testen w\u00fcrde, wie viele h\u00e4tten wir dann? Das hat keine Basis. Die Zahlen sind \u2013 also wir dr\u00fccken uns mittlerweile relativ deutlich aus \u2013 das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist. Und schon gar nicht k\u00f6nnen Sie damit Politik steuern. Diese Zahlen werden erhoben und dann auf die gesamte Bev\u00f6lkerung umgerechnet, ohne einzuberechnen, wie viele in der Gesamtbev\u00f6lkerung denn noch zus\u00e4tzlich vielleicht infiziert sind. Diese Zahlen sind nichts wert.\u201c Sie eignen sich weder zur individual\u00addiag\u00adno\u00adstischen Abkl\u00e4rung, wie infektu\u00f6s die einzelne \u201epo\u00ads\u00aditiv getestete\u201c Person ist, noch zur ge\u00adsund\u00adheitspolitischen Steuerung der Pandemie\u00adbe\u00adk\u00e4mpfung: Die als \u201epositiv\u201c interpretierten Ergebnisse der in Wirklichkeit falsch-positiv getesteten Personen belasten die Gesundheits\u00e4mter und erschweren oder verhindern die Kon\u00adtakt\u00adnach\u00adver\u00adfolgung der wirklich infektu\u00f6sen Personen. Zudem werden massenhaft Menschen mit falsch-positivem Ergebnis zu Unrecht in Quarant\u00e4ne geschickt.<\/p>\n<p>Die Orientierung an invaliden Testergebnissen wirft damit grundlegende rechtliche Fragen auf.&nbsp; Nicht nur die massenhaft von den Gesundheits\u00e4mtern verh\u00e4ngten Einzelfallma\u00dfnahmen entbehren einer nachvollziehbaren Grundlage, sondern auch die landesweiten Corona-Schutzverordnungen. \u201eWe\u2019ve been using one type of data for everything, and that is just plus oder minus \u2013 that\u2019s all. We\u2019re using that for clinical diagnostics, for public health, for policy decision-making.\u201c (Michael Mina, Harvard T.H. Chan School of Public Health, in NYT from 30.8.20)<\/p>\n<p>Es verwundert daher kaum, da\u00df die Resultate der bisherigen nicht-standardisierten, invaliden und nicht-repr\u00e4sentativen, mehrfach ad hoc ge\u00e4nderten, daf\u00fcr aber massenhaften und daher auch mit gravierenden Me\u00dffehlern behaftete Corona-\u201eTeststrategie\u201c widerspr\u00fcchlich, ja bizarr anmuten. Offenbar lassen sie auch die politischen Entscheider zunehmend in Hilflosigkeit er\u00adstar\u00adren. M\u00f6g\u00adlicher\u00adweise f\u00e4llt ihnen die Widerspr\u00fcchlichkeit nicht auf, wenn sie nur in 7-Tage-Inzidenzen und Legislaturperioden den\u00adken. Nach einer alten chinesischen Weisheit ist es nutzlos, mit einer Eintagsfliege \u00fcber den mor\u00adgigen Tag zu reden. Die Beschr\u00e4nkung der Zahlen auf wenige Tage, wie sie in den Hauptnachrichten praktiziert wird, tr\u00e4gt zur Verwirrung der Wahr\u00adnehmung des Geschehens bei, stumpft ab und sch\u00fcrt diffuse \u00c4ngste. Dazu ein Beispiel: In der folgenden Abbildung sind sowohl der prozentuale Anteil der positiven Testergebnisse an der Zahl der durchgef\u00fchrten Tests als auch der prozentuale Anteil der ITS-Patienten mit Covid-Diagnose an den aktuell positiv getesteten F\u00e4llen f\u00fcr das Jahr 2020 zu sehen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/ITS-vs-aktive-Faelle-2021_07-1.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-14363\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/ITS-vs-aktive-Faelle-2021_07-1.jpg?resize=300%2C141&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"141\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/ITS-vs-aktive-Faelle-2021_07-1.jpg?resize=300%2C141&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/ITS-vs-aktive-Faelle-2021_07-1.jpg?resize=1024%2C482&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/ITS-vs-aktive-Faelle-2021_07-1.jpg?resize=768%2C362&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/ITS-vs-aktive-Faelle-2021_07-1.jpg?resize=660%2C311&amp;ssl=1 660w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/ITS-vs-aktive-Faelle-2021_07-1.jpg?w=1168&amp;ssl=1 1168w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 2: Anteil&nbsp; der schweren F\u00e4lle (intensivpflichtige Covidpatienten) an den aktiven F\u00e4llen und jeweilige&nbsp; Positivquote in Deutschland&nbsp; in % (jeweils in der letzten Woche des Monats, Quellen: RKI Lagebericht, DIVI-Register)<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der \u201eCoronawelle\u201c im Fr\u00fchjahr 2020 verliefen beide Kurven mit einer gewissen zeit\u00adlichen Verschiebung ann\u00e4hernd parallel. Es wurden \u00fcberwiegend Personen mit Erk\u00e4l\u00adtungs\u00adsymptomen getestet und die Zahl der Tests bewegte sich noch in einem vergleichsweise \u00fcber\u00adschaubaren Rahmen \u2013 beide Faktoren trugen zur Minderung der Zahl der falsch-positiven Be\u00adfunde bei. Tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich erreichte der Anteil der schweren Covidverl\u00e4ufe an den aktiven F\u00e4llen mit etwa 9% bereits im Mai 2020 das Jahreshoch. Die Verz\u00f6gerung gegen\u00fcber der Positivquote ist durch die Inkubationszeit erkl\u00e4rbar. Zum Sommer hin nahm die Positivquote extrem ab und sank zeitweise unter ein Prozent. In gleichem Ma\u00dfe ver\u00adringerte sich auch der Anteil der ITS-Patienten an den aktiven F\u00e4llen. Ab Mitte September jedoch wuchs die Positivquote pl\u00f6tzlich und scheinbar unerwartet steil an. Der Grund daf\u00fcr l\u00e4\u00dft sich in der Aus\u00adweitung der Testungen auf Personen ohne jede klinische Symptomatik erkennen: Ur\u00adlaubs\u00adr\u00fcckkehrer, Familien auf dem Weg in die Herbstferien und andere Reisende, die anla\u00df\u00adlos per Dekret zu Testungen gen\u00f6tigt wurden. W\u00e4hrend der rasante Anstieg der Positivquote die Hauptnachrichten beherrschte, verharrte der Anteil der schweren Verl\u00e4ufe an den aktiven F\u00e4llen vollkommen unbemerkt auf sehr niedrigem Niveau. Wie l\u00e4\u00dft sich das Auseinanderdriften von schweren Covid-Verl\u00e4ufen und Positivbefunden erkl\u00e4ren? Vermutlich handelte es sich bei einer erheblichen Zahl der positiven Testergebnisse in der so\u00adge\u00adnannten \u201ezweiten Welle\u201c um falsch-po\u00adsitive Befunde, d.h. um Personen, die ohne An\u00adla\u00df\u00adsymp\u00adtomatik getestet wurden und einen Positiv\u00adbefund bei hohem Ct-Wert erzielten. Indem seit November 2020 positive Befunde von Schnelltests mit einem PCR-Labortest nachgetestet werden, kann die Positivquote k\u00fcnstlich gesteigert werden: Da die Zahl der Schnelltests mit negativem Befund gar nicht erfa\u00dft wird, erfolgt nach dem Satz von Bayes zur bedingten Wahrscheinlichkeit eine k\u00fcnstliche \u00dcbergewichtung der Positivbefunde. Dies gilt insbesondere f\u00fcr anla\u00dflose Massentests, bei denen die Gesamt\u00adbev\u00f6lkerung getestet wird, aber nur die Positivbefunde gez\u00e4hlt werden. Auf diese Weise k\u00f6nnen weitere \u201eCorona-Wellen\u201c beinahe nach Belieben artifiziell erzeugt werden.<\/p>\n<p>Die Verzerrung der Coronatestungen durch Falsch-Positive zieht gravierende Folgen f\u00fcr den Schutz der \u00f6ffentlichen Gesundheit nach sich: Die beschr\u00e4nkten Ressourcen der Gesundheits\u00e4mter werden sinnfrei f\u00fcr zahl\u00adreiche Menschen ein\u00adgesetzt, von denen in Wirklichkeit keine In\u00adfek\u00adtionsgefahr ausgeht, w\u00e4hrend die Ressourcen f\u00fcr die Gruppe der eigentlich gef\u00e4hrdeten Personen nicht mehr aus\u00adreichen \u2013 das System der Kontakt\u00adnach\u00adverfolgung ist kollabiert.<\/p>\n<p>Indem der hypersensitive PCR-Test nur im Format \u201epositiv\u201c oder \u201enegativ\u201c verwertet wird, entsteht ein Schwarzwei\u00df-Bild der Pandemie, in dem die tats\u00e4chlichen Konturen zunehmend ins Dunkel tauchen. Es n\u00e4hrt den Boden f\u00fcr die scheinbar einzige Erl\u00f6sungshoffung: die un\u00adaus\u00adge\u00adgo\u00adrene Impfung. Das Bild w\u00fcrde sich&nbsp; sp\u00fcrbar aufhellen, wenn die Gesundheits\u00e4mter fl\u00e4chendeckend an\u00adfan\u00adgen, die Vorgabe des RKI umzusetzen, und von den Laboren verlangen, da\u00df ihnen be\u00adhelfs\u00adweise (so\u00adlange keine Standardisierung existiert) auch der Ct-Wert mitgeteilt wird, um&nbsp; falsche Positivbefunde auszuschlie\u00dfen. Dies bedeutet nicht, da\u00df im Einzelfall auch Personen, deren PCR-Test einen hohen Ct-Wert aufweist und damit eine geringe Viruslast nahelegt, einen schweren Krankeheitsverlauf entwickeln k\u00f6nnen \u2013 klinische Diagnose und gesundheitspolitische, epidemiologische Erhebung sind eben nicht dasselbe.<\/p>\n<p>Die systematische Erfassung der Ct-Werte \u201easymptomatischer F\u00e4lle\u201c erm\u00f6glicht es zudem, den Schwellen\u00adwert f\u00fcr Falschpositivbefunde sowie das dazu\u00adgeh\u00f6rende Konfidenzintervall empirisch zu bestimmen. Damit w\u00fcrde sich die Spreu vom Weizen trennen. Es w\u00fcrde eine zur Gesundung der Lage betragende Gewichtung resultieren, die zum Realismus in der Einsch\u00e4tzung des Pan\u00adde\u00admiegeschehens zur\u00fcckf\u00fchrt, den Fokus wieder auf die eigentlich Ge\u00adf\u00e4hr\u00addeten richtet und die Gesellschaft von Wahrnehmungsverzerrungen und der Fixierung auf artifizielle Zahlen befreit. Indem die Gesundheits\u00e4mter von den wahrscheinlich falsch-positiven F\u00e4llen entlastet werden, k\u00f6nnen sie ihrer eigentlichen Bestimmung wieder gerecht werden und dazu beitragen, da\u00df einer\u00adseits gef\u00e4hrdete Menschen seltener mit Covid angesteckt und intensiv\u00adpflichtig werden, und andererseits gesunde Menschen unbehelligt bleiben.<\/p>\n<p>Zu erw\u00e4hnen ist, da\u00df die absolute Zahl der mit Corona diagnostizierten ITS-Patienten im Herbst 2020 zunahm, wie wir in Abbildung 1 gesehen haben, w\u00e4hrend sich die Zahl der ITS-Patienten insgesamt nicht \u00e4nderte. Offenbar war Covid in den meisten F\u00e4llen nicht der alleinige Anla\u00df f\u00fcr die ITS-Einweisung. Die Belegung der Intensivstationen ist ein Flie\u00dfgleichgewicht: Die wenigsten Patienten verweilen lange, die meisten gehen nach einigen Tagen wieder. Ca. 25-30% sterben, andere werden in die Reha verlegt und sterben dort. Manche kehren nach Hause zur\u00fcck. Das ist der Lauf des Lebens und Sterbens in hochindustrialisierten L\u00e4ndern, in denen viele Menschen die Augen vor der Endlichkeit des Daseins verschlie\u00dfen. Darum geht es im dritten Teil dieses Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Z\u00e4hlung der Intensivpl\u00e4tze, d.h. der Betten und des entsprechend ausgebildeten Personals, ist eine vergleichsweise valide Angelegenheit und gelingt jedem Klinikverwaltungsleiter allein mit Hilfe des Kleinen Einmaleins. Als weitaus weniger valide erweist sich der Nachweis eines in\u00adfek\u00adtu\u00f6sen Virus. Im Laufe des Sommers 2020 entbrannte ein heftiger Streit \u00fcber die Aussagekraft von PCR-Tests. 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