{"id":13218,"date":"2020-10-23T14:35:19","date_gmt":"2020-10-23T13:35:19","guid":{"rendered":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=13218"},"modified":"2022-01-29T10:01:27","modified_gmt":"2022-01-29T09:01:27","slug":"pandemische-paradoxien-update-3-wie-geht-es-den-falsch-positiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=13218","title":{"rendered":"Pandemische Paradoxien 2 (Update): Wie geht es den Falsch-Positiven?"},"content":{"rendered":"<h3>Die Pr\u00e4valenz-Falle<\/h3>\n<p>Insgesamt wirft diese Befundlage zur Fehlerhaftigkeit des RT-PCR-Tests mehr Fragen auf, als sie be\u00adantwortet. Eine indische Forscher\u00adgruppe wertete im April 2020 die Corona-Zahlen aus 210 L\u00e4ndern aus und korrelierte sie mit demographischen, soziologischen sowie gesundheitspolitischen Daten, auf die ich inhaltlich im Abschnitt \u201eKontexte\u201c zur\u00fcckkomme. Dabei stellten die Forscher ver\u00adschiedene Un\u00adgereimtheiten fest, die auf methodische M\u00e4ngel der Erhebungen zu Covid-19 zur\u00fcck\u00adzuf\u00fchren seien: \u201eDie gegenw\u00e4rtige Form der Diagnostik \u00fcbersch\u00e4tzt wahrscheinlich die SARS-CoV-2-Infektiosit\u00e4t sowie die Morbidit\u00e4t und Mortalit\u00e4t von Covid-19, da sie darauf abzielt, SARS-CoV-2 in allen vermuteten Grippef\u00e4llen und allen Todesf\u00e4llen in den Pandemieregionen nachzuweisen. Eine h\u00f6here Anzahl von F\u00e4llen wurde in L\u00e4ndern mit einer hohen Alphabetisierung und st\u00e4rkeren Volkswirtschaft registriert, die auch \u00fcber eine h\u00f6here Testkapazit\u00e4t verf\u00fcgen, was ebenfalls darauf hinweist, da\u00df sie m\u00f6glicherweise \u00fcberdiagnostiziert wurden. Gegenw\u00e4rtig folgt das Testen auf COVID-9 nicht dem Ziel, die wahre Verbreitung der Krankheit (<i>disease mapping<\/i>) zu identifizieren. Bis die Tests nach einem soliden Stichprobenplan durchgef\u00fchrt werden, kann die tats\u00e4chliche Inzidenz und Pr\u00e4valenz der Krankheit nicht genau bestimmt werden. Wenn keine repr\u00e4sentativen Erkennt\u00adnisse zur wahren Verbreitung der Krankheit vorliegen, sind auch ihre Determinanten nicht korrekt beschreibbar &#8230; Ein hoher Anteil falsch-positiver Befunde von Covid-19-Tests hat kostspielige Folgen, die f\u00fcr eine wirksame Seuchenbek\u00e4mpfung in Kauf genommen werden. Der aktuelle RT-PCR-basierte Labortest zeichnet sich jedoch durch einen hohen negativen Vor\u00adhersagewert aus und kann dazu f\u00fchren, da\u00df eine gro\u00dfe Anzahl positiver F\u00e4lle \u00fcbersehen wird, was zur anhaltenden Ausbreitung der Pandemie beitragen kann. Negative RT-PCR-Ergebnisse f\u00fcr Covid-19 erfordern wiederholte Tests, um das negative Ergebnis zu best\u00e4tigen. Daher ist ein besserer Test mit h\u00f6heren positiven und negativen Vorhersagewerten erforderlich, um die wahre Anzahl positiver und negativer F\u00e4lle bestimmen zu k\u00f6nnen.\u201c (Singh et al. 2020, \u00dcbersetzung VK)<\/p>\n<p>Die Strategie, von Personen mit Erk\u00e4ltungssymptomen einen Abstrich f\u00fcr den Labortest zu nehmen, erweist sich also aus mindestens zwei Gr\u00fcnden als fragw\u00fcrdig: Erstens entsteht auf diese Weise kein realistisches Bild von der Verbreitung von Covid-19, da die Stichprobe nicht re\u00adpr\u00e4\u00adsentativ ist und Pr\u00e4valenz sowie Inzidenz nicht bestimmt werden k\u00f6nnen. In den t\u00e4glichen Nachrichtenmeldungen wird aber seit Anfang M\u00e4rz so getan, als handelte es sich um diese Werte, indem irref\u00fchrend von t\u00e4glichen Neuinfektionen und \u00e4hnlichem gesprochen wird. Zweitens ist das klinische Bild, das den Corona-Labortest veranla\u00dft, identisch mit den Anzeichen einer \u201eGrippe\u201c, wie sie durch Influenza und andere Erk\u00e4ltungsviren hervorgerufen wird. Getestet wird aber nur das neue Coronavirus \u2013 wahr\u00adschein\u00ad\u00adliche Komorbidit\u00e4ten mit anderen saisonalen Viren bleiben unerkannt. Eine derartig frag\u00admentarische Diagnostik ist nicht nur f\u00fcr den medizinischen Er\u00adkennt\u00adnis\u00adgewinn unbrauchbar, son\u00addern auch f\u00fcr die Ableitung eines angemessenen individuellen Thera\u00adpieplans. Daraus wiederum resultieren zahlreiche praktische und ethische Probleme.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend des Vietnamkrieges, als es darum ging, mit welcher Wahrscheinlichkeit ameri\u00adka\u00adnische Piloten vietnamesische von kambodschanischen Kampfjets unterscheiden k\u00f6nnen, (CIA, 2008), sp\u00e4ter bei der Interpretation von massenhaft gespeicherten Fluggastdaten nach 9\/11, schlie\u00df\u00adl\u00adich auch bei&nbsp; Einstufung der Zahl zu Unrecht verd\u00e4chtigter Personen bei Rasterfahndungen mit DNA-Tests \u2013 immer wenn es sich um gro\u00dfe Zahlen handelt, k\u00f6nnen auch kleinste Me\u00dffehler zu gra\u00ad\u00advierenden Fehlinterpretationen beitragen. Menschen lassen sich in ihrem intuitiven Zahlen\u00adver\u00adst\u00e4ndnis eher vom Augenschein als von bedingten Wahrscheinlichkeiten leiten (Tversky &amp; Kahne\u00adman, 1974). So mag ein Patient glauben, wenn ihm der Arzt die Kunde von einem positiven Corona-Laborbefund \u00fcberbringt, da\u00df er sich also mit 98%iger Sicherheit nun mit Covid-19 infiziert habe, denn der PCR-Test habe doch eine solch hohe Genauigkeit (Spezifit\u00e4t). Dieser Glaube, der gegenw\u00e4rtig weit verbreitet zu sein und auch von unseren Datenjournalisten geteilt, zumindest nicht aktiv ausger\u00e4umt zu werden scheint, beruht jedoch auf einem folgenschweren Irrtum, der in der Literatur als \u201ePr\u00e4valenzfehler\u201c oder \u201eBase Rate Fallacy\u201c bekannt ist und ins Erstsemester Sta\u00adtistik geh\u00f6rt. Wenn pro Woche, wie es seit Ende August 2020 in Deutschland der Fall ist, eine Million PCR-Tests durchgef\u00fchrt werden, dann f\u00fchrt auch eine scheinbar kleine Falsch-Positv-Rate von 2% zu einer immensen Anzahl irrt\u00fcmlich mit einer Covid-19-Erkrankung (\u201eInfektion\u201c) verd\u00e4chtigter Per\u00adsonen: Nehmen wir an, das neue Coronavirus hat sich bereits bei 1% der Bev\u00f6lkerung aus\u00adge\u00adbreitet \u2013 diese Zahl wird Pr\u00e4valenz genannt. Dann sollte der Test bei 10&#8217;000 der untersuchten Personen ein po\u00adsitives Ergebnis anzeigen. Mindestens, mu\u00df man sagen, denn aufgrund der durchaus realistschen Fehlerquote wird er dar\u00fcber hinaus bei 2% der 990000 Personen, die keinen Abschnitt des Corona\u00advirus in sich tragen, ebenfalls mit einem positiven Laborergebnis anschlagen: es handelt sich um&nbsp; 19800 falsch positive Laborbefunde, die pro Woche allein durch die Falsch-Positiv-Quote \u201eein\u00adge\u00adpreist\u201c werden m\u00fcssten \u2013 davon aber ist in unseren Nachrichten keine Rede. Vielmehr wird irre\u00adf\u00fch\u00adrend ein positiver Laborbefund mit einer aktiven klinischen Infektion gleichgesetzt, was schlicht\u00adweg eine Falschmeldung ist. Tats\u00e4chlich betr\u00e4gt die Wahrscheinlichkeit, erkrankt zu sein, wenn ein positiver Labor\u00adbefund vorliegt, bei einer Pr\u00e4valenz von 1% lediglich 33.5%.<\/p>\n<table cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" border=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\"><b>Pr\u00e4valenz<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\"><b>Falsch-Positive<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\"><b>Wahrscheinlichkeit einer Infektion<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">0.5%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">19900<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">20.0%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">19800<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">33.5%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">1.5%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">19700<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">43.2%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">2%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">19600<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">50.5%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">3%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">19400<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">60.7%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">5%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">19000<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">72.5%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">10%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">18000<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">84.7%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">25%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">15000<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">94.3%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"101\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">50%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"108\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">10000<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"132\" valign=\"top\">\n<p align=\"center\">98.0%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 2: Modellrechnung zur Auswirkung der Pr\u00e4valenz (base rate) auf die Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven PCR-Laborbefund tats\u00e4chlich mit Covid-19 infiziert zu sein (Parameter:&nbsp; N= 1&#8217;000&#8217;000, Spezfit\u00e4t 98%, Sensitivit\u00e4t 100%)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deutlich wird, da\u00df die Wahrscheinlichkeit, mit der bei einem positiven Laborbefund auch von einer tats\u00e4chlichen Infektion auszugehen ist, keinesfalls a priori mit 100% anzusetzen ist, sondern ma\u00df\u00adgeblich von der aktuellen Gesamtzahl der bereits Infizierten, der Basisrate, abh\u00e4ngt. Dabei handelt es sich nicht im epidemiologischen Sinne um die sogenannte \u201eDurchseuchung\u201c, also dier Personen, die die Erkrankung bereits durchstanden haben und damit immun geworden sind, sondern um die Zahl der aktiven F\u00e4lle, die mit einem PCR-Test erfasst werden k\u00f6nnen.&nbsp; Erst wenn jeder Zweite, der einen positiven Laborbefund empf\u00e4ngt, auch klinische Symptome zeigt, k\u00f6nnen wir von einer 98%igen Wahrscheinlichkeit ausgehen, da\u00df er auch an Covid-19 erkrankt ist.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4valenz ist also ein ausschlaggebender Faktor, um die t\u00e4glich im Halbstundentakt ver\u00admel\u00addete Zahl der Positivbefunde, die von den Datenjournalisten irrref\u00fchrend mit der Zahl der In\u00adfi\u00adzierten gleichgesetzt wird, realistisch einordnen zu k\u00f6nnen. Die Testkapazit\u00e4t hat keinen Einflu\u00df auf die Infektionswahrscheinlichkeit. Bei einer geringen Pr\u00e4valenz schie\u00dft vielmehr bei einer gleichzeitig hohen Testkapazit\u00e4t die absolute Zahl der f\u00e4lschlicherweise mit einer Covid-19-In\u00adfek\u00adtion in Verbindung ge\u00adbrachten Personen in die H\u00f6he \u2013 was nicht im Sinne der Gesundheitsvorsorge sein kann, aber just zum Herbstbeginn der Fall war. Das Mot\u00adto \u201eTest, test, test!\u201c erweist sich damit als irref\u00fchrend \u2013 es kommt vielmehr auf die Qualit\u00e4t der Teststrategie an.<\/p>\n<p>Um die Pr\u00e4valenz zu messen, ben\u00f6tigt man eine re\u00adpr\u00e4\u00adsen\u00adtative Auswahl der Stich\u00adprobe. Davon ist die \u201enationale Teststrategie\u201c in Deutschland weit entfernt (vgl. \u201eAktualisierung der Nationalen Teststrategie vom 15.10.2020 auf www.rki.de). Wurden im Fr\u00fchjahr 2020 selektiv Per\u00adsonen mit Erk\u00e4ltungssymptomen getestet, waren es im Sommer die Urlaubs\u00adr\u00fcck\u00adkehrer aus dem Ausland und vor den Herbstferien die Inlandstouristen, die aus Regionen mit h\u00f6\u00adherer Inzidenz in eine Region mit niedrigerer Inzidenz fahren wollten \u2013 mit einer wissen\u00adschaft\u00adlichen Studie, die anhand demo\u00adgra\u00adphischer Kriterien einen repr\u00e4sentativen Be\u00adv\u00f6l\u00adke\u00adrungs\u00adquer\u00adschnitt testet, hat all das nichts zu tun \u2013 Zweifel an der wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit der Re\u00adgierung sind daher mehr als angebracht, mag sie sich selbst noch so h\u00e4ufig als wissenschaftlich orientiert gegen\u00fcber der Willk\u00fcrherrschaft autorit\u00e4rer Machthaber in anderen L\u00e4ndern bezeichnen. Die anhaltende Ver\u00adwei\u00adgerung, eine fundierte Pr\u00e4valenz\u00adstudie f\u00fcr Deutschland zu initiieren, gibt gesund\u00adheitspolitische R\u00e4t\u00adsel auf.<\/p>\n<p>Seit April 2020 erfa\u00dft das RKI das Vorkommen von Corona-Antik\u00f6rpern bei Blutspendern (SeBlu\u00adCo-Studie). Alle zwei Wochen werden ca. 5000 Blutproben gesunder erwachsener Personen von 13 Blutspendediensten, die auf 28 Regionen Deutschlands verteilt sind, auf Seropositivit\u00e4t untersucht. Eine Zwischenauswertung zum 19. August 2020 brachte folgende Ergebnisse: \u201eDer Anteil von Personen mit spezifischen Antik\u00f6rpern gegen SARS-CoV-2 unter blutspendenden Erwachsenen ist mit 1.25% weiterhin gering.\u201c Erg\u00e4nzend wurden bei 65% der Proben erg\u00e4nzende \u201eNeu\u00adtra\u00adli\u00adsa\u00adtions\u00adtests\u201c durchgef\u00fchrt, um falsch-positive Befunde auszuschlie\u00dfen. \u201eVon diesen hatten ca. 27% (96\/362) auch nachweisbare neutralisierende Antik\u00f6rper.\u201c \u2013 d.h., die korrigierte Pr\u00e4valenz lag im August bei ca.&nbsp; 0.34%. \u201eDie Seropr\u00e4valenz war bei M\u00e4nnern signifikant h\u00f6her als bei Frauen (1.48 bzw. 0.96%) Es wurden Unterschiede in der Altersverteilung der Seropositiven erkennbar. Die drei j\u00fcngsten Altersgruppen (18-29 Jahre) der SeBluCo-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer zeigen nach Auswertung von ca. 50% der Studiendaten die h\u00f6chste adjustierte Pr\u00e4valenz. Die Regionen Freiburg und Bayern S\u00fcd-Ost haben den h\u00f6chsten Anteil an Seropositiven.\u201c (Quelle: www.rki.de)<\/p>\n<p>Im Hotspot Gangelt ermittelte das Team von Hendrick Streek dagegen eine Pr\u00e4valenz von 20% &#8211; sie kann jedoch ebenfalls nicht als repr\u00e4sentativ angesehen werden.<\/p>\n<p>In seiner umstrittenen Berechnung des Nutzens des Lockdowns f\u00fcr die Eind\u00e4mmung der Pan\u00addemie ging das Imperial College im Juni 2020 von 0.85&nbsp;% Pr\u00e4valenz f\u00fcr Deutschland aus (Flax\u00adman, 2020).<\/p>\n<p>Eine der bisher qualitativ besten Pr\u00e4valenzmessungen stammt von Mai 2020 aus Brazilien (Hallal et al., 2020). Es wurde eine anhand von 25 Census-Kriterien ausgeglichene Zufallsstichprobe in 133 St\u00e4dten, proportional zur Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe gezogen, mit mindestens jeweils ca. 250 Teilnehmern. Insgesamt nahmen 25955 Probanden an der Studie teil. Es wurde wiederum die Seropositivit\u00e4t be\u00adstimmt. Ohne statistische Korrekturen betrug die krude Pr\u00e4valenz 1.39%.<\/p>\n<p>Im WHO Bulletin vom 15. Oktober 2020 ver\u00f6ffentlichte John Ioannidis eine \u00dcbersicht zu allen serologischen Corona-Antik\u00f6rpertests weltweit seit Beginn der Pandemie (es wurden vor allem Studien w\u00e4hrend der ersten Welle ausgewertet). Dabei wurden Pr\u00e4valenzstudien zur Verbreitung des Coronavirus im Krankenhauspersonal oder in bestimmten relig\u00f6sen Gruppen nicht ber\u00fccksichtigt. Im Ergebnis wurden 61 Studien mit ingesamt 74 Pr\u00e4valenzsch\u00e4tzungen zusammengetragen \u2013 Deutschland war lediglich durch die Streek-Studie in Gangelt und eine Unter\u00adsuchung in Frank\u00adfurt a.M. vertreten. Die Pr\u00e4valenz schwankte weltweit zwischen 0 und 54.4% (in den Slums von Mumbai). Die Infektions-Fatalit\u00e4tsquote betrug 0-1.63% (im US-Bundesstaat Louisiana). Aufgrund dieser gro\u00dfen Spannbreite kam Ioan\u00adnidis zu dem Schlu\u00df, da\u00df eine klassische Meta-Analyse, um die Daten mehrerer Studien zusammenzufassen, nicht in Frage komme. Vielmehr grup\u00adpierte er die Ergebnisse anhand des globalen Mittelwertes (118 Coronatote \/ 1 Million Einwohner): in 51 Regionen, die unter diesem Mittel\u00adwert lagen, betrug die Fatalit\u00e4tsquote 0.09%, in Regionen mit \u00fcberdurchschnittlicher Mor\u00adtalit\u00e4t schwankte die durchschnittliche Fatalit\u00e4tsquote zwischen&nbsp; 0.20% und 0.57%. Bei Menschen, die j\u00fcnger als 70 Jahre waren, lag die krude Fatalit\u00e4tsquote bei 0.31%, nach statischer Korrektur bei 0.05%.<\/p>\n<p>Ioannidis folgerte, da\u00df die Sterblichkeit an Covid-19 damit deutlich unter den Bef\u00fcrchtungen vom Beginn der Pandemie und den Zahlen aus Wuhan einzustufen sei. Regionale Unterschiede ergeben sich in Folge der Altersstruktur der Bev\u00f6lkerung, Bev\u00f6lkerungsdichte und der Vorbelastung mit Atemwegserkrankungen, z.B. in Zusammenhang mit der Luftverschmutzung.<\/p>\n<p>Ioannidis\u2019 Metastudie gibt am Ende beiden Lagern recht: den Alarmisten, die nicht genug vor der Gef\u00e4hrlichkeit des neuen Virus warnen und mahnen k\u00f6nnen, wie auch den Verharmlosern, die Covid-19 keine besondere Gef\u00e4hrlichkeit zuschreiben: Es h\u00e4ngt jeweils von den Kontext\u00adbe\u00addin\u00adgungen ab. In einigen wenigen Regionen \u00fcbersteigt die T\u00f6dlichkeit des neuen Virus um das Zehn- bis Zwanzigfache die T\u00f6dlichkeit der bekannten Grippeviren. In vielen anderen Regionen ist es aber im Durchschnitt \u00e4hnlich oder sogar weniger gef\u00e4hrlich als die Grippe.<\/p>\n<p>(<a href=\"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=12363\">Den gesamten Beitrag finden Sie im Essay &#8222;Zahlenspiele&#8220;.<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pr\u00e4valenz-Falle Insgesamt wirft diese Befundlage zur Fehlerhaftigkeit des RT-PCR-Tests mehr Fragen auf, als sie be\u00adantwortet. Eine indische Forscher\u00adgruppe wertete im April 2020 die Corona-Zahlen aus 210 L\u00e4ndern aus und korrelierte sie mit demographischen, soziologischen sowie gesundheitspolitischen Daten, auf die ich inhaltlich im Abschnitt \u201eKontexte\u201c zur\u00fcckkomme. 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