{"id":12363,"date":"2020-03-30T12:01:06","date_gmt":"2020-03-30T11:01:06","guid":{"rendered":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=12363"},"modified":"2022-02-28T22:49:51","modified_gmt":"2022-02-28T21:49:51","slug":"pandemische-paradoxien-2-zahlenspiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=12363","title":{"rendered":"Pandemische Paradoxien 2: Zahlenspiele"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem Hand- und Fu\u00dfballspiele verboten sind, hat Corona den Kopfball als neue olympische Sportart hervorgebracht: die Zahlenspiele. \u201eDie Corona-Krise hat uns alle zu Zahlenjunkies gemacht. Wie entwickeln sich die Fallzahlen? Gibt es neue Todesf\u00e4lle? Wie hoch ist der Fall-Verstorbenen-Anteil? Wie h\u00e4ngt er vom Alter der Patienten ab? &#8230; Es ist in un\u00ad\u00fcber\u00adsicht\u00adlichen Situationen gut, sich an Zahlen statt an Emotionen zu orientieren, aber Zah\u00adlenwerte sind oft tr\u00fcgerisch: Sie verstecken ihren Kontext. Wenn wir uns heute anhand von Zahlen ein Bild von der aktuellen Situation zu machen versuchen, d\u00fcrfen wir dies nie aus dem Blick ver\u00adlieren.\u201c warnte Sybille Anderl bereits Mitte M\u00e4rz in der FAZ. Entsprechend ihrer medialen Reichweite sind Fehl\u00adin\u00adter\u00adpretationen von Jour\u00adnalisten keine Privat\u00adan\u00adge\u00adlegen\u00adheit, insbesondere wenn sie mit politischem Kal\u00adk\u00fcl oder auch nur in sen\u00adsations\u00aderheischender Absicht be\u00adgin\u00adnen, die \u00f6ffentliche Mei\u00adnungs\u00adbildung zu dominieren. Im folgenden geht es um Datenkompetenz, also um eine Mini\u00admalkenntnis der Spielregeln,\u00a0um sta\u00adtisti\u00adsche Zahlen lesen und interpretieren zu k\u00f6n\u00adnen \u2013 und daran zu erkennen, welches Spiel mit uns ge\u00adspielt wird.<\/p>\n<h2 id=\"1\">Spielregeln<\/h2>\n<h3>Grundlagen f\u00fcr die l\u00e4nder\u00fcbergreifende Vergleichbarkeit von Public-Health-Daten<\/h3>\n<p>Damit Forscher, Politiker oder Journalisten die statistischen Angaben zur \u00f6ffentlichen Gesundheit in unterschiedlichen L\u00e4ndern miteinander vergleichen k\u00f6nnen, m\u00fcssen bei der Datenerhebung und bei der Auswertung eine Reihe von Voraussetzungen erf\u00fcllt sein. Man spricht auch von Stan\u00addar\u00addisierung bei der Erhebung, die\u00a0 etwa durch folgende Ma\u00df\u00adnahmen erreicht werden kann:<\/p>\n<ol>\n<li>Bestandsaufnahme der nationalen Erfassung von Gesundheitsdaten<\/li>\n<li>Kl\u00e4rung von Mindeststandards an die Erfassung von Gesundheitsdaten<\/li>\n<li>retrospektive Analyse von Gesundheitsdaten zur Untersuchung der Dynamik einzelner Va\u00adriab\u00ad\u00adlen (Ver\u00ad\u00e4nderungen, Trends usw.) einschlie\u00dflich Re\u00adgres\u00adsions\u00adtechniken und anderer Ans\u00e4tze zur Zeitreihenanalyse<\/li>\n<li>Ver\u00adgleichsanalysen mit historischen Gesundheitsdaten<\/li>\n<li>Etablierung eines einheitlichen analytischen Ansatzes<\/li>\n<li>Pilotprojekte zur Schaffung eines einheitlichen europ\u00e4ischen Verfahrens\u00a0 f\u00fcr die Echtzeit-Erfassung von Gesundheitsdaten<\/li>\n<li>Fragebogenerhebungen bei den teilnehmenden Staaten<\/li>\n<li>Literaturauswertung<\/li>\n<\/ol>\n<p>Beispielhaft werden diese Vorkehrungen zur Standardisierung der Datenerhebung von EuroMOMO erf\u00fcllt, dem euro\u00adp\u00e4ischen Projekt zur \u00dcberwachung der Sterblichkeit. Es handelt sich hier um eine Vollerhebung der Mortalit\u00e4t in den teilnehmenden L\u00e4ndern. Federf\u00fchrend erfa\u00dft das Serum-Institut in Kopenhagen\u00a0 im Wochenrhythmus die Anzahl der Todesf\u00e4lle, um fr\u00fchzeitig Hinweise in Bezug auf Bedrohungen der \u00f6ffentlichen Gesundheit zu erkennen. Das System wird kontinuierlich in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern eingesetzt, die die Mindestanforderungen erf\u00fcllen. Den Anla\u00df zur Schaffung von EuroMOMO bildete im Fr\u00fchjahr 2009 die Ausrufung der sog. \u201eSchweine\u00adgrippe\u201c. Obwohl sie f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit keine Gefahr darstellte, t\u00e4tigte die Politik \u2013 angestachelt von der WHO sowie der mit ihr verstrickten Pharmakonzerne \u2013 enorme In\u00advesti\u00adtionen f\u00fcr die vorsorgliche Beschaffung von Impfstoffen, die am Ende ungenutzt entsorgt werden mu\u00dften. Auf Grund\u00adlage der zeitnahen, standardisierten und koordinierten Erhebung der Sterb\u00adlichkeit gelang es mit Hilfe von EuroMOMO im Winter 2009\/10, Re\u00adgierungen und Beh\u00f6rden in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zu einer\u00a0<i>an\u00adge\u00admessenen<\/i>\u00a0Vor\u00adbe\u00adreitung der Gesundheitssysteme auf die Auswirkungen der In\u00adfek\u00ad\u00adtions\u00adwelle zu be\u00adwegen. Wir haben es hier mit der aus wissenschaftlicher Sicht solidesten Datenbasis zu tun, die gegen\u00adw\u00e4rtig zur Beurteilung der Sterblichkeit sowie der \u00dcbersterblichkeit in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zur Verf\u00fcgung steht. Aufgrund ihrer hohen Standardisierung erlaubt sie den Ver\u00adgleich der Kenn\u00adzif\u00adfern \u00fcber die L\u00e4ndergrenzen hinweg. Wir werden daher sp\u00e4ter in diesem Beitrag auf die Frage zur\u00fcck\u00ad\u00adkommen, ob sich Wirkungen von Covid-19 in EuroMOMO erkennen lassen.\u00a0 Leider nehmen aus Deutschland nur Hessen und Berlin an EuroMOMO teil. Im Lagebericht vom 24.4.2020 teilte das RKI mit, da\u00df Deutschland ab 2021 beabsichtige, sich an EuroMOMO zu beteiligen. Eine n\u00fcchterne und zugleich auch soziale und ethische Perspektiven umfassende Situations\u00adana\u00adlyse in Be\u00adzug auf das neue Coronavirus ist im Thesenpapier der Gesundheitswissenschaftler um Matthias Schrappe (Universit\u00e4t K\u00f6ln) vom 5.4.2020 zu finden. Aus der epidemiologischen Ein\u00adord\u00adnung des neuen Virus \u2013 soweit das angesichts der Datenlage m\u00f6glich ist \u2013 werden hier allgemeine und spezifische Pr\u00e4ventionsstrategien sachlich gegen\u00fcber gestellt \u2013 f\u00fcr unseren Schiedsrichter eine hilfreiche Handreichung.<\/p>\n<h2 id=\"2\">Foulspiel<\/h2>\n<h3>Schwachpunkte der Datenerhebung zum neuartigen Coronavirus<\/h3>\n<p>Wir haben nun eine Ahnung zum Rahmen, in dem sich seri\u00f6se epidemiologische Forschung bewegt. Und damit ahnen wir, wann uns der Schiedsrichter zur\u00fcckpfeifen wird, weil wir uns mit unseren Interpretationen zu weit vorgewagt haben. Der Schiedsrichter ist \u00fcbrigens kein Statist auf dem Spielfeld, sondern eine entscheidende Figur: ohne ihn w\u00fcrden sich die Spieler anfangen zu zer\u00adflei\u00adschen. Ich spreche hier bewu\u00dft vom \u201eSchiedsrichter\u201c, denn jeder wei\u00df, da\u00df Schiedsrichter nicht unfehlbar sind, sondern irren und Fehlentscheidungen treffen k\u00f6nnen. Ihre Fehlbarkeit unter\u00adscheidet sie von \u201eFaktencheckern\u201c, die, wie es scheint, einer leninistischen Haltung verhaftet sind, indem sie davon ausgehen, es gebe eine ob\u00adjek\u00adtive Wahrheit und sie seien erm\u00e4chtigt zu bewerten, wer die Wahrheit spricht und wer der L\u00fcge zu bezichtigen sei. Ein neuralgischer Punkt ist der Grenzbereich zwischen Wissen\u00adschaft und Publizistik. Nat\u00fcrlich kann ein \u201eFaktenchecker\u201c einen \u201eFachidioten\u201c zu Recht auf blinde Flecken hinweisen. Im besten Fall \u2013 um an Thomas S. Kuhn (1962) zu erinnern \u2013 beh\u00e4lt der Faktenchecker die paradigmatischen Linien der widerstreitenden Ans\u00e4tze und Theorien im Blick und fokussiert sich eben gerade nicht kleinteilig auf Fakten. Sein Dilemma ist jedoch, da\u00df er sich mittels journalistischer Recherchen, gerne mal mit einem Telefonanruf, mal per eMail-Anfrage bei einem als Autorit\u00e4t geltenden Wissenschaftler nach dessen Meinung erkundigt.\u00a0 ohne eigene Forschung bzw. Recherche der Forschungsliteratur und vor allem bei Unkenntnis der Grundlagen empirischer For\u00adschungs\u00admethoden kann der Faktenchecker in der Regel nur Anleihen bei der Konkurrenz im wissenschaftlichen Diskurs nehmen, kann Autorit\u00e4tsbeweise sammeln, aber gewinnt keinen unabh\u00e4ngigen Standpunkt \u2013 damit l\u00e4uft der Faktencheck auf eine Parteinahme f\u00fcr ein momentan vor\u00adherr\u00adschen\u00addes oder in Mode gekommenes Paradigma aus und tr\u00e4gt leidlich wenig zur wissenschaftlichen Auf\u00adkl\u00e4\u00adrung bei. Um im Bild zu bleiben: bei den Zahlenspielen treten die Faktenschecker in der Rolle von Linien\u00adrich\u00adtern auf. Das Problem ist nur, da\u00df es auf zahlreichen Corona-Spielfeldern, auf denen die poli\u00adtischen und wissenschaftlichen Diskurse ausgefochten werden, noch gar keine Linien eingezeichnet sind.\u00a0 Orien\u00adtieren wir uns also vor allem am Schiedsrichter, um den seit Wochen zu beobachtenden Wettkampf um die Interpretation der Corona-Zahlen ohne Selbstzerfleischung mitzuverfolgen, wohl wissend, da\u00df Schiedsrichter keine P\u00e4pste und wir im Nachhinein h\u00e4ufig schlauer sind&#8230; Was f\u00e4llt als erstes auf? Es ist kein klar umgrenztes, gut definiertes Spielfeld, auf dem der Wett\u00adkampf um die Deutung der Corona-Zahlen ausgetragen wird. Jede Mannschaft zieht ihre eigenen Linien, die Spielfelder unterscheiden sich nach Gr\u00f6\u00dfe und Art des Untergrunds, mal wird auf Rasen gespielt, mal auf Asphalt, die Tore sind unterschiedlich gro\u00df, mal wird ein Handball, mal ein Eishockeypuck als Spielobjekt benutzt \u2013 da rauft sich unser Schiedsrichter schon recht verzweifelt die Haare: Er kann zwar jedes einzelne Spiel pfeifen, aber ein Tournier kommt auf diese Weise nicht zustande. Die Ergebnisse sind in keiner Weise vergleichbar.\u00a0 Die Reporter aber rennen bereits wie verr\u00fcckt um die so unterschiedlichen Spielfelder, interviewen nicht nur Spieler, son\u00addern auch die Trainer und Masseure, und insgeheim vergeben sie schon Punkte, wer den Wett\u00adkampf gewonnen habe. Damit gelangen wir zur unsicheren Datenbasis, die momentan von den staatlichen Gesund\u00adheitsbeh\u00f6rden und den \u00f6ffentlichen Me\u00addien in Bezug auf das neue Coronavirus verbreitet werden und den Regierungen als Begr\u00fcndung f\u00fcr massive Einschr\u00e4nkungen der b\u00fcrgerlichen Grundrechte dienen.\u00a0In den Medien grassieren diese Zahlen \u2013 h\u00e4ufig ohne vor\u00adhan\u00adde\u00adnes Basiswissen in statistischen Fragen, ja ohne erkennbares Bem\u00fchen um Sach\u00adver\u00adstand \u2013 in Form eines epidemischen Da\u00adten\u00ad\u00adjour\u00adnalismus. Losgel\u00f6st vom Kontext der Datenerhebung werden seit Anfang M\u00e4rz bis heute nackte Zahlen als scheinbar objektive Fakten pr\u00e4sentiert. Verf\u00fchrt von der Scheinobjektivit\u00e4t des unreflektierten Nennens von Zahlen, bleibt unerw\u00e4hnt, da\u00df<\/p>\n<ol>\n<li>gravierende Unterschiede der nationalen und regionalen Erfassung der In\u00adfektion und Mor\u00adtalit\u00e4t aufgrund einer fehlenden exakten und weltweit g\u00fcl\u00adtigen Definition der Diagnose \u201eCovid-19\u201c mit positivem Labortest, Lungen-CT mit oder ohne klinische Symptome be\u00adste\u00adhen,<\/li>\n<li>unklar ist, wer wo mit welcher Motivation getestet wird und wer nicht,<\/li>\n<li>Definitionen fehlen,\u00a0ob die erfa\u00dfte Sterblichkeit ausschlie\u00dflich, haupt\u00ads\u00e4chlich oder nur bei\u00adl\u00e4u\u00adfig oder \u00fcberhaupt nicht durch das neuartige Coronavirus verursacht und ent\u00adsprechend zu z\u00e4hlen ist,\u00a0d.h. Messung der <i>attributable mortality<\/i> (vgl. Schrappe et al., S. 13)<\/li>\n<li>die Grundgesamtheit der Erhebung infolge fortlaufender Er\u00adh\u00f6hung der Zahl der Tests t\u00e4glich wechselt und damit die Vergleichbarkeit im Zeitverlauf torpediert wird,<\/li>\n<li>die Analyse statistischer Trends fehlt, z.B. probabilistische Test\u00adstatistiken wie odds ratio (Verh\u00e4ltnis von positiven zu negativen Befunden), Zeitreihen- und Regressionsanalysen,<\/li>\n<li>bislang kein internationales Bem\u00fchen um Einheitlichkeit und Mindest\u00adstandards f\u00fcr die Er\u00adfas\u00adsung der Infektion durch Covid-19 und der damit zusammenh\u00e4ngenden Mortalit\u00e4t vorhanden ist.<\/li>\n<\/ol>\n<p>So z\u00e4hlt das RKI alle Verstorbenen, bei denen ein positiver Laborbefund in Bezug auf Covid-19 vorliegt, als \u201eCorona-Tote\u201c, unabh\u00e4ngig davon, ob und wenn ja in welchem Anteil das neue Virus zum Tod beigetragen hat. Gez\u00e4hlt werden beispielsweise auch Personen, die\u00a0 durch Unf\u00e4lle, Suizid oder Ge\u00adwalt\u00adkri\u00admi\u00adnalit\u00e4t ums Leben gekommen sind, um die Corona-Mortalit\u00e4t nicht zu unter\u00adsch\u00e4tzen (Antwort auf Anfrage von <i>Correctiv<\/i> vom 22.4.2020) Die Differentialdiagnostik zwischen verschiedenen medizinischen Todesursachen bei multi\u00admor\u00adbiden Patienten h\u00e4lt das RKI f\u00fcr schwierig. Bis Anfang April empfahl das Institut, Obduktionen zur Aufkl\u00e4rung der jeweiligen Todesursache wegen der ver\u00admeintlichen Ansteckungsgefahr zu meiden. Daraufhin regte sich der Widerstand von Rechts\u00adme\u00addizinern. Karl-Friedrich B\u00fcrrig, Pr\u00e4sident des Bundesverbands Deutscher Pathologen, und Gustavo Baretton, Vorsitzender der Deutschen Gesell\u00adschaft f\u00fcr Pathologie, schrieben an das RKI: \u201eGerade aktuell sollten Obduktionen bei diesen Verstorbenen nicht ver\u00admieden, sondern im Gegenteil so oft wie m\u00f6glich durchgef\u00fchrt werden, auch um den Zu\u00adsam\u00admenhang mit anderen Grunderkrankungen der Verstorbenen zu erhellen. Daran besteht ein hohes \u00f6ffentliches Interesse.\u201c (Quelle: Wulf Roh\u00adwed\u00adder auf tagesschau.de vom 9.4.2020) Unser Schiedsrichter h\u00e4tte keine andere Wahl, als an dieser Stelle das Zahlenspiel zu unter\u00adbrechen, die Zahlensportler aller L\u00e4nder zusammenzutrommeln und zu fordern: \u201eWenn ihr einen ordent\u00adlichen Wettkampf wollt, sei es eine Olympiade oder ein Punktetournier, dann einigt euch auf Re\u00adgeln, bevor ihr versucht, Tore zu schie\u00dfen.\u201c Warnend w\u00fcrde der Schiedsrichter hinzuf\u00fcgen: \u201eGlaubt nicht, da\u00df Quantit\u00e4t die Qualit\u00e4t ersetzt. Ihr k\u00f6nnt Weltmeister in der Produktion von B\u00e4l\u00adlen sein. Wenn am Ende die Einigung daraus hinausl\u00e4uft, mit einem Puck zu spielen, sind all eure B\u00e4lle wertlos. Ihr k\u00f6nnt zehn Tore am Spielfeldrand platzieren \u2013 wenn ihr keine Regeln vereinbart, sind eure Tore \u00fcberfl\u00fcssig.\u201c Diese Warnung war auch an Deutschland, den selbsterkl\u00e4rten \u201eZahlen-Weltmeister\u201c, ge\u00adrichtet \u2013 auch hier litt die Qualit\u00e4t der Ideen und Konzepte unter der d\u00fcmmlichen Dominanz nackter Zahlen. Wir stehen im Plus, wir k\u00f6nnen uns alles leisten \u2013 lautete ein verbreiteter Aberglaube.<\/p>\n<h3>Wer z\u00e4hlt was? \u00c4pfel und Birnen in Corona-Form<\/h3>\n<p>Im internationalen Vergleich treten die Folgen des Fehlens gemeinsamer Regeln bei der Er\u00adfas\u00adsung von Zahlen zu Covid-19 ans Tageslicht: Unterschiede bei der Testerhebung, ins\u00adbe\u00adsondere bei der Zielgruppe der zu testenden Personen, spiegeln sich direkt in der Varia\u00adtion der Positivrate wider:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Testkapazitaeten_Corona_international_2020_04_15.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-14673\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Testkapazitaeten_Corona_international_2020_04_15.jpg?resize=300%2C137&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"137\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Testkapazitaeten_Corona_international_2020_04_15.jpg?resize=300%2C137&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Testkapazitaeten_Corona_international_2020_04_15.jpg?resize=700%2C319&amp;ssl=1 700w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Testkapazitaeten_Corona_international_2020_04_15.jpg?resize=768%2C350&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Testkapazitaeten_Corona_international_2020_04_15.jpg?resize=800%2C365&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Testkapazitaeten_Corona_international_2020_04_15.jpg?w=1009&amp;ssl=1 1009w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Tabelle 1:\u00a0 Zahl der Coronatests im internationalen Vergleich (Quelle: ALM e.V., Stand: 15.4.2020) <\/em><\/p>\n<p>Diese \u2013 vorwiegend auf Angaben aus Wikipedia stammende \u2013 \u00dcbersicht wurde am 15. April vom In\u00adte\u00adres\u00adsenverband der akkreditierten Labore der Medizin, der dem RKI nahesteht, in einer virtuellen Pressekonferenz verbreitet. Sie soll in erster Linie verdeutlichen, da\u00df in Deutschland ver\u00adgleichs\u00adweise viel labordiagnostisch auf Covid-19 getestet wird. Das stimmt \u2013 der \u00dcbersicht zufolge wird Deutschland nur von den USA in der Zahl der Testungen \u00fcbertroffen. Die letzte Spalte offenbart jedoch das methodische Dilemma, das den L\u00e4ndervergleich unm\u00f6glich macht: Die extremen Schwankungen zwischen 2% und knapp 30% sind nicht auf die unter\u00adschiedliche \u201eAus\u00adbrei\u00adtungs\u00adgeschwindigkeit\u201c des Virus in den einzelnen L\u00e4n\u00addern zur\u00fcck\u00adzuf\u00fchren, son\u00addern auf die jeweilige Teststrategie, d.h. die Art der Rekrutierung der Stichprobe. Wenn in einem Land erst in den Kran\u00adken\u00adh\u00e4u\u00adsern oder gar erst auf der Station f\u00fcr Atemwegserkrankungen begonnen wird zu testen, dann f\u00e4llt die Positivrate selbstredend h\u00f6her aus, als wenn in einem Land bereits bei eigentlich unspezifischen Hinweisen wie Schnupfen und Hu\u00adsten getestet wird. Eine Aussage wie \u201eIn den USA hat sich das Coronavirus 2.5 mal so h\u00e4ufig ausgebreitet im Vergleich zu Deutschland\u201c ist schlichtweg irref\u00fchrend, weil sie den hier vorgelegten Zahlen nicht entnommen werden kann. Zahlen sind Sym\u00adbole, die etwas repr\u00e4sentieren. Wenn nicht klar definiert wird, wof\u00fcr sie stehen, sind Zahlen nicht ver\u00adgleich\u00adbar, sondern \u201enackte Zahlen\u201c \u2013 dieser Anf\u00e4ngerfehler bei der Interpretation von Sta\u00adtistiken wird \u201e\u00c4pfel mit Birnen vergleichen\u201c genannt. Die Leserin dieses Beitrags mag selbst im Laufe eines Tages erforschen, wie oft ihr in den Nachrichten\u00adsendungen eines Tages irref\u00fchrende Vergleiche von \u201e\u00c4pfeln und Birnen\u201c, also Zahlenvergleiche zu Infizierten- und Todesf\u00e4llen in Zusammenhang mit Covid-19 zwischen verschiedenen L\u00e4ndern oder Regionen begegnen&#8230; \u201eDer Vergleich der absoluten Zahlen Infizierter und der absoluten Todeszahlen zwischen L\u00e4ndern oder Kantonen ist Unsinn. Das ist genauso aussagekr\u00e4ftig wie die Behauptung, in den USA h\u00e4tte es mehr Autos als im Andorra. Damit solche Vergleiche aussagekr\u00e4ftig werden, m\u00fcssen die Todeszahlen pro 100&#8217;000 Einwohner gerechnet werden; und auch die Anzahl Patienten auf den Intensivstationen m\u00fcssen pro 100&#8217;000 Einwohner angegeben werden\u201c, erkennt nun auch Paul Robert Vogt nun in seinem \u201eUpdate\u201c zum Coronovirus vom 20.4.2020. Dieser Versuch einer Kontex\u00adtua\u00adlisierung anhand einer festen Bev\u00f6lkerungszahl erh\u00f6ht zwar auf den ersten Blick die Ver\u00adgleich\u00adbarkeit. Jedoch wird daf\u00fcr lediglich ein formales Mittel aufgewendet, ohne den Mindeststandards f\u00fcr empirische Sozialforschung, wie oben skizziert, gerecht zu werden. So werden bei\u00adspielsweise in Schweden nur \u00c4ltere, Schwer\u00adkranke und Klinikmitarbeiter auf Covid-19 getestet. Logischerweise f\u00e4llt die Sterblichkeitsquote f\u00fcr Covid-19, d.h. der Quotient, der aus der Zahl der Todes\u00adf\u00e4lle und der (zeitversetzten) Zahl der Infizierten gebildet wird, damit h\u00f6her aus als in L\u00e4ndern, wo auch Per\u00adsonen mit milder Symptomatik getestet werden. Daher n\u00fctzt es nichts, die Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe zur Eichung heranzuziehen. So ver\u00adzeichnete Schweden 156, Deutschland 58, Norwegen 33 und Finn\u00ad\u00adland 18 Ver\u00adstorbene pro eine Million Einwohner seit Beginn der Corona-Krise (Quelle: Deutschland\u00adfunk am 22.4.2020). Die Be\u00adzugnahme auf die Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe f\u00fchrt nicht aus dem metho\u00addischen Dilemma heraus, denn niemand wei\u00df, wie hoch die Dunkelziffer der Infektion bei der Ge\u00adsamt\u00adheit der Verstorbenen aus\u00adf\u00e4llt. So ist weiterhin bekannt, da\u00df auch die ita\u00adlie\u00adni\u00adschen Gesundheits\u00adbeh\u00f6rden nicht zwischen Verstorbenen \u201ean\u201c oder \u201emit\u201c Covid-19 oder sonstigen Todes\u00adursachen unter\u00adscheiden (Tagesschau vom 21.3.2020). Derart unsaubere Z\u00e4hlweisen eignen sich nicht f\u00fcr weitergehende Aus\u00adwer\u00adtungen. Bemerkenswert ist auch die Behauptung von Paul Robert Vogt: \u201eDie Sterberate von COVID-19 ist \u2013 wie wir aus geschlossenen Populationen (Kreuzfahrtschiffen) wissen \u2013 rund 20x h\u00f6her als die der Grippe.\u201c (Update vom 20.4.2020) Auf der <i>Diamond Princess<\/i> waren, als sie in Yokohama anlegte, 10 von 3711 Passagieren mit Covid-19 infiziert. Nach 17 Tagen \u201eQuaran\u00adt\u00e4ne\u201c, in denen sich das Virus auf dem Schiff vermutlich ungehindert ausbreiten konnte, hatten sich 705 Passagiere, d.h. 20% angesteckt und 6 waren gestorben (Quelle: Tagesspiegel vom 25.3.2020). Woher wis\u00adsen wir aber, ob die geschlossene Gesellschaft der Schiffspassagiere einen re\u00adpr\u00e4\u00adsen\u00adtati\u00adven Bev\u00f6l\u00adkerungs\u00adquerschnitt darstellt \u2013 dies erscheint eher zweifelhaft. Vermutlich waren auf dem Schiff eher \u00e4ltere und weniger zu Aktivurlaub motivierte Men\u00adschen anzutreffen&#8230; Vogts Verall\u00adge\u00admeine\u00ad\u00adrung zur Sterblichkeit durch Covid-19 ist also unzul\u00e4ssig. Die beobachtete hohe An\u00adsteckungs\u00adgefahr mit Covid-19 l\u00e4\u00dft sich dagegen nicht von der Hand weisen. Auf der Insel Taiwan leben 24 Millionen Einwohner. Sie teilt sich eine Grenze mit der VR China und galt zu Beginn der Corona-Krise als eines der am meisten gef\u00e4hrdeten Gebiete, zumal Taiwan nicht Mitglied der WHO ist. Auf sich selbst gestellt, entwickelte Taiwan jedoch weltweit die erfolg\u00adreichste Strategie im Umgang mit dem Virus. Es wird wesentlich weniger in den Labors getestet als in Deut\u00adschland, dagegen vor allem Fieber gemessen, insbesondere bevor man \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude wie Schulen, Restau\u00adrants, Einkaufszentren, Theater oder Museen etc. betritt \u2013 die weiterhin ge\u00f6ffnet sind. Am 23.4.2020 gab es in Taiwan 58.003 F\u00e4lle mit Covid-19-Symptomatik. Nur bei 427 F\u00e4llen wurde\u00a0 der neue Coronavirus labor\u00addiagnostisch nachgewiesen, eine extrem geringe Zahl. Davon sind bislang bereits 253 Personen aus der Quarant\u00e4ne wieder entlassen worden. Insgesamt waren bisher nur 6 Todesf\u00e4lle mit nachgewiesener neuartiger Coronainfektion in Taiwan zu verzeichnen (Quelle: Tai\u00adwan Centers for Desease Control, www. cdc.gov.tw, Download am 23.4.2020) \u2013 diesen Erfolg erreichte Taiwan im \u00fcbrigen ohne \u201eLockdown\u201c. Auf der Pausenbank plaudert unser statistischer Schiedsrichter w\u00e4hrend der notwendigen Spiel\u00adunterbrechung ein wenig aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen: \u201eIn Deutschland ist mir bisher noch nirgendwo auch nur eine einzige Fiebermessung vor dem Betreten \u00f6ffentlicher Versammlungsorte begegnet. M\u00f6glicherweise erscheint unseren politischen Entscheidern diese L\u00f6sung als zu einfach und zu billig. Zahllose Experten w\u00fcrden sich m\u00f6glicherweise sofort zu Wort melden, wie ungenau, unsicher und un\u00adspezifisch Fiebermessen sei, man denke doch bittesch\u00f6n an die Inkubationszeit \u2013 dabei ist mit der fehlenden Spezifik des Fiebermessens eine Reihe unsch\u00e4tzbarer Vorteile gegen\u00fcber den Labortests auf Covid-19 verbunden: Fiebermessungen k\u00f6nnen nicht nur hundert\u00adtausendmal pro Woche, sondern millionenmal vorgenommen werden \u2013 \u00fcberall, wo es sinn\u00advoll erscheint. Das Ergeb\u00adnis ist sofort ablesbar \u2013 wer mit Fieber krank ist, kann nach Hause geschickt werden, w\u00e4hrend er bei uns mit Mundschutz in den Supermarkt rennt. Last not least ist der Blick nicht auf Covid-19 ein\u00adgeengt \u2013 wir vergessen derzeit schnell, da\u00df es noch andere Krankheiten gibt&#8230;\u201c Summa sumarum geben die in Tabelle 1 aufgelisteten Unter\u00adschiede zwischen den L\u00e4ndern hin\u00adsicht\u00adlich der der Corona-Positivrate einen sta\u00adti\u00adsti\u00adschen Artefakt wie\u00adder. Sie zu ontologisieren, d.h. die Zahl der positiven Testbefunde mit der Zahl der tats\u00e4chlich der Infizierten in einem Land gleichzusetzen, wie es in den t\u00e4glichen Schlagzeilen der Zahlenreporter geschieht, bedeutet nichts anderes, als \u00c4pfel mit Birnen zu vergleichen: \u201eSchwedens Sonderweg droht zu scheitern \u2013 Sterbe\u00adrate bei 10 Prozent\u201c titelte der Focus am 17.4.2020. Auf diese Weise lassen sich vortrefflich Falsch\u00admeldungen produzieren \u2013 diese immerhin feiern momentan eine epidemische Kon\u00adjunktur. Valide Erhebungen beziehen sich auf <i>repr\u00e4sentative<\/i> Stichproben oder Vollerhebungen, sowohl von erkrankten als auch gesunden Personen, aus allen Be\u00adv\u00f6l\u00adkerungsschichten. Auf diese Weise entsteht Ver\u00adgleich\u00adbarkeit. Doch repr\u00e4sentative Studien zu Covid-19 sind bisher Mangelware.<\/p>\n<h3>Positiv oder falsch-positiv, negativ oder falsch-negativ \u2013 das ist hier die Frage<\/h3>\n<p>Der Labortest (RT-PCR) f\u00fcr das neue Coronavirus wurde von Drostens Mitarbeitern in fieberhafter Eile entwickelt. Dazu wurden zun\u00e4chst RNA-Muster des SARS-1-Virus von 2002\/2003 verwendet und dann mit Proben aus Wuhan abgeglichen. Validierungen durch Forscher in London, Rotterdam und Hongkong best\u00e4tigten die Resultate, beteuerte Drosten: Es sei kein einziges, falsch positives Ergebnis festgestellt worden. \u201eUnd die Art der technischen Validierung ist auf so hohem Niveau, und das haben wir im Januar bereits publiziert, das war eine der ersten wissenschaftlichen Ver\u00f6ffent\u00adlichungen \u00fcberhaupt \u00fcber dieses neue Virus, da\u00df eine unglaublich gro\u00dfe Reihe von Firmen, nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt, dazu \u00fcbergegangen ist, diesen Test wegen dieser so guten Validierungsdaten sofort in kommerzielle validierte Testsysteme zu \u00fcberf\u00fchren. Und gleich\u00adzeitig hat die Weltgesundheitsorganisation sofort dieses Testprotokoll \u00f6ffentlich gestellt auf ihrer Seite, damit alle Agenturen des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens das benutzen k\u00f6nnen.\u201c (Drosten im NDR Podcast vom 18.3.2020). Falsch-positives Ergebnis meint einen Befund, demzufolge eine Infektion mit dem neuen Virus vorliege, w\u00e4hrend in Wirklichkeit keine Infektion mit dem neuen Virus stattgefunden hat. Im Volksmund wird ein solches Ergebnis auch \u201efalscher Alarm\u201c genannt. Unser statistischer Schiedsrichter greift zu Pfeife und l\u00e4\u00dft einen lauten Pfiff durch die Arena hallen: Eine Falsch-Positiv-Rate von 0% h\u00f6rt sich nach einer phantastischen Bilanz an. Ging das nicht ein bi\u00dfchen zu schnell? Tats\u00e4chlich ist sie unwahrscheinlich. Bisher wurden bei jedem seri\u00f6sen Testverfahren sowohl falsch-positive als auch falsch-negative Befunde festgestellt. Von falsch-negativen Befunden wird gesprochen, wenn der Test keine Infektion anzeigt, obwohl sie in Wirklichkeit stattgefunden hat. Eine hohe Falsch-Negativ-Quote bedeutet, da\u00df die Dunkel\u00adziffer deutlich h\u00f6her liegt, als der Test es zeigt. Beide Fehler\u00adar\u00adten h\u00e4ngen miteinander zusammen: Je h\u00f6her die Zahl der falsch-po\u00adsitiven Be\u00adfunde, desto geringer die Zahl der falsch-negativen und um\u00adgekehrt. In der Praxis kommt es darauf an, den Test so zu entwickeln, da\u00df beide Fehler in Bezug auf das Anwendungsziel in einem\u00a0 ent\u00adsprechenden Verh\u00e4ltnis stehen. Will man falsch-positive Befunde vermeiden, wird man falsch-negative Befunde in Kauf nehmen m\u00fcssen&#8230; Die Behauptung Drostens, sein Test habe in der Erprobungsphase zu keinerlei falsch-positiven Er\u00adgebnissen gef\u00fchrt, l\u00e4\u00dft aufhorchen. Zu erwarten ist, da\u00df sich diese Bilanz nicht replizieren l\u00e4\u00dft. In un\u00adabh\u00e4ngigen Folgestudien wird auch mit falsch-positiven Befunden zu rechnen sein. Alles andere w\u00e4re ein M\u00e4rchen. Die Frage ist, welchen Anteil die falsch-positiven Befunde einnehmen. Drosten \u00e4u\u00dferte sich in seinem Podcast zur Fehlerquote des RT-PCR-Tests nicht mehr. Ausf\u00fchrlich widmet er sich lediglich der Fehlerhaftigkeit der Antik\u00f6rpertests, die er auf 2% bezifferte (Folge 33 vom 20.4.2020). Auf Youtube be\u00adhaup\u00adtete unter anderem der Internist Claus K\u00f6hnlein, der RT-PCR-Test sei zu 30-50% fehlerhaft \u2013 was in der Tat gravierend w\u00e4re. Tats\u00e4chlich hatte eine chinesische Forschergruppe bei nahen Angeh\u00f6rigen von Covid-19-Patienten, die keine klinische Symptomatik aufwiesen, eine Falsch-Positiv-Quote von 80% gefunden und mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% ermittelt, da\u00df die Falsch-Positiv-Quote bei asymptomatischen Personen etwa bei 47% oder h\u00f6her liege (Zhang et al., 2020). Nachdem diese Zahlen in sozialen Netzwerken auftauchten, widmete sich Christina Helberg von <i>Correctiv<\/i> dem Thema. Ihre Anfrage beim RKI ergab, da\u00df das Institut \u00fcber keine Angaben zur Spezifit\u00e4t und Sensitivit\u00e4t des RT-PCR-Tests verf\u00fcge. Vielmehr verwies das RKI auf das Kon\u00adsi\u00adliarlabor, also das Team von Drosten. Helberg fragte daraufhin auch bei Laboren in K\u00f6ln, Stuttgart und Dresden an. Alexander Dalpke, Direktor des Instituts f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der TU Dresden, antwortete: \u201eNein, die RT-PCR sind hochspezifisch (Spezifit\u00e4t sicher im Bereich &gt;95\/98%).\u201c\u00a0 Eine Falsch-Positiv-Quote von 2-5% wirkt dem Anschein nach realistisch und l\u00e4ge im \u00fcbrigen in der Gr\u00f6\u00dfenordnung, die Drosten den Antik\u00f6rpertests vorwirft. Die eMail-Anfrage von <i>Correktiv<\/i>\u00a0 ersetzt aber breit angelegte Kreuz\u00advali\u00addie\u00adrungs\u00adstudien mit Doppelblind-Design nicht, d.h. die Ana\u00adlysten in den For\u00adschungs\u00adlaboren d\u00fcrfen nicht wissen, ob die Proben von Covid-19-Pa\u00adtien\u00adten oder von anderen Probanden stammen. Denn Labore, die ohne Untersuchungsdesign routine\u00adm\u00e4\u00dfig mit der Analyse von Proben be\u00adsch\u00e4f\u00adtigt sind, k\u00f6nnen die Fehlerhaftigkeit der Ergeb\u00adnisse nicht feststellen. Vielmehr ben\u00f6tigen sie im Vorfeld die Angaben zur Sensitivit\u00e4t und Spe\u00adzifit\u00e4t, um ihrerseits die Fehlerhaftigkeit der Befunde im Einzelfall ausweisen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr die Einzel\u00adfallauswertung sind schlie\u00dflich Angaben zur Reliabilit\u00e4t und Konfidenzintervalle notwendige Voraussetzungen. Gerade der klinische Praktiker mu\u00df genau wissen, wie zuverl\u00e4ssig der Test bei wiederholter Anwendung sowie bei Anwendung durch verschiedene Laboranten und Auswerter ist \u2013 dar\u00fcber wurde bisher noch gar nicht diskutiert. Alexander Dalpke wies zumindest auf eine weitere Fehlerquelle hin, wenn die RNA-Proben in Form von Abstrichen aus dem Rachen\u00adraum entnommen werden: \u201eEs gibt tats\u00e4chlich Hinweise, da\u00df Rachenabstriche nur 70% der Er\u00adkrankten erkennen.\u201c Dies w\u00fcrde eine Falsch-Negativ-Quote von 30% bedeuten. Die journalistische Recherche der Faktencheckerin konnte keine zuverl\u00e4ssigeren Angaben ermitteln. Dabei hatten chinesische Radiologen bereits im Februar bei 1014 Covid-19-Patienten in Kranken\u00adh\u00e4usern von Wuhan den PCR-Test und ein Lungen-CT parallel eingesetzt, wobei sie \u00fcber das Ergebnis des Labortests \u201everblindet\u201c wurden, um Verzerrungen durch Vorein\u00adge\u00adnom\u00admenheit zu minimieren (Tai Ai et al., 2020). 59% der Patienten wurden mit dem RT-PCR positiv getestet, jedoch 88% wiesen einen positiven Befund im Lungen-CT auf. Von den 413 Patienten, bei denen der Labortest negativ ausgefallen war, hatten 75% einen positiven Befund im Lungen-CT. Die Computer\u00adtomo\u00adgraphie der Lunge erwies sich damit als deutlich sensitiver als der Labortest, der eine hohe Zahl falsch-negativer Befunde produzierte. Die Autoren empfahlen das Lungen-CT als Referenz\u00admethode, um Covid-19 zu diagnostizieren. Eine hohe Falsch-Negativ-Quote fanden auch die Forscher der Stanford-University in Santa Clara County, die Antik\u00f6rpertests und PCR verglichen. Demnach w\u00fcrde der RT-PCR-Test nur 1 von 50 bis 80 Infizierten erfassen. Die positive Botschaft einer derart hohen Falsch-Negativ-Quote lautet: Damit w\u00fcrde die Fallsterblichkeit auf 0.1 bis 0.9% sinken (Bendavid et al., 2020). Ebenfalls bereits im Februar erschien eine Analyse von 1099 Patientenakten, die im Dezember 2019 und Januar 2020 an Covid-19 litten, durch die Medizinische Expertengruppe der VR China (Guan et al., 2020). Die Akten stammten aus 533 Krankenh\u00e4usern in 30 chinesischen Provinzen oder Regionen. Bei allen Patienten lag ein positiver Labortest vor. Ein positiver Befund im Lungen-CT konnte jedoch nur bei 86% festgestellt werden. Hier zeigte der Labortest also eine Falsch-Positiv-Quote von 14%. Bemerkenswert ist, da\u00df CT und Labortest bei Patienten mit schwerer Symptomatik, die eine Beatmung erforderlich machte, nur zu 2.9% voneinander abwichen, bei milder Symp\u00adto\u00admatik dagegen zu 17.9% (vgl. Sturts, 2020).<\/p>\n<h3>Die Pr\u00e4valenz-Falle<\/h3>\n<p>Insgesamt wirft diese Befundlage zur Fehlerhaftigkeit des RT-PCR-Tests mehr Fragen auf, als sie be\u00adantwortet. Eine indische Forscher\u00adgruppe wertete im April 2020 die Corona-Zahlen aus 210 L\u00e4ndern aus und korrelierte sie mit demographischen, soziologischen sowie gesundheitspolitischen Daten, auf die ich inhaltlich im Abschnitt \u201eKontexte\u201c zur\u00fcckkomme. Dabei stellten die Forscher ver\u00adschiedene Un\u00adgereimtheiten fest, die auf methodische M\u00e4ngel der Erhebungen zu Covid-19 zur\u00fcck\u00adzuf\u00fchren seien: \u201eDie gegenw\u00e4rtige Form der Diagnostik \u00fcbersch\u00e4tzt wahrscheinlich die SARS-CoV-2-Infektiosit\u00e4t sowie die Morbidit\u00e4t und Mortalit\u00e4t von Covid-19, da sie darauf abzielt, SARS-CoV-2 in allen vermuteten Grippef\u00e4llen und allen Todesf\u00e4llen in den Pandemieregionen nachzuweisen. Eine h\u00f6here Anzahl von F\u00e4llen wurde in L\u00e4ndern mit einer hohen Alphabetisierung und st\u00e4rkeren Volkswirtschaft registriert, die auch \u00fcber eine h\u00f6here Testkapazit\u00e4t verf\u00fcgen, was ebenfalls darauf hinweist, da\u00df sie m\u00f6glicherweise \u00fcberdiagnostiziert wurden. Gegenw\u00e4rtig folgt das Testen auf COVID-9 nicht dem Ziel, die wahre Verbreitung der Krankheit (<i>disease mapping<\/i>) zu identifizieren. Bis die Tests nach einem soliden Stichprobenplan durchgef\u00fchrt werden, kann die tats\u00e4chliche Inzidenz und Pr\u00e4valenz der Krankheit nicht genau bestimmt werden. Wenn keine repr\u00e4sentativen Erkennt\u00adnisse zur wahren Verbreitung der Krankheit vorliegen, sind auch ihre Determinanten nicht korrekt beschreibbar &#8230; Ein hoher Anteil falsch-positiver Befunde von Covid-19-Tests hat kostspielige Folgen, die f\u00fcr eine wirksame Seuchenbek\u00e4mpfung in Kauf genommen werden. Der aktuelle RT-PCR-basierte Labortest zeichnet sich jedoch durch einen hohen negativen Vor\u00adhersagewert aus und kann dazu f\u00fchren, da\u00df eine gro\u00dfe Anzahl positiver F\u00e4lle \u00fcbersehen wird, was zur anhaltenden Ausbreitung der Pandemie beitragen kann. Negative RT-PCR-Ergebnisse f\u00fcr Covid-19 erfordern wiederholte Tests, um das negative Ergebnis zu best\u00e4tigen. Daher ist ein besserer Test mit h\u00f6heren positiven und negativen Vorhersagewerten erforderlich, um die wahre Anzahl positiver und negativer F\u00e4lle bestimmen zu k\u00f6nnen.\u201c (Singh et al. 2020, \u00dcbersetzung VK)<\/p>\n<p>Die Strategie, von Personen mit Erk\u00e4ltungssymptomen einen Abstrich f\u00fcr den Labortest zu nehmen, erweist sich also aus mindestens zwei Gr\u00fcnden als fragw\u00fcrdig: Erstens entsteht auf diese Weise kein realistisches Bild von der Verbreitung von Covid-19, da die Stichprobe nicht re\u00adpr\u00e4\u00adsentativ ist und Pr\u00e4valenz sowie Inzidenz nicht bestimmt werden k\u00f6nnen. In den t\u00e4glichen Nachrichtenmeldungen wird aber seit Anfang M\u00e4rz so getan, als handelte es sich um diese Werte, indem irref\u00fchrend von t\u00e4glichen Neuinfektionen und \u00e4hnlichem gesprochen wird. Zweitens ist das klinische Bild, das den Corona-Labortest veranla\u00dft, identisch mit den Anzeichen einer \u201eGrippe\u201c, wie sie durch Influenza und andere Erk\u00e4ltungsviren hervorgerufen wird. Getestet wird aber nur das neue Coronavirus \u2013 wahr\u00adschein\u00ad\u00adliche Komorbidit\u00e4ten mit anderen saisonalen Viren bleiben unerkannt. Eine derartig frag\u00admentarische Diagnostik ist nicht nur f\u00fcr den medizinischen Er\u00adkennt\u00adnis\u00adgewinn unbrauchbar, son\u00addern auch f\u00fcr die Ableitung eines angemessenen individuellen Thera\u00adpieplans. Daraus wiederum resultieren zahlreiche praktische und ethische Probleme.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend des Vietnamkrieges, als es darum ging, mit welcher Wahrscheinlichkeit ameri\u00adka\u00adnische Piloten vietnamesische von kambodschanischen Kampfjets unterscheiden k\u00f6nnen, (CIA, 2008), sp\u00e4ter bei der Interpretation von massenhaft gespeicherten Fluggastdaten nach 9\/11, schlie\u00df\u00adl\u00adich auch bei\u00a0 Einstufung der Zahl zu Unrecht verd\u00e4chtigter Personen bei Rasterfahndungen mit DNA-Tests \u2013 immer wenn es sich um gro\u00dfe Zahlen handelt, k\u00f6nnen auch kleinste Me\u00dffehler zu gra\u00ad\u00advierenden Fehlinterpretationen beitragen. Menschen lassen sich in ihrem intuitiven Zahlen\u00adver\u00adst\u00e4ndnis eher vom Augenschein als von bedingten Wahrscheinlichkeiten leiten (Tversky &amp; Kahne\u00adman, 1974). So mag ein Patient glauben, wenn ihm der Arzt die Kunde von einem positiven Corona-Laborbefund \u00fcberbringt, da\u00df er sich also mit 98%iger Sicherheit nun mit Covid-19 infiziert habe, denn der PCR-Test habe doch eine solch hohe Genauigkeit (Spezifit\u00e4t). Dieser Glaube, der gegenw\u00e4rtig weit verbreitet zu sein und auch von unseren Datenjournalisten geteilt, zumindest nicht aktiv ausger\u00e4umt zu werden scheint, beruht jedoch auf einem folgenschweren Irrtum, der in der Literatur als \u201ePr\u00e4valenzfehler\u201c oder \u201eBase Rate Fallacy\u201c bekannt ist und ins Erstsemester Sta\u00adtistik geh\u00f6rt. Wenn pro Woche, wie es seit Ende August 2020 in Deutschland der Fall ist, eine Million PCR-Tests durchgef\u00fchrt werden, dann f\u00fchrt auch eine scheinbar kleine Falsch-Positv-Rate von 2% zu einer immensen Anzahl irrt\u00fcmlich mit einer Covid-19-Erkrankung (\u201eInfektion\u201c) verd\u00e4chtigter Per\u00adsonen: Nehmen wir an, das neue Coronavirus hat sich bereits bei 1% der Bev\u00f6lkerung aus\u00adge\u00adbreitet \u2013 diese Zahl wird Pr\u00e4valenz genannt.\u00a0 Dann sollte der Test bei 10&#8217;000 der untersuchten Personen ein po\u00adsitives Ergebnis anzeigen. Mindestens, mu\u00df man sagen, denn aufgrund der durchaus realistschen Fehlerquote wird er dar\u00fcber hinaus bei 2% der 990000 Personen, die keinen Abschnitt des Corona\u00advirus in sich tragen, ebenfalls mit einem positiven Laborergebnis anschlagen: es handelt sich um\u00a0 19800 falsch positive Laborbefunde, die pro Woche allein durch die Falsch-Positiv-Quote \u201eein\u00adge\u00adpreist\u201c werden m\u00fcssten \u2013 davon aber ist in unseren Nachrichten keine Rede. Vielmehr wird irre\u00adf\u00fch\u00adrend ein positiver Laborbefund mit einer aktiven klinischen Infektion gleichgesetzt, was schlicht\u00adweg eine Falschmeldung ist. Tats\u00e4chlich betr\u00e4gt die Wahrscheinlichkeit, erkrankt zu sein, wenn ein positiver Labor\u00adbefund vorliegt, bei einer Pr\u00e4valenz von 1% lediglich 33.5%<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\"><b>Pr\u00e4valenz<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\"><b>Falsch-Positive<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\"><b>Wahrscheinlichkeit einer Infektion<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">0.5%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">19900<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">20.0%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">1%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">19800<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">33.5%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">1.5%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">19700<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">43.2%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">2%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">19600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">50.5%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">3%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">19400<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">60.7%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">5%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">19000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">72.5%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">10%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">18000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">84.7%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">25%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">15000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">94.3%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"101\">\n<p align=\"center\">50%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"108\">\n<p align=\"center\">10000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">98.0%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 2: Modellrechnung zur Auswirkung der Pr\u00e4valenz (base rate) auf die Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven PCR-Laborbefund tats\u00e4chlich mit Covid-19 infiziert zu sein (Parameter:\u00a0 N= 1&#8217;000&#8217;000, Spezifit\u00e4t 98%, Sensitivit\u00e4t 100%)<\/em><\/p>\n<p>Deutlich wird, da\u00df die Wahrscheinlichkeit, mit der bei einem positiven Laborbefund auch von einer tats\u00e4chlichen Infektion auszugehen ist, keinesfalls a priori mit 100% anzusetzen ist, sondern ma\u00df\u00adgeblich von der aktuellen Gesamtzahl der bereits Infizierten, der Basisrate, abh\u00e4ngt. Dabei handelt es sich nicht im epidemiologischen Sinne um die sogenannte \u201eDurchseuchung\u201c, also dier Personen, die die Erkrankung bereits durchstanden haben und damit immun geworden sind, sondern um die Zahl der aktiven F\u00e4lle, die mit einem PCR-Test erfasst werden k\u00f6nnen.\u00a0 Erst wenn jeder Zweite, der einen positiven Laborbefund empf\u00e4ngt, auch klinische Symptome zeigt, k\u00f6nnen wir von einer 98%igen Wahrscheinlichkeit ausgehen, da\u00df er auch an Covid-19 erkrankt ist.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4valenz ist also ein ausschlaggebender Faktor, um die t\u00e4glich im Halbstundentakt ver\u00admel\u00addete Zahl der Positivbefunde, die von den Datenjournalisten irrref\u00fchrend mit der Zahl der In\u00adfi\u00adzierten gleichgesetzt wird, realistisch einordnen zu k\u00f6nnen. Die Testkapazit\u00e4t hat keinen Einflu\u00df auf die Infektionswahrscheinlichkeit. Bei einer geringen Pr\u00e4valenz schie\u00dft vielmehr bei einer gleichzeitig hohen Testkapazit\u00e4t die absolute Zahl der f\u00e4lschlicherweise mit einer Covid-19-In\u00adfek\u00adtion in Verbindung ge\u00adbrachten Personen in die H\u00f6he \u2013 was nicht im Sinne der Gesundheitsvorsorge sein kann, aber just zum Herbstbeginn der Fall war. Das Mot\u00adto \u201eTest, test, test!\u201c erweist sich damit als irref\u00fchrend \u2013 es kommt vielmehr auf die Qualit\u00e4t der Teststrategie an.<\/p>\n<p>Um die Pr\u00e4valenz zu messen, ben\u00f6tigt man eine re\u00adpr\u00e4\u00adsen\u00adtative Auswahl der Stich\u00adprobe. Davon ist die \u201enationale Teststrategie\u201c in Deutschland weit entfernt (vgl. \u201eAktualisierung der Nationalen Teststrategie vom 15.10.2020 auf www.rki.de). Wurden im Fr\u00fchjahr 2020 selektiv Per\u00adsonen mit Erk\u00e4ltungssymptomen getestet, waren es im Sommer die Urlaubs\u00adr\u00fcck\u00adkehrer aus dem Ausland und vor den Herbstferien die Inlandstouristen, die aus Regionen mit h\u00f6\u00adherer Inzidenz in eine Region mit niedrigerer Inzidenz fahren wollten \u2013 mit einer wissen\u00adschaft\u00adlichen Studie, die anhand demo\u00adgra\u00adphischer Kriterien einen repr\u00e4sentativen Be\u00adv\u00f6l\u00adke\u00adrungs\u00adquer\u00adschnitt testet, hat all das nichts zu tun \u2013 Zweifel an der wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit der Re\u00adgierung sind daher mehr als angebracht, mag sie sich selbst noch so h\u00e4ufig als wissenschaftlich orientiert gegen\u00fcber der Willk\u00fcrherrschaft autorit\u00e4rer Machthaber in anderen L\u00e4ndern bezeichnen. Die anhaltende Ver\u00adwei\u00adgerung, eine fundierte Pr\u00e4valenz\u00adstudie f\u00fcr Deutschland zu initiieren, gibt gesund\u00adheitspolitische R\u00e4t\u00adsel auf.<\/p>\n<p>Seit April 2020 erfa\u00dft das RKI das Vorkommen von Corona-Antik\u00f6rpern bei Blutspendern (SeBlu\u00adCo-Studie). Alle zwei Wochen werden ca. 5000 Blutproben gesunder erwachsener Personen von 13 Blutspendediensten, die auf 28 Regionen Deutschlands verteilt sind, auf Seropositivit\u00e4t untersucht. Eine Zwischenauswertung zum 19. August 2020 brachte folgende Ergebnisse: \u201eDer Anteil von Personen mit spezifischen Antik\u00f6rpern gegen SARS-CoV-2 unter blutspendenden Erwachsenen ist mit 1.25% weiterhin gering.\u201c Erg\u00e4nzend wurden bei 65% der Proben erg\u00e4nzende \u201eNeu\u00adtra\u00adli\u00adsa\u00adtions\u00adtests\u201c durchgef\u00fchrt, um falsch-positive Befunde auszuschlie\u00dfen. \u201eVon diesen hatten ca. 27% (96\/362) auch nachweisbare neutralisierende Antik\u00f6rper.\u201c \u2013 d.h., die korrigierte Pr\u00e4valenz lag im August bei ca.\u00a0 0.34%. \u201eDie Seropr\u00e4valenz war bei M\u00e4nnern signifikant h\u00f6her als bei Frauen (1.48 bzw. 0.96%) Es wurden Unterschiede in der Altersverteilung der Seropositiven erkennbar. Die drei j\u00fcngsten Altersgruppen (18-29 Jahre) der SeBluCo-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer zeigen nach Auswertung von ca. 50% der Studiendaten die h\u00f6chste adjustierte Pr\u00e4valenz. Die Regionen Freiburg und Bayern S\u00fcd-Ost haben den h\u00f6chsten Anteil an Seropositiven.\u201c (Quelle: www.rki.de)<\/p>\n<p>Im Hotspot Gangelt ermittelte das Team von Hendrick Streek dagegen eine Pr\u00e4valenz von 20% &#8211; sie kann jedoch ebenfalls nicht als repr\u00e4sentativ angesehen werden.<\/p>\n<p>In seiner umstrittenen Berechnung des Nutzens des Lockdowns f\u00fcr die Eind\u00e4mmung der Pan\u00addemie ging das Imperial College im Juni 2020 von 0.85\u00a0% Pr\u00e4valenz f\u00fcr Deutschland aus (Flax\u00adman, 2020).<\/p>\n<p>Eine der bisher qualitativ besten Pr\u00e4valenzmessungen stammt von Mai 2020 aus Brazilien (Hallal et al., 2020). Es wurde eine anhand von 25 Census-Kriterien ausgeglichene Zufallsstichprobe in 133 St\u00e4dten, proportional zur Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe gezogen, mit mindestens jeweils ca. 250 Teilnehmern. Insgesamt nahmen 25955 Probanden an der Studie teil. Es wurde wiederum die Seropositivit\u00e4t be\u00adstimmt. Ohne statistische Korrekturen betrug die krude Pr\u00e4valenz 1.39%.<\/p>\n<p>Im WHO Bulletin vom 15. Oktober 2020 ver\u00f6ffentlichte John Ioannidis eine \u00dcbersicht zu allen serologischen Corona-Antik\u00f6rpertests weltweit seit Beginn der Pandemie (es wurden vor allem Studien w\u00e4hrend der ersten Welle ausgewertet). Dabei wurden Pr\u00e4valenzstudien zur Verbreitung des Coronavirus im Krankenhauspersonal oder in bestimmten relig\u00f6sen Gruppen nicht ber\u00fcck\u00adsichtigt. Im Ergebnis wurden 61 Studien mit ingesamt 74 Pr\u00e4valenzsch\u00e4tzungen zusammengetragen \u2013 Deutschland war lediglich durch die Streek-Studie in Gangelt und eine Unter\u00adsuchung in Frank\u00adfurt a.M. vertreten. Die Pr\u00e4valenz schwankte weltweit zwischen 0 und 54.4% (in den Slums von Mumbai).<\/p>\n<h3>Zahlen ohne Bezugsgr\u00f6\u00dfe sagen nichts<\/h3>\n<p>Als wissenschaftlich unhaltbar mu\u00df die Verwendung allein der Zahl der Positiv\u00adbefunde unter Ausblendung der Datenbasis, d.h. der Gesamtzahl N der angewandten Tests, betrachtet werden (vgl. Schrappe et al., S. 4 f. und S. 9 ff.). Seit Monaten wird hammerartig in den halbst\u00fcndlichen Nachrichtensendungen ausgerechnet mit diesen nichtssagenden Zahlen hantiert. Bis Ende M\u00e4rz dominierte in der Diskussion \u00fcber Kriterien zur Lockerung oder Beendigung der rigiden Schutz\u00adma\u00df\u00adnahmen der sogenannte \u201eVer\u00addop\u00adpe\u00adlungs\u00adzeitraum\u201c. Angela Merkel nannte am 28. M\u00e4rz als Cut-off-Kriterium einen Ver\u00addop\u00adpelungs\u00adzeitraum von 10 Tagen, um die Ein\u00adschr\u00e4n\u00adkun\u00adgen der elemen\u00adtaren Grund\u00adrechte wieder aufzuheben. Wieder zucken wir beim Pfiff unseres statistischen Schiedsrichters zusammen: \u201eJeder Sch\u00fclerin im Physik\u00adleistungskurs\u201c, ruft er, \u201emu\u00df klar sein, da\u00df eine Vergleichbarkeit von Test\u00adergeb\u00adnissen nur dann gegeben ist, wenn an den Randbedingungen nichts ver\u00e4ndert wird.\u201c Gerade dies ist aber, wenn man den Blick auf die Zahl der Positivbefunde einengt, nicht der Fall. Um zu einer valideren Beurteilung der statistischen Angaben zur Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu gelangen, ist die Ber\u00fccksichtigung der Baseline und der Zahl der Testungen eine unabdingbare Voraussetzung. Da\u00df die Zahl der an\u00adge\u00adwandten Tests den ma\u00dfgeblichen Virologen bis Ende M\u00e4rz nicht bekannt gewesen sei, sondern nur grob gesch\u00e4tzt werden k\u00f6nne (Drosten am 26.3.2020), verwundert sehr. Das Robert-Koch-Institut hat die \u00f6rtlichen Ge\u00adsund\u00adheits\u00e4mter Anfang M\u00e4rz ver\u00adpflichtet, auch die Zahl der Negativbefunde zu mel\u00adden, nachdem bereits in der Melde\u00adpflicht\u00ad\u00adver\u00adordnung \u00a71 vom 1.2.2020 vor\u00adge\u00adschrieben wurde: \u201eDem Gesundheitsamt ist auch zu melden, wenn sich der Verdacht einer Infektion nach Satz 1 nicht best\u00e4tigt.\u201c In erster N\u00e4herung kann daher \u2013 wenn man die Zahl ung\u00fcltiger oder m\u00f6glicherweise nicht eindeutiger Tests ver\u00adnach\u00adl\u00e4ssigt \u2013 die Summe der positiven und negativen Befunde als Sch\u00e4tzung f\u00fcr die Gesamtzahl der vor\u00adgenommenen Tests herangezogen werden. Damit sollte es ge\u00adlingen, den angst\u00adstarren Blick von den Absolutzahlen zu l\u00f6sen.<\/p>\n<h3>Exponentionalfunktion oder Wellenform<\/h3>\n<p>So wenig sich der \u201eVerdopplungszeitraum\u201c allein auf Grundlage der Positivbefunde ausrechnen l\u00e4\u00dft, so wenig ist dies f\u00fcr die \u201eAusbreitungsgeschwindigkeit\u201c m\u00f6glich. \u201eGenau\u201c, ruft unser Schieds\u00adrichter von der Seitenbank, wo er sich noch immer von den Strapazen der Zahlen\u00adspiel\u00adschieds\u00adrich\u00adterei ausruht, \u201edenkt noch einmal an die Sch\u00fclerin im Fach Physik: Wie soll sie die Geschwindigkeit eines Objekts bestimmen, wenn sie nur die Zeit kennt, aber nicht die L\u00e4nge des Weges, den es zur\u00fcckgelegt hat.\u201c Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte die \u201eAusbreitungsgeschwindigkeit\u201c eines Virus nicht mit den Mitteln der klassischen Physik zu beschreiben sein \u2013 sie auf Grundlage der un\u00adge\u00adwichteten Positiv\u00adbe\u00adfunde zu berechnen, gleicht aber einem solchen Versuch. \u201eDas h\u00e4tte unserer Physiksch\u00fclerin sp\u00e4testens in Klasse 7 auffallen m\u00fcssen\u201c, murmelt der Schiedsrichter. Anzunehmen war tats\u00e4chlich, da\u00df die Ausbreitung des neuen Virus <i>nichtlinear <\/i>erfolgen wird. Paradoxer\u00ad\u00adweise wurde die dabei allein die M\u00f6glichkeit von einer exponentieller Ausbreitung in Be\u00adtracht gezogen. Die Vorstellung einer exponentiellen Virusverbreitung basiert auf abstrakten kom\u00adbinatorischen Modellen, die lediglich in der Anfangszeit plausibel sind. Nur in einer un\u00adend\u00adlichen Wirtspopulation kann sich ein Virus exponentiell ausbreiten. Da dies nur theoretisch vorstellbar ist, mu\u00df die weitverbreitete Rede von der exponentiellen Verbreitung des Virus als falsch bezeichnet werden. Tats\u00e4chlich wird die Aus\u00adbreitungsgeschwindigkeit mit zu\u00adneh\u00admender Infek\u00adtion gebremst durch die Zahl der im\u00admu\u00adni\u00adsierten Personen. Es bildet sich ein dynamisches Gleichgewicht der Kr\u00e4fte. Rea\u00adlisti\u00adscher\u00adweise ist daher von einem wellen\u00adf\u00f6rmigen Verlauf der Epi\u00addemie auszugehen, d.h. zu Beginn kann es zu einem starken Anstieg kommen \u2013 der \u201eexponentiell\u201c erscheinen mag, wenn man den Blick auf diesen Arm der Welle einengt. Die Welle kann ver\u00adschie\u00adde\u00adne Formen annehmen, steil, langgestreckt, mehrgipflig. Jedoch kommt die Aus\u00adbreitung des Virus zwangs\u00adl\u00e4ufig \u2013 d.h. auch ohne weitere vom Menschen getroffene Ma\u00df\u00adnahmen \u2013 an den Gleich\u00adge\u00adwichts\u00adpunkt, wenn Infizierte und Immunisierte sich in etwa die Waage halten. Danach ist die Aus\u00adbreitung des Virus r\u00fcckl\u00e4ufig, zumindest f\u00fcr eine gewisse Zeit. Peter Rottier, emeritierter Professor f\u00fcr Virologie und Viruserkrankungen am Institut f\u00fcr Tiermedizin der Universit\u00e4t Utrecht, schildert diese Dynamik folgenderma\u00dfen: \u201eWenn ein Virus auf einen neuen Wirt \u00fcbergeht, kommt es in der Regel zu sehr starken Krank\u00adheitssymptomen, bis hin zum Tod. Kann sich ein solches Virus in seiner neuen Wirtspopulation halten, hat es die Chance, zu mutieren. Und der darwinistische Selektionsprozess beg\u00fcnstigt in erster Linie Mutationen, die die Ausbreitung des Virus erleichtern. Das geht nat\u00fcrlich nicht so gut, wenn der Wirt innerhalb von 24 Stunden stirbt. Es liegt nicht im Interesse des Virus, seinen Wirt schnell zu t\u00f6ten &#8230; Wenn ein Virus eine Zelle infiziert, kommen so nach 10 bis 16 Stunden Tausende neuer Viren heraus. Jedes von ihnen tr\u00e4gt im Durchschnitt drei Mutationen in sich. Mit jeder Replikationsrunde entstehen so neue Varianten des Virus. Einige Mutationen sind f\u00fcr das Virus nachteilig oder sogar t\u00f6dlich, aber manchmal ist eines dabei, das besser an neue Umst\u00e4nde angepasst ist &#8230; Das Sars-CoV-2 hat ein chinesischer Forscher vor etwa sieben Jahren zuerst bei Flederm\u00e4usen identifiziert. Das ent\u00adscheidende Virusprotein passt zuf\u00e4llig auch zu unseren Rezeptoren. Nicht perfekt, aber gut genug, damit es in die Zelle eindringen kann. Und dann beginnt die Fein\u00adabstimmung \u00fcber Mutationen. Nat\u00fcrlich lassen Zellen das nicht einfach so geschehen, sie reagieren mit einer Immunantwort auf Eindringlinge. Viren haben ihrerseits Tricks entwickelt, um damit umzugehen. So entwickelt sich ein unglaublich faszinierender Kampf &#8230; Auch das Mers-Virus schien die Welt zu erobern. Gl\u00fccklicherweise lie\u00df sich die Ausbreitung weitgehend auf Saudi-Arabien beschr\u00e4nken. Das Mers-Virus gibt es noch, aber nur wenige Patienten sterben daran. Das mag daran liegen, dass das Virus mutiert und mit der Zeit schw\u00e4cher geworden ist.\u201c Wenn die Ausbreitung des Virus gestoppt werden soll, so mu\u00df ihm sehr fr\u00fchzeitig und sehr konsequent begegnet werden \u2013 etwa wie es Taiwan gehandhabt hat. Die taiwanesischen Ma\u00dfnahmen zielen vordergr\u00fcndig weder auf ein Kontaktverbot zwischen den Menschen noch auf einen generellen \u201eLockdown\u201c, sondern auf eine kleinteilige, individuelle Ver\u00adhin\u00adderung der Ausbreitung des Virus, indem jeder Infektionsfall einzeln nachverfolgt wird. Die Fieber\u00admessungen er\u00adweisen sich dabei um Gr\u00f6\u00dfenordnungen niedrigschwelliger als Labortests. Mit ihrer Hilfe kann sowohl der Ausbreitung des neuen Virus als auch von anderen Erk\u00e4ltungskrankheiten vor\u00adgebeugt werden, w\u00e4hrend man bei der Anwendung von Labortests dem Virus hinterherl\u00e4uft. Dieser Nachteil wurde von den politischen Entscheidern und ihren Ratgebern in der WHO nicht erkannt oder zu wenig be\u00adr\u00fccksichtigt. Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus propagierte am 16. M\u00e4rz einzig und allein die Strategie \u201eTest, test, test!\u201c, um Infektionsketten zu unterbrechen. Die umfassende Ver\u00adhinderung der Ausbreitung des Virus wie auf Taiwan oder die Wahl einfacher ver\u00adf\u00fcg\u00adbarer Mittel als Labor\u00adtests w\u00fcrde gerade f\u00fcr L\u00e4nder mit schwacher medizinischer Versorgung eine praktikable Alternative darstellen. Auch eine regionale Differenzierung der Schutzkonzepte sucht man in den WHO-Empfehlungen vergebens. Klug w\u00e4re es gewesen, bereits im Januar s\u00e4mtlichen Verkehr aus der VR China und sukzessive aus den anderen L\u00e4ndern, in denen das neue Virus festgestellt wurde, zu kontrollieren, einzuschr\u00e4nken, medizinisch zu \u00fcberwachen. Statt dessen \u00fcberwog die Illusion, das Virus werde schon nicht in den Westen gelangen. Seitdem es da ist, richtet sich Blick wie gebannt auf die gef\u00fcrchtete exponentielle An\u00adfangs\u00adphase, ohne langfristige Effekte \u2013 sowohl hin\u00adsichtlich der Aus\u00adbreitungs\u00addyna\u00admik als auch der Folgen der Schutz\u00adma\u00dfnahmen \u2013 realistisch ein\u00adzu\u00adsch\u00e4tzen und abzuw\u00e4gen. Laissez-faire kippte um in Rigidit\u00e4t.<\/p>\n<h2 id=\"3\">Zwischenspielstand<\/h2>\n<p>Unser statistischer Schiedsrichter nutzt die Pause der Spielunterbrechung, bis valide Gesund\u00adheits\u00addaten in Bezug auf Covid-19 vorliegen, um sich einer ersten Zwischenbilanz zuzuwenden. Ja, er mu\u00df zugeben, da\u00df sich trotz der unsicheren Datenbasis bereits einige Erkenntnisse festhalten lassen.<\/p>\n<h3>Lineare Abh\u00e4ngigkeit und parabelf\u00f6rmiger Abfall<\/h3>\n<p>Mitte bis Ende M\u00e4rz 2020 war es noch schwierig, Angaben zur Zahl der Covid-19-Testungen in Deutschland in Erfahrung zu bringen. Am 19. M\u00e4rz berichtete die Deutsche Kran\u00adken\u00adhaus\u00adgesell\u00adschaft: \u201eAs the German Hospital Society (DKG) announced on Thursday, 167,009 samples were tested in 148 laboratories by the end of last week, of which 6540 were positive. We interpret \u2018the end of last week\u2019 as the 15 March.\u201c (zitiert nach ourworldindata.org, Download vom 22.03.2020). Das Verh\u00e4ltnis ergibt eine Positivrate von 3.9%. Am 26.3.2020 erw\u00e4hnte Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassen\u00e4rztlichen Bundesvereinigung, 410.000 Labortests in Deutschland im Zeitraum vom 9. M\u00e4rz an mit einer Positivrate von 6.8% (zitiert nach Focus Online, Download am 30.3.2020). Am selben Tag waren im Lagebericht des RKI (S. 5 f.) die ersten Ergebnisse einer Laborumfrage (174 beteiligte Labore) enthalten. Im Wochentakt mittwochs ver\u00f6ffenlicht das RKI die Aktualisierung der Laborumfrage.\u00a0Folgende Zusammenfassung stellt den Versuch dar, die Gesamtzahl der Testungen, die Zahl der be\u00adrich\u00adteten Positivbefunde, der F\u00e4lle mit Angaben zur klinischen Symptomatik, der Genesenen, daraus folgend die Zahl der aktiven F\u00e4lle sowie der ITS-Auslastung ins Ver\u00adh\u00e4ltnis zu setzen. Der \u00dcber\u00adsicht halber wurden in die Tabelle vorzugsweise die Meldungen vom Sonntag (d.h. die Kalen\u00adderwoche) und Mittwoch (d.h. den Tag, an dem das RKI die Ergebnisse der Laborumfrage bekannt gibt) aufgenommen:<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\"><b>Datum<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>positiv kum<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>gene\u00adsen<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>aktiv<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>ITS<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>ITS\u00a0 \/ aktiv %<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>ITS insg.<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>ITS %<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>ITS frei %<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>\u2020<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">04.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">262<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">11.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.567<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">18.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.198<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">12<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">20.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">13.957<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">323<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">16.000*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">31<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">25.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">31.554<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-5.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">25.805<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">769<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">149<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">01.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">67.366<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-18.700<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">47.934<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2139<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">13.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">732<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">08.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">103.228<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-46.300<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">55.067<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1841<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">15.981<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">11.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.861<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">15.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">127.584<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-72.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">51.730<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1872<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">22.912<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.2<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">42<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3.254<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">17.04.*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">133.830*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-81.800*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">52.030*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2684*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.1*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">27.566*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.7*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">41.6*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">22.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">145.694<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-99.400<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">41.415<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2777<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">6.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">33.399<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">42.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4.879<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">29.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">157.641<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-120.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">31.526<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2414<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">7.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.824<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">7.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">39.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">6.115<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">06.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">164.807<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-137.400<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">20.411<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1884<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.2<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">31.893<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">38.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">6.996<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">13.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">171.306<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-148.700<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">14.972<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1465<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.310<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">37.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">7.634<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">20.05<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">176.007<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-156.900<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">11.017<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1045<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.251<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3.2<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">36.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.090<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">27.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">179.364<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-162.800<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8215<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">763<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.516<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">36.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.349<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">03.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">182.370<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-167.300<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">6519<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">632<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.335<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">36.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.551<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">10.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">184.861<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-170.700<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5432<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">492<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.057<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">35.2<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.729<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">17.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">187.184<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-173.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4754<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">406<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">31.711<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">34.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.830<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">24.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">191.449<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-176.300<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">6235<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">331<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">27.154<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.2<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">34.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.914<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">01.07.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">194.725<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-179.800<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5940<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">329<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.614<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">34.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.985<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">08.07.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">197.341<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-183.100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5205<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">292<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.379<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">34.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.036<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">15.07.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">199.726<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-186.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4655<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">248<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.520<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">33.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.071<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">22.07.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">202.799<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-188.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5104<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">250<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.781<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.76<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">34.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.095<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">29.07.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">206.926<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-191.300<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">6498<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">261<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">33.220<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">34.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.128<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">05.08.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">212.022<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-194.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8254<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">239<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.388<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.78<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">29.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.168<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">12.08.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">218.519<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-198.800<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">10.512<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">224<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2.1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.427<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.73<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.207<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">19.08.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">226.914<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-203.900<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">13.771<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">228<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.625<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.74<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.243<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">26.08.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">236.429<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-210.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">16.549<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">228<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.764<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.74<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">29.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.280<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">02.09.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">244.855<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-219.100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">16.442<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">228<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.779<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.74<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">29.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.313<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">09.09.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">253.474<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-228.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">16.136<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">227<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.658<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.74<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.338<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">16.09.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">263.663<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-236.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">18.295<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">233<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.759<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.76<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.368<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">23.09.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">275.927<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-245.400<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">21.118<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">293<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.595<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">0.96<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.409<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">30.09.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">289.219<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-256.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">23.731<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">355<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.07<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.679<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.15<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.488<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">07.10.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">306.086<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-267.700<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.824<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">470<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.311<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.55<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">27.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.562<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">14.10.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">334.585<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-281.900<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">43.008<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">602<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.39<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">30.208<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.99<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.677<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">21.10.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">375.995<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-302.100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">64.020<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">943<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.47<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">29.895<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3.15<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.875<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">28.10.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">464.239<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-332.800<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">121.256<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1569<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.29<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">29.336<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.35<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">25.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">10.183<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">04.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">577.593<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-381.400<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">185.381<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">2546<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.37<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.763<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">8.85<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">24.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">10.812<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">11.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">705.687<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-454.800<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">239.100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3127<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.502<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">10.97<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">23.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">11.767<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">18.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">833.307<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-546.500<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">273.700<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3561<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">28.281<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">7.94<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">22.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">13.119<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">25.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">961.320<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-656.400<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">290.100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3781<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">27.863<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">13.57<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">20.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">14.771<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">02.12.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.084.743<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-779.500<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">288.100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3957<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.37<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">27.543<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">14.37<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">19.1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">17.123<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">09.12<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.218.524<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-902.100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">296.500<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4.278<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.44<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">27.348<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">15.64<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">17.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">19.932<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">16.12.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.379.238<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-1.025.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">330.800<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">4.836<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.46<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">27.081<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">17.86<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">16.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">23.427<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">23.12.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.554.920<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-1.160.100<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">366.900<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.243<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.43<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">26.742<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">19.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">18.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">27.968<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"37\">\n<p align=\"center\">30.12.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.687.185<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">-1.302.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">352.500<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">5.648<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">1.60<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">26.691<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">21.16<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">17.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">32.107<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 3: Das Corona-Zahlenwerk \u2013 \u00dcberblick zur Zahl der Positivbefunde \u2013 inklusive Mehrfachtestungen bei denselben Personen \u2013, der Sch\u00e4tzung der von Covid-19 genesenen Personen, der ITS-Belegung durch Covid-19-Pa\u00adtien\u00adten sowie zur ITS-Kapazit\u00e4t in Deutschland (Quel\u00adlen: RKI, ITS bis 3.4.2020 Reinhard Busse, TU Berlin, Fachgebiet Management im Gesund\u00adheits\u00adwesen, Covid-19 Datenbank), ab 8.4.2020 aktuelle An\u00adgaben vom RKI und DIVI-Intensivregister. \u201eITS\/aktiv %\u201c gibt den Anteil schwerer Verl\u00e4ufe an den aktiven F\u00e4llen wieder, \u201eITS %\u201c\u00a0 den Anteil der Covid-19-Patienten in Bezug auf die ITS-Gesamtkapazit\u00e4t. Die Auslastung beschreibt die ITS-Bet\u00adten\u00ad\u00adbe\u00adle\u00adgung insgesamt. Ab dem 16.4.2020 ist die Teilnahme der Kliniken mit Intensivbetten am DIVI-Register ver\u00adpflichtend \u2013 daraus erkl\u00e4rt sich der zwischen dem 15. und 16.4. zu be\u00adob\u00adach\u00adten\u00adde, vermeintliche Kapazit\u00e4ts\u00adzuwachs \u2013 bis zum 15.4. wurde die ITS-Kapazit\u00e4t im DIVI-Register eher unter\u00adsch\u00e4tzt. KW 37\/2020 verzichtete das RKI auf dieBerichterstattung zur Zahl der F\u00e4lle mit Angaben zur klinischen Symptomatik. Mit Stern hinterlegt die realen Zahlen zum Vergleich f\u00fcr die Hochrechnung\u00a0 f\u00fcr den 17.4. (in Tabelle 4)<\/em><\/p>\n<p>Im bisherigen Verlauf mutet das Er\u00adgeb\u00adnis geradezu trivial an: Mit der exponentiellen Steigerung der Zahl der durch\u00adgef\u00fchrten Tests stieg auch die Zahl der Positivbefunde. Beide Variablen unter\u00adscheiden sich lediglich durch eine lineare Verschiebung und ihr prozentuales Ver\u00adh\u00e4ltnis ist nahezu konstant. Dies gilt zumindest solange, bis die Dunkel\u00adziffer aus\u00ad\u00adgesch\u00f6pft ist.<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\"><b>KW<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\"><b>Datum<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\"><b>N<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\"><b>positiv kum<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\"><b>pos kum %<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\"><b>pos KW %<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">10<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">08.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">124.716<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.892<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">11<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">15.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">252.172<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">11.474<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.9<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">12<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">22.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">600.791<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">35.303<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">6.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">13<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">29.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">962.165<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">66.694<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">6.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">8.7<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">14<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">05.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.370.338<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">103.544<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">7.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">9.0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">15<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">12.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.749.219<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">134.244<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">7.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">8.1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">17.04.*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.900.000*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">273000*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">16<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">19.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.072.669<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">155.773<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">7.5<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">6.7<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">17<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">26.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.430.545<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">173.647<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">7.1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">18<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">03.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.755.770<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">186.331<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">6.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.9<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">19<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">10.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.147.771<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">197.101<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">6.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.7<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">20<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">17.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.595.059<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">204.757<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.7<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">21<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">24.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.952.971<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">210.255<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.5<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">22<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">31.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.348.880<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">214.373<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">23<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">07.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.694.147<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">217.680<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.9<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">24<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">14.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.029.696<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">220.534<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">25<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">21.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.412.655<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">225.640<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.2<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.3<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">26<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">28.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.873.563<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">229.240<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">27<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">05.07.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">6.376.054<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">232.261<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.6<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">28<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">12.07<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">6.884.614<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">235.274<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.6<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">29<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">19.07.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">7.418.812<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">238.694<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.2<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.6<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">30<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">26.07.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">8.006.135<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">243.590<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">31<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">02.08.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">8.586.648<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">249.242<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">32<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">09.08.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">9.265.361<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">252.348<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">33<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">16.08.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">10.197.366<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">264.990<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.97<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">34<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">23.08<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">11.208.091<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">274.030<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.88<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">35<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">30.08.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">12.383.035<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">282.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.74<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">36<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">06.09<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">13.436.301<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">290.372<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.2<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.74<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">37<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">13.09<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">14.557.136<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">300.047<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">0.86<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">38<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">20.09.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">15.642.654<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">312.964<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.16<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">39<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">27.09.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">16.999.253<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">328.566<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.22<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">40<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">04.10.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">18.129.900<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">346.865<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.66<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">41<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">11.10.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">19.276.507<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">375.995<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.49<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">42<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">18.10.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">20.380.376<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">418.871<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.54<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">43<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">25.10.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">21.882.967<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">497.656<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.50<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">44<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">01.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">23.393.311<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">611.248<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">7.16<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">45<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">08.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">25.010.416<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">736.792<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">2.9<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">7.86<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">46<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">15.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">26.456.866<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">865.595<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">9.00<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">47<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">22.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">27.859.242<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">993.128<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">9.23<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">48<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">29.11.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">29.141.172<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.115.228<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">3.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">9.14<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">49<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">06.12.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">30.494.036<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.252.323<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">10.03<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">50<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">13.12.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">31.974.158<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.421.702<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.4<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">11.31<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">51<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">20.12.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">33.708.381<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.612.012<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">4.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">11.57<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">52<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"64\">\n<p align=\"center\">27.12.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">34.801.593<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">1.750.584<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">5.0<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"76\">\n<p align=\"center\">12.96<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 4: RKI Laborumfrage (kumulativ), \u00dcberblick zur Zahl der Tests (N) \u2013 inklusive Mehrfachtestungen bei denselben Personen \u2013, Positivenquote kumulativ und wochenweise, * Sch\u00e4tzung \/ Hoch\u00adrech\u00adnung zum 17.4.2020 (mit Stern hintergelgt)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Linear_Cov_Tests_2020_12_27.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-13520\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Linear_Cov_Tests_2020_12_27.jpg?resize=300%2C187&#038;ssl=1\" alt=\"Linear_Cov_Tests_2020_12_27\" width=\"300\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Linear_Cov_Tests_2020_12_27.jpg?resize=300%2C187&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Linear_Cov_Tests_2020_12_27.jpg?w=1011&amp;ssl=1 1011w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 1:\u00a0Zahl der Tests und Positiv-Befunde\u00a0des neuen Coronavirus (kumulativ) und Scheitelpunkt der Corona-Welle in Deutsch\u00adland (Prozentwerte linear skaliert)<\/em><\/p>\n<p>Mit anderen Worten: anhand der t\u00e4glich berichteten Absolutzahl der positiv ge\u00adtesteten Personen ist nicht erkennbar, ob sich das Virus weiter ausbreitet oder ledig\u00adlich bereits infizierte Personen mit mildem Verlauf oder ohne wahrnehmbare Symp\u00adtome erfa\u00dft werden. Beide Einfl\u00fcsse sind in der Absolutzahl der positiv Getesteten kon\u00adfundiert. Die Konstanz der Positivrate besagt nichts weiter, als da\u00df die Labor\u00adtestun\u00adgen zwischen Mitte M\u00e4rz und Mitte April 2020 in Deutschland etwa auf dieselbe Zielgruppe \u2013 n\u00e4mlich Personen mit Erk\u00e4ltungssymptomen \u2013 ausgerichtet war. Das hei\u00dft, die Teststrategie ist ab der 12. Kalenderwoche etwa dieselbe geblieben. Zu diesem Zeitpunkt hat das RKI die Bedingung aufgehoben, da\u00df sich die zu testende Person zuvor in einem \u201eRisikogebiet\u201c aufgehalten haben mu\u00df, beispielsweise in China oder S\u00fcdtirol. Betrachtet man den Verlauf von diesem Zeitpunkt an, ist auch nach einem Monat noch keine Verdoppelung des Prozentsatzes der positiv Getesteten in Sicht. Ein Verdoppelungszeitraums von zehn Tagen \u2013 von Angela Merkel im M\u00e4rz als Cut-off-Kriterium angef\u00fchrt, um die rigide Einschr\u00e4nkung der Grundrechte wieder aufzu\u00adheben \u2013 mu\u00df bei Ber\u00fccksichtung der \u201efieber\u00adhaften\u201c Steigerung der Testaktivit\u00e4ten in den deut\u00adschen Laboren, sp\u00e4testens seit Anfang April 2020 als \u00fcbers\u00adchritten gelten. Isaac Ben-Israel, Vorsitzender der israelischen Weltraumbeh\u00f6rde, analysierte die amtlichen Angaben zur Zahl der Neuinfektionen in 25 L\u00e4ndern rein statistisch: Er beobachtete stets den H\u00f6hepunkt der Welle nach ca. 40 Tagen und nach 70 Tagen ein so starkes Abebben da\u00df nicht mehr von einer Epidemie die Rede sein k\u00f6nne. Gro\u00dfe Fl\u00e4chenstaaten wie die USA und Ru\u00dfland gingen nach ihren Regionen in die Analyse ein. Die Corona-Welle zeigte diesen Verlauf unabh\u00e4ngig davon, ob die jeweilige Regierung einen harten Lockdown angeordnet hatte oder nicht. \u201eIn den L\u00e4ndern, die einen Shutdown vollzogen, verringerten sich die Neuinfektionen nach f\u00fcnf oder sechs Wochen. Und die Leute sagen: Schaut, der Shutdown hift uns. Sie haben aber nicht gesehen, dass die Abnahme zur selben Zeit auch in anderen L\u00e4ndern passierte, die keine extremen Ma\u00dfnahmen ergriffen haben. Das ist ein psychologischer Effekt. Aber daf\u00fcr gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis. Wenn wir den Shutdown nicht beenden, verlieren wir viel mehr Menschen in der Zukunft.\u00a0 Wir werden weniger Geld haben, um mit Gesundheitsproblemen umzugehen und Menschenleben zu retten. Nicht nur Corona-Erkrankte, sondern alle Erkrankungen. Die Armut wird steigen, Depressionen und weitere nicht nur seelische Krankheiten, die zum Tod f\u00fchren k\u00f6nnen. Das Virus wird nicht verschwinden. Es wird wahrscheinlich noch Jahre bleiben. Aber wenn die Neuinfektionen so gering sind, sind die Ma\u00dfnahmen nicht angebracht.\u201c (Ben-Israel in DIE WELT vom 8.5.2020) Bemerkenswert ist, da\u00df die Zahlen im Lagebericht des RKI den Erkenntnissen aus der Labor\u00adumfrage etwa f\u00fcnf bis sieben Tage hinterherhinken. Diese Verz\u00f6gerung aufgrund der Be\u00adar\u00adbeitungs\u00adzeit ist der Inkubationszeit noch hinzuzurechnen, wenn es um die Beurteilung der Wirk\u00adsam\u00adkeit von ver\u00ad\u00adhangenen Schutzma\u00dfnahmen geht. Ber\u00fccksichtigt man eine etwa 14t\u00e4gige Verschiebung infolge der In\u00adkubationszeit sowie der Dauer der Bearbeitung der Labortests, so ist der Scheitelpunkt der Wel\u00adle in Deutschland etwa bei Mitte M\u00e4rz 2020 anzusetzen,\u00a0d.h. kurz vor Beginn des \u201eLockdown\u201c. Das RKI berechnet den Scheitelpunkt der Infektionswelle in Deutschland unter Ber\u00fcck\u00adsichtigung des Verzugs (Nowcasting) auf den 17. M\u00e4rz 2020 (Lagebericht vom 20.5.2000, S. 8, Abb. 7). Bemerkenswert ist, da\u00df die Zahlen im Lagebericht des RKI den Erkenntnissen aus der Labor\u00adumfrage etwa f\u00fcnf bis sieben Tage hinterherhinken. Diese Verz\u00f6gerung aufgrund der Be\u00adar\u00adbeitungs\u00adzeit ist der Inkubationszeit noch hinzuzurechnen, wenn es um die Beurteilung der Wirk\u00adsam\u00adkeit von ver\u00ad\u00adhangenen Schutzma\u00dfnahmen geht. Paul R. Vogt weist in diesem Zu\u00adsam\u00admen\u00adhang auf einen weite\u00adren epidemischen Interpretationsfehler hin, der von manchen Zahlenreportern bis heute tagt\u00e4glich wiederholt wird: \u201eDer Vergleich der Gesamtzahl der Toten mit der Gesamtzahl der Infizierten vom selben Tag ist ebenso falsch. Richtig w\u00e4re, die Anzahl Toter heute durch die Anzahl tats\u00e4chlich Infizierter (inklusive Dunkelziffer) vor 16 Tagen zu dividieren, denn vom Zeitpunkt des \u00abInfiziert-werdens\u00bb bis zum Tod vergehen durchschnittlich 16 Tage. Und darum mu\u00df man die Gesamtzahl der Toten mit der Gesamtzahl der Infizierten vor 16 Tagen ver\u00adgleichen. \u00a0Diese Methode hei\u00dft <i>Kaplan Meier Estimator<\/i> und wird von allen Lebens\u00adver\u00adsiche\u00adrungen be\u00adnutzt. Wieso wurde diese Methode bei der COVID-19 Pandemie bis jetzt nie angewendet?\u201c Wendet man die Kaplan-Meier-Sch\u00e4tzung ohne Ber\u00fccksichtigung der Dunkelziffer an, steigt die Sterblichkeitsquote durch Covid-19 \u2013 denn vor 16 Tagen waren jeweils noch weitaus weniger Menschen nachweislich infiziert. Voraus\u00adgesetzt, die Zah\u00adlen an sich sind valide \u2013 davon kann leider weder in Bezug auf die Zahl der tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich In\u00adfi\u00adzierten als auch auf die Todesursache nicht ausgegangen werden. Die gro\u00dfe Unbekannte ist die Dunkelziffer.<\/p>\n<h3>Die Dunkelziffer: Spekulationen, Sch\u00e4tzungen, erste Studien<\/h3>\n<p>Die Dunkelziffer der bereits vorhandenen Ausbreitung des neuen Coronavirus wird von manchen Experten auf das 20fache der Positiv-Getesteten gesch\u00e4tzt (Gert Antes im Spiegel vom 31.3.2020). In seinem \u201eUpdate\u201c vom 20.4.2020 postuliert Paul Robert Vogt eine Dunkelziffer zwischen 30-90% je nach Land \u2013 was ein gutes Zeichen w\u00e4re, denn damit w\u00fcrde die Mortalit\u00e4tsquote sinken und die Immu\u00adni\u00adsierung wachsen. In der ersten repr\u00e4sentativen Studie in Deutschland zum neuen Corona\u00advirus ermittelte der Bonner Virologe Streeck f\u00fcr eine Gemeinde im Kreis Heinsberg eine Pr\u00e4valenz von 15%. Damit sinkt die Mortalit\u00e4tsrate auf 0.3%, d.h. ein F\u00fcnftel der bislang angenommenen Mor\u00adtalit\u00e4t. In einer Anfang April von der \u00f6sterreichischen Regierung in Auftrag gegebenen re\u00adpr\u00e4\u00adsen\u00adtativen Studie mit 1500 Teilnehmern, \u00fcberschritt die Dunkelziffer (hochgerechnet auf ganz \u00d6sterreich 28.500 Infizierte) die Zahl der bis dahin positiv getesteten Personen (8.500) um mehr als das Dreifache (Sybille Anderl in der FAZ vom 10.4.2020). Auch die vor\u00adl\u00e4ufige Analyse des prozentualen Ver\u00adh\u00e4lt\u00adnisses der Positiv\u00adbefunde zur Gesamt\u00adzahl der Testungen laut Laborumfrage des RKI deutet eher auf eine Ab\u00adschw\u00e4chung hin: Im M\u00e4rz war von Woche zu Woche noch eine Zunahme von etwa einem Prozentpunkt fest\u00adzustellen, der sich zwischen den Variablen \u201eAusbreitung des Virus\u201c und \u201eAuf\u00ad\u00addeckung der Dunkelziffer\u201c aufteilt (in welchem Ver\u00adh\u00e4ltnis wissen wir nicht). Im April stagnierte die prozentuale Entwicklung. Bei einer exponen\u00adtiellen Ausbreitung des Virus w\u00e4re zu erwarten, da\u00df die Zahl der positiv Getesteten der Zahl der Testungen \u201edavonl\u00e4uft\u201c bzw. sich der Prozentsatz der Positivbefunde sprunghaft erh\u00f6ht. Dies ist bisher in Deutschland nicht der Fall. Ab der 15. Kalenderwoche l\u00e4\u00dft sich genau das Umgekehrte beobachten: die Zahl der positiven Tests f\u00e4llt nach unten von der Zahl der Tests ab. Wenn von der Infektion mit dem neuartigen Coronavirus vor allem die mittlere Altersgruppe betroffen ist, aber \u00fcberwiegend \u00e4ltere und vorerkrankte Menschen durch Covid-19 gef\u00e4hrdet sind, dann ist die Fokussierung auf die \u201eAusbreitung der Infektion\u201c sinnfrei. Erstens ist sie auf\u00adgrund der Konfundierung mit der Dun\u00adkelziffer schwer me\u00dfbar \u2013 die Tester begeben sich in einen Hase-und-Igel-Wett\u00adlauf mit der Dunkelziffer, die sozusagen vom anderen Ende des Feldes ruft \u201eIck bin schon allhier.\u201c Es w\u00e4re die regelm\u00e4\u00dfige Testung von repr\u00e4sentativen Stichproben mit Zufallsauswahl der getesteten Personen notwendig. Diese finden aber bislang nicht statt. Daher kann auch die \u201eAus\u00adbrei\u00adtungs\u00ad\u00adgeschwindigkeit\u201c nicht als Cut-off-Kri\u00adterium f\u00fcr die Beendigung der rigiden Schutz\u00adma\u00df\u00adnahmen herangezogen wer\u00adden. Au\u00dferdem spricht eine hohe Zahl von Infizierten ohne sp\u00fcrbare Symptomatik eher f\u00fcr eine Gesundung infolge der Immuni\u00adsierung. Am Rande sei angemerkt, die WHO in Windeseile, g\u00fcltig ab 1. April, eine neue ICD-10-Kategorie eingef\u00fchrt hat, mit Hilfe derer Covid-19 attestiert werden kann, ohne da\u00df eine Laboruntersuchung vorliegt: Mit dem Code \u201eU07.2 !\u201c sollen \u201eVerdachtsf\u00e4lle\u201c (Paranthesezeichen von der Kassen\u00ad\u00e4rzt\u00adlichen Bundesvereinigung) ko\u00addiert werden, bei denen klinisch-epidemiologisch eine Covid-19-Erkrankung diag\u00adnostiziert wurde \u2013 also Husten, Schnupfen, Fieber \u2013, aber SARS-CoV-2 durch einen Labortest nicht nachgewiesen werden konnte. \u201eDas hat die Welt\u00adge\u00adsund\u00adheits\u00adorgani\u00adsa\u00adtion festgelegt, um die F\u00e4lle besser unterscheiden zu k\u00f6nnen\u201c, schreibt die Kassen\u00ad\u00e4rztliche Bundesvereinigung in ihrer \u201ePraxisInfo Corona\u00advirus\u201c vom April 2020. Im Lagebericht vom 13.4. (S. 6) beteuert das RKI, da\u00df nur F\u00e4lle ver\u00f6ffentlicht werden, bei denen eine labordiagnostische Best\u00e4tigung un\u00adab\u00adh\u00e4ngig von kli\u00adni\u00adschen Bild vorliegt.<\/p>\n<p>In seiner oben bereits erw\u00e4hnten \u00dcbersicht zur Verbreitung und Lethalit\u00e4t von Covid-19, die John Ioannidis im Herbst 2020 f\u00fcr die WHO zusammenstellte, betrug die Infektions-Fatalit\u00e4tsquote 0-1.63% (im US-Bundesstaat Louisiana). Aufgrund dieser gro\u00dfen Spannbreite kam Ioan\u00adnidis zu dem Schlu\u00df, da\u00df eine klassische Meta-Analyse, um die Daten mehrerer Studien zusammenzufassen, nicht in Frage komme. Vielmehr grup\u00adpierte er die Ergebnisse anhand des globalen Mittelwertes (118 Coronatote \/1 Million Einwohner): in 51 Regionen, die unter diesem Mittel\u00adwert lagen, betrug die Fatalit\u00e4tsquote 0.09%, in Regionen mit \u00fcberdurchschnittlicher Mor\u00adtalit\u00e4t schwankte die durchschnittliche Fatalit\u00e4tsquote zwischen\u00a0 0.20% und 0.57%. Bei Menschen, die j\u00fcnger als 70 Jahre waren, lag die krude Fatalit\u00e4tsquote bei 0.31%, nach statischer Korrektur bei 0.05%.<\/p>\n<p>Ioannidis folgerte, da\u00df die Sterblichkeit an Covid-19 damit deutlich unter den Bef\u00fcrchtungen vom Beginn der Pandemie und den Zahlen aus Wuhan einzustufen sei. Regionale Unterschiede ergeben sich in Folge der Altersstruktur der Bev\u00f6lkerung, Bev\u00f6lkerungsdichte und der Vorbelastung mit Atemwegserkrankungen, z.B. in Zusammenhang mit der Luftverschmutzung.<\/p>\n<p>Ioannidis\u2019 Metastudie gibt am Ende beiden Lagern recht: den Alarmisten, die nicht genug vor der Gef\u00e4hrlichkeit des neuen Virus warnen und mahnen k\u00f6nnen, wie auch den Verharmlosern, die Covid-19\u00a0 keine besondere Gef\u00e4hrlichkeit zuschreiben: Es h\u00e4ngt jeweils von den Kontext\u00adbe\u00addin\u00adgungen ab. In einigen wenigen Regionen \u00fcbersteigt die T\u00f6dlichkeit des neuen Virus um das Zehn- bis Zwanzigfache die T\u00f6dlichkeit der bekannten Grippeviren. In vielen anderen Regionen ist es aber im Durchschnitt \u00e4hnlich oder sogar weniger gef\u00e4hrlich als die Grippe.<\/p>\n<h3>Genesen: Wie wird man Covid-19 wieder los?<\/h3>\n<p>Die kumulative H\u00e4ufigkeit der positiven Labortestbefunde sagt nichts \u00fcber die potentielle Aus\u00adlastung des Gesundheitssystems. Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus Infizierten wird an einen Punkt kom\u00admen, wo sie Hoffnung stiftet: Je mehr Infizierte in der Summe gez\u00e4hlt werden, die Covid-19 \u00fcberstanden haben, desto mehr immunisierte Personen gibt es, was in den Anti\u00adk\u00f6rpertests \u2013 die technisch wesentlich einfacher und kosteng\u00fcnstiger durchzuf\u00fchren sind \u2013 einen Evidenz\u00adnachweis finden wird. In erster N\u00e4herung werden in Tabelle 4 die von Covid-19 gesundeten Personen subtrahiert, um zu einer Sch\u00e4t\u00adzung des Anteils der Menschen mit \u201eklinisch aktiver Symp\u00adtomatik\u201c zu gelangen. Folgende Abbildung stellt den Anteil der \u201eGenesenen\u201c in Bezug auf die Zahl der F\u00e4lle dar, in denen \u00fcberhaupt Angaben zu einer kli\u00adnischen Symptomatik an das RKI gemeldet wurden:<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\"><b>Datum<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\"><b>positiv kum<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\"><b>klinische Angaben<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\"><b>gene\u00adsen<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\"><b>gene\u00adsen klin %<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\"><b>gene\u00adsen Total %<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">25.03.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">31.554<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">22.581<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-5.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">24.8<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">17.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">01.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">67.366<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">48.767<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-18.700<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">38.3<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">27.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">08.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">103.228<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">77.538<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-46.300<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">59.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">44.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">15.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">127.584<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">104.218**<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-72.600<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">69.7<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">56.9<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">22.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">145.694<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">115.384<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-99.400<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">86.1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">68.2<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">29.04.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">157.641<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">126.880<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-120.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">94.6<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">76.1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">06.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">164.807<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">134.728<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-137.400<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">&#8212;*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">83.4<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">13.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">171.306<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">142.118<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-148.700<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">&#8212;*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">86.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">20.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">176.007<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">147.398<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-156.900<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">&#8212;*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">89.1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">27.05.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">179.364<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">151.106<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-162.800<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">&#8212;*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">90.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"48\">\n<p align=\"center\">03.06.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"85\">\n<p align=\"center\">182.370<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"127\">\n<p align=\"center\">154.532<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">-167.300<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">&#8212;*<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"106\">\n<p align=\"center\">91.7<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 4: RKI- Sch\u00e4tzungen zur Zahl der Genesenen, * ab Mai 2020 \u00fcbertrifft die Zahl der vom RKI als \u201egenesen\u201c gesch\u00e4tzten Personen die Zahl derjenigen, zu denen dem RKI Angaben zu einer klinischen Symptomatik vorlagen, was bedeutet, da\u00df das RKI alle positiv getesteten Personen als \u201eerkrankt\u201c betrachtet, auch wenn ihm dazu keine Angaben vorlagen. **Angabe im Lagebericht des RKI erscheint fehlerhaft.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Genesen_2020_04_30.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12683\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Genesen_2020_04_30.jpg?resize=300%2C101&#038;ssl=1\" alt=\"Genesen_2020_04_30\" width=\"300\" height=\"101\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Genesen_2020_04_30.jpg?resize=300%2C101&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Genesen_2020_04_30.jpg?w=880&amp;ssl=1 880w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 2: Prozentsatz der von Covid-19 genesenen Personen, in Bezug auf die Zahl der Personen, zu denen Angaben zu einer klinischen Covid-19-Symptomatik vorlagen, im April 2020<\/em><\/p>\n<p>Ab dem 8.4.2020 revidierte das RKI seine Sch\u00e4tzung zu den Infizierten mit klinischer Covid-19-Symp\u00ad\u00ad\u00adtomatik, die wieder genesen seien. Es handelte sich um \u00fcber 60% der Pa\u00adtienten, Tendenz rasant steigend. Mittlerweile hat der recovery-Prozentsatz bereits 95% \u00fcberschritten. Diese Zahl ist f\u00fcr die Fra\u00adge, wie stark das Ge\u00adsund\u00ad\u00adheitssystem durch die Be\u00adhand\u00adlung von Covid-19 belastet ist, von gro\u00dfer Trag\u00ad\u00adweite, reicht aber nicht aus, um gesundheitspolitische Entscheidungen zu treffen. Bei einem Gro\u00dfteil handelt es sich um Spontan-Remissionen, d.h. die Infizierten mit kli\u00adnischen Symp\u00adtomen wie Hu\u00adsten, Schnupfen und Fieber sind ohne weitere medizinische Versorgung im Laufe ihrer h\u00e4uslichen Quarant\u00e4ne wieder gesund ge\u00adworden. Die Verl\u00e4\u00dflichkeit der An\u00adgaben zur Zahl der Genesenen ist daher zweifelhaft und wird \u2013 wie auch die Dun\u00adkelziffer selbst \u2013 wegen der hohen Anzahl milder Ver\u00adl\u00e4ufe mutma\u00dflich unter\u00adsch\u00e4tzt. Umso erstaunlicher, da\u00df viele Zahlen\u00adreporter in den t\u00e4glichen Nachrichten die Zahl der \u201enachweislich Genesenen\u201c vermelden \u2013 woher sie diese nehmen, wei\u00df Gott allein. Vielleicht glauben sie, wenn von \u201enachweislich Infizierten\u201c die Rede ist, m\u00fcsse per Analogieschlu\u00df wohl auch von \u201enachweislich Genesenen\u201c gesprochen werden k\u00f6nnen. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine sprachliche Suggestion, leider ohne Evidenz\u00adnachweis. Es w\u00e4re tats\u00e4chlich w\u00fcnschenswert, wenn Antik\u00f6rpertests\u00a0im selben Umfang wie Corona-Labortests\u00a0durchgef\u00fchrt und dokumentiert werden w\u00fcrden. Nils Kucher, Angiologe und Kardiologe an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, bescheinigte der im M\u00e4rz und April 2020 praktizierten Covid-19-Fern\u00addiag\u00adnose per Telefon und der im positiven Falle folgenden Quarant\u00e4ne jedoch einen gravierenden \u00e4rzt\u00adlichen Kunst\u00adfehler: Zwar erholt sich ein Gro\u00dfteil der Patienten zu Hause von der Covid-19-Symp\u00adto\u00admatik, bei ca. 10-15% entwickeln sich jedoch schwere Verl\u00e4ufe, die zu Hause nicht versorgt wer\u00adden k\u00f6n\u00adnen.\u00a0Daraus ergibt sich ein fundamentales Paradoxon: Einerseits w\u00e4re auch bei einem kumulativ ex\u00adponen\u00ad\u00adtiellen Wachstum der Zahl der Infizierten aufgrund der hohen Zahl der Spontan\u00adremis\u00adsionen in der klinischen Praxis ein exponentieller Ansturm auf die Kliniken aus\u00adgeblieben. Andererseits wurden Covid-19-Patienten, gesch\u00fcrt von den Bildern aus der Lombardei, aus Furcht vor der \u00dcberlastung der Kliniken und Intensivstationen in die h\u00e4usliche Quarant\u00e4ne geschickt. Offen\u00adsicht\u00adlich starben mehr Patienten mit schweren Verl\u00e4ufen zu Hause oder in Heimen als in den Krankenh\u00e4usern. Wie sich die Auslastung\u00a0des Gesundheitssystems\u00a0w\u00e4hrend der Corona-Zeit tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich entwickelt hat, be\u00adsch\u00e4ftigt uns im folgenden Abschnitt.<\/p>\n<h2 id=\"4\">Schiedsrichterentscheidungen<\/h2>\n<h3>Ab wann ist das deutsche Gesundheitssystem \u00fcberlastet?<\/h3>\n<p>Ent\u00adscheidend f\u00fcr die \u00dcberlastung des Gesundheitssystems ist vielmehr die Ge\u00adschwin\u00addigkeit, mit der ITS-Betten von Covid-19-Patienten belegt werden und wie sich die Ver\u00adweil\u00addauer von Covid-19-Pa\u00adtienten auf der ITS erh\u00f6ht. Oder um es ressourcen\u00adorientiert zu formulieren: Inwieweit die Belegung der vorhandenen ITS-Betten durch Covid-19-Patienten abnimmt. Um die Gef\u00e4hrlichkeit des neuartigen Virus einzusch\u00e4tzen und an\u00adgemessene gesundheits\u00adpoli\u00adtische Ent\u00adschei\u00addungen zu treffen, sind vor allem die Zah\u00adlen zur Ge\u00adne\u00adsung und ITS-Auslastung re\u00adlevant. Tats\u00e4chlich war vom 20. M\u00e4rz bis zum 3. April 2020 eine rapide Zunahme der ITS-Auslastung in Deutschland durch Covid-19-Patienten zu beobachten. Seitdem ver\u00adlang\u00adsamt sich sie sich, stag\u00adniert bzw. geht wieder zur\u00fcck \u2013 nicht zuletzt dank des Ausbaus der verf\u00fcgbaren ITS-Pl\u00e4tze, viel\u00adleicht aber auch aufgrund der Entscheidung von Patienten oder \u00c4rzten f\u00fcr eine palliativ-medizinische Behandlung, die im Vergleich zum Fetisch ITS in Zusammenhang mit Covid-19 nicht dokumentiert, erfa\u00dft und gez\u00e4hlt wird \u2013 was eine weitere gravierende L\u00fccke in den RKI-Erhebungen dar\u00adstellt. Die Leistungs\u00adgrenze des in\u00adtensiv\u00ad\u00admedi\u00adzi\u00adnischen Ver\u00adsorgungs\u00ad\u00adsystems in Deutsch\u00ad\u00ad\u00ad\u00adland ist etwa um das Achtfache h\u00f6her als die gegen\u00adw\u00e4r\u00adtige Auslastung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-Auslastung_2020_04_30.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12684\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-Auslastung_2020_04_30.jpg?resize=300%2C94&#038;ssl=1\" alt=\"ITS-Auslastung_2020_04_30\" width=\"300\" height=\"94\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-Auslastung_2020_04_30.jpg?resize=300%2C94&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-Auslastung_2020_04_30.jpg?w=841&amp;ssl=1 841w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 3: Enwicklung der ITS-Belegung durch Covid-19-Patienten in Deutschland w\u00e4hrend der Corona-Zeit (Ende M\u00e4rz-April 2020), die obere Linie zeigt die jeweilige Kapazit\u00e4tsgrenze an <\/em><\/p>\n<p>Andere Corona-Zahlen, insbesondere die unsichere Angabe zu den sogenannten \u201eCorona-Toten\u201c, die un\u00ad\u00adabl\u00e4ssig von manchen Zahlenreportern verk\u00fcndet werden, sind sachlich irrelevant, da die Todes\u00adur\u00adsache nicht n\u00e4her untersucht und spezifiziert wurde. Die L\u00e4ndertabelle des DIVI-In\u00adten\u00adsiv\u00adregisters offenbart dar\u00fcberhinaus, da\u00df lediglich in Bayern, NRW und Baden-W\u00fcrt\u00adtemberg Covid-19-Patienten in nennenswerter Zahl auf der ITS liegen: In diesen Bundesl\u00e4ndern schwankt die Auslastung der ITS durch Covid-19 stabil zwischen 17% (BW), 18% (BAY) und 16% (NRW). Von einer apokalyptisch hereinbrechenden \u00dcber\u00adforderung des bay\u00adrischen, baden-w\u00fcrttembergischen und nordrhein-west\u00adph\u00e4lischen Gesundheitssystems kann keine Rede sein \u2013 in den \u00fcbrigen Bun\u00addes\u00adl\u00e4ndern ohnehin nicht. Insgesamt stehen momentan \u00fcber 40% der ITS-Pl\u00e4tze in Deutschland leer, d.h. sie wer\u00adden weder durch Covid-19-Patienten noch durch ander\u00adweitig Erkrankte in An\u00adspruch genommen. Auch eine \u201eAusweitung der Kampfzone\u201c, d.h. eine N\u00e4herung an eine kritische Auslastung in einzelnen Bundesl\u00e4ndern ist nicht in Sicht. Gunnar Jeschke res\u00fcmierte in seinem Beitrag auf dem Blog des FREITAG am 5.4.2020: \u201eBei der Ab\u00adw\u00e4gung ist zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df das Gesundheitssystem gegenw\u00e4rtig nicht \u00fcberlastet ist, aller Voraussicht nach mindestens weitere drei Wochen lang nicht \u00fcberlastet sein wird und sehr wahr\u00adscheinlich sehr viel l\u00e4nger nicht. Gleichzeitig braucht man f\u00fcr die Planung unbedingt zu\u00adverl\u00e4ssige Kennzahlen. Es ist h\u00f6chste Zeit, ein Programm repr\u00e4sentativer Tests zu starten. Damit \u2013 und nur damit \u2013 erh\u00e4lt man auch eine brauchbare Absch\u00e4tzung der absoluten Infektionszahlen. Diese wie\u00adderum braucht man unbedingt f\u00fcr eine realistische Vorhersage von Epidemieszenarien.\u201c Versch\u00e4rfend ist dem hinzuzuf\u00fcgen, da\u00df die Empfehlung, bei Erkrankung an Covid-19 zu Hause zu bleiben, um Klinikkapazit\u00e4ten zu schonen, zur Erh\u00f6hung der Sterblichkeit beigetragen hat: Letzen Endes standen viele Kliniken und ITS w\u00e4hrend der Scheitelwelle der Infektion leer. Patienten mit schweren Verl\u00e4ufen hatten eine hohe Wahrscheinlichkeit, ohne umfassende medizinische Diag\u00adnose in h\u00e4uslicher Quarant\u00e4ne zu sterben.<\/p>\n<h3>Multimorbidit\u00e4t und Implikationen f\u00fcr die ITS-Praxis<\/h3>\n<p>Bereits am 17. M\u00e4rz 2020 ver\u00f6ffentlichte das italienische Gesundheitsinstitut (Instituto Superiore di Sanita, ISS) ein Papier, in dem n\u00e4here Angaben zu 2003 verstorbenen Covid-19-Patienten aus\u00adge\u00adwer\u00adtet wurden. Der Altersmedian lag bei 80.5 Jahren, dabei war der j\u00fcngste Verstorbene 31, der \u00e4lteste 103 Jahre alt. Von 355 Verstorbenen (17.7%) konnten aus den Krankenakten die Vorerkrankungen ermittelt werden, woraus sich folgendes Bild in Bezug auf die vorhandenen Vorerkrankungen ergab:<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\"><b>Vorerkrankung<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>N<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\"><b>%<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">270<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">76.1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Diabetes mellitus<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">126<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">35.5<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Koronare oder Isch\u00e4mische Herzkrankheit (CIHK)<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">117<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">33.0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Herzrhythmusst\u00f6rung (Vorhofflimmern)<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">87<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">24.5<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Aktiver Krebs in den letzten 5 Jahren<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">72<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">20.3<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Chronisches Nierenversagen<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">64<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">18.0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Schlaganfall<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">34<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">9.6<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">47<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">13.2<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Demenz<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">24<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">6.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"348\">Chronische Lebererkrankung<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">11<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"60\">\n<p align=\"center\">3.1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 4: Vorerkrankungen von Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 in Italien (Quelle: ISS, 17.3.2020), N=355<\/em><\/p>\n<p>Bei knapp der H\u00e4lfte der untersuchten Verstorbenen lagen drei dieser Vorerkrankungen parallel vor (48.5%), bei jeweils einem Viertel waren zwei (25.6%) bzw. eine (25.1%) vorhanden. Nur bei drei Verstorbenen (0.8%) wurde keine Vorerkrankung in den Akten festgestellt. Komplikationen resultierten am h\u00e4ufigsten durch Atemversagen (97.2%), dar\u00fcberhinaus durch akute Nierensch\u00e4den (27.8%) sowie von akuter Herzinsuffizienz (10.8%) und Superinfektion (10.2%). Die Behandlung umfa\u00dfte in der Hauptsache eine Therapie mit Antibiotika (83%), mit Steroiden (27%) sowie mit antiverialen Medikamenten (52%). Dar\u00fcberhinaus beobachtete Nils Kucher, da\u00df nicht allein das akute Atemnotsyndrom (ARDS) bei Covid-19 zu schwierigen Verl\u00e4ufen bis hin zum Tod beitragen kann, sondern Lungenembolien, d.h. Verstopfungen der Blutgef\u00e4\u00dfe in der Lunge durch Gerinnsel. Die \u00e4u\u00dferlichen Symptome \u00e4hneln denen einer Lungenentz\u00fcndung: Atembeschwerden, verbunden mit Schmerzen im Brustkorb und Fieber. \u201eWir messen hohe Kon\u00adzen\u00adtrationen von Blut\u00adge\u00adrinnungs\u00adfaktoren wie Fibrinogen und dessen Spaltprodukte, die D-Dimere. Das f\u00fchrt letztendlich zu Thrombosen und Lungenembolien. Wichtige Gef\u00e4\u00dfe verstopfen. Der Patient stirbt. Und zwar schnell \u2013 so wie auch ein Schlaganfall oder Herzinfarkt rasch zum Tode f\u00fchren kann. Meine Hypothese ist, dass viele gar nicht mehr dazu kommen, den Notruf zu starten, weil es ihnen pl\u00f6tzlich so schlecht geht.\u201c (Kucher im Tagesspiegel vom 20.4.2020). Diese m\u00f6gliche Todes\u00adursache bei Covid-19-Patienten ist bisher nur sel\u00adten genauer untersucht worden. Lungenembolien k\u00f6nnen vor allem mit Hilfe der Com\u00adputer\u00adtomographie (CT), die bereits von chinesischen Forschern als validere Diagnosetechnik als der PSR-Labortest f\u00fcr Covid-19 empfohlen wurde. Auf den ITS werde die Durchf\u00fchrung von CT\u2019s wegen der Infektionsgefahr jedoch vermieden. \u201eIn einer Studie an zwei Unikliniken in Holland fanden die Forscher bei 18 Prozent der Covid-19-Patienten Gerinnsel. In einer Mail\u00e4nder Klinik wurden unter 388 Covid-19-Patienten bei fast acht Prozent Lungenembolien entdeckt.\u201c Das entsprach 36% der mit bildgebenden Verfahren untersuchten Patienten (Lodigiani 2020), da \u00fcberhaupt nur 10 Prozent aller Covid-19-Patienten auf Embolien untersucht wurden. Kucher stellt daher die bisherige medizinische Behandlung von Covid-19-Patienten grunds\u00e4tzlich in Frage: Weder das RKI noch Schweizer Beh\u00f6rden h\u00e4tten die Frage beantworten k\u00f6nnen, wo Corona-Tote tats\u00e4chlich versterben. In Kuchers eigenen Anfrage an die gro\u00dfen Krankenh\u00e4usern der Schweiz ergab sich, da\u00df es am 20. April insgesamt 206 Verstorbene in den Kliniken gegeben habe. Zugleich wurden aber f\u00fcr diesen Tag 1500 Corona-Tote in der Schweiz gemeldet. \u201eMein Fazit also: Der Gro\u00dfteil der Menschen stirbt zu Hause oder im Heim. Und das zeigt, dass wir das Virus gar nicht verstanden haben. Wir haben es von Anfang an falsch eingesch\u00e4tzt. Alle haben sich auf die Krankenh\u00e4user gest\u00fcrzt, die Intensivstationen wurden vorbereitet, man hatte Angst, sie w\u00fcrden \u00fcberlastet \u2013 doch in vielen Krankenh\u00e4usern herrschte statt dessen g\u00e4hnende Leere. Deshalb hoffe ich, da\u00df wir Patienten k\u00fcnftig besser untersuchen, dass wir mehr Tests durchf\u00fchren, ihre Blutwerte untersuchen. Ich vertrete folgende Hypothese: Wenn wir in Zukunft Todesf\u00e4lle durch Embolien verhindern k\u00f6nnen, dann ist das Virus nicht mehr ganz so gef\u00e4hrlich.\u201c (Nils Kucher auf Focus Online vom 14.5.2020) F\u00fcr die Therapie ergibt sich daraus die Perspektive, durch die Behandlung mit Medikamenten zur Blut\u00adver\u00add\u00fcnnung (z.B. Enoxaparin) Gerinnsel in der Lunge zu verhindern und damit viele Er\u00adkrank\u00adte mit schwerer Symptomatik zu retten. An der Uniklinik Z\u00fcrich hat Nils Kucher dazu eine RTC-Studie mit 1000 Covid-19-Patienten \u00fcber 50 Jahre angeregt, von denen randomisiert eine H\u00e4lfte mit Blutverd\u00fcnnern behandelt werden sollen, w\u00e4hrend die andere H\u00e4lfte als Kontrollgruppe die Standard-Behandlung erf\u00e4hrt. Bislang beteiligen sich daran weder Pharmakonzerne, deren Patente an den entsprechenden Medikamenten bereits ausgelaufen ist und daher kein Interesse mehr besteht, noch Bundesbeh\u00f6rden, da der Schweizer Nationalfonds seine Gelder bereits Anfang M\u00e4rz verteilt habe: Wieder wurde eine Chance vertan, wohl weil sie zu einfach, zu naheliegend und zu billig erschien. Wie bereits die Empfehlung, Obduktionen zu meiden, erwiesen sich auch die Empfehlungen, Men\u00adschen mit Covid-19-Symptomen am Telefon \u00e4rztlich zu beraten und dann in die h\u00e4usliche Quarant\u00e4ne zu schicken sowie Covid-19-Patienten\u00a0 auf den Intensivstationen keiner bildgebenden Diagnostik zu unterziehen, auch wenn diese angezeigt w\u00e4re, allein virologisch motiviert: Es sollten um jeden Preis weitere Ansteckungen verhindert werden. Die Patienten angemessen medizinisch zu be\u00adhandeln, wurde g\u00e4nzlich unterlassen oder stand erst an zweiter Stelle: eine ethische Fehl\u00adentscheidung. Die gesundheitlich risikoreiche und teure Fremdbeatmung dominierte die Diskussion. Die Zahl der beanspruchten Beatmungspl\u00e4tze wird vom RKI t\u00e4glich dokumentiert. Ausgeblendet wird, da\u00df die k\u00fcnstliche Beatmung in zahlreichen F\u00e4llen aufgrund von Thrombosen der Lungen\u00adgef\u00e4\u00dfe nicht erfolgreich sein <i>kann <\/i>und einen \u00e4rztlichen Kunstfehler darstellt. Allgemein gesprochen: Die Engf\u00fchrung der Betrachtung durch die Reduktion auf die virologische Perspektive hat t\u00f6dliche Folgen. Sie zu kor\u00adri\u00adgieren, bedeutet, medizinische und schlie\u00dflich auch psychologische sowie p\u00e4\u00addagogische Gesichtspunkte synchron zu ber\u00fccksichtigen \u2013 diese Perspektiverweiterung mu\u00dfte sehr m\u00fchsam eingefordert werden. Von Verfechtern der reinen virologischen Lehre wird sie anhaltend verdr\u00e4ngt. Klaus P\u00fcschel, Rechts\u00admedi\u00adziner am UKE und Mitglied der Leopoldina, fand nach Obduktion der bislang etwa 192\u00a0 Hamburger \u201eCorona-Toten\u201c bei keinem einzigen die Infektion mit dem neuen Virus als alleinige Todesursache, daf\u00fcr in der Regel mehrere gravierende Vorbelastungen, vor allem:<\/p>\n<ul>\n<li>Lungenembolien (ca. bei 50% der Verstorbenen, vgl. Wichmann et al., 2020 zu den ersten zw\u00f6lf Autopsien)<\/li>\n<li>kardiovaskul\u00e4re Erkrankungen (CV) wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Arterio\u00adsklerose<\/li>\n<li>Diabetes<\/li>\n<li>Krebs<\/li>\n<li>Lungenerkrankungen<\/li>\n<li>\u00dcbergewicht<\/li>\n<li>Organtransplantationen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nicht immer wu\u00dften die Betroffenen selbst etwas davon. Das Durch\u00adschnitts\u00adalter der Obduzierten lag bei \u00fcber 80 Jahren. (P\u00fcschel in der Tagesschau am 21.4.2020). Alexandar Tsankov, Pathologe an der Uni Basel, stellte bei ca. 20 Obduktionen au\u00dferdem fest\u00ad, da\u00df alle \u201eCorona-Toten\u201c ausnahmslos an Blut\u00adhoch\u00addruck gelitten hatten. Nur in wenigen F\u00e4llen sei eine Lungenentz\u00fcndung aufgetreten, viel\u00admehr sei unterm Mikroskop bei den meisten Verstorbenen eine schwere St\u00f6rung der Mikro\u00adzirkulation in der Lunge feststellbar ge\u00adwesen.\u00a0 Daraus w\u00fcrden sich die Schwierigkeiten erkl\u00e4ren, die bei der k\u00fcnstlichen Beatmung von Covid-19-Patienten in der ITS-Praxis auftreten. \u201eMan kann den Patienten soviel Sauerstoff geben, wie man will, der wird dann einfach nicht mehr weiter transportiert.\u201c (Tsankov in der SZ vom 21.4.2020). Eine f\u00fcr die Behandlung der von Covid-19 verursachten Atemnot entscheidende Er\u00adkenntnis. Am Uniklinikum der RWTH Aachen wurde Mitte April 2020 ein zentrales Register f\u00fcr Covid-19-Ob\u00adduk\u00adtionen eingerichtet. Mit ersten Auswertungen und Ver\u00f6ffentlichungen sei in fr\u00fchestens einem halben Jahr zu rechnen (Karl-Friedrich B\u00fcrrig in der SZ vom 21.2.2020).<\/p>\n<h3>Das neue Virus wird harmloser!<\/h3>\n<p>Eine der f\u00fcr medizinische, aber auch juristische Gesichtspunkte entscheidenden Fragen betrifft die Entwicklung des neuen Coronavirus: Wird es im Laufe der Zeit, d.h. im Zuge der f\u00fcr RNA-Viren typischen zahllosen Mutationen, f\u00fcr den Menschen gef\u00e4hrlicher oder harmloser?<\/p>\n<p>Vermeintlich liegen uns dazu keine Erkenntnisse vor. Die Erfahrung mit SARS-1 und MERS aus den letzten Jahren legt nur nahe, da\u00df das neue Virus wahrscheinlich im Laufe der Zeit harmloser wird. Es hat evolutionsbiologisch wenig Sinn, wenn es seine Wirtsorganismen vermehrt umbringt. So res\u00fcmierte Christian Drosten in seinem \u201eCorona-Update 47\u201c vom 11.6.2020: \u201eUnd dieses An\u00adpassen, das kann eben durch zueinander Zuf\u00fcgen von unterschiedlichen Mutationen in unter\u00adschiedlichen Populationsabteilungen passie\u00adren. Und die ph\u00e4notypischen Ver\u00e4nderungen, die dabei entstehen k\u00f6nnen, w\u00e4ren zum Beispiel, dass das Virus noch besser in der Nase repliziert und besser \u00fcber\u00adtragen wird. Aber in der Nase werden wir nicht allzu krank davon. Das hei\u00dft, das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich f\u00fcr die Lunge gar nicht mehr interessiert. So etwas k\u00f6nnte passieren.\u201c Drosten relativiert dieses Szenario auf seine gewohnt flapsige Art im n\u00e4chsten Atemzug und kehrt es in sein direktes Gegenteil um: \u201eDas Virus optimiert sich auf die Nase und sagen wir mal, l\u00e4sst die Lunge au\u00dfer Acht, dann wird das ein Vorteil f\u00fcr das Virus sein. Im anderen Fall, wenn das Virus in seiner Evolution das allgemeine Replikationsniveau steigert, dann haut das \u00fcberall so richtig rein \u2013 in der Nase, aber auch in der Lunge. Und wir f\u00fchlen uns dann schneller krank oder viel mehr von uns f\u00fchlen uns krank.\u201c<\/p>\n<p>Bevor wir beginnen, auf Grundlage von Spekulationen auf Molek\u00fclebene gesundheitspolitische Horrorvisionen zu entwickeln, lohnt es sich, einen Blick auf die tats\u00e4chliche Entwicklung der Fallzahlen der Patienten mit Covid-19 in den Intensivstationen zu werfen. W\u00e4hrend zu Beginn des Lockdown die bef\u00fcrchtete \u00dcberlastung des Gesundheitssystems zum Rechtfertigungsgrund f\u00fcr die grundrechtseinschneidenden Ma\u00dfnahmen herangezogen wurde, ist es medial in den letzten Monaten bemerkenswert still um die Situation der ITS geworden. Nun neigen sich die Sommerferien des Jahres 2020 dem Ende zu, etliche Urlaubsr\u00fcckkehrer haben mit PCR-Positivbefunden f\u00fcr Aufsehen\u00a0 gesorgt. Weiterhin wird \u2013 genau wie im M\u00e4rz und April \u2013 im Halbstundentakt die Absolut\u00adzahl der Infizierten berichtet, als handele es sich um eine valide und interpretierbare Gr\u00f6\u00dfe.\u00a0 In einigen Bundesl\u00e4ndern hat die Schule bereits begonnen und das Bekanntwerden einzelner Infek\u00adtionen \u2013 hier ein Sch\u00fcler, dort eine Lehrerin \u2013 gen\u00fcgte, um ganze Schulen vor\u00fcbergehend zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><i>Tats\u00e4chlich beobachten wir eine Schere zwischen der Zahl der PCR-Positivbefunde und der Schwere der Krankheitsverl\u00e4ufe.<\/i> Ein aussagekr\u00e4ftiges Ma\u00df f\u00fcr diese Entwicklung ist der Anteil der ITS-Patienten an der Zahl der aktiven F\u00e4lle. Betrachten wir die vom RKI zusammengef\u00fchrten Angaben der deutschen Gesunds\u00e4mter, so ist von Mitte April bis Mitte Juli eine kontinuierliche, ja dramatische Abnahme der aktiven F\u00e4lle um das Zehnfache, von ca. 50000 auf ca. 5000, festzustellen. Die Zahl der Positivbefunde war zum Anfang des Sommers so gering, da\u00df Gesundheitsminister Spahn bereits auf die Gefahr hinwies, Falsch-Positiv-Befunde k\u00f6nnten zu einer \u00dcberinterpretation der Fallzahlen beitragen: \u201eWeil die Tests ja nicht 100 % genau sind, sondern auch eine kleine, aber eben noch eine Fehlerquote haben. Und wenn sozusagen insgesamt das Infektionsgeschehen immer weiter runter geht und sie gleichzeitig das Testen auf Millionen ausweiten, dann haben sie auf einmal viel mehr falsch-positive als tats\u00e4chlich positive.\u201c (in: \u201eBericht aus Berlin\u201c vom 14.6.2020)<\/p>\n<p>Von Mitte Juli bis Mitte August 2020 zog die Zahl der (Falsch-) Positiv-Befunde wieder an, im \u00fcbrigen synchron zur gesteigerten Testaktivit\u00e4t, mit der die Urlaubsr\u00fcckkehrer willkommen ge\u00adhei\u00dfen wurden. Was geschah im selben Zeitraum mit der Zahl der wegen Covid-19 auf einer ITS behandelten Patienten? Diese Gruppe scheint aus dem Fokus der Medien beinahe vollkommen verschwunden zu sein, obwohl es doch urspr\u00fcnglich vor allem um die ITS-Kapazit\u00e4ten, so die Vorgabe, ging. F\u00fcr den totalen Verlust an \u00f6ffentlicher Aufmerksamkeit f\u00fcr die coronainfizierten ITS-Patienten ist ein triftiger Grund zu nennen: Ihre Zahl nimmt, ungeachtet der Urlaubsreisen und Schul\u00ad\u00f6ffnungen, seit Mitte Mai stetig ab! Wir haben auf der einen Seite also in der zweiten Sommerh\u00e4lfte wieder moderat steigende (Falsch-) Positivbefunde, auf der anderen Seite kontinuierlich sinkende Coronafallzahlen auf den ITS. Der Quotient zwischen \u00a0der Zahl der\u00a0ITS-Patienten mit Corona und der aktiven F\u00e4llen dr\u00fcckt diesen Sachverhalt plastisch aus:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-vs-aktive-F%C3%A4lle-2020_12_30.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-13521\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-vs-aktive-F%C3%A4lle-2020_12_30.jpg?resize=300%2C151&#038;ssl=1\" alt=\"ITS vs aktive F\u00e4lle 2020_12_30\" width=\"300\" height=\"151\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-vs-aktive-F%C3%A4lle-2020_12_30.jpg?resize=300%2C151&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-vs-aktive-F%C3%A4lle-2020_12_30.jpg?resize=1024%2C516&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/ITS-vs-aktive-F%C3%A4lle-2020_12_30.jpg?w=1102&amp;ssl=1 1102w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 4: Verh\u00e4ltnis der Zahl der in Zusammenhang mit Covid-19 auf der ITS behandelten Patienten zur Zahl der aktiven F\u00e4lle in %\u00a0 (Daten laut RKI entsprechend Tabelle 3).<\/em><\/p>\n<p>Mit anderen Worten: das Corona-Virus hat seine epidemiologische Gef\u00e4hrlichkeit in den letzten Monaten stark eingeb\u00fc\u00dft. Obwohl es sich wieder zu verbreiten scheint (wenn es sich nicht um Me\u00dffehler handelt), verharrt der Anteil schwerer Krankheitsverl\u00e4ufe an den &#8222;aktiven F\u00e4llen&#8220;\u00a0im unteren einstelligen Prozentbereich. Dies bedeutet nicht, da\u00df es im Einzelfall keinen schweren Verlauf geben kann. In der Summe treten schwere Verl\u00e4ufe jedoch viel seltener auf. Warum berichtet dar\u00fcber niemand? Der beruhigende Kern dieser Erkenntnis geht unter anderem darauf zur\u00fcck, da\u00df die Zahl der ITS-Patienten eine recht valide Gr\u00f6\u00dfe darstellt, repr\u00e4sentativ f\u00fcr alle ITS und weitaus weniger fehleranf\u00e4llig erfa\u00dft wird als der Genomabschnitt, den wir seit Januar das neue Coronavirus nennen.<\/p>\n<h3>ITS-Kapazit\u00e4ten in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern<\/h3>\n<p>Zum Vergleich sei die Auslastung der intensivmedizinischen Ver\u00adsor\u00adgung in den Regionen Italiens aufgef\u00fchrt, also in einem Land mit einer hohen berichteten \u201eMortalit\u00e4t im Zusammenhang mit Covid-19\u201c. Die Aufstellung l\u00e4\u00dft erkennen, da\u00df auch in Italien die medizinische Versorgung nicht fl\u00e4chendeckend kollabiert ist. In einzelnen Orten und Regionen mu\u00dfte von einer \u00dcberforderung der Ver\u00adsorgungs\u00adstrukturen gesprochen werden, insbesondere in der Lombardei. In den \u00fcbrigen Regionen erscheint die Auslastung mit der Beanspruchung der Intensiv\u00admedizin in Deutschland vergleichbar bzw. f\u00e4llt sogar niedriger aus, was in den schockierenden Medienberichten \u00fcber Italien nicht zur Sprache kam. Zu ber\u00fcck\u00adsichtigen ist allerdings, da\u00df die Kapazit\u00e4t an intensiv\u00admedizinischen Be\u00adhand\u00adlungs\u00adpl\u00e4tzen in Italien insgesamt geringer ausgebaut ist als in Deutschland. So ver\u00adf\u00fcgte die Lombardei vor dem Ausbruch von Covid-19 nur \u00fcber 650 ITS-Pl\u00e4tze, Ende M\u00e4rz 2020 bereits \u00fcber 1328, wobei die \u00adeilig neu geschaffenen ITS-Betten nur minderwertig aus\u00adgestattet sind (Quelle: Davide Manca, ESA European Society of Anaestetiology, Stand 31.3.2020).<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\"><b>Region<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\"><b>Patienten auf der ITS<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Lombardei<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">1317<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Piemont<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">444<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Emilia-Romana<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">375<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Venetien<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">329<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Toscana<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">276<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Latium<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">197<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Ligurien<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">165<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Apulien<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">159<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Marche<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">151<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Kampanien<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">108<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Trento<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">80<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Sizilien<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">76<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Abruzzen<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">67<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Bolzano<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">53<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Friuli-Venedig Giulia<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">50<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Umbria<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">45<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Sardinien<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">25<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Aosta Tal<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">23<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Basilicata<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">18<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Kalabrien<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">13<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">Molise<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\">6<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"161\"><i>Summe<\/i><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"161\">\n<p align=\"center\"><i>3977<\/i><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 5: Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Versorgung in Italien (Quelle: Statista, Stand: 5. April 2020) <\/em><\/p>\n<p>Einen \u00dcberblick zur Beanspruchung der Gesundheitssysteme in Europa gibt die Corona-Datenbank der TU Berlin (Reinhard Busse et al.). Zeynep Or, Forschungsdirektorin am Institut de recherche et documentation en \u00e9conomie de la sant\u00e9 (IRDES) hat sie in einer Graphik zusammengefa\u00dft:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Zeynep-Or-Hospitalisations-in-Europe.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12685\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Zeynep-Or-Hospitalisations-in-Europe-300x164.jpg?resize=300%2C164&#038;ssl=1\" alt=\"Zeynep Or - Hospitalisations in Europe\" width=\"300\" height=\"164\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Zeynep-Or-Hospitalisations-in-Europe.jpg?resize=300%2C164&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Zeynep-Or-Hospitalisations-in-Europe.jpg?w=894&amp;ssl=1 894w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 4: Zahl der Krankenhauseinweisungen und Tests in Zusammenhang mit Covid-19 in Europa (Stand 24.4.2020) <\/em><\/p>\n<p>Offenkundig variiert die Belastung der Gesundheitssysteme sehr stark. Dabei geht eine hohe Test\u00adaktivit\u00e4t, insbesondere auch bei asymptomatischen Teilen der Bev\u00f6lkerung, mit einer relativ gerin\u00adgen Zahl an Kranken\u00adhaus\u00adein\u00adweisungen einher. Das hei\u00dft, je mehr infizierte Personen tats\u00e4chlich auch positiv getestet und damit in Quarant\u00e4ne geschickt werden, desto weniger Behandlungen im Krankenhaus und auf der ITS sind notwendig. Im Vergleich zum permanenten Fiebermessen auf Taiwan erweist sich der Weg des Labortests, den einige westliche L\u00e4nder beschreiten, immerhin als zweitbeste L\u00f6sung. Von allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern versucht allein Schweden beharrlich, die Gef\u00e4hrdung durch das neue Virus und die gesellschaftlichen Kosten, die mit der Verlangsamung der Infektion verkn\u00fcpft sind, im Gleichgewicht zu halten, Selbstverantwortung und Freiheit als Einsicht in die Not\u00adwen\u00addig\u00adkeit weiterhin den m\u00fcndigen B\u00fcrgern zu \u00fcberlassen. Sicherlich w\u00e4re es f\u00fcr Anders Tegnell, den\u00a0 schwedischen \u201eStaatsepidemiologen\u201c, beruhigend zu wissen, wie sehr sich Covid-19 in einem repr\u00e4\u00adsentativen Bev\u00f6lkerungsquerschnitt bereits verbreitet hat und \u201eHerden\u00adimmunit\u00e4t\u201c ent\u00adstan\u00adden ist. Immerhin soll die Zahl der Testungen nun auf 50 bis 100.000 pro Woche erh\u00f6ht (bisher in der Summe erst 75.000 Tests) und auf alle Arbeitnehmer ausgeweitet werden \u2013 was eher ein re\u00adpr\u00e4\u00adsentatives Bild erg\u00e4be, als w\u00fcrde man nur Menschen mit Erk\u00e4ltungssymptomen testen. (Quelle: Diana Prutzer in der S\u00fcdwestpresse vom 24.4.2020). Das Vertrauen auf die Selbstverantwortung der B\u00fcrger ist einer demokratischen Gesellschaft w\u00fcrdig. Epidemiologisch gest\u00fctzt wird es zudem durch das grunds\u00e4tzliche Wissen um die Non\u00adlinea\u00adrit\u00e4t des Infektions\u00adverlaufs. Die unbekannten Parameter in dieser Rechnung und auch der Verzicht auf die vergleichsweise \u201esmarten\u201c Ma\u00dfnahmen nach dem taiwanesischen Modell erfordern recht gro\u00dfen Mut.<\/p>\n<h2 id=\"5\">Spitzenspiel<\/h2>\n<h3>Ende M\u00e4rz: Hochrechnung zur ITS-Auslastung in Deutschland<\/h3>\n<p>9.5% der in Deutschland positiv getesteten Personen wurden bis Ende M\u00e4rz in ein Krankenhaus auf\u00ad\u00ad\u00ad\u00adgenommen, 1.5% litten an einer Lungenentz\u00fcndung (RKI Lage\u00adbericht vom 1.4.2020, S. 5, hier jedoch bezogen auf die Gesamtzahl der Positiv Ge\u00adtesteten ein\u00adschlie\u00df\u00ad\u00adlich der Menschen ohne Angaben zu einer klinischen Symptomatik). Wagen wir auf dieser Grundlage eine grobe Sch\u00e4tzung: Ab April 2020 soll die Zahl der Tests in Deutsch\u00adland auf 200.000 pro Tag erh\u00f6ht wer\u00adden. Damit\u00a0 ist zu erwarten, da\u00df auch die Zahl der positiv getesteten Men\u00adschen weiter steigt (siehe die farbig unterlegte Zeile f\u00fcr den 17.4. in Tabelle 2). Prozentual ist von einer Abnahme der Zahl der Infizierten auszugehen, wenn die R\u00e4nder des Dunkelfeldes erreicht werden und sich die Ausbreitung des Virus nicht beschleunigt. F\u00fcr die Prognose behalten wir den bisher stabilen Wert von 7% jedoch bei. Kalkuliert man kon\u00adservativ, da\u00df kein Covid-19-Patient ent\u00adlassen wird (was unrealistisch ist), erg\u00e4be sich f\u00fcr Mitte April eine Betten\u00adbelegung von 25953. Bei 4095 Patienten w\u00fcrde eine Lungen\u00adentz\u00fcndung auftreten. Tats\u00e4chlich sind viele der seit Anfang M\u00e4rz wegen Covid-19 im Krankenhaus unter\u00adgebrachten Patienten wieder entlassen worden. Knapp jeder dritte Patient \u00fcberlebt die intensivmedizinische Behandlung nicht \u2013 das RKI weist die Mortalit\u00e4tsquote der Covid-10-Patienten auf der ITS konstant mit ca. 30% aus. In seiner eigenen Modellierung vom 20. M\u00e4rz geht das RKI von 14 Tagen Aufenthalt im Krankenhaus und 10 Tagen auf der ITS aus. Dies entspricht auch den italienischen Erfahrungen (Davide Manca, Mitteilung vom 18.3.2020). Es ist nicht anzunehmen, da\u00df die Patienten in Zukunft vier bis sechs Wochen, sondern weiterhin etwa 10-14 Tage station\u00e4r behandelt werden, viele noch k\u00fcrzer, einige mit schweren Verl\u00e4ufen auch l\u00e4nger. Dies be\u00addeutet, da\u00df die Betten\u00adauslastung Mitte April bei kon\u00adservativer Sch\u00e4tzung etwa mit 8651 anzusetzen w\u00e4re (wobei sich Sch\u00e4tzungen dieser Art nat\u00fcrlich in einem Fehler\u00adintervall bewegen). Voraus\u00adsichtlich m\u00fc\u00dften nicht alle dieser Pa\u00adtienten auf der ITS versorgt werden, denn \u201enur\u201c ca. 5% der Covid-19-Patienten entwickeln eine lebens\u00adbe\u00addroh\u00adliche Atemwegserkrankung. Um einzusch\u00e4tzen, wann das Gesundheitssystem angesichts der Herausforderungen durch Covid-19 als \u00fcberfordert gilt, mu\u00df zum einen die Zahl der verf\u00fcgbaren Be\u00adatmungspl\u00e4tze als auch der prim\u00e4r palliativ zu behandelnden Patienten be\u00adr\u00fcck\u00adsichtigt werden. Ende M\u00e4rz standen in Deutschland ca. 16000 von 33000 Betten f\u00fcr Covid-19-Patienten zur Verf\u00fcgung. Davon war die H\u00e4lfte der Betten frei. Die andere H\u00e4lfte k\u00f6nnte laut RKI binnen 24 Stunden neu belegt werden. Eine \u00dcber\u00adforderung des medi\u00adzinischen Systems er\u00adscheint da\u00admit unwahrscheinlich. Die hier vorgenommene Sch\u00e4tzung ist nicht \u201esmart\u201c in dem Sinne, da\u00df sie lokale Unterschiede ber\u00fccksichtigt. Es kann in einigen Regionen vorkommen, etwa in Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg, NRW und Hamburg, da\u00df die Betten ausgelastet sind, w\u00e4hrend sie in anderen Bundesl\u00e4ndern weiter\u00adhin frei stehen. Diese Situation ist nicht neu, sie besteht auch f\u00fcr andere Krankheiten. F\u00fcr eine optimale Nutzung erscheint eine tr\u00e4ger\u00fcbergreifende Vernetzung der Kran\u00adkenh\u00e4user vordringlich, so da\u00df \u00c4rzte in Echtzeit sehen k\u00f6nnen, wo sich die n\u00e4chst\u00adgelegenen freien Betten\u00adkapazit\u00e4ten befinden. Mitte M\u00e4rz erfolgte die Freischaltung des \u201eIntensivregisters\u201c im Internet durch die Deutsche Interdisziplin\u00e4re Vereinigung f\u00fcr Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), das Robert Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). Dar\u00fcber k\u00f6nnen freie Beatmungspl\u00e4tze in allen Kliniken Deutschlands re\u00adgi\u00adstriert und abgefragt werden. Mittlerweile ist die Teilnahme am Intensivregister f\u00fcr die Kliniken verpflichtend. Au\u00dfer in Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg, im Saarland, in Hamburg sowie in etwas geringerem Ausma\u00df in NRW ist die Auslastung der<b> <\/b>ITS-Pl\u00e4tze durch Covid-19-Patienten momentan gering, vie\u00adler\u00adorts stehen die Intensiv\u00adstationen leer. Die Abw\u00e4gung, ob ein fl\u00e4chendeckender wirtschaftlicher und sozialer Ruin oder einige Hubschraubereins\u00e4tze zu Krankenh\u00e4usern mit freien Be\u00adatmungs\u00adpl\u00e4tzen billigend in Kauf genommen werden sollten, d\u00fcrfte nicht schwer fallen. Das moralische Dilemma, das h\u00e4ufig als unzumutbar f\u00fcr die behandelnden \u00c4rzte bezeichnet wurde und ein Generalargument f\u00fcr die Kontaktverbote darstellt, wurde im \u00fcbrigen voraus\u00adeilend von den Kliniken in Angriff genommen: Die \u00c4rzte haben bereits jetzt entschieden, welche Opera\u00adtionen ausgesetzt oder verschoben werden, damit Betten f\u00fcr eventuelle Covid-19-Patienten frei werden. In vielen Kliniken wurden regul\u00e4re Operationss\u00e4le zu ITS-Stationen umgebaut und stehen seitdem leer. F\u00fcr den von der Politik gewollten Umbau wurden den Krankenh\u00e4usern Pr\u00e4mien gezahlt, auch um den Ausfall der regul\u00e4ren Behandlungen zu kompensieren. Die ethische Frag\u00adw\u00fcr\u00addigkeit derartiger Entscheidungen wird zu diesem Zeitpunkt dadurch versch\u00e4rft, da\u00df sie nicht durch eine reale, sondern lediglich durch eine erwartete\u00a0 Not\u00adlage motiviert sind. Auch viele Pa\u00adtienten haben \u2013 ver\u00e4ngstigt von den verbreiteten Horrorszenarien \u2013 \u201efreiwillig\u201c oder \u201evon sich aus\u201c in den letzten Wochen auf Arzt- und Krankenhausbesuche verzichtet und sind wom\u00f6glich damit t\u00f6dliche Risiken eingegangen. Auch das Besuchsverbot in den Kliniken hat Menschen mit anderen Erkrankungen als Covid-19 davon abgehalten, sich f\u00fcr einen Krankenhausaufenthalt zu entscheiden.<\/p>\n<h3>Mitte April: Res\u00fcm\u00e9e zur Hochrechnung<\/h3>\n<p>Eine exponentielle Entwicklung der Zahl der positiv getesteten Personen konnte in Deutschland trotz erheblicher Erweiterung der Testkapazit\u00e4t nicht beobachtet wer\u00adden. Die Auslastung der inten\u00adsivmedizinischen Versorgung durch Covid-19-Pa\u00adtien\u00adten in Deutschland unter\u00adschritt das hier prog\u00adnostizierte Worstcase-Szenario um das Vier\u00adfache. Wichtiger ist jedoch die inhaltliche Interpretation: Offenbar ist eine \u00dcber\u00adforderung des deut\u00adschen Gesundheitssystems bisher nicht eingetreten. Den Preis f\u00fcr die vorsorgliche Freihaltung von ITS-Pl\u00e4tzen hatten Patienten mit anderweitigen Erkrankungen zu tragen. Die \u201eTriage\u201c, die es zu ver\u00admeiden galt, wurde in vielen F\u00e4llen zeitlich vorgezogen. Ob zu dem bisher glimpfligen Ausgang der Corona-Krise\u00a0 auch die rigiden Schutz\u00adma\u00df\u00adnahmen\u00a0 bei\u00adgetragen haben, l\u00e4\u00dft sich kontrovers dis\u00adku\u00adtie\u00adren. Aufgrund der Inkubationszeit werden Effekte erst mit einer etwa vierzehnt\u00e4gigen Versp\u00e4tung sicht\u00adbar. Bisher wurden wir weder Zeugen einer exponentiellen Steigerung der Infiziertenzahlen noch eines Millionenheers von Toten \u2013 die Epidemie bleibt f\u00fcr die meisten Menschen abstrakt. In vielen deut\u00adschen Kliniken fahren die Intensivstationen deutlich auf Unterlast. Teilweise werden \u00c4rzte, die eigentlich doch die Helden der Pandemie sein sollten, in Kurzarbeit geschickt. F\u00fcr die Auf\u00adrecht\u00aderhaltung der Restriktionen und Not\u00adma\u00df\u00adnah\u00admen, die von den Regierungen beschlossen wur\u00adden, gibt es daher momentan keine sach\u00adlichen Argu\u00admente. Das einerseits versp\u00e4tete und andererseits \u00fcberh\u00e4ufte In\u00adkraft\u00adset\u00adzen der Ma\u00dfnahmen, l\u00e4\u00dft im Nachhinein keine differenzierte und auf empirische Beobachtung ge\u00adgr\u00fcndete Aussage zu ihrer jeweiligen Wirksamkeit zu. W\u00e4hrend in S\u00fcdkorea und Taiwan dank fr\u00fchzeitiger und gezielter Pr\u00e4vention kein \u201eLockdown\u201c erforderlich war und die Folgen des neuen Virus effektiver als hier\u00adzu\u00adlande begrenzt werden konnten, mu\u00df Deutschland mit einer \u00fcberaus teuren Taktik der Trippel\u00ad\u00adschritte eine halb\u00adwegs \u201esmarte\u201c Strategie, die ein Gleich\u00adge\u00adwicht zwischen Gesundheitsrisiko und gesellschaftlichem Leben herstellt, erst noch aus\u00adgelotet werden. Zu bef\u00fcrchten ist, da\u00df Bereiche, in denen bisher praktisch keinerlei Gesundheitsgef\u00e4hrdung durch das Virus vorhanden war \u2013 beispielsweise Kinderg\u00e4rten und Schulen \u2013 noch auf Wochen und Monate in die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln gezwungen und damit funktions\u00adun\u00adt\u00fcchtig gehalten werden.\u00a0 Nicht nur da\u00df der Umbau der schulischen und fr\u00fchp\u00e4dagogischen Infra\u00adstruktur und die entsprechende Aufstockung des p\u00e4dagogischen Personals in dem Ma\u00dfe, wie Klassen verkleinert werden m\u00fcssten, damit Abstandsregeln eingehalten werden k\u00f6nnen, alles andere als trivial ist und nicht mal so nebenbei gestemmt werden k\u00f6nnte. Vor allem: Kinder brauchen soziale und \u2013 ja, wie konnte das in Vergessenheit geraten? \u2013\u00a0 k\u00f6rperliche Kontakte, da\u00admit sie sich psychisch gesund entwickeln. Wir w\u00fcrden also mit pedantischem und hypo\u00adchon\u00addrischem Eifer auf Dauer ein Regime der sozialen Distanzierung in unseren Kindertagesst\u00e4tten und Schulen etablieren, da\u00df sich aller Voraussicht nach sch\u00e4dlich auswirkt. Da m\u00f6chte man lieber kein Kind sein m\u00fcssen, trauriges Europa.<\/p>\n<h3>Erst h\u00e4mmern, dann tanzen &#8211; ein Storyteller erobert die westliche Welt<\/h3>\n<p>Tomas Pueyo, 1982 in Frankreich geboren, studierte an der Stanford-University Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Verhaltenspsychologie, Design und Storytelling. Ab dem 10. M\u00e4rz 2020 entfaltete er sein er\u00adz\u00e4h\u00adle\u00adrisches Talent in zwei weitweit beachteten Internetartikeln. Begonnen hatte er zuvor schon mit\u00a0 Twitter-Meldungen, nun r\u00fcckte er als Corona-Geschichtenerz\u00e4hler und viraler Influenzer ins Ram\u00adpen\u00adlicht. Sein Erfolgsrezept: kurze Haupts\u00e4tze, bunte Graphiken und schlie\u00dflich die schlichte Pr\u00e4sentation zweier Alternativen \u2013 das Virus laufen lassen (R&gt;2) und in die exponentielle Katastrophe rasen oder das Virus ausmerzen (R&lt;0.6), also zerh\u00e4mmern, und danach mit den F\u00fc\u00dfen auf ihm herumtanzen, was hierzulande \u201ebehutsam lockern\u201c genannt wird. W\u00fcrde man die Infektion mit dem neuen Coronavirus einfach laufen lassen, behauptete Pueyo, so w\u00e4re auch das beste Gesundheitssystem der Welt innerhalb weniger Tage hoffnungslos \u00fcberfordert. Zur Ver\u00adan\u00adschau\u00adlichung dieses Schreckenszenarios f\u00fchrte Pueyo folgende Abbildung ins Feld:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-ICU.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12686\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-ICU.png?resize=300%2C201&#038;ssl=1\" alt=\"Pueyo - ICU\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-ICU.png?resize=300%2C201&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-ICU.png?resize=1024%2C688&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-ICU.png?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-ICU.png?w=1400&amp;ssl=1 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 5: Das Schreckensszenario nach Pueyo: Es ist nirgendwo auf der Welt eingetreten. <\/em><\/p>\n<p>Bei \u00fcber zw\u00f6lf Millionen Patienten in den USA, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden m\u00fc\u00df\u00adten, w\u00e4ren in der Spitze \u00fcber zwei Millionen Patienten intensivmedizinisch zu be\u00adhandeln \u2013 das w\u00e4re tats\u00e4chlich eine Katastrophe, wenn sie denn je eingetreten w\u00e4re. In Deutschland sah die Situation die gesamte Corona-Zeit hindurch komplett umgekehrt aus: die Kapazit\u00e4t der ITS-Pl\u00e4tze \u00fcberstieg den Bedarf um ein Vielfaches, siehe Abbildung 3. Doch nun war das Bild von der Parabel, die von allen \u201eexponentiell\u201c genannt wurde, in den K\u00f6pfen. Als L\u00f6sungsstrategie griff Pueyo nun eine nichtpharmazeutische Intervention auf, die der re\u00adnom\u00ad\u00admierte Epidemiologe Neil Ferguson vom Imperial Collage gerade verworfen hatte: den Lock\u00addown.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-shutdown.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12687\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-shutdown.png?resize=300%2C167&#038;ssl=1\" alt=\"Pueyo - shutdown\" width=\"300\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-shutdown.png?resize=300%2C167&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-shutdown.png?resize=1024%2C570&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-shutdown.png?w=1400&amp;ssl=1 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 6: Fergusons Annahme einer Verschiebung des Scheitelpunktes der Infektionswelle durch den Lockdown <\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Ferguson davon ausging, da\u00df ein Lockdown die Infektionswelle lediglich in den Herbst verschiebt \u2013 und zwar mit umso h\u00f6herer Wucht, je h\u00e4rter die Restriktionen im Fr\u00fchjahr greifen \u2013 behauptet Pueyo, mit Hilfe des Lockdowns k\u00f6nne der Westen seine Gesund\u00adheits\u00adsysteme auf Vordermann bringen, China\u2019s Politik der Restriktionen kopieren und \u00fcberhaupt von Asien lernen, wie man Infizierte testet, Kontakte nach\u00adver\u00adfolgt und unter Quarant\u00e4ne setzt. Die versprochene L\u00f6sung, besser gesagt: Erl\u00f6sung, s\u00e4he dann so aus:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-hammer-und-dance.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12688\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-hammer-und-dance.png?resize=300%2C162&#038;ssl=1\" alt=\"Pueyo - hammer und dance\" width=\"300\" height=\"162\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-hammer-und-dance.png?resize=300%2C162&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-hammer-und-dance.png?resize=1024%2C555&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-hammer-und-dance.png?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pueyo-hammer-und-dance.png?w=1400&amp;ssl=1 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 7: Pueyo\u2019s Umdeutung des Lockdown als L\u00f6sungsstrategie <\/em><\/p>\n<p>Indem der Westen, der im Unterschied zu Taiwan den Ausbruch der Pandemie verschlafen hat, die Infektionswelle durch einen Lockdown, der ein paar Wochen durchgehalten werden m\u00fcsse, zerh\u00e4mmere, k\u00f6nne er danach beginnen zu tanzen&#8230; Die Metapher vom \u201eAustrocknen des Virus\u201c, die der Epidemiologe Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Institut im Munde f\u00fchrt, beschreibt im Grunde dasselbe. Tomas Pueyo\u2019s Storytelling setzte sich durch, indem er W\u00f6rter mied, die allzu\u00a0 ab\u00ad\u00adschreckend klingen: \u201eeind\u00e4mmen\u201c, \u201eaustrocknen\u201c, \u201eBek\u00e4mpfung\u201c, \u201eKrieg gegen den un\u00adsicht\u00adbaren Feind\u201c \u2013 derartige verbale Grobschl\u00e4chtigkeiten finden sich in seinen Artikeln nicht. Sie sind im Ton vielmehr von Menschlichkeit und Vernunft getragen. Zwar mag die Rede vom \u201eHam\u00admer\u201c aggressiv klingen, was sie tats\u00e4chlich auch ist, die Vision vom \u201eTanz\u201c entspricht aber ganz der Erl\u00f6sungssehnsucht, die westliche Gesellschaften seit biblischen Zeiten anspricht. Pueyo\u2019s Strategie folgt dem Muster der gro\u00dfen eschatologischen Erz\u00e4hlungen. \u201ePueyo\u2019s article quickly became the defining piece on the outbreak of COVID-19\u201c, bemerkte Ryan Broderick, Reporter bei den BuzzFeed News bereits am 18. M\u00e4rz 2020, obwohl Pueyo bei weitem nicht der einzige Corona-Laienprediger im Internet war. Binnen kurzem erreichten seine Artikel nicht nur 50 Millionen Leser in 37 Sprachen, sondern vor allem auch politische Entscheider: darun\u00adter Kongre\u00df\u00adab\u00adge\u00adordnete, Politiker und Politikberater. Mitarbeiter des deutschen Innenministeriums und des Robert-Koch-Instituts fragten bei ihm nach. \u201eIch bin auch mit einer Handvoll Regierungen in Kontakt, die ich darin berate, wie sie mit dieser Krise umgehen.\u201c Er sei froh, in dieser dunklen Stunde etwas Wertvolles beitragen zu k\u00f6nnen, sagte Pueyo in einem Interview mit dem Capital-Magazin vom 17.4.2020. Mittlerweile warnen die Staatsvirologen hierzulande bereits vor der zweiten Welle, die uns drohe, wenn wir leichtfertig lockern oder um im Bild zu bleiben: wenn wir leichtf\u00fc\u00dfig tanzen. In unserer Zahlenspiel-Weltmeisterschaft haben wir in Tomas Pueyo den begehrtesten aller Trai\u00adner kennen\u00adgelernt, um den sich die Kapit\u00e4ne und Kapit\u00e4ninnen der L\u00e4ndermannschaften rei\u00dfen.<\/p>\n<h3>Made by man: Schrecken ohne Ende<\/h3>\n<p>Kehren wir also von unserem gedanklichen Ausflug nach Amerika zur\u00fcck zu Deutschland. Man mu\u00df kein Prophet sein, um Fehler in der Strategie zu er\u00adkennen, die von der Bundesregierung sp\u00e4testens seit Mitte M\u00e4rz eingeschlagen wurde. Schon die Pr\u00e4missen erweisen sich \u2013 teilweise von vornherein, teilweise nach wenigen Tagen aufmerksamer Beobachtung der zahlenm\u00e4\u00dfigen Entwicklung \u2013 als falsch: Die Corona-Krise, hervorgerufen durch die politischen \u00dcberreaktionen auf das neue Virus, ist nicht ver\u00adgleichbar mit dem Zustand Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser Vergleich ist der Bundeskanzlerin m\u00f6g\u00adlicherweise nur rhetorisch \u201eherausgerutscht\u201c, m\u00f6chte ich wohlmeinend unterstellen, um keine Gedankenlosigkeit behaupten zu m\u00fcssen. Offen\u00adbart er doch das grund\u00ads\u00e4tzliche Mi\u00dfverst\u00e4ndnis der sogenannten Corona-Krise durch die Regie\u00adrung: 1945 war Deutschland selbst\u00adver\u00adschuldet nahezu komplett zerst\u00f6rt, die materiel\u00adlen Lebensgrundlagen, Strukturen der Daseins\u00advorsorge, hatten einen un\u00ader\u00adme\u00df\u00adlichen Schaden erlitten. Deutschland hatte Millionen Menschen den Tod gebracht und selbst Millionen von Todesopfern zu beklagen. Im Jahr 2020 stehen einige Teile der Wirt\u00adschaft und der Kultur still. Finanzielle Sch\u00e4den lassen sich in Gr\u00f6\u00dfenordnungen von Milliarden beziffern, aber die Strukturen der Daseinsvorsorge funktionieren uneingeschr\u00e4nkt und die materielle Basis des Wirtschafts- und Kultur\u00adlebens existiert unbeschadet fort. Ergo: Der Vergleich mit der Situation nach dem Zweiten Weltkrieg entbehrt jeder sachlichen Grundlage und erweist sich als Teil einer taktischen Propaganda, die der Bev\u00f6lkerung auf drastische Weise die Gef\u00e4hrlichkeit der Pandemie suggerieren soll. Die Wissenschaftler, die die Regierung zum Umgang mit Covid-19 beraten haben, sind in An\u00adleh\u00adnung an Tomas Pueyo von drei grunds\u00e4tzlichen Szenarien der pandemischen Ent\u00adwicklung aus\u00adge\u00adgangen: a) milder Verlauf mit wenigen Toten, b) mittlerer Verlauf mit einer moderaten Zahl an Verstorbenen und c) exponentieller Verlauf mit Millionen Toten. Nun mag es sein, da\u00df Mitte oder Ende Januar die Ge\u00adf\u00e4hrlichkeit des neuen Virus noch nicht verl\u00e4\u00dflich einzusch\u00e4tzen war oder die Daten, die die chinesischen Beh\u00f6rden meldeten, als unglaubw\u00fcrdig galten. <i>Eine adaptive Strategie \u2013 die mit der h\u00f6chsten Erfolgsaussicht verkn\u00fcpft ist \u2013 nimmt bei einer der\u00adartigen Ungewi\u00dfheit hinsichtlich der Ausgangsposition zun\u00e4chst die mittlere Position als gegeben an und beobachtet dann permanent, ob sich die Entwicklung innerhalb dieses Szenarios bewegt, ob sie nach unten in das milde oder nach oben ins Schreckensszenario \u00fcberspringt. Eine adaptive Strategie in dieser Form ist alles andere als neu. Sie geh\u00f6rt seit der Antike zum Menschheitswissen.<\/i> Die Bundesregierung hat zutreffend kommuniziert, da\u00df es letztlich auf die Belastbarkeit des deut\u00adschen Gesundheitssystems ankomme. Als Indikator zur Beurteilung der Dynamik der pandemischen Entwicklung w\u00e4hlte sie \u2013 bzw. das RKI &#8211;\u00a0 jedoch irrt\u00fcmlich die Absolutzahl der positiv getesteten Personen, ohne in Rechnung zu stellen, da\u00df diese Ziffer nicht unabh\u00e4ngig von der Teststrategie besteht und daher keinen geeigneten Indikator darstellt.\u00a0 Denn die Zahl der positiv getesteten Personen besagt wenig bis nichts \u00fcber die Belastbarkeit des Gesundheitssystems: Sie ist abh\u00e4ngig von der Zahl der Tests sowie von der Dunkelziffer und wird minimiert von der Zahl der genesenen Personen. Geht man von den positiv getesteten Personen aus, mu\u00df zudem gesch\u00e4tzt werden, wieviele davon einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen \u2013 eine Sch\u00e4tzung, die ihrerseits auf wackeligen F\u00fc\u00dfen steht, da sie von unbekannten Parametern wie der Zahl der Vor\u00aderkrankungen und dem Alter abh\u00e4ngt (vgl. Robert Verity et al., 2020). Der grunds\u00e4tzliche Fehler der Bundesregierung bestand darin, von vornherein vom exponen\u00adtiellen Schreckensszenario auszugehen statt fr\u00fchzeitig eine adaptive Strategie zu w\u00e4hlen. Offenbar hat die Bef\u00fcrchtung, da\u00df sich die Pandemie mit exponentieller Geschwindigkeit ausbreiten und eine Mortalit\u00e4tsrate im einstelligen Prozentbereich \u2013 bei einer Bev\u00f6lkerung von 80 Millionen immerhin mehr als eine Million Todesopfer \u2013 hervorrufen k\u00f6nne, den Ausschlag gegeben. M\u00f6glicherweise hat auch die \u00fcbliche sozial\u00adpsycho\u00adlo\u00adgische Dynamik bei Gruppenentscheidungen im Regierungshandeln die Oberhand ge\u00adwonnen: Gruppen entscheiden in der Regel riskanter und nehmen leichter katastrophale Folgen in Kauf als Einzelpersonen. Zu den Denkfehlern geh\u00f6rt, da\u00df die vorl\u00e4ufige Annahme einer adaptiven Strategie eine exponen\u00adtielle Ausweitung der Todesrate ausschlie\u00dfe oder untersch\u00e4tze. Adaptiv bedeutet unabl\u00e4ssige Beobachtung valider Indikatoren und daraufhin erfolgende Kurskorrektur. Eine adaptive Strategie ist keinesfalls gleichzusetzen mit Laissez-faire: diese Autobahn hat drei Spuren. Angemessen ist es, zu\u00ad\u00aderst die mittlere zu w\u00e4hlen und dann den Blick aufmerksam zwischen R\u00fcckspiegel und Vorausschau zu wechseln, um zu entscheiden, ob der \u00dcbergang in die \u00dcberholspur oder in die Kriechspur erfolg\u00adver\u00adspre\u00adchender erscheint. Die nur mit Verdachtsmomenten begr\u00fcndete Annahme des drohenden Schreckensszenarios wurde mit immensen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen, psychologischen und nicht zuletzt ethischen Kosten billigend in Kauf genommen: &#8211;\u00a0 verordnete \u201eSchocktherapie\u201c f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung als \u201eEinstimmung\u201c auf eine hohe Zahl von Todes\u00adopfern, damit verbunden die Aushebelung der jour\u00adnalistischen Un\u00adabh\u00e4ngigkeit zu\u00adgunsten einer selektiven Berichterstattung \u00fcber Hotspots der Pan\u00addemie, beispielsweise die Gleichsetzung der Ereignisse in Ber\u00adgamo mit ganz Italien, Bilder statt valide Zahlen, eklatante sprachliche Verzerrungen und Ungenauigkeiten (\u201eCorona-Tote\u201c, \u201eVerstorbene infolge von Corona\u201c) als Mittel der Worstcase-Pro\u00adpa\u00adganda, damit Hin\u00ad\u00adnahme des Ver\u00adtrauens\u00adverlusts weiter Teile der Bev\u00f6lkerung in die Be\u00adricht\u00ader\u00adstat\u00adtung, der mit\u00adtels permanenter Wiederholung selek\u00adtiv heraus\u00ad\u00ad\u00adgegriffener Einzelschicksale kom\u00adpensiert werden sollte &#8211;\u00a0 Stillegung weiter Teile der Wirtschaft &#8211;\u00a0 immense Staatsverschuldung &#8211;\u00a0 Abwertung von Bildung und Kultur durch die pauschale Schlie\u00dfung von Schulen, Theatern, Galerien, Museen und anderen Orten des Soziallebens &#8211;\u00a0 Quarant\u00e4ne und Besuchsverbote f\u00fcr Krankenh\u00e4user, Alten- und Pflegeheime und Inkaufnahme seelischer N\u00f6te wie Vereinsamung bis hin zur Todesfolge Das Diktum der \u201eAlternativlosigkeit\u201c, das w\u00e4hrend dieser Kanzlerschaft bereits mehrfach zum Leitmotiv avancierte, hat auch hier zu einem suboptimalen Vorgehen gef\u00fchrt. Absprachen inner\u00adhalb Europas w\u00e4ren Anfang M\u00e4rz noch m\u00f6glich gewesen. Auch innerhalb Deutschlands wurde der Diskurs nicht zugelassen, Kritiker wurden verunglimpft. Damit wurde die Chance einer fr\u00fchen Kurs\u00adkorrektur verpa\u00dft, um die Strategie des einmal angenommenen Schreckensszenarios nicht \u00e4ndern zu m\u00fcssen. Auf das eigentliche Erfolgskriterium \u2013 die Belastung des deutschen Gesund\u00adheits\u00adsystems, ins\u00adbe\u00adson\u00addere die Kapazit\u00e4t der intensivmedizinischen Ver\u00adsorgung \u2013 wurde erst sp\u00e4t und dann auch nur sporadisch in den Z\u00e4hlungen des RKI Bezug genommen. Es zeigte sich, da\u00df die Inanspruchnahme der ITS im Laufe des M\u00e4rz 2020 zwar stetig zunahm, von einer exponentiellen Entwicklung jedoch keine Rede sein konnte. Die vorhandene \u2013 zum Teil auch unter dem Eindruck der drohenden Pandemie \u2013 freigesetzten Kapazit\u00e4t der Intensivmedizin in Deutschland wurde um das sechs- bis achtfache unterschritten \u2013 d.h. w\u00e4hrend der Pandemie standen etwa 80-90% der f\u00fcr Covid-19-Patienten reservierten ITS in Deutschland leer oder wurden anderweitig genutzt. Dieses Kriterium h\u00e4tte aufgrund des selbst gesetzten Ziels der Bundes\u00adregierung, einer \u00dcber\u00adforderung des Gesund\u00adheits\u00adsystems zuvorzukommen, in den Fokus ger\u00fcckt werden m\u00fcssen. Damit w\u00e4re zwingend eine Abkehr vom bef\u00fcrchteten Schreckensszenario verbunden gewesen. Eine fr\u00fche Kurskorrektur angesichts der der tats\u00e4chlichen ITS-Auslastung h\u00e4tte einen immensen Schaden von der Gesellschaft abgewendet und es der Regierung gestattet, ohne Gesichts\u00adverlust aus der selbst\u00adverschuldeten Folge\u00adkrise herauszukommen. Das deutsche Gesund\u00adheitssystem ist beruhigenderweise mit einer hohen Kapazit\u00e4t ausgestattet im Vergleich zu Italien, Spanien, den USA, Gro\u00dfbritannien oder Schweden \u2013 das soll \u00fcber kritische Momente, die insbesondere die Personalsausstattung betreffen, nicht hinwegt\u00e4uschen. Angesichts einer drohenden Epidemie ist der ungewichtete Vergleich mit eklatant medizinisch unterversorgten Re\u00adgionen irref\u00fchrend. Anstelle des Eingest\u00e4ndnisses eines strategischen Fehlers wurde die \u201ekonsequente Fortsetzung\u201c des einmal eingeschlagenen Hammer-Kurses verfolgt. Anstelle einer klugen Kurs\u00adkorrektur (\u201eExit-Strategie\u201c) wurde weiterhin die Ungewi\u00dfheit behauptet, ob es sich nicht doch um eine ex\u00adpo\u00adnen\u00adtielle Dynamik handeln k\u00f6nne, die zur \u00dcberlastung des Gesundheitssystems f\u00fchren w\u00fcrde. Das Festhalten an invaliden Indikatoren wie der kumululativen H\u00e4ufigkeit der positiven Getesteten ohne Ber\u00fccksichtigung der Genesenen (recovery) sowie der Verstorbenen ohne Ber\u00fccksichtigung weiterer Todesursachen bzw. der durchschnittlichen saisonalen Sterblichkeit, befestigte den Eindruck von Schein-Objektivit\u00e4t. Von Woche zu Woche wechselte die Regierung die verk\u00fcndeten Cut-off-Kriterien zur Aufhebung der Grundrechtseinschr\u00e4nkungen. Vom \u201eVerdopplungszeitraum\u201c und der \u201eAusbreitungs\u00adgeschwin\u00addigkeit\u201c war seit Anfang April keine Rede mehr, statt dessen galt nun eine Reproduktionszahl R&lt;1 als ausschlaggebend. Als auch dieses Kriterium erf\u00fcllt war, wurde eine Absolutzahl von maximal wenigen Hundert Neuinfizierten pro Tag als Bedingung verk\u00fcndet \u2013 damit die Gesundheits\u00e4mter nicht durch die Nachverfolgung \u00fcberfordert werde (Tagesschau vom 24.4.2020). Tats\u00e4chlich sendete die Regierung mit diesem Schlingerkurs\u00a0 das Signal: Es ist gleichg\u00fcltig, wie sich die Ausbreitung des Virus ver\u00e4ndert, wir beharren auf dem abstrakten Ansatz des Schreckens\u00adszenarios, wir behalten die veralteten (\u201ekonventionellen\u201c) Ma\u00dfnahmen des Kontaktverbots bei statt von den smarten Stra\u00adte\u00adgien Taiwans zu lernen&#8230;<\/p>\n<h2 id=\"6\">Kontexte<\/h2>\n<p>Versuchen wir, mit Altmeister Virchow wieder weniger in Nano-Dimensio\u00adnen zu testen, daf\u00fcr aber ge\u00adscheit zu denken. Die Corona-Krise w\u00fchlt ganze Gesell\u00adschaften auf \u2013 sie entfaltet ein Spektrum von Themen, die neu \u00fcberdacht wer\u00adden wollen. Es geht um \u00dcberlegungen, Hypothesen, Reflexionen \u2013 kein Spielfeld f\u00fcr Faktenchecker, die h\u00e4ufig, um eine ber\u00fchmte Redewendung vom <i>Mann ohne Eigen\u00adschaften<\/i> aufzugreifen, mit ihrem Wirklichkeitssinn beurteilen, was mit dem M\u00f6glichkeits\u00adsinn vor\u00adgetragen wird. Im folgenden werden weiterf\u00fchrende Ideen gesponnen, Anst\u00f6\u00dfe zum Selbst\u00addenken gegeben.<\/p>\n<h3>Hinterl\u00e4\u00dft Covid-19 Spuren in Bezug auf die Gesamtmortalit\u00e4t in Europa?<\/h3>\n<p>\u00dcber den Tod und Sterblichkeitsziffern zu sprechen, ist uns nicht gel\u00e4ufig. Hier soll es nicht um die individuelle Bedeutung des Todes gehen, sondern um Sterblichkeit als Sensorium f\u00fcr den Zustand der \u00f6ffentlichen Gesundheit. F\u00fcr Westeuropa sammelt das Netzwerk EuroMOMO die amtlichen Angaben zur Sterblichkeit von den nationalen Beh\u00f6rden und sorgt durch Standardisierung der Erfassung und Auswertung f\u00fcr deren Vergleichbarkeit. Noch in der zw\u00f6lften Kalenderwoche 2020 traten die Wirkungen von Covid-19 auf die Sterblich\u00adkeits\u00ad\u00adziffern in den Graphiken von EuroMOMO nicht hervor. Die d\u00e4nischen Forscher merkten dazu an: \u201eIn den letzten Tagen hat der EuroMOMO-Hub viele Fragen zu den w\u00f6chentlichen Gesamt\u00admortalit\u00e4ts\u00addaten und dem m\u00f6glichen Beitrag einer COVID-19-bezogenen Mortalit\u00e4t erhalten. Einige fragen sich, warum in den gemeldeten Sterblichkeitszahlen f\u00fcr die von COVID-19 betroffenen L\u00e4nder keine erh\u00f6hte Mortalit\u00e4t beobachtet wird. Die Antwort lautet, da\u00df eine erh\u00f6hte Mortalit\u00e4t, die haupts\u00e4chlich auf subnationaler Ebene oder in kleineren Schwerpunktbereichen auftreten und \/ oder sich auf kleinere Altersgruppen kon\u00adzen\u00adtrie\u00adren kann, auf natio\u00adnaler Ebene m\u00f6glicherweise nicht nachweisbar ist, insbesondere nicht in der zusammengefa\u00dften Analyse auf europ\u00e4ischer Ebene, wenn die Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe den Nenner bildet. Dar\u00fcber hinaus verz\u00f6gert sich die Re\u00adgi\u00adstrierung und Meldung von Todesf\u00e4llen h\u00e4ufig um einige Wochen. Daher m\u00fcssen die EuroMOMO-Sterblichkeitszahlen der letzten Wochen mit einiger Vorsicht inter\u00adpretiert werden.\u201c (Download am 30.3.2020, \u00dcbersetzung: VK). Die folgende Abbildung zeigt die <i>relative <\/i>Sterblichkeitsziffer, zu\u00adsam\u00admen\u00adgefa\u00dft f\u00fcr die teil\u00adneh\u00admenden europ\u00e4ischen L\u00e4nder von der vierten Kalenderwoche 2016 an. Relativ bedeutet, da\u00df die Sterblichkeitsziffer in Bezug auf die jeweilige Altersgruppe gewichtet wurde. In Absolutzahlen w\u00e4ren die Schwankungen bei den unter 65j\u00e4hrigen sonst \u00fcberhaupt nicht erkennbar. Angesichts der Altersverteilung der berichteten Mortalit\u00e4t mit Covid-19 w\u00e4re es allerdings w\u00fcnschenswert, wenn die Gruppe der 15-64j\u00e4hrigen bei EuroMOMO differenzierter dargestellt wird. Wichtig ist es, die unterschiedliche Skalierung der y-Achsen zu beachten. Die kurz gestrichelte Linie stellt die \u00fcbliche Schwan\u00adkungsbreite dar. Bei starker \u00dcbersterblichkeit in Bezug auf den Gesamt\u00adzeit\u00adraum (<i>excess mortality<\/i>) wird auch die lang gestrichelte H\u00fcllkurve \u00fcber\u00adschritten. Nicht gemeint ist jedoch die \u00dcbersterblichkeit in Bezug auf die jeweilige Vorjahressaison. Die Kurve differenziert nicht nach Todes\u00ad\u00adursachen. Welchen Anteil Covid-19 an der \u00dcber\u00adsterb\u00adlichkeit im M\u00e4rz und\u00a0 April 2020 bei\u00adge\u00adtragen hat, kann nur gemutma\u00dft werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/pooled-number-2020-16.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12689\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/pooled-number-2020-16.jpg?resize=228%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"pooled-number 2020-16\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/pooled-number-2020-16.jpg?resize=228%2C300&amp;ssl=1 228w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/pooled-number-2020-16.jpg?w=624&amp;ssl=1 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 8: Mortalit\u00e4t in Europa von 2016 an, differenziert nach Altersgruppen (Quelle: EuroMOMO, 16. KW) <\/em><\/p>\n<p>Anhand der unteren drei Verl\u00e4ufe sehen wir in jahreszeitlicher Rhythmik ein An\u00adschwellen der Sterblichkeit in den Wintermonaten, d.h. in etwa von der 40. Kalender\u00adwoche (Herbst) bis zur 12. Kalenderwoche des darauffolgenden Jahres (Fr\u00fchjahr) \u2013 der Volksmund hat daf\u00fcr den Begriff \u201eGrippewelle\u201c gepr\u00e4gt. Wir sehen au\u00dferdem eine besonders hohe und breite, zweigipflige Verteilung der Todesf\u00e4lle im Winter 2017\/18. Unser Schiedsrichter bei den Zahlenspielen erkl\u00e4rt: \u201eAus\u00adschlag\u00adgebend f\u00fcr diese Einsch\u00e4tzung ist nicht der Spitzenwert, sondern die Fl\u00e4che unter der Kurve (AUC: <i>area under the curve<\/i>), die die Zahl der Verstorbenen in einem bestimmten Zeitraum symbolisiert.\u201c Anhand der Fl\u00e4che unter der Kurve ist zu erkennen, da\u00df die Sterblichkeit im Winter 2019\/20 im Ver\u00adgleich zu den drei Vorjahren deutlich zur\u00fcckgegangen ist und sich die Kurve noch im Februar ab\u00adgeflacht hat \u2013 vermutlich dank des extrem milden Winters, von dem die Metereologen sagen, es sei der w\u00e4rmste Winter seit Beginn der Wetter\u00adauf\u00adzeich\u00adnun\u00adgen. Der Klimawandel kann \u2013 obwohl das bisher selten in Betracht gezogen wurde \u2013 als Kon\u00adtextfaktor auch in Bezug auf Covid-19 eine Rolle spielen. Im M\u00e4rz 2020 bildete sich eine Schere in den relativen Mortalit\u00e4tsziffern heraus: W\u00e4hrend\u00a0 bei den \u00fcber 65j\u00e4hrigen Ende M\u00e4rz eine substanzielle Steigerung der Mortalit\u00e4t zu verzeichnen war, die mit dem Auftreten von Covid-19 korreliert, setzte sich der Trend des milden Winters bei denen, die j\u00fcnger als 65 Jahre waren, zun\u00e4chst weiter fort (die Altersgrenze ist aus statistischen Gr\u00fcnden gesetzt und sollte nicht auf den Einzelfall bezogen werden). Deren relative Mortalit\u00e4t sank im M\u00e4rz 2020 auf den niedrigen Wert vom Sommer 2019 und Sommer 2017. Erst Anfang April war auch bei den J\u00fcngeren ein \u00fcberdurchschnittlicher Anstieg der gewichteten Mortalit\u00e4tsziffer zu verzeichnen. Paul R. Vogt geht nun einen Schritt weiter und interpretiert den Anstieg der Sterblichkeit im April kausal in Zusammenhang mit Covid-19: \u201e\u00c4ltere Covid-19-Patienten haben zwar absolut ein h\u00f6heres Sterberisiko. Das haben \u00e4ltere Personen gem\u00e4\u00df allgemeinen Sterbetafeln sowieso. Das\u00a0<i>relative Risi\u00adko,<\/i> wegen Covid-19 zu versterben, ist deshalb in allen Altersgruppen beinahe identisch und ent\u00adspricht einer Verdoppelung. Bei einem 85-j\u00e4hrigen Mann erh\u00f6ht Covid-19 die Wahrscheinlichkeit, das n\u00e4chste Jahr nicht zu erleben, von 8% auf 16%, bei einem 45-J\u00e4hrigen von 0.13% auf 0.33%, was sogar mehr als einer Verdoppelung entspricht. In jeder Altersgruppe ist das Sterberisiko bei M\u00e4nnern in etwa doppelt so hoch wie bei Frauen.\u201c (Update vom 20.4.2020) Zu beachten ist, da\u00df bei derartigen Vergleichen die Bezugsgr\u00f6\u00dfe eine entscheidende Rolle spielt. Tats\u00e4chlich \u00fcberschreitet die relative Sterblichkeit die durchschnittliche relative Gesamtjahressterblichkeit, wie in Abbildung 8 ab der 14. Kalenderwoche 2020 klar zu erkennen. Auch der Zusammenhang mit Covid-19 erscheint zumindest plausibel, auch wenn er sich in der Gesamtmortalit\u00e4t nicht differenziert erkennen l\u00e4\u00dft. Ob die sai\u00adso\u00adnale Sterblichkeit durch Covid-19 signifikant den Wert der Winter in den letzten Vorjahren \u00fcberschreitet, l\u00e4\u00dft sich hier nicht erkennen. Ab der Ausgabe f\u00fcr die 16. Kalenderwoche 2020 haben die Autoren von EuroMOMO daher eine Graphik zur saisonalen \u00dcbersterblichkeit eingef\u00fcgt (Abbildung 9). Wenn die Kurve der relativen Sterblichkeit Ende April n\u00e4mlich genauso schnell wieder abfallen sollte, wie sie angestiegen ist, bleibt die Fl\u00e4che unter der Kurve vergleichweise klein. Wegen der Verz\u00f6gerung der Auswertung l\u00e4\u00dft sich diese Annahme fr\u00fchestens im Mai \u00fcberpr\u00fcfen. Bei der Interpretation von H\u00e4ufig\u00adkeitsd\u00adiagrammen verwechseln Zahlenreporter h\u00e4ufig Spitzen\u00adwerte mit der eigentlich interessierenden Fl\u00e4che unter der Kurve (AUC), die hier das Ausma\u00df der Mortalit\u00e4t symbolisiert. Ein einzelner Peak wird pl\u00f6tzlich als maximales Integral interpretiert. Beispielsweise lie\u00df sich Julia Merlot am 9.4.2020 im SPIEGEL angesichts der Graphiken von EuroMOMO (14. KW)\u00a0zu der Behauptung hinrei\u00dfen, in einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern seien \u201ezuletzt so viele Menschen gestorben wie zu keinem anderen Zeit\u00adpunkt, keiner Grippewelle und keinem anderen Ereignis seit Beginn der Er\u00adfassung Ende 2015\u201c. Die Autorin hat offensichtlich den Spitzenwert mit der Fl\u00e4che ver\u00adwechselt. Ob ihre Behauptung zutrifft, k\u00f6nnen wir erst sp\u00e4ter wissen \u2013 n\u00e4mlich dann, wenn wir erkennen, ob die mit Covid-19 einhergehende Sterblichkeit abebbt oder l\u00e4nger anh\u00e4lt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/excess-mortality-2020-16-all-ages.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12692\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/excess-mortality-2020-16-all-ages.jpg?resize=300%2C140&#038;ssl=1\" alt=\"excess mortality 2020-16 all ages\" width=\"300\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/excess-mortality-2020-16-all-ages.jpg?resize=300%2C140&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/excess-mortality-2020-16-all-ages.jpg?w=472&amp;ssl=1 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 9: Saisonale \u00dcbersterblichkeit (excess mortality) in den Jahren 2018-20 in den an EuroMOMO teilnehmenden L\u00e4ndern <\/em><\/p>\n<p>Abbildung 9 dokumentiert klar, da\u00df die gepoolte \u00dcbersterblichkeit in den L\u00e4ndern, die sich an EuroMOMO beteiligen, bis etwa zur 12. Kalenderwoche 2020 deutlich unter den Werten der letzten beiden Vor\u00adjahre lag. Danach stieg sie in kurzer Zeit extrem an, um ab der 15. Kalenderwoche wieder steil ab\u00adzufallen. Zu beachten ist, da\u00df die Kurven die Gesamtsterblichkeit anzeigen und nicht nach Todes\u00adursachen unterscheiden. Ein Zusammenhang mit Covid-19 erscheint aufgrund der zeitlichen \u00dcber\u00adeinstimmung zumindest plausibel. Um empirisch gepr\u00fcft von \u00dcbersterblichkeit <i>infolge von Covid-19<\/i> sprechen zu k\u00f6nnen, w\u00e4ren Studien mit einem <i>randomized-controlled-Design<\/i> oder wenigstens <i>paired matching-Design<\/i> er\u00adfor\u00adder\u00adlich. Studien dieser Art gelten \u00fcbrigens als Goldstandard bei der Zulassung neuer Medikamente und sonstiger Heilmethoden. Per Zufallszuweisung m\u00fc\u00dften bei der stati\u00adstischen Auswertung der Sterblichkeitsziffern hinreichend gro\u00dfe Gruppen gebildet werden, um\u00a0 Co\u00advid-19 und andere Erkrankungen als ausschlaggebende Todes\u00adursache vergleichen zu k\u00f6nnen. Bis\u00adlang stehen derartige Analysen noch aus.<\/p>\n<h3>Unterschiede zwischen den L\u00e4ndern<\/h3>\n<p>Bemerkenswert ist der Umstand, da\u00df sich der Anstieg der Mortalit\u00e4t nicht in allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern gleichm\u00e4\u00dfig zeigt. Vielmehr trat er nur in einzelnen, besonders be\u00adtroffenen L\u00e4ndern in Erscheinung. Ein Blick auf die aktuelle L\u00e4n\u00adder\u00adverteilung offenbart gravierende Un\u00adterschiede f\u00fcr die Regionen, die an EuroMOMO teilnehmen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Multicountry-zscore_2020_16-Vergleich.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12693\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Multicountry-zscore_2020_16-Vergleich.jpg?resize=234%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"Multicountry-zscore_2020_16 Vergleich\" width=\"234\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Multicountry-zscore_2020_16-Vergleich.jpg?resize=234%2C300&amp;ssl=1 234w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Multicountry-zscore_2020_16-Vergleich.jpg?resize=800%2C1024&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Multicountry-zscore_2020_16-Vergleich.jpg?w=1400&amp;ssl=1 1400w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Multicountry-zscore_2020_16-Vergleich.jpg?w=2100&amp;ssl=1 2100w\" sizes=\"auto, (max-width: 234px) 100vw, 234px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 10: Gegen\u00fcberstellung der L\u00e4nder ohne und mit \u00dcbersterblichkeit in der Corona-Zeit (Quelle: EuroMOMO, 16. KW). <\/em><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sehen wir auch bei der nationalen Aufschl\u00fcsselung der Mor\u00adta\u00adlit\u00e4tsziffern in zahlreichen euro\u00ad\u00adp\u00e4ischen L\u00e4nder weiterhin eine Abnahme der Sterb\u00adlichkeit im Winter 2019\/20, bis Anfang April. Substanzielle Ausnahmen bilden Italien, Spanien, Belgien, Gro\u00df\u00adbritan\u00adnien, die Niederlanden und Frankreich \u2013 also die mutma\u00dflich besonders von Covid-19 betrof\u00adfenen L\u00e4nder. In Schweden und in der Schweiz erschien die Entwicklung im M\u00e4rz noch unklar, jetzt zeichnet sich eine \u00fcberdurchschnittliche Erh\u00f6hung der Sterblichkeit ab. Einen interessanten Fall stellt Nordirland dar: W\u00e4hrend die Republik Irland eindeutig zu den L\u00e4ndern geh\u00f6rt, die in der Corona-Zeit keine \u00dcber\u00adsterblichkeit zu verzeichnen hatten, bewegt sich Nordirland sehr nah an die Grenze zur \u00dcber\u00adsterblichkeit heran. Sind klimatische, politische oder medizinische Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Unterschied verantwortlich zu machen? Die Frage, welche Faktoren die Unterschiede hinsichtlich der Sterblichkeit zwischen den L\u00e4ndern hervorgerufen haben und welchen Anteil Covid-19 daran hat, wird die Epidemiologie noch be\u00adsch\u00e4f\u00adtigen m\u00fcssen. Allein biologische oder virologische Faktoren in Betracht zu ziehen, d\u00fcrfte die Va\u00adrianz nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"205\">\n<p align=\"center\"><b>Ohne \u00dcbersterblichkeit in der Corona-Zeit<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"205\">\n<p align=\"center\"><b>Geringf\u00fcgige \u00dcbersterblichkeit in der Corona-Zeit<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"205\">\n<p align=\"center\"><b>Erhebliche \u00dcbersterblichkeit in der Corona-Zeit<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"205\">\n<ul>\n<li>D\u00e4nemark<\/li>\n<li>Estland<\/li>\n<li>Finnland<\/li>\n<li>Griechenland<\/li>\n<li>Hessen und Berlin<\/li>\n<li>Irland<\/li>\n<li>Luxemburg<\/li>\n<li>Malta<\/li>\n<li>Norwegen<\/li>\n<li>\u00d6sterreich<\/li>\n<li>Portugal<\/li>\n<li>Ungarn<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"205\">\n<ul>\n<li>Nordirland<\/li>\n<li>Schweden<\/li>\n<li>Schweiz<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"205\">\n<ul>\n<li>Belgien<\/li>\n<li>Frankreich<\/li>\n<li>Gro\u00dfbritannien (ohne Nordirland)<\/li>\n<li>Italien<\/li>\n<li>Niederlanden<\/li>\n<li>Spanien<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 6: L\u00e4nder ohne und mit \u00dcbersterblichkeit in der Corona-Zeit (nur f\u00fcr L\u00e4nder, die sich an EuroMOMO beteiligen) <\/em><\/p>\n<p>Deutlich wird in Abbildung 10 weiterhin, da\u00df vor allem in den von Covid-19 betroffenen L\u00e4ndern die saisonale Mor\u00adtalit\u00e4t im Winter 2019\/20 geringer ausgefallen ist als in den Jahren zuvor, d.h. die \u00fcbliche Grippewelle bis M\u00e4rz blieb aus oder sehr mild. In \u00d6sterreich, Portugal, Irland, Malta und Griechenland war die Grippewelle dagegen bereits in den Vormonaten etwas gravierender aus\u00adgepr\u00e4gt \u2013 ent\u00adsprechend unauff\u00e4llig ent\u00adwickelte sich die Gesamtmortalit\u00e4t w\u00e4hrend des be\u00adf\u00fcrch\u00adteten H\u00f6he\u00adpunktes der Corona-Zeit. Besonders auff\u00e4llig ist, da\u00df sich die Steigerung der Mortalit\u00e4tsziffer in den von Covid-19 be\u00adtrof\u00adfenen L\u00e4ndern nicht auf die Monate November bis M\u00e4rz verteilt, sondern auf den M\u00e4rz\/April kon\u00adzen\u00adtriert. Die zeitliche Ver\u00addichtung belastete manche \u00f6rtliche Gesund\u00adheits\u00adsyste\u00adme erheblich. Inner\u00adhalb eines Monats kam in einigen Kommunen der Gr\u00f6\u00dfenordnung nach die Zahl von Todes\u00adf\u00e4llen zusammen, die sich sonst auf mehrere Wintermonate ver\u00adteilt \u2013 da\u00df darauf Orte mit schw\u00e4cheln\u00adder medizinischer Infrastruktur nicht vor\u00adbereitet sind, liegt auf der Hand.<\/p>\n<h3>Klimawandel, milde Winter<\/h3>\n<p>Wir hatten 2019\/20 einen ausgesprochen milden Winter. Die Sterblichkeitskurve in den Monaten Dezember 2019 bis Ende Februar 2020 flachte europaweit ab. Damit dr\u00e4ngt sich die Hypothese auf, da\u00df der milde Winter und Covid-19 in Kom\u00adbi\u00adnation zu einem <i>versp\u00e4teten Tod<\/i> inbesondere in Teilen der Bev\u00f6lkerung bei\u00adge\u00adtra\u00adgen haben, mit anderen Wor\u00adten: einen \u201enormalen Winter\u201c h\u00e4tten bereits im Dezember bis Februar weniger Menschen mit ge\u00adsund\u00ad\u00ad\u00adheitlichen Belastungen \u00fcberlebt, so da\u00df Covid-19 im M\u00e4rz\/April zu einer \u00dcberlastung f\u00fchren konnte. F\u00fcr diese These spricht der extrem milde Verlauf der saisonalen Grippewelle im Winter 2019\/20. Im Grippeweb des RKI ist zu lesen: \u201eNachdem die h\u00f6chste ARE-Rate [akute Atemwegserkrankung mit oder ohne Fieber] in dieser Saison in der 9. KW mit 8.5% erreicht wurde, ist die ARE-Rate bis zur 14. KW um 80% gesunken (auf 1.7%). Damit hat sie einen Bereich erreicht, der in den Vorjahren erst in den Sommermonaten beobachtet wurde. Noch deutlicher ist der R\u00fcckgang bei den grippe\u00e4hnlichen Erkrankungen (ILI) \u2013 der Untergruppe der ARE \u2013 zu sehen &#8230; Mit 0.2% ist die ILI-Rate die bisher niedrigste, die je bei Grippeweb beoabachtet werden konnte.\u201c (Download am 16.4.2020) Das Grippeweb f\u00fchrt das Monitoring der grippe\u00e4hnlichen Erkrankungen in Deutschland seit 2011 durch. Was liegt n\u00e4her, als diese beiden Zahlen, die das RKI vermeldet \u2013 das krasse Ab\u00adflauen der Grippewelle und der Ausbruch von Covid-19 \u2013 im Zu\u00adsam\u00admen\u00adhang zu denken? Aller Wahr\u00adscheinlichkeit geh\u00f6ren diejenigen, die im Winter 2019\/20 von der Grippe verschont geblieben sind, zu den Opfern von Covid-19. Die schwach ausgepr\u00e4gte Grippewelle hat das Leben der Betroffenen zuvor geringf\u00fcgig <i>ver\u00adl\u00e4ngert<\/i>. Gert Antes, Biometriker vom Cochrane-Institut in Freiburg, \u00e4u\u00dferte im Spiegel-Interview vom 31. M\u00e4rz die gegenteilige Vermutung: \u201e&#8230; viele von denen, die jetzt am Coronavirus sterben, w\u00e4ren m\u00f6glicherweise auch ohne das Virus gestorben, aber sp\u00e4ter.\u201c Antes\u2019 Hypothese geht von einer zus\u00e4tzlichen Belastung durch das neue Virus aus, die das Leben, wenn auch vergleichsweise gering\u00adf\u00fcgig, <i>verk\u00fcrzen<\/i> k\u00f6nne. Wir haben es also mit zwei Hypothesen zu tun, um zu erkl\u00e4ren, da\u00df ausgerechnet \u00e4ltere und vorerkrankte Teile der Bev\u00f6lkerung mit Covid-19 sterben, obwohl die Menschen, die sich mit dem neuen Virus infiziert haben, mehrheitlich j\u00fcnger und l\u00e4ngst wieder genesen sind. Wenn die Gesamt\u00admortalit\u00e4t im Anschlu\u00df an die \u00fcbliche Grippezeit \u2013 d.h. im Mai und Juni \u2013 un\u00ader\u00adwar\u00adtet auf dem hohem Niveau von Ende M\u00e4rz\/Anfang April verharren\u00a0 sollte, dann spricht dies f\u00fcr eine t\u00f6dliche Wirkung, die vom neuen Virus an sich ausgeht. Wenn die Kurve dagegen in den von Covid-19 betroffenen L\u00e4ndern von Ende April an wieder ab\u00adsinken sollte, kann davon aus\u00adgegangen werden, da\u00df die auf das gesamte Jahr bezogene Mortalit\u00e4t nicht signifikant gestiegen ist \u2013 in diesem Fall w\u00e4re Covid-19 den typischen Alters\u00aderkrankungen zu\u00adzu\u00adordnen, die in der Regel nicht oder nur schwer heilbar sind. Die \u00dcberlebens\u00adchancen des chronisch kranken Teils der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung \u2013 nicht alle sind vorerkrankt \u2013 h\u00e4ngt ent\u00adscheidend von sozialen Kontextbedingungen ab, unter anderem von der Struktur und Qua\u00adlit\u00e4t der me\u00addizinischen Versorgung, aber auch von der sozialen Unterst\u00fctzung beispielsweise durch Angeh\u00f6rige oder Freunde. Dieser Umstand w\u00fcrde die gravierenden, regionalen und nationalen Unterschiede der Sterblichkeit erkl\u00e4ren, die wir momentan noch dem neuen Virus zuschreiben. T\u00f6dlich wirkt es in Kombination mit einer unzureichenden me\u00addi\u00adzinischen Versorgung und psychosozialen Unterst\u00fctzung, die regional sehr unterschiedlich aufgestellt ist. Ein weiterer Aspekt erweist sich als signifikant: die lokale Umweltbelastung.<\/p>\n<h3>Feinstaub: Autobahnen f\u00fcr Viren?<\/h3>\n<p>Sucharit Bhakdi und Stefan Hockertz geh\u00f6rten hierzulande zu den ersten, die mit Blick auf Ober\u00aditalien die Luftverschmutzung als differenzierenden Faktor in Betracht zogen, um die starken regionalen Unterschiede von Covid-19 zu erkl\u00e4ren (z.B. Bakhdi auf Youtube vom 19.3.2020). Reflex\u00adhaft wurde ihnen von Faktencheckern vorgehalten, die Luft in Oberitalien sei gar nicht st\u00e4rker ver\u00adschmutzt als anderswo in Europa, so beispielsweise Alexander Herberstein vom Verein Mimikama (mimikama.at vom 24.3.2020) \u2013 was sich nachweislich als falsch herausstellte \u2013 mitunter k\u00f6nnen \u201eFaktenchecker\u201c in Wirklichkeit \u201eFaktenleugner\u201c sein, wie hier am Beispiel der NO<sub>2<\/sub>-Belastung zu sehen ist:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/NO2-Belastung_Europa_2020_01-2.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12696\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/NO2-Belastung_Europa_2020_01-2.jpg?resize=300%2C213&#038;ssl=1\" alt=\"NO2-Belastung_Europa_2020_01-2\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/NO2-Belastung_Europa_2020_01-2.jpg?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/NO2-Belastung_Europa_2020_01-2.jpg?w=753&amp;ssl=1 753w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 11: Stickoxid-Belastung in Europa \u2013 Satellitenbild aus einer H\u00f6he von 824 km, Messung mit dem TROPOspheric Monitoring Instrument (TROPOMI) im Rahmen des EU-Projekts \u201eCopernicus\u201c im Januar und Februar 2020, vor dem Covid-19-Ausbruch (Quelle: Ogen, 2020) <\/em><\/p>\n<p>Nils Metzger, Faktenchecker vom ZDF, warf Bakhdi vor, es sei unwissenschaftlich, die Luft\u00adver\u00adschmutzung als zentralen Ausl\u00f6ser der Pandemie zu pr\u00e4sentieren \u2013 das hatte er jedoch gar nicht behauptet (zdf.de vom 23.3.2020). <i>Correktiv<\/i> wiederum hielt Hockertz entgegen, es gebe keine Belege, da\u00df Feinstaub die Ver\u00adbreitung von Viren beg\u00fcnstigt (correctiv.de vom 17.4.2020). Tats\u00e4chlich scheint eine Reihe empirischer Erkenntnisse die These zu best\u00e4tigen, da\u00df die Fein\u00adstaub-Belastung die virale Infektion beschleunigt. Bereits im M\u00e4rz verwiesen zw\u00f6lf Forscher von der italienischen <i>Gesellschaft f\u00fcr Umweltmedizin<\/i> auf Beobachtungen chinesischer \u00c4rzte, da\u00df Sand\u00adst\u00fcrme und Staub Atem\u00adwegs\u00aderkrankungen f\u00f6rderten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Feinstaub_Brescia_Covid.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12697\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Feinstaub_Brescia_Covid.jpg?resize=300%2C126&#038;ssl=1\" alt=\"Feinstaub_Brescia_Covid\" width=\"300\" height=\"126\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Feinstaub_Brescia_Covid.jpg?resize=300%2C126&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Feinstaub_Brescia_Covid.jpg?w=904&amp;ssl=1 904w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 12: Luftverschmutzung und Neuinfektion mit Covid-19 in Brescia (Quelle: Setti et al., 2020) <\/em><\/p>\n<p>In Brescia beispielsweise oszillierten\u00a0 die Luft\u00adver\u00adschmut\u00adzung und die Neuinfektion mit Covid-19 taggenau. Die Synchronizit\u00e4t ist frappierend. Die Umweltmediziner hielten als Ergebnis fest: \u201eEs wird deutlich, wie spezifisch die Steigerungsrate der Ansteckungsf\u00e4lle ist: In den besonders von Covid-19-betroffenen Gebieten Norditaliens oszilliert die Verschmutzung durch Feinstaub mit der Infektion, indem sie die \u00dcbertragung des Virus be\u00adschleunigt. Wie bereits in fr\u00fcheren F\u00e4llen einer starken Ausbreitung von Virusinfektionen in Bezug auf eine hohe Kontamination durch Feinstaub berichtet, wird empfohlen, diese Erkenntnis zu be\u00adr\u00fccksichtigen, indem restriktive Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Umweltverschmutzung gefordert werden.\u201c (Setti et al. 2020, \u00dcbersetzung VK) In seinem Podcast (Folge 18) bezeichnete Christian Drosten \u00dcberlegungen und Forderungen in diese Rich\u00adtung als rein spekulativ. M\u00f6glicherweise schien im dies so, weil Forschungsberichte dazu nicht in virologischen Fach\u00adzeitschriften erscheinen&#8230; F\u00fcr die k\u00fcnftige Pr\u00e4vention \u2013 nicht nur in Bezug auf Covid-19, sondern in Bezug auf Atemwegserkrankungen \u00fcberhaupt \u2013 lohnt es sich, den Zusammen\u00adhang zwischen Fein\u00adstaub-Belastung und der Ausbreitung des neuen Virus auch f\u00fcr St\u00e4dte wie M\u00fcnchen, Stuttgart oder Hamburg, Madrid oder London zu untersuchen. Dies kann durchaus retrospektiv geschehen \u2013 es m\u00fcssen nur die Daten aus den jeweiligen Feinstaubmessungen vor Ort mit der Zahl der Covid-19-Infizierter korreliert werden. Diese Aufgabe k\u00f6nnen die \u00f6rtlichen Um\u00adwelt- und Gesundheits\u00e4mter in Kooperation problemlos durchf\u00fchren. F\u00fcr den Schweregrad der Atemwegserkrankung erscheint es weniger entscheidend, ob Fein\u00adstaub\u00adpartikel als Transmitter zur Ausbreitung des Virus beitragen. Vielmehr hat Feinstaub schon vor der An\u00adsteckung die Vulnerabilit\u00e4t der Atemwege erh\u00f6ht. Die Vorbelastung durch Um\u00adweltgifte bietet eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, da\u00df mitunter auch Menschen, die nicht zu den typischen Risikogruppen geh\u00f6ren, einen schweren Krankheitsverlauf mit Covid-19 durchleiden \u2013 w\u00e4hrend sie an Orten mit besserer Luftqualit\u00e4t keine oder nur milde Symptome versp\u00fcren (vgl. auch Mathias Tertilt).<b><\/b> Yaron Ogen von der Universit\u00e4t Halle-Wittenberg untersuchte die NO<sub>2<\/sub>-Belastung in Europa vor und w\u00e4hrend des Ausbruchs der Corona-Krise. Er stellte fest: \u201eDie Daten des Sentinel-5P-Satelliten zeigen zwei wichtige NO<sub>2<\/sub>-Hotspots in Europa: Norditalien und die Metropolregion Madrid. Nach diesen Ergebnissen f\u00fchrt eine hohe NO<sub>2<\/sub>-Konzentration, begleitet von nach unten gerichteten Luft\u00ad\u00adstr\u00f6men, zu einer NO<sub>2<\/sub>-Anreicherung nahe der Oberfl\u00e4che. Diese topografische Struktur in Kom\u00adbination mit atmosph\u00e4rischen Inversionsbedingungen (positives Omega) verhindert die Ver\u00adteilung von Luftschadstoffen, was zu einer hohen Inzidenz von Atemproblemen und Ent\u00adz\u00fcn\u00addungen in der lokalen Bev\u00f6lkerung f\u00fchren kann. Diese chronische Exposition k\u00f6nnte einen hohen Anteil zu den in diesen Regionen beobachteten hohen Covid-19-Todesraten beitragen.\u201c In den USA f\u00fchrt das <i>Department of Biostatistics<\/i> der Harvard School of Public Health die nationale Langzeitstudie zum Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und der Sterb\u00adlich\u00adkeit an Covid-19 durch (Xiao Wu et al., 2020). Unser statistischer Schiedsrichter nickt erfreut. Denn diese Studie ver\u00adfolgt eine virtuose Auswertungsstrategie, um die Unzul\u00e4nglichkeiten der Corona-Datenerhebung gegen Verzerrungen und Zufallsbefunde so gut wie m\u00f6glich ab\u00adzu\u00adsi\u00adchern. Die aktuelle Auswertung beruht auf den Covid-19-Mortalit\u00e4tszahlen f\u00fcr die USA, die von der John-Hopkins-Uni\u00adversity bis zum 22.4.2020 erfa\u00dft wurden. F\u00fcr jede Gemeinde wurde in Binomial\u00admo\u00addel\u00adlen (\u201everstorben\u201c vs. \u201e\u00fcberlebt\u201c) die Langzeitbelastung mit Feinstaub (PM<sub>2.5<\/sub>) als unabh\u00e4ngige Variable und die Covid-19-Sterblichkeit als abh\u00e4ngige Variable in Beziehung gesetzt. Au\u00dferdem wurde der Einflu\u00df von zwanzig Kontextfaktoren in den einzelnen Gemeinden analyisiert, u.a. Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe, Be\u00adv\u00f6lkerungs\u00addichte, Altersstruktur, Zeitspanne seit Beginn des Ausbruchs von Covid-19, Zeitspanne seit Beginn des Lockdowns, Zahl der Krankenhausbetten, Zahl der ge\u00adtesteten Personen, Wetter, sozial\u00ad\u00f6konomischer Status, gesundheitsrelevante Lebens\u00adge\u00adwohn\u00adhei\u00adten wie Rauchen und \u00dcber\u00adgewicht. Erwartbare Korrelationen zwischen den Gemeinden, die zu einem Bundes\u00ad\u00adstaat geh\u00f6rten, wurden statistisch ausbalanciert. Insgesamt wurden 68 statistische Plausibili\u00adt\u00e4ts\u00adpr\u00fcfungen vor\u00adge\u00adnom\u00admen. Von \u201edar\u00fcber wird so einiges spekuliert\u201c \u2013 wie Drosten am 20. M\u00e4rz im NDR-Podcast ab\u00adsch\u00e4tzig urteilte \u2013 kann keine Rede sein. Das Ergebnis: Die Forscher entdeckten, da\u00df bereits eine Steigerung der Feinstaub-Belastung um die sehr geringe Menge von 1 mikro\u00a0g\/m<sup>3<\/sup> (PM<sub>2.5<\/sub>) die Sterblichkeit in Zusammenhang mit Covid-19 um 8% erh\u00f6ht (95%-Konfidenzintervall: 2 \u2013 15%). Dieser Zusammenhang erwies sich als signifikant und war in Sekund\u00e4ranalysen robust replizierbar. Alle weiteren Faktoren, die in dieser Studie be\u00adr\u00fcck\u00adsichtigt wurden, \u00fcbten einen geringeren Einflu\u00df auf die Sterblichkeit aus. <b><\/b> Wir befinden uns noch am Anfang der Untersuchungen zu den Determinanten des Schweregrads von Covid-19. Erkennen l\u00e4\u00dft sich jetzt bereits, da\u00df wir mit diesen Studien einen ersten Schl\u00fcssel in der Hand halten: Nicht das Virus an sich wirkt toxisch, sondern die Kombination mit \u00f6kologischen, sozialen und individuellen Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen. Es mag noch immer politische Ent\u00ad\u00adscheider oder Fakten\u00adchecker geben, die dem neuen Virus eine genuine Gef\u00e4hrlichkeit zu\u00adschreiben, wie es in der An\u00adfangs\u00adphase der Krise, als noch wenig gesichertes Erfahrungswissen dazu vorlag, aus Vorsicht \u00fcblich war. M\u00f6gen sie uns erkl\u00e4ren, wie es kommt, da\u00df ein und dasselbe Virus in Bergamo und Madrid eine t\u00f6dliche Spur hinterlie\u00df, aber nicht in Stendal oder Rostock. Gef\u00e4hrlich wird das neue Coronavirus in Kombination, d.h. wenn es in Wechsel\u00ad\u00ad\u00adwirkung mit anderen Exzessen tritt wie der Luft\u00adver\u00adschmut\u00adzung, dem Mangel an Beatmungsger\u00e4ten oder dem, Rauchen. Aber nicht jeder Mi\u00dfstand der modernen Gesellschaften geht mit dem neuen Corona\u00advirus eine toxische Verbindung ein. Es kommt weniger darauf an, den Erreger isoliert zu be\u00adtrach\u00ad\u00adten, sondern vielmehr seine syste\u00admischen Synergiewirkungen zu erkennen. Als t\u00f6dlich erweist sich sowohl in der Geschichte als auch in der Zukunft der Menschheit am ehesten das monokausale Den\u00adken. Die WHO hatte im \u00fcbrigen bereits 2003 auf die Gef\u00e4hrlichkeit von Feinstaub und NO<sub>2<\/sub> hingewiesen und gefordert, die Bev\u00f6lkerung vor der Exposition damit zu sch\u00fctzen. Dies ist nun eine zentrale Forderung f\u00fcr \u201edie Zeit nach Corona\u201c, die m\u00f6glicherweise eine \u201eZeit mit Corona\u201c sein wird.<\/p>\n<h3>Virenmutation, Zoonose und Massentierhaltung<\/h3>\n<p>Der niederl\u00e4ndische Virologe Peter Rottier beobachtete in den letzten 50 Jahren eine Zunahme von Zoonosen, also \u00dcberspr\u00fcngen von Viren, die zun\u00e4chst in Tieren als Wirtsorganismen beheimatet waren, auf Menschen.\u00a0 Da\u00df insbesondere RNA-Viren aufgrund ihrer Mutationsfreudigkeit dieser \u00dcber\u00adsprung gelingt, verwundert nicht. Die vom Menschen betriebene Tierhandel, Tierm\u00e4rkte, die industruielle \u201eTier\u00adpro\u00adduktion\u201c und die Massentierhaltung schaffen f\u00fcr derartige \u00dcberspr\u00fcnge g\u00fcnstige Bedingungen: \u201eUnser Verhalten erh\u00f6ht sicherlich das Risiko von Problemen. Es ist kein Zufall, dass viele dieser Viren aus Asien stammen. Das hat zu einem gro\u00dfen Teil zu tun mit den dortigen Essgewohnheiten und dem Umgang der Menschen mit Tieren &#8230; Viren von H\u00fchnern oder Schweinen k\u00f6nnen ebenfalls gro\u00dfe Probleme verursachen. Das Grippevirus, das 2009 die Schweine\u00adgrip\u00adpe verursachte, ist das beste Beispiel daf\u00fcr. Es entstand in einem Schwein, setzte sich aber zu\u00adsam\u00admen aus einem menschlichen Virus, einem Schweine- und einem Vogelgrippevirus. Nicht um\u00adsonst nennen wir Schweine einen Schmelztiegel f\u00fcr Viren. Aus dem Austausch von RNA ist ein neues Virus entstanden. Das zeigt, dass so etwas keineswegs nur in einer exotischen, wilden Tier\u00adwelt passiert. Die Viren gedeihen auch in unseren St\u00e4llen. Je mehr Tiere zusammen auf einer klei\u00adnen Fl\u00e4che gehalten werden, desto leichter k\u00f6nnen Viren zirkulieren und desto gr\u00f6\u00dfer ist die Wahr\u00adschein\u00adlichkeit, dass sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf den Menschen \u00fcberspringen. In dieser Hinsicht stellt die Massentierhaltung ein Risiko f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit dar.\u201c Damit stellt sich die Frage, wie Tierhaltung und Landwirtschaft m\u00f6glich sind, ohne da\u00df riskante Zoonosen epidemische Ausma\u00dfe annehmen. \u201e&#8230; selbst in gut gef\u00fchrten Be\u00adtrieben ist es fast unm\u00f6glich, Viren fernzuhalten. Unter sterilen Bedingungen kann man kein Vieh z\u00fcchten. Ganz gleich, wie sauber und hygienisch man dabei vorzugehen versucht, man kann solche F\u00e4lle nicht ausschlie\u00dfen.\u201c res\u00fcmiert Peter Rottier und zeigt generelle Grenzen auf. Zoonosen bieten einen Anla\u00df, die Formen der Nutztierhaltung zu be\u00adtrachten und zu \u00fcberdenken.\u00a0 Dabei stellt die Diagnose von Tierseuchenerregern traditionell ein gut aufgestelltes For\u00adschungs\u00adfeld dar, das in der Landwirtschaft breite Anwendung findet, der \u201ekonventionellen\u201c Landwirtschaft zur Legitimation und der \u201ebiologischen\u201c Landwirtschaft zum Nachweis der Nachhaltigkeit dient. Um\u00a0 die Folgen von bak\u00adteriel\u00adlen und vira\u00adlen Infektionen f\u00fcr den Menschen und f\u00fcr Tiere in der Zusammenschau zu betrachten, wurde 2003 von der EU die \u201eRichtlinie zur \u00dcberwachung von Zoonosen und Zoonose\u00ader\u00adregern\u201c (2003\/99\/EG) erlassen, die die Mitgliedsstaaten verpflichtet, re\u00adpr\u00e4\u00adsen\u00adtative und ver\u00adgleich\u00adbare Daten \u00fcber Zoonosen und Antibiotikaresistenzen zu erheben, aus\u00adzu\u00adwerten und zu ver\u00ad\u00f6ffent\u00adlichen (Bundesamt f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebens\u00admittelsicherheit, BVL). Sie ist auf Lebensmittelsicherheit fokussiert. Ein \u201esmartes\u201c, praxistaugliches, Fehlalarme vermeidendes Monitoring von Zoonosen, die humanmedizinisch bedeutsam sind, gegenw\u00e4rtig noch als Neuland.<\/p>\n<h3>\u201eMedicin im Gro\u00dfen&#8220;<\/h3>\n<h4>Der Zustand unserer Gesundheitssysteme<\/h4>\n<p>Krankheit und noch mehr die Heilung von Krankheiten wird ma\u00dfgeblich von den Umst\u00e4nden her\u00advor\u00adgebracht, sie resultieren aus dem gesellschaftlichen Kontext. \u201eDie medicinische Wissenschaft ist in ihrem innersten Kern und Wesen eine sociale Wissenschaft\u201c, belehrte uns einst Rudolf Virchow (zit. nach Harro Alb\u00adrecht, 2009).\u00a0 Tats\u00e4chlich legt die Corona-Krise offen, in welchen L\u00e4ndern, Re\u00adgio\u00adnen und Kom\u00admu\u00adnen das Gesundheitssystem nicht f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Notf\u00e4llen ausgelegt ist. Problematisch am schwedischen Weg durch die Corona-Krise ist weniger die Ablehnung des \u201eLockdown\u201c, sondern vielmehr die sehr geringe Zahl an ITS-Pl\u00e4tzen. Ende M\u00e4rz 2020 verf\u00fcgte Schweden nur \u00fcber 523, Mitte April \u00fcber 1125 Intensivbet\u00adten f\u00fcr das gesamte Land mit etwa 10 Millionen Einwohnern (Quelle: Deutschlandfunk am 22.4.2020). Dies gilt in \u00e4hnlicher Weise f\u00fcr einige Regionen Italiens, Frankreichs und Spaniens \u2013 es wird von Ge\u00adsund\u00adheits\u00f6konomen zu dis\u00adku\u00adtie\u00adren sein, inwiefern eine auf merkantile Interessen ausgerichtete Strukturierung des Ge\u00adsund\u00adheits\u00adsystems Kliniken zum Kaputtsparen motiviert, inwiefern die Abh\u00e4ngigkeit vom Import me\u00addi\u00adzi\u00adni\u00adscher Aus\u00adr\u00fcstung zu t\u00f6dlichen Engp\u00e4ssen f\u00fchrt, so da\u00df sich das Gesundheitssystem im Krisenfall bin\u00adnen weniger Tage \u00fcberfordert zeigt. Denken Unternehmensberater, die unsere Klinikketten\u00adkon\u00adzerne\u00a0 coachen, wenigstens im Hinterkopf auch epidemiologisch oder richten sie die Systeme auf eine Low-level-Beanspruchung in \u201enormalen Zeiten\u201c aus? Taiwan hat Anfang Januar vorgef\u00fchrt, wie vergleichsweise geringf\u00fcgige, aber gezielte staatliche Re\u00adgu\u00adlierungen \u2013 insbesondere die Einf\u00fchrung einer Preis\u00adbin\u00addung f\u00fcr die essentielle Medizin\u00adaus\u00adr\u00fcstung \u2013 frei flottierende Wucherpreise verhindern k\u00f6nnen. Offenbar ist der freie Markt keine intelligente L\u00f6sung f\u00fcr die bef\u00fcrchtete exponentielle Ausbreitung von Viren. Er reagiert darauf mit exponentiell wachsenden Preisen, die t\u00f6dlich sind f\u00fcr diejenigen, die sie nicht zahlen k\u00f6nnen. In den USA bildet die Frage der Bindung der Krankenversicherung an den Arbeitsplatz ein toxisches Amalgam. Lockdown bedeutet f\u00fcr viele US-amerikanische Arbeitnehmer nicht nur Lohn\u00adaus\u00adfall und berufliche Ungewi\u00dfheit, sondern auch des Ende des Versicherungsschutzes \u2013 wenn dieser vom Arbeitgeber als Lohnersatzleistung gew\u00e4hrt wurde. In Lockdown-Zeiten mit 30 Millionen ameri\u00ad\u00adkanischen Arbeitslosen, resultiert aus dieser Verkn\u00fcpfung eine Kettenreaktion sozialer Ver\u00adwerfungen, ganz abgesehen von der seit Jahrzehnten umk\u00e4mpften Einf\u00fchrung einer gesetz\u00adlichen Krankenversicherung \u00fcberhaupt. Zu den grunds\u00e4tzlichen Fragen, die Covid-19 in Bezug auf unsere Gesundheitssysteme aufwirft, geh\u00f6ren schlie\u00dflich auch die Patientenfreiheit und die Angemessenheit der Behandlung, der Um\u00adgang mit Patientenverf\u00fcgungen und der Tatsache, da\u00df diese oft fehlen, wenn es darauf ankommt, Abw\u00e4gungen, wann eine palliativ- oder intensivmedizinische Ausrichtung der Therapie angezeigt ist, wie soziale Kontakte erm\u00f6glicht und die seelische Gesundheit gest\u00e4rkt werden k\u00f6nnen. Es ist zu hinterfragen, inwiefern finanzielle Verf\u00fchrungszw\u00e4nge das medizinische Ethos auf die Probe stellen, etwa wenn eine 24st\u00fcndige k\u00fcnstliche Beatmung zu einem Satz von ca. 20.000 Euro verg\u00fctet wird, eine palliativmedizinische Begleitung dagegen nur mit ein paar Hun\u00addert Euro. Hier geht es nicht nur um den s\u00e4chlichen Kostenaufwand, wie es im Abrechnungsdeutsch so sch\u00f6n hei\u00dft, sondern um Anreiz\u00adstruk\u00adturen, die Fehlbehandlungen beg\u00fcnstigen. Die Entwicklung eines Impfstoffs zur Milderung der Wirkungen des neuen Coronavirus wird nicht nur in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung, sondern auch von Medizinern mit genauer Kenntnis der Materie kritisch gesehen, wie beispielsweise Paul R. Vogt in seiner Zwischenbilanz schildert. Seit 17 Jahren ist es nicht gelungen, einen Impfstoff f\u00fcr SARS-1 zu finden. Angenommen, es gel\u00e4nge dennoch und ein Corona-Impfstoff k\u00f6nnte nach sorgf\u00e4ltiger Pr\u00fcfung der Risiken und Ne\u00adbenwirkungen in zwei bis f\u00fcnf Jahren auf den Markt kommen, so ist anzunehmen, da\u00df sich die mu\u00adtationsfreudigen Viren in der Form, wie sie uns im Winter 2019\/20 begegnet sind, bereits ver\u00ad\u00e4ndert haben. Wenn der neue Corona-Impstoff zur Anwendung gelangen w\u00fcrde, w\u00e4re er bestenfalls so wirksam bzw. wirkungslos wie die Grippeimpfungen. Stellt das illusion\u00e4re Starren der Politik auf den Einsatz von Impfstoffen tats\u00e4chlich keinen Interessen\u00adkonflikt mit Pharma\u00adkonzernen, Fami\u00adlien\u00adstiftungen, die in Impfstoffe investieren, etc. dar? Christian Drostens Beschwichtigung zur \u201etechno\u00adlogischen Validierung\u201c seines Corona-Tests durch zahlreiche kommerzielle Firmen l\u00e4\u00dft zumindest ver\u00admuten, da\u00df auch an der Entwicklung und Produktion von Impfstoffen f\u00fcr sieben Milliarden Menschen kein geringes \u00f6konomisches Interesse gekn\u00fcpft ist.<\/p>\n<h4>Das neue Virus aus Sicht der Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder<\/h4>\n<p>Die indische Forschergruppe um Bhoj R. Singh fand Mitte April 2020 anhand der bereits er\u00adw\u00e4hnten Analyse der Corona-Zahlen aus 210 L\u00e4ndern wesentliche Zusammenh\u00e4nge zwischen epide\u00admiolo\u00ad\u00adgischen Deter\u00adminanten und Covid-19. Beispielhaft seien hier die Faktoren aufgef\u00fchrt, die sich auf die Sterblichkeit in Zusammenhang mit Covid-19 auswirken. Eine signifikant erh\u00f6hte Sterb\u00adlich\u00adkeit mit Covid-19 ist in L\u00e4ndern oder Regionen zu verzeichnen:<\/p>\n<ul>\n<li>die keine verpflichtende TBC-Impfung eingef\u00fchrt haben<\/li>\n<li>in denen weniger Menschen an TBC sterben<\/li>\n<li>in denen die Menschen eine h\u00f6here Lebenswartung haben<\/li>\n<li>in denen die Kaufkraft gr\u00f6\u00dfer ist<\/li>\n<li>in denen mehr Tumorerkrankungen vorkommen<\/li>\n<li>in denen weniger HIV-F\u00e4lle auftreten<\/li>\n<li>in denen weniger Menschen an kardiovaskul\u00e4ren Krankheiten leiden (CV)<\/li>\n<li>in denen weniger Menschen an Unterern\u00e4hrung leiden<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um die Ergebnisse trotz der Unzu\u00adl\u00e4ng\u00adlich\u00adkeiten bei der Datenerhebung zu Covid-19 abzusichern, haben Singh et al. die Corona-Zahlen der L\u00e4nder anhand der Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe der gewichtet,\u00a0 <i>odds ratio<\/i> gebildet, also das Wahrscheinlichkeitsverh\u00e4ltnis f\u00fcr das Eintreffen bzw. Nicht\u00adein\u00ad\u00adtreffen des Todes bei Vorhandensein der jeweiligen Kriterien, und Konfidenzintervalle be\u00adrechnet. Nicht aus\u00adschlie\u00dfen lassen sich Mediator\u00advariablen, die mit der Interkorrelation der unter\u00adsuchten Deter\u00admi\u00adnanten verbun\u00adden sind. Leise ert\u00f6nt an dieser Stelle ein Pfiff unseres statistischen Schiedsrichters. Er unterbricht das Spiel einen kurzen Moment, um den Effekt zu erkl\u00e4ren: Es ist eine bewiesene Tatsache, da\u00df die Zahl der Kinder und die Zahl der St\u00f6rche hochsignifikant miteinander korrelieren, d.h. in L\u00e4ndern,\u00a0 wo es nur wenige St\u00f6rche gibt, werden auch nur wenige Kinder geboren. Das bedeutet aber nicht, da\u00df die St\u00f6rche die Kinder in die Wiege legen. Vielmehr ist als dritte Einflu\u00dfgr\u00f6\u00dfe die In\u00addu\u00adstrialisierung im Spiel. In den Industriel\u00e4ndern nahm unabh\u00e4ngig voneinander sowohl die Zahl der St\u00f6rche als auch der Geburten ab. Auf diese Weise entstehen Scheinkorrelationen, von der auch die Studie von Singh et al. nicht frei sein wird \u2013 <i>multivariate <\/i>Auswertungsverfahren sind in Feldern mit zahlreichen Va\u00adriab\u00adlen angezeigt. Nehmen wir die Ergebnisse von Bhoj R. Singh und seinen Kollegen als erste Hin\u00adweise f\u00fcr weiterf\u00fchrende Studien. Die folgende Abbildung stellt die epidemiologischen Deter\u00admi\u00adnanten, die in dieser Studie gefunden wurden, an\u00adschaulich dar. Interpretationshilfe: Gravierende Auswirkungen von Covid-19 auf die Sterblichkeit sind dann zu ver\u00adzeich\u00adnen, wenn die Kurve nach rechts hin h\u00f6her verl\u00e4uft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Sing-et-al-Covid-Mortality-Determinants.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12695\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Sing-et-al-Covid-Mortality-Determinants.jpg?resize=300%2C223&#038;ssl=1\" alt=\"Sing et al - Covid Mortality Determinants\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Sing-et-al-Covid-Mortality-Determinants.jpg?resize=300%2C223&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Sing-et-al-Covid-Mortality-Determinants.jpg?w=724&amp;ssl=1 724w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 13: Faktoren, die mit signifikanten Unterschieden in der Sterblichkeit mit Covid-19 einhergehen (aus: Singh et al., 2020, Stand vom 15.4.2020) <\/em><\/p>\n<p>Die Rolle, die die verpflichtende TBC-Impfung zu spielen scheint, wirft direkt medizinische For\u00adschungs\u00adfragen auf. \u201eThis observation indicated that TB, which may result in injured or stressed lungs, may make a patient more prone to the respiratory failures seen with Covid-19.\u201c (a.a.O.) Die \u00fcbrigen Faktoren, die die Forscher als signifikant ermittelt haben, geh\u00f6ren im Grunde zu <i>einem<\/i> Themenkomplex: Die \u00dcber\u00adalterung der westlichen Gesell\u00adschaften bietet dem neuen Corona\u00advirus eine gr\u00f6\u00dfere Angriffsfl\u00e4che. Das unsch\u00f6ne Wort \u201e\u00dcberalterung\u201c bezieht sich nicht auf den einzelnen Menschen, es meint vielmehr einen soziologischen Sachverhalt: das signifikant h\u00f6here Durchschnittsalter der Bev\u00f6lkerung in der sogenannten \u201eErsten Welt\u201c im Vergleich zur \u201eDritten Welt\u201c, die mit einem signifikant gr\u00f6\u00dferen Anteil der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung einhergeht. So para\u00addox es erscheinen mag, resultiert sie aus einer besseren medizinischen Grund\u00adver\u00adsor\u00adgung, die mit einer Abnahme von TBC-, HIV- und CV-Erkrankungen einhergeht, sowie mit der wirksamen Bek\u00e4mfung von Hunger. Gleichzeitig haben die west\u00adlichen Industriel\u00e4nder die TBC-Impfungen in der Regel aus\u00adgesetzt. \u201eDie positive Korrelation zwischen dem hohen Durch\u00adschnitts\u00adalter und der Morbidit\u00e4t (r = 0.44, p = 0.0001) und der Mortalit\u00e4t (r = 0.35, p = 0.0001) in L\u00e4ndern mit einer h\u00f6heren Lebens\u00ader\u00adwar\u00adtung zeigt, da\u00df die Bedeutung von Komorbidit\u00e4ten f\u00fcr die Schwere von Covid-19 m\u00f6g\u00adlicher\u00adweise sowohl von einigen derzeit noch unbekannten Kontextfaktoren als auch von der Altersstruktur beeinflu\u00dft werden.\u201c (a.a.O., \u00dcbersetzung VK) Bei Covid-19 handelt sich also um eine Krank\u00adheit, die bislang die Wohl\u00adstands\u00adl\u00e4nder st\u00e4rker betrifft, als die Entwicklungsl\u00e4nder. Mit anderen Worten: in den Ent\u00adwick\u00adlungs\u00adl\u00e4n\u00addern dominieren nach wie vor andere Faktoren, die die Lebens\u00aderwartung und die Sterblichkeit be\u00adstim\u00admen. Im Um\u00adkehrschlu\u00df bedeutet dies wiederum, da\u00df die Auswirkungen von Covid-19 beispielsweise in Afrika wahrscheinlich tats\u00e4chlich weniger gravierend ausfallen werden als in den In\u00addustriel\u00e4ndern. Vor allem deshalb, weil es dort andere schwerwiegende Probleme gibt, die die Lebenserwartung ver\u00adringern, aber auch, weil dort weniger auf Covid-19 getestet wird. Erw\u00e4hnenswert sind schlie\u00dflich auch die Faktoren, die bislang in keinem signifikanten Zu\u00adsam\u00admen\u00adhang mit Covid-19 stehen. Sie erscheinen zumindest teilweise vergleichbar mit den aus\u00adge\u00adschlos\u00adsenen Variablen in der Havard-Studie von Xiao Wu et al. (2020):<\/p>\n<ul>\n<li>Malaria<\/li>\n<li>Diabetes<\/li>\n<li>Bev\u00f6lkerungsdichte<\/li>\n<li>Analphabetentum<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da\u00df die Bev\u00f6lkerungsdichte in keinem signifikanten Zusammenhang zu Covid-19 zu stehen scheint, \u00fcberrascht. Zu erwarten w\u00e4re, da\u00df sich das Virus in beengten Wohnverh\u00e4ltnissen schneller aus\u00adbreitet. Zum einen wird in \u00e4u\u00dferst dicht besiedelten Regionen jedoch eine geringere \u00dcberalterung anzutreffen sein, zum anderen wissen wir nicht, ob es nicht gerade dort bereits eine h\u00f6here Hinter\u00adgrund\u00adimmunit\u00e4t (Dunkelziffer) vorhanden ist.<\/p>\n<h3>Bipolare epidemiologische Erinnerungskulturen<\/h3>\n<p>Fraglich bleibt, ob es sinnvoll ist, von einer Epidemie oder Pandemie zu sprechen, wenn nur ver\u00adgleichs\u00adweise kleine Subgruppen der Bev\u00f6lkerung und diese auch nur bei Vorhandensein weiterer Gef\u00e4hrdungsfaktoren durch das Virus bedroht sind. Diese Frage ist vor allem in Hinblick auf k\u00fcnftige, neu entdeckte Viren oder Viren-Mutationen von Bedeutung. Anhand welcher Kriterien sollte die Gef\u00e4hrlichkeit eines neuartigen Erregers beurteilt werden? M\u00f6glicherweise offenbart das neue Corona\u00advirus durch sein Auftreten in einem kurzen Zeitraum eher Defizite und St\u00f6\u00adrun\u00adgen im Gesundheits- und Sozialsystem sowie im Umweltschutz und nicht nur in der Lunge. Deutschland schneidet dabei im internationalen Vergleich recht gut ab. Als weiteres Ergebnis ist festzuhalten, da\u00df die Infektion durch das neue Virus nicht gleich\u00adzusetzen ist mit der durch ihn hervorgerufenen Krankheit Covid-19. Diese Einsicht erscheint banal, wird in den Medien wie auch in der Ansprache der Bundeskanzlerin jedoch verwischt. Die \u00fcber\u00adgro\u00dfe Mehrheit der mit dem neuen Coronavirus Infizierten erlebt keine oder nur milde Krank\u00adheits\u00adsymptome. Die Lungenkrankheit Covid-19, die mit dem neuen Virus in Zusammenhang gebracht wird, wirkt sich vor allem bei \u00fcber 80j\u00e4hrigen auf die Mortalit\u00e4t aus, wobei wir wegen des milden Winters (Klima\u00adwandel?) nicht wissen, ob Covid-19 zu einem leicht verfr\u00fchten oder leicht ver\u00adsp\u00e4teten Ableben der \u00e4lteren und \u00e4ltesten Erkrankten beigetragen hat \u2013 eine Frage, die noch \u00fcber\u00adlagert wird vom Grad der lokalen Luftverschmutzung. Ein Vergleich der Mortalit\u00e4tsziffern fr\u00fcherer Epidemien kann den Horizont erweitern und helfen, die Wirkung des neuen Virus historisch einzuordnen. Warum eigentlich wurde mit dem Auftreten des HI-Virus keine sexuelle Kontaktsperre au\u00dfer f\u00fcr beiderseitig negativ getestete Ehepartner ausgesprochen? Warum eigentlich durfte der Grippevirus 2017\/18 ohne Ein\u00adschr\u00e4n\u00adkungen \u00fcber uns herfallen? Stellt SARS-Cov-2 eine Ausnahme dar oder geh\u00f6ren Viren zu un\u00adserem biologischen System, so da\u00df es unm\u00f6glich ist, sie zu \u201ebesiegen\u201c?<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\"><b>Zeit<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\"><b>Name<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\">\n<p align=\"center\"><b>Infizierte<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\"><b>Todesf\u00e4lle<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\">\n<p align=\"center\"><b>%<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1346\u20131353<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">1. Pest<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">25 Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1519\/1520<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Pocken (Mexiko)<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">5 \u2013 8 Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1665 &#8211; 1714<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">2. Pest<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">1.1 Mio<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1775 &#8211; 1871<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Pocken<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\">\n<p align=\"center\">vor allem indigene V\u00f6lker<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">mind. 25.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1896<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">3. Pest<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">12 Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1898-1899<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Russische Grippe, Pferdeempidemie<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">1 Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1918-1920<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Spanische Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">50 Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1957-158<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Asiatische Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">1-2 Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1961 ff.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Cholera<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">mehrere Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1968-70<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Hongkong-Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">1 Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1977-1978<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Russische Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">700.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1980 ff.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">HIV<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">36 Mio.<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">1997<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Vogelgrippe H5N1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\">\n<p align=\"center\">861 (milde Krankheitsver\u00adl\u00e4ufe wurden nicht gemeldet)<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">455<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\">\n<p align=\"center\">52.8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">2002<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">SARS<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\">\n<p align=\"center\">9.6<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">2009-2010<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Schweinegrippe H1N1<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">18.449<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\">\n<p align=\"center\">0.02<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">2014-2016<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Ebola<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\">\n<p align=\"center\">28.639<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">11.314<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\">\n<p align=\"center\">39.5<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">2016<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Cholera<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\">\n<p align=\"center\">1.7 Mio<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">3340<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\">\n<p align=\"center\">0.2<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">2017-2018<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">Virusgrippe<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\">\n<p align=\"center\">646.000<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\">\n<p align=\"center\">(in Dtl. h\u00f6chste Sterblichkeit seit 30 Jahren)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"95\">\n<p align=\"center\">2012<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"132\">\n<p align=\"center\">MERS<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"113\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"116\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"111\">\n<p align=\"center\">34.4<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 7: Ausgew\u00e4hlte historische Epidemien (Quelle: Wikipedia, Statista, Download vom 7.4.2020) <\/em><\/p>\n<p>Unser statistischer Schiedsrichter sch\u00fcttelt angesichts dieser Tabelle den Kopf: Ist sie methodisch nicht genauso fragw\u00fcrdig wie Tabelle 1 von ALM e.V.? \u201eNein\u201c, fl\u00fcstert der Schiedsrichter, \u201ees\u00a0 gibt einen wichtigen Unterschied: Vor dem 20. Jahrhundert gab es noch keine empirische Sozial\u00adforschung. Es w\u00e4re daher unbillig, vergleichbare statistische Ergebnisse zu erwarten.\u201c Die Zahlen in Tabelle 7 spiegeln lediglich die Gr\u00f6\u00dfenordnung wieder und dienen der historischen Einordnung. Eine Bemerkung zur sogenannten Spanischen Grippe, die, anders als es der Name sagt, ihren Ursprung vermutlich in den USA hatte und gegenw\u00e4rtig gern zum Vergleich mit der Corona-Krise herangezogen wird: Die einst vergessene oder verdr\u00e4ngte Spanische Grippe eignet sich hervor\u00adra\u00adgend, entweder um zu relativeren oder um zu alarmieren. Sie ri\u00df weltweit sch\u00e4tzungsweise 50 Millionen Menschen in den Tod, in Deutschland etwa 430.000. Damit stellt sie die schlimmste Seuche der Mensch\u00adheits\u00adgeschichte dar, nach Einsch\u00e4tzung des emeritierten britischen Virologen John Oxford schlimmer als die Pest. Die Opfer\u00adzahl \u00fcbertraf die Zahl der Weltkriegstoten \u2013 etwa 20 Millionen Menschen, die H\u00e4lfte davon Zivilisten \u2013 um mehr als das Doppelte. Den Menschen war, als die Spanische Grippe im Fr\u00fchjahr 1918 ausbrach, nicht bewu\u00dft, da\u00df sie in einer Trag\u00f6de m\u00fcnden w\u00fcrde. Zu Beginn gab es zwar viele Infizierte, aber nur wenige Tote. Die Infek\u00adtionswelle verlief mehrgipflig \u2013 erst der zweite Scheitelpunkt im Herbst 2018 erwies sich als t\u00f6dlich, stellte Wilfried Witte (2008) fest, Historiker und Arzt an der Charit\u00e9. Die Gemeinsamkeiten mit der Corona-Krise halten sich in Grenzen: Neben sehr jungen und sehr alten Menschen starben an der Spani\u00adschen Grippe auch viele 20- bis 40-J\u00e4hrige, unter anderem M\u00e4nner, die sich eben noch im Krieg befanden. Es ist anzunehmen, da\u00df deren Immunsystem ge\u00adschw\u00e4cht war. Die Enge in den Milit\u00e4rlazaretten trug ihrerseits zur raschen Verbreitung der In\u00adfektion bei.\u00a0 \u00bbT\u00e4glich ert\u00f6nen die Sterbeglocken\u00ab, lie\u00df der Gie\u00dfener Anzeiger vom 8.11.1918 ver\u00adlau\u00adten. Die an der Spanischen Grippe Verstorbenen wurden nicht ge\u00adson\u00addert gez\u00e4hlt. Der irref\u00fchrende Name der Krankheit ergab sich aus dem Umstand, da\u00df Spanien nicht am Gro\u00dfen Krieg beteiligt war und die spanische Presse nicht der Milit\u00e4rzensur unterworfen war. Die kriegsbeteiligten L\u00e4nder h\u00fcteten die Zahl der Infektionsopfer als Staatsgeheimnis. Auch vom Erreger wu\u00dfte man nichts N\u00e4heres. Die Bezeichnung \u201eVirus\u201c war noch nicht einmal erfunden. Im Bewu\u00dftsein der Zeit\u00adge\u00adnossen setzte sich die Vorstellung von Richard Pfeiffer durch, der noch bei Robert Koch studiert hatte: Ursache der Grippe sei ein Bakterium, er nannte es <i>Haemophilus influenzae<\/i>. Erst in den 1930er Jahren wurde der Irrtum mit der Entdeckung der Viren aufgekl\u00e4rt. Wir tappen also, was die Spanische Grippe angeht, sowohl ge\u00adschichtlich als auch medizinwissenschaftlich weitgehend im Dunkeln. Da scheint es, als w\u00e4re die moderne Epidemiologie vergleichsweise weit fort\u00adgeschritten \u2013 aber Vorsicht, wir k\u00f6nnen nicht wissen, welchen Irrt\u00fcmern wir heutzutage aufsitzen. \u201eMahnend zu erinnern\u201c, anhand der Schablone der Spanischen Grippe auf die M\u00f6glichkeit eines \u00e4hnlich katastrophalen Ereignisses hin\u00adzuweisen, geh\u00f6rt auch jetzt wieder zum Gesch\u00e4ft: \u201eDas klassische Rezept der Politik der Angst ist das Heraufbeschw\u00f6ren historischer Katastrophen, sei es die Spanische Grippe, der Faschismus oder die gescheiterte Appeasement-Politik gegen Hitler. Die gezogenen Analogien entbehren auf den zweiten Blick jeder Faktentreue.\u201c charakterisierte Michael Hermann (2009) beispielhaft den heutigen Zeitgeist. Wie konnte die Spanische Grippe in Ver\u00adgessenheit geraten? Dazu gibt es verschiedene Thesen: Die Grippe kam schleichend, brachte keine Helden hervor, viele L\u00e4nder standen noch im Krieg, die Menschen waren mit anderen N\u00f6ten besch\u00e4ftigt. Gleichzeitig kursierten noch weitere verheerende Krankheiten, Typhus bei\u00adspielsweise. Die Menschen hatten sich an die Gegenwart des Todes gew\u00f6hnt. Schlie\u00dflich fesselten das Kriegs\u00adende und die Revolution im Herbst 1918 die Auf\u00admerksamkeit. Erst in den 1990er Jahren nahm das Interesse an der Spanischen Grippe sprunghaft zu. \u201eDie mas\u00adsen\u00ad\u00admediale Thematisierung der Spanischen Grippe im Jahr 1997 findet ihren Anlass ins\u00adbe\u00adsondere darin, dass in Hongkong mehrere Personen an einem mysteri\u00f6sen Virus, der sp\u00e4ter als Influenza-Typ H5N1 identifiziert wurde, erkrankten und einige auch daran starben. Auch wenn in wissen\u00adschaftlichen Fachkreisen bereits ab den sp\u00e4ten 1980ern die Furcht vor Pandemien zunahm (vgl. Weir\/Mykhalovskyi 2010: 29ff.), so verschaffte diese Identifikation eines t\u00f6dlichen Influenza\u00adtypus dieser Sorge einen konkreten Thematisierungsanlass und damit verbunden massenmediale Sichtbarkeit.\u201c konstatierte Luca Tratschin (2018, 15). Die Zweiteilung der \u201eepidemiologischen Erin\u00adnerungskultur\u201c, wenn ich das einmal so nennen darf, h\u00e4lt bis heute an. Luca Tratschin hat sie eindringlich beschrieben: Auf der einen Seite findet sich ein erregerorientierter und warnend in die Zukunft gerichteter Umgang mit ver\u00adgan\u00adgenen Epidemien. Auf der anderen Seite steht das Bem\u00fchen, historisch-kritisch die Be\u00adson\u00adderheiten in der gesellschaftlichen Situation w\u00e4hrend des Ausbruchs der jeweiligen Epi\u00adde\u00admie zu ver\u00adstehen. Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein, ist die Hoffnung, beide Erkennt\u00adnis\u00adwege w\u00fcrden parallel verlaufen und sich erg\u00e4nzen. H\u00e4ufig bremsen sie sich gegenseitig aus und mit ihnen ihre jeweiligen Verfechter:\u00a0 Wer das Singul\u00e4re der Situation 1918\/20 erforscht, kommt eher zu dem Schlu\u00df, da\u00df sich die Bedingungen f\u00fcr solch einen Epidemieausbruch nicht noch einmal in dieser Form wiederholen wer\u00adden. Wer sich wie Christian Drosten auf die Bio\u00adlogie des Erregers und die epidemiologischen Folgen fokussiert, erkennt in einem neuen Virus rasch den Vorboten einer erneuten Spanischen Grippe. \u201eDie vergangenheitsorientierte Erinnerung, die mit einiger Verz\u00f6gerung in der massenmedialen Thematisierung an Prominenz gewinnt und ihre Sichtbarkeit wohl der Etablierung der Spanischen Grippe durch die Thematisierung der aktuellen Pandemiegefahr verdankt, untergr\u00e4bt die Plau\u00adsi\u00adbi\u00adlit\u00e4t der zukunftsorientierten Erinnerung: Sie stellt die Projektion der vergangenen Spa\u00adnischen Grippe als Gefahrenszenario der Zukunft in Frage.\u201c (ebd.)<\/p>\n<h3>Versuch einer Zwischenbilanz<\/h3>\n<p>Momentan bleibt festzuhalten, da\u00df sich Covid-19 nur zeitlich und r\u00e4um\u00adlich begrenzt auf die Sterb\u00adlichkeitsziffer ausgewirkt hat. Es ist zu hoffen, da\u00df in den kommenden Wochen weiter\u00adhin dieses, vergleichsweise milde Szenario zu beobachten ist. Ge\u00admes\u00adsen am Ma\u00dfstab der Gesamt\u00adbe\u00adv\u00f6lkerung ist bisher keine signifikante Steigerung der saisonalen Sterb\u00adlichkeit erkennbar \u2013 f\u00fcr die Ein\u00adstufung einer Krankheit als Pandemie sollte aber die Auswirkung auf die Mor\u00adtalit\u00e4t in der Gesamtbev\u00f6lkerung eine entscheidende Rolle spielen, um weitreichende rigide Ma\u00df\u00adnah\u00admen f\u00fcr eben diese Gesamt\u00adbe\u00adv\u00f6l\u00adkerung zu rechtfertigen. Ein momentan wahrscheinliches Szenario ist, da\u00df es sich bei Covid-19 nicht um eine Epidemie oder Pandemie handelt, sondern um ein umgrenztes endemisches Krankheitsgeschehen wie etwa Malaria, um einmal nicht den \u00fcberstrapazierten Vergleich mit der Influenza zu bem\u00fchen. Krank\u00adheiten dieser Art k\u00f6nnen wir nicht mit dem Ziel \u201ebek\u00e4mpfen\u201c, da\u00df wir sie loswerden. Das \u201eLos\u00adwerden\u201c von Problemen ist eher ein kulturelles, vor allem \u201eabendl\u00e4ndisches\u201c Problem, n\u00e4mlich eine Frage der Haltung zu Natur und K\u00f6rperlichkeit. Im Zuge der Steigerung der technischen Machbar\u00adkeit kommt dem westlichen Menschen das Bewu\u00dftsein abhanden, da\u00df er die Erde nicht alleine bev\u00f6lkert, sondern sich mit zahllosen Lebewesen arrangieren mu\u00df. Ein \u201eLockdown\u201c als Reaktion auf ein lokales endemisches Geschehen w\u00fcrde bedeuten, die gesamte Produktion von Streichh\u00f6lzern, Feuerzeugen und \u00fcberhaupt s\u00e4mtlichen entz\u00fcndlichen Materialien zu verbieten, weil es an manchen Orten noch nicht gelungen ist, ein Lagerfeuer zu l\u00f6schen&#8230; \u2013 um die Metapher vom \u201eFeuer austreten\u201c einmal weiter zu denken. Selbstredend kann auch ein einzelnes kleines Lagerfeuer hochgef\u00e4hrlich sein, wenn es in einem verdorrten, aus\u00adgetrock\u00adneten Wald entfacht wird, der Wind ung\u00fcnstig steht etc. Der \u201eLockdown\u201c aber ist keine geeignete Feuerwehr.<\/p>\n<h3>Alters-Paradoxien<\/h3>\n<p>Ein Blick auf die Altersstruktur der mit Covid-19 Verstorbenen zeigt: \u201eDer Alters\u00admedian liegt bei 82 Jahren, die Spanne zwischen 28 und 105 Jahren. Von den Todes\u00adf\u00e4llen waren 631 (86%) Personen 70 Jahre und \u00e4lter.\u201c (RKI Lagebericht vom 1.4.2020). Den h\u00f6chsten Anteil an den Verstorbenen haben die \u00fcber 80j\u00e4hrigen \u2013 dieser Umstand ist in allen L\u00e4ndern, von Beginn des Ausbruchs von Covid-19 bis heute, durchg\u00e4ngig zu beobachten \u2013 das hei\u00dft, es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus\u00adzugehen, da\u00df ihr Tod zu keinem Exze\u00df in der Jahresbilanz der Mor\u00adtalit\u00e4ts\u00adziffer f\u00fchrt. In den L\u00e4ndern, wo die Sterb\u00adlichkeit aufgrund der hohen Luftverschmutzung sowie der unzureichenden me\u00addi\u00adzi\u00adnischen Ver\u00adsor\u00adgungs\u00adstruktur angesichts der Herausforderung durch den neuen Virus kurzzeitig in die H\u00f6he schnellte\u00a0 \u2013 im Wesentlichen also Wuhan, die Lombardei, Madrid und New York \u2013 waren durchweg die \u00e4ltesten Teile der Bev\u00f6lkerung am st\u00e4rksten be\u00adtroffen:<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\"><b>Alters\u00adgruppe<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\"><b>VR China (mort)<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\"><b>Italien (mort\/dist)<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\"><b>Spanien (mort)<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\"><b>USA (dist)<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\"><b>Deutschland (m \/ w) absolut<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&lt; 60<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&lt; 1,3%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&lt;2,3% \/ 5%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&lt; 0,9%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&lt; 3%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">39 \/ 9<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&lt;70<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">3,6%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">8,5% \/ 11,7%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">2,8%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">2,7 &#8211; 4,9%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">53 \/ 19<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&lt;80<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">8%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">22,6% \/ 31,1%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">9,4%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">4,3 &#8211; 10,5%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">153 \/ 47<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&gt;80<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">14,8%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">30,8% \/ 40%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">18,8%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">10,4 &#8211; 27,3%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">270 \/ 177<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">&gt;90<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">27,4% \/ 10.2%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">22,8%<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\"><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"96\">\n<p align=\"center\">52 \/ 51<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 8: Mortalit\u00e4tsrate (mort) bzw. Verteilung (dist) der Todesf\u00e4lle bei nachgewiesener Covid-19-Erkran\u00adkung (Quelle: Statista vom 6.4.2020, Altersgrenzen in den USA: &lt;64, 65-74, 75-84, &gt; 85 Jahre, Todesf\u00e4lle in Deutschland in Zusammenhang mit Covid-19 insgesamt: m\u00e4nnlich: 567, weiblich: 304 (Stand 3.4.20)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/RKI-Altersstruktur-der-Todesf%C3%A4lle-2020-04-25.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/RKI-Altersstruktur-der-Todesf%C3%A4lle-2020-04-25.jpg?resize=300%2C143&#038;ssl=1\" alt=\"RKI Altersstruktur der Todesf\u00e4lle 2020-04-25\" width=\"300\" height=\"143\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/RKI-Altersstruktur-der-Todesf%C3%A4lle-2020-04-25.jpg?resize=300%2C143&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/RKI-Altersstruktur-der-Todesf%C3%A4lle-2020-04-25.jpg?w=924&amp;ssl=1 924w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 14: Altersverteilung der Todesf\u00e4lle in angeblichem Zusammenhang mit Covid-19 in Deutschland (Stand: 25.4.2020) <\/em><\/p>\n<p>In allen betroffenen L\u00e4ndern wirkte Covid-19 am ehesten bei den \u00fcber 80j\u00e4hrigen t\u00f6dlich. Dabei ist in dieser Altersgruppe nat\u00fcrlicherweise auch unter \u201enor\u00admalen\u201c Umst\u00e4nden von der h\u00f6ch\u00adsten Sterblich\u00ad\u00adkeit auszugehen \u2013 daher werden die sogenann\u00adten \u201eCorona-Toten\u201c in der Jahres\u00adbilanz aller Wahrscheinlichkeit nach keine signifikante Erh\u00f6hung der Mortalit\u00e4ts\u00adrate bewirken. Werfen wir zum Abschlu\u00df einen Blick auf die Altersverteilung der positiv mit dem neuen Corona\u00advirus getesteten Personen in Deutschland:<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"123\">\n<p align=\"center\"><b>Altersgruppe<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"274\">\n<p align=\"center\"><b>Anteil der positiv getesteten Personen<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"123\">\n<p align=\"center\">&lt; 5 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"274\">\n<p align=\"center\">0,8 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"123\">\n<p align=\"center\">5\u201314 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"274\">\n<p align=\"center\">2,0 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"123\">\n<p align=\"center\">15\u201334 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"274\">\n<p align=\"center\">25,3 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"123\">\n<p align=\"center\">35\u201359 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"274\">\n<p align=\"center\">46,7 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"123\">\n<p align=\"center\">60\u201379 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"274\">\n<p align=\"center\">18,9 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"123\">\n<p align=\"center\">&gt;= 80 Jahre<\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"274\">\n<p align=\"center\">6,4 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>Tabelle 9: Altersverteilung der \u201eCorona-Infizierten\u201c (Quelle: RKI-Lagebericht, RKI-Steckbrief vom 3.4.2020, vgl. Schilling et al.,\u00a0 Epidemiologisches Bulletin, 17, 2020 vom 9.4.2020, Tab. 1)<\/em><\/p>\n<p>In\u00adfiziert sind mehrheitlich nicht die \u00e4lteren und \u00e4ltesten Menschen, die vermehrt mit Covid-19 ster\u00adben, sondern die 35- bis 60j\u00e4hrigen, also die Altersgruppe, die sich in diesem Winter am h\u00e4ufigsten im Tiroler Skigebiet tummelte. W\u00e4hrend die italienischen und spanischen Skifahrer nach dem Winterurlaub in Mehrgenerationen-Haushalte zur\u00fcckkehrten und bei gemeinsamen Mahl\u00adzeiten mit den Gro\u00dfeltern und Urgro\u00dfeltern in engem Kontakt waren, kehrten die deutschen Skifahrer mehrheitlich in Klein- und Kernfamilien zur\u00fcck, w\u00e4hrend die Gro\u00dfeltern und Ur\u00adgro\u00dfeltern selbst\u00e4ndig in eigenen Wohnungen lebten oder in Pflegeheimen untergebracht waren. Es erscheint plausibel, da\u00df diese familiensoziologischen und kulturellen Differenzen zu unter\u00adschiedlichen Infektionswegen des neuen Coronavirus beigetragen haben. Es ist aber nicht so, da\u00df die Deutschen einfach nur Gl\u00fcck gehabt h\u00e4tten, wie Christian Drosten vor einigen Tagen resigniert res\u00fcmierte. Vielmehr erwies sich die eigentlich l\u00f6bliche famili\u00e4re Betreuung der \u00e4lteren und \u00e4ltesten Menschen in S\u00fcdeuropa an\u00adgesichts der Corona-Herausforderung als Bumerang, w\u00e4hrend sich die deutsche Tradition der Heim\u00adunterbringung zun\u00e4chst ersteinmal als ein Schutzschild erwies. Rasch aber kann sich der Schutzschild in eine Falle verwandeln. Sobald das neue Coronavirus in den deutschen Alters- und Pflegeheimen grassiert, wird auch hierzu\u00adlande die Sterb\u00adlichkeit in Zusammenhang mit Covid-19 anschwellen. Seit Tagen warnt das RKI vor einer Ausbreitung des neuen Virus in den Altenheimen. Die reflexhafte Reaktion, die Heime hermetisch abzuriegeln und den Besucherverkehr komplett zu unter\u00adbinden, erscheint aus dieser Sicht nachvollziehbar. Sie ist notwendig, aber nicht hinreichend, um die Bewohner der Altenheime zu sch\u00fctzen. Der paradoxe Befund, da\u00df die 35- bis 60j\u00e4hrigen am h\u00e4ufigsten mit dem neuen Virus, aber die \u00fcber 80j\u00e4hrigen am h\u00e4ufigsten an Covid-19 sterben, stellt ein schwergewichtiges Indiz daf\u00fcr dar, da\u00df das neue Virus nicht an sich t\u00f6dlich wirkt, sondern erst in Wechselwirkung mit weiteren Faktoren, die die \u00f6ffentliche Gesundheit betreffen, gef\u00e4hrlich wird. Au\u00dferdem ist zu sehen, da\u00df die \u00fcbliche Geschlechterdifferenz \u2013 M\u00e4nner sterben fr\u00fcher als Frauen \u2013 auch bei den mit Covid-19 in Zusammenhang gebrachten Todesf\u00e4llen gilt. Sie ist be\u00adkannt\u00adlich auf eine Viel\u00adfalt psychosozialer Faktoren (etwa Gesundheitsbewu\u00dftsein, Risikobereitschaft)\u00a0 zu\u00adr\u00fcckzuf\u00fchren und l\u00e4\u00dft sich nicht mono\u00adkausal erkl\u00e4ren. Wesentlich stellt sich die Frage, welcher Anteil dem neuen Virus und welche Antei\u00adle weiteren Fakto\u00adren zugeschrieben werden m\u00fcssen. Hier geht es nicht allein um Infektionswege, Familien\u00adkulturen, Luft\u00adver\u00adschmutzung, Bluthochdruck und die Einnahme von blut\u00addrucksenkenden Medikamenten. Die \u201e\u00dcber\u00adalterung\u201c der westlichen Be\u00adv\u00f6lkerung mag in Zeiten, die wir als \u201enormal\u201c empfinden, ein Indiz f\u00fcr eine gesunde und nachhaltige Lebensweise \u2013 la dolce vita \u2013 darstellen. Der springende Punkt ist die <i>Redundanz des Ge\u00adsund\u00adheitssystems<\/i>, um Krisen auffangen zu k\u00f6nnen. Je mehr \u2013 m\u00f6glicherweise infolge von Privatisierung \u2013 in Zeiten ohne Epidemien ge\u00adspart wird, desto weniger Kapazit\u00e4ten weist das System auf, um mit Stress umgehen zu k\u00f6nnen. In den USA r\u00e4cht sich das Fehlen einer Gesundheits\u00adgrundsicherung in Form einer gesetzlichen Krankenversicherung. Derart pl\u00f6tzliche Heraus\u00adforderungen wie durch Covid-19 kann die v\u00f6llig privatisierte Gesundheitsf\u00fcrsorge nicht meistern. Ob Schweden mit derzeit wenigen ITS-Pl\u00e4tzen f\u00fcr das gesamte Land der Heraus\u00adforderung gewachsen sein wird, erscheint fraglich. Zumindest hielt die \u00dcbersterblichkeit in Schwe\u00adden bis Ende Mai und damit l\u00e4nger an als in den Lockdown-L\u00e4ndern. An dieser Stelle m\u00fcssen wir uns auf einen kleinen Exkurs ans Fu\u00dfende der Alterspyramide begeben: Obwohl die Zahl der Positiv-Befunde Ende Mai 2020 bereits das Niveau von Anfang M\u00e4rz weit unterschritten hatte, blieben zahlreiche Beschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens weiterhin bestehen. Dies betraf nicht nur Gro\u00dfveranstaltungen, etwa in Fu\u00dfballstadien, sondern vor allem auch die Kindertageseinrichtungen und Schulen. Es entbrannte ein heftiger Streit, ob Kinder das Virus genauso wie Erwachsene weitergeben oder ob sie weniger infektu\u00f6s seien. Offensichtlich\u00a0entwickeln sie signifikant seltener eine klinische Symptomatik\u00a0\u2013 dies best\u00e4tigte eine Metastudie von Jonas Ludvigsson vom Karolinska Institutet, in die Daten aus 700 Studien einflossen, von denen 47 im Detail analysiert wurden. \u201eKinder machten nur einen kleinen Teil der Covid-19-F\u00e4lle aus und hatten meist soziale Kontakte zu Gleichaltrigen oder Eltern, nicht zu \u00e4lteren Menschen, bei denen das Risiko einer schweren Krankheit bestand. Daten zur Viruslast waren selten, zeigten jedoch, dass Kinder m\u00f6glicherweise niedrigere Werte als Erwachsene aufweisen, auch weil sie h\u00e4ufig weniger Symptome (z.B. Husten) aufweisen, was das \u00dcbertragungsrisiko offenbar verringert. Studien zur \u00dcbertragung innerhalb von\u00a0 Haushalten zeigten, da\u00df Kinder selten der Indexfall waren.\u00a0 Deutlich wurde au\u00dferdem, da\u00df Kinder mit Covid-19 selten Ausbr\u00fcche der Krankheit verursachten. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, da\u00df Kinder das SARS-COV-2-Virus \u00fcbertragen k\u00f6nnen und da\u00df auch asymptomatische Kinder eine Viruslast haben k\u00f6nnen. Es ist aber unwahrscheinlich, da\u00df Kinder \u201eVirenschleudern\u201c und \u201eHaupttreiber\u201c der Pan\u00addemie sind. Es ist unwahrscheinlich, dass die Er\u00f6ffnung von Schulen und Kinderg\u00e4rten die COVID-19-Sterblichkeitsrate bei \u00e4lteren Menschen beeinflu\u00dft. Hinweise aus der Realwelt deuten auf eine begrenzte Verbreitung von COVID-19 zwischen Kindern und von Kindern ausgehend &#8230; Ein neun\u00adj\u00e4hriger Junge besuchte drei Schulen, obwohl er symptomatisch mit Covid-19 war, aber keiner seiner 112 Schulkontakte erkrankte an Covid-19.\u201c (Ludvigsson 2020, \u00dcbersetzung VK) Mit anderen Worten: Ludvigsson empfiehlt den Lockdown-L\u00e4ndern die sofortige und un\u00adein\u00adge\u00adschr\u00e4nk\u00adte \u00d6ffnung der Schulen und Kindertageseinrichtungen. Angesichts der beispielhaften Entwick\u00adlung in Schweden, wo sie nie geschlossen waren, erscheint die Z\u00f6gerlichkeit der Beh\u00f6rden, die Schulen und Kitas wieder zu \u00f6ffnen \u2013 mit Ausnahme Sachsens \u2013 als ein irrationales Spiel mit \u00c4ngsten auf den R\u00fccken der Kinder. Immerhin brachten die sorgf\u00e4ltigen Studien Corona-An\u00adf\u00e4lligkeit von Kindern in Heidelberg, Ulm und weiteren Orten Bewegung in die Diskussion\u00a0 Kritisch setzte sich Ludvigsson mit der Auswertung klinischer Daten an der Charit\u00e9 auseinander, f\u00fcr die Christian Drosten verantwortlich zeichnete. Drostens Team gelangte zu der Interpretation, da\u00df Kinder eine \u00e4hnlich hohe Viruslast tragen w\u00fcrden wie Erwachsene. Dabei unterliefen Drosten einige statistische Fehler, die von verschiedenen Seiten recht schnell aufgedeckt wurden und seinem \u201ePreprint\u201c die zweifelhafte Ehre verschafften, in der Bild-Zeitung verrissen zu werden. Ludvigsson res\u00fcmierte in Bezug auf die Charit\u00e9-Studie: \u201eDie Tatsache, da\u00df ihre Postdoc-Tests keine statistische Signifikanz erreichten, war wahrscheinlich auf die gro\u00dfe Anzahl von Tests zur\u00fcck\u00adzuf\u00fchren. Sie f\u00fchrten paarweise Vergleiche durch, anstatt Kinder mit Erwachsenen zu vergleichen. Doch der Prozentsatz der F\u00e4lle, die in dieser Studie positiv auf Covid-19 getestet wurden, war bei Kindern niedriger (3,0%) als bei Erwachsenen (5,5%). Dabei mu\u00df ber\u00fccksichtigt werden, da\u00df in dieser Studie haupts\u00e4chlich symptomatische Personen getestet wurden \u2013 und das ist wenig relevant f\u00fcr die Frage von Schul\u00f6ffnungen.\u201c (Ludvigsson 2020, \u00dcbersetzung VK)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Altersverteilung_Covid_D_KW-RKI.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12922\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Altersverteilung_Covid_D_KW-RKI.jpg?resize=300%2C214&#038;ssl=1\" alt=\"Altersverteilung_Covid_D_KW - RKI\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Altersverteilung_Covid_D_KW-RKI.jpg?resize=300%2C214&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Altersverteilung_Covid_D_KW-RKI.jpg?w=830&amp;ssl=1 830w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung 15: Relative Altersverteilung von\u00a0 Covid-19 in Deutschland (RKI Lagebericht vom 3.6.2020)<\/em><\/p>\n<p>Eine derart deutliche Empfehlung konnte Christian Drosten nicht unerwidert lassen. Gewohnt alarmistisch f\u00fchrte er in seinem NDR-Podcast (Folge 45) eine Graphik des RKI-Lageberichts (Abbildung 15) an, um zu beunruhigen: In den beiden Altersgruppen, die Kinder betreffen, habe sich ab der zw\u00f6lften Kalenderwoche \u2013 d.h. mit dem Beginn des Lockdowns \u2013 eine \u201edramatische\u201c Verdopplung der Fall\u00adzahlen gezeigt. \u201eDas ist denkw\u00fcrdig\u201c, meinte Drosten und plaudert dar\u00fcber,\u00a0da\u00df genau zu dieser Zeit die Schulen und Kitas geschlossen wurden, sich die Kinder als zu Hause angesteckt haben m\u00fc\u00dften. Es seinen also \u201eDiffusions-Ph\u00e4nomene\u201c im Spiel \u2013\u00a0\u201eHalt, falsch!\u201c,\u00a0ruft unser statistischer Schieds\u00adrichter und z\u00fcckt die gelbrote Karte: &#8222;Lieber Drosten\u201c, spricht er ins geisterhafte Kopfball-Stadion zu den Zu\u00adschauern vorm Fernseher, \u201eerkennst du nicht, da\u00df es sich um die <i>relative<\/i> Altersverteilung handelt? An den tats\u00e4chlichen Infektionszahlen der Kinder hat sich doch gar nichts ge\u00e4ndert, ledig\u00adlich die ho\u00adhen Zahlen bei den mittleren und \u00e4lteren Erwachsenen sind zur\u00fcckgegangen. Bevor du wei\u00adter\u00adspielst, mach mal eine Pause \u2013 ich schicke dich auf die Trainingsbank und besuch doch mal einen Elemen\u00adtarkurs in Statistik.\u201c<\/p>\n<h3>Die eigentliche Frage, um die es geht: Alter, Krankheiten und Tod<\/h3>\n<p>Kehren wir von unserem kleinen Exkurs wieder zur Spitze der Alterspyramide zur\u00fcck: Das neue Virus wirft letztlich eine alte, tiefergehende, gesell\u00adschaft\u00adliche und kul\u00adturelle Frage auf: Wie gehen wir mit dem Altern, mit teilweise un\u00adausweichlichen und un\u00adheilbaren Alterskrankheiten und schlie\u00dflich mit dem un\u00adver\u00admeid\u00adlichen Tod um? Wie wollen wir damit umgehen? Alte Menschen in Heimen und Kranken\u00adh\u00e4usern ein\u00adzusperren und zu isolieren, ihnen nur noch wie Astronauten in Schutzkleidung zu begegnen und zugleich den Beistand ihrer liebsten Angeh\u00f6rigen zu verwehren, um sie somatisch l\u00e4nger am Leben zu erhalten, das erscheint \u2013 gerade aus ethischer Sicht \u2013 als eine \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdige L\u00f6sung. Die Empfehlungen des RKI f\u00fcr Alten- und Pflegeeinrichtungen vom 14.4.2020 zielen ausschlie\u00dflich auf die Sicherung der somatischen Gesundheit der Bewohner dieser Heime ab. Sie nehmen ihre ge\u00adf\u00e4ngnism\u00e4\u00dfige Isolation billigend in Kauf \u2013 wir erinnern uns: vor kurzem noch gal\u00adten Pflegeheime nicht als Gef\u00e4ngnisse \u2013 und ignorieren vollst\u00e4ndig die Trinit\u00e4t des <i>bio\u00adpsychosozialen<\/i> Wesens namens Mensch. Gerade in Deutschland haben wir grausame Erfahrungen mit der Reduktion des Menschen auf seine biologische Dimension gesammelt. Das medizinische Men\u00adschenbild weist der Hygiene einen hohen Stellenwert zu. Kommt es bei ihr nicht auf die Weisheit des Paracelsius, sprich auf die Dosis an? \u00dcbertriebene Hygiene schw\u00e4cht das Immun\u00adsystem. \u00dcbertriebene Hygiene m\u00fcndet in Hybris. Die Ma\u00dfst\u00e4be, die wegen der Keimbelastung Kranken\u00adh\u00e4usern anzulegen sind, lassen sich nicht auf die Allgemeinheit \u00fcbertragen. Der erfahrene Palliativmediziner Matthias Th\u00f6ns sprach im Deutschlandfunk am 11. April von Qu\u00e4lerei, der die \u00c4ltesten durch die Behandlung auf der ITS ausgesetzt werden \u2013 nicht selten\u00a0 w\u00fcrden Schwerstbehinderungen resultieren, die dann das Leid der letzten Tage steigern. Welche Qualit\u00e4t hat das Leben dann noch? Und welche Risiken bedeutet die soziale Isolation f\u00fcr die Gesundheit und das \u00dcberleben der \u00e4lteren und \u00e4ltesten Menschen? Geht es in den meisten F\u00e4llen, in denen das Leben der \u00fcber 80j\u00e4hrigen Menschen nun zus\u00e4tzlich auch durch Covid-19 bedroht ist, nicht um eine Abw\u00e4gung zwischen palliativer, psycho\u00adsozialer und kausaler medizinischer Be\u00adhandlung? Charak\u00adterisiert dieses Dilemma nicht die Gerontomedizin insgesamt, ganz unabh\u00e4ngig von Covid-19, d.h. inwiefern stellt Covid-19 \u00fcberhaupt eine neue Fragestellung dar? In den letzten Wochen habe ich \u2013 gut drei\u00dfig Jahre nach dem Mauerfall \u2013 ein vergilbtes Buch in meiner Hausbibliothek wiederentdeckt: <i>Der vormundschaftliche Staat<\/i>, verfa\u00dft von dem Juristen Rolf Henrich in den 1980er Jahren, durfte in der DDR nicht erscheinen, kam 1989 erst bei Rowohlt in Reinbek bei Hamburg, 1990 dann bei Kiepenheuer in Leipzig heraus. Es war so etwas wie eine Bibel f\u00fcr DDR-Kenner. Was ich im Laufe der Zeit verga\u00df: Rolf Henrich widmete ein ganzes Kapitel seines Buches dem Thema \u201eSozialismus und Tod\u201c. Ersetzen wir das Adjektiv \u201esozialistisch\u201c probeweise durch das W\u00f6rtchen \u201emodern\u201c, so haben seine Einsichten nichts an Aktualit\u00e4t verloren: \u201eUm das Wesen der Moderne weiter zu erhellen, soll jetzt das Augenmerk auf dasjenige Ph\u00e4nomen gelenkt werden, das als letztes Geheimnis allem Sein zugrunde liegt: auf den Tod. Jeder wahre Weise interessiert sich f\u00fcr ihn und strebt danach. So jedenfalls lehrt es uns der alte Lebemeister Sokrates im \u201aPhaidon\u2019. Richtiges Leben bedeutet deshalb Sterbenlernen. In allen herk\u00f6mmlichen Geistes\u00adschulen ebenso wie in den Mysterien des Altertums wurde stets darauf geachtet, da\u00df die Beteiligten sich praktisch auf das Erlebnis des Todes einlie\u00dfen &#8230; Das moderne Bewu\u00dftsein will vom \u201aSein zum Tode\u2019 nichts mehr wissen. Mit diesem Bewu\u00dftsein und mit der Entwicklung eines \u201amodernen Gesundheitswesens\u2019 ist im Hinblick auf den Tod eine neue Situation eingetreten. Denn zahllose Menschen, die in der Vergangenheit l\u00e4ngst gestorben w\u00e4ren, werden heute mittels Herzschritt\u00admachern, mit Hilfe mechanischer Nieren und anderem Ger\u00e4t k\u00fcnstlich am Sterben gehindert &#8230; Es ist also zu fragen, was aus einer Gesellschaft wird, die das Sterben behindert und den Tod zu\u00adnehmend aus ihrem Bewu\u00dftsein dr\u00e4ngt &#8230; Dieser ganz dem empirischen Bewu\u00dftsein verpflichteten Ethik zufolge ist der Mensch nichts weiter als eine Erscheinung in der Zeit, weshalb ihm der Tod als Vernichtung erscheint. Dagegen mu\u00df man sich mit allen verf\u00fcgbaren Mitteln zur Wehr setzen. Den Tod hinauszuschieben ist deshalb der Endzweck des Gesundheitswesens, denn das gegenw\u00e4rtige Leben im Fleische soll verl\u00e4ngert werden um jeden Preis. Um das aber zu erreichen, mu\u00df sich die Gesellschaft \u201aauf eine v\u00f6llig neue Weise auf den sterbenden Menschen einstellen. Es ist nicht selten ein Kranker, der weder essen noch trinken kann, der k\u00fcnstlich beatmet wird, der also von einer F\u00fclle technischer Einrichtungen umgeben ist.\u2019 Erstmalig in dieser Lage \u2013 im Zeitalter des totalen Einsatzes der Medizintechnik \u2013 bewahrheitet sich das Wort vom K\u00f6rper als dem \u201aKerker der Seele\u2019. So sterben denn die Alten zu sp\u00e4t, und ihr sinnlos verl\u00e4ngertes Leben wird zur Last. Herausgerissen aus ihren Familien, lieblos durchgef\u00fcttert aus Pflichtgef\u00fchl, wird den Alten jede Entscheidungs\u00adfreiheit \u00fcber ihr Leben und ihren Tod genommen &#8230; Bis zu seinem Tode soll der Mensch daran gehindert werden, f\u00fcr sich und sein weiteres Leben selbstbestimmt zu entscheiden. Noch in seinem Sterben soll der Mensch den Geist der b\u00fcrokratischen Vormundschaft zu sp\u00fcren bekommen, ganz so, als sei der Mensch in Ewigkeit und nicht nur hier auf Erden von der Macht abh\u00e4ngig.\u201c (S. 215-218) Wie nah ist das \u201emoderne\u201c Verh\u00e4ltnis zum Altern und Sterben dem staats\u00adsozia\u00adlistischen, vor\u00admund\u00adschaftlichen Menschenbild? Galten nicht vor wenigen Wochen noch \u201eFreiheit\u201c und \u201eSelbstverwirklichung\u201c als gesellschaftliche Doktrin? L\u00e4\u00dft sich die Corona-Krise als Zeichen des Umschwungs von einem individualistischen zu einem kollektivistischen Sozialwesen deuten, das von konservativen wie von autorit\u00e4r-linken Kr\u00e4ften gleicherma\u00dfen begr\u00fc\u00dft wird? Oder \u2013 wie Pr\u00e4sident Xi s\u00fcffisant anmerkte \u2013 konnte Europa dank seines Narzissmus dem neuen Virus zum Opfer fallen? Holt uns nun \u2013 serviert von einem kalifornischen Storyteller \u2013 die \u201easiatische Des\u00adpotie\u201c ein, versch\u00e4rft um den spezifisch europ\u00e4ischen (\u201eabendl\u00e4ndischen\u201c) Kategorismus, der seine Erf\u00fcllung in starren Regelungen und Normen findet, radikale anstelle von adaptiven L\u00f6sungen bevor\u00adzugt, da es ihm schwerf\u00e4llt, Zwischent\u00f6ne wahrzunehmen und sich geschmeidig auf Ver\u00e4n\u00adderungen einzustimmen? Wie ist es ge\u00adlungen, den Aspekt der seelischen Ge\u00adsund\u00adheit praktisch komplett aus dem me\u00addizinischen Menschenbild zu eliminieren? Woher nehmen Politiker auf h\u00f6chster Ebene die Gewi\u00dfheit, wenn sie versuchen, die \u00d6ffentlichkeit davon zu \u00fcber\u00adzeugen, es sei verantwortungslos und \u201eb\u00f6se\u201c, seinen N\u00e4chsten in der Phase des Sterbens nahe, vielleicht sogar ein Grund zur Freude und zum Gl\u00fcck zu sein? Ist es nicht denkbar, da\u00df hier der Intensivmediziner die Instrumente in Gang setzt, um eine Atemnot bei einem Patienten zu beheben, der seit Jahren schon an Krebs oder Diabetes leidet? Corona offenbart einen sozialen und \u00f6kologischen Impact, zeigt die Begrenzung des mensch\u00adlichen Lebens auch in den Wohlstandsgesellschaften, die sich anschicken, ihren Luxus \u2013 den Traum von ewiger Jugend \u2013 als allgemeine Norm zu stilisieren.<\/p>\n<h2 id=\"7\">Spielergebnisse: Quintessenzen denken<\/h2>\n<ol>\n<li>Politische Entscheidungstr\u00e4ger sollten sich an den Public-Health-Daten orien\u00adtieren, die auf einer soliden Grundlage erhoben wurden und Mindest\u00adstandards f\u00fcr l\u00e4nder\u00fcbergreifende statistische Erhebungen erf\u00fcllen. Deutschland sollte sich insgesamt an diesen Erhebungen be\u00adteiligen.<\/li>\n<li>Die WHO sollte nicht nur Pandemie-Pl\u00e4ne, sondern auch Mindeststandards f\u00fcr die Erhebung der entscheidenden Public-Health-Daten entwickeln. Die Schwere der Krankheits\u00adfolgen sollte als Kriterium rehabilitiert werden und wieder bei den strategischen Ent\u00adscheidungen der WHO ber\u00fccksichtigt werden, um \u201efalschen Alarm\u201c zu vermeiden und differen\u00adzierte und adaptive (\u201esmarte\u201c) anstelle klassischer Strategien im Umgang mit Epidemien zu f\u00f6rdern.<\/li>\n<li>Die Auswertung der nackten Zahl der positiv getesteten Personen ohne Ber\u00fcck\u00adsich\u00adti\u00adgung der Ge\u00adsamt\u00adzahl der angewandten Tests ist unzul\u00e4ssig und darf nicht zur Berech\u00adnung des \u201eVer\u00addop\u00adpe\u00adlungszeitraums\u201c, der \u201eAusbreitungs\u00ad\u00adge\u00adschwin\u00addig\u00adkeit\u201c oder \u201eReproduktionszahl\u201c heran\u00adge\u00adzo\u00adgen werden. Diese Variablen sind als Cut-Off-Kriterium, um politische Entscheidungen zu tref\u00adfen, un\u00adgeeignet. Viel\u00admehr geht es um die Beurteilung der Auslastung der intensivmedizinischen Kapazit\u00e4ten und die Bereit\u00adstellung einer angemessenen Reservekapazit\u00e4t (Redundanz).<\/li>\n<li>Rigide Einschr\u00e4nkungen der b\u00fcrgerlichen Grundrechte, wie sie gegenw\u00e4rtig verh\u00e4ngt wur\u00adden, lassen sich weder in Deutschland noch in anderen L\u00e4ndern ohne saisonale \u00dcber\u00adsterblichkeit rechtfertigen, auch nicht mit der Bef\u00fcrchtung einer eventuellen k\u00fcnftigen \u00dcber\u00adlastung der intensivmedizinischen Kapazit\u00e4t.<\/li>\n<li>Eine Novellierung des Infektionsschutzgesetzes sollte den Schweregrad einer In\u00adfektions\u00adkrankheit, me\u00dfbar anhand der mit ihr kausal verkn\u00fcpften Mortalit\u00e4t, als notwendige Bedingung aufnehmen, um grundrechtseinschr\u00e4nkende Ma\u00dfnahmen zu begr\u00fcnden \u2013 diese Vorkehrung erscheint staatsrechtlich geboten, um der willk\u00fcrlichen Einschr\u00e4nkung elementarer Grund\u00adrechte und der damit ver\u00adbun\u00addenen ethischen, sozialen und wirtschaftlichen Ver\u00adwer\u00adfun\u00adgen vor\u00adzu\u00adbeugen.<\/li>\n<li>Die Aufdeckung struktureller und personeller Interes\u00adsenskonflikte zwischen Wissenschaft (Virologie, Epidemiologie, Medizin) und der Pharma\u00adindu\u00adstrie ist notwendig, um der zyklischen Wiederkehr menschengemachter \u201eviraler Krisen\u201c vor\u00adzubeugen. In diesem Zusammenhang ist auch die Besetzung der F\u00fchrungsgremien der WHO in Frage zu stellen.<\/li>\n<li>Abkehr von rigiden Schutzma\u00dfnahmen, Hinwendung zu differenzierten und adaptiven (\u201esmar\u00adten\u201c) Strategien, die zum einen die tats\u00e4chlich Gef\u00e4hrdeten sch\u00fctzen, ohne als Kollateral\u00adschaden die All\u00adge\u00admein\u00adheit sch\u00e4digen, zum anderen die Menschenw\u00fcrde der Gef\u00e4hrdeten respektieren (\u201edoppelter Schutz\u201c). Damit ist gemeint, da\u00df pr\u00e4ventive Schutzma\u00dfnahmen nicht so gef\u00e4hrlich sein d\u00fcrfen, da\u00df sie selbst ein erhebliches Risiko f\u00fcr die seelische oder k\u00f6rperliche Gesundheit darstellen. Ins\u00adbesondere ist die Menschenw\u00fcrde und Selbst\u00adver\u00adant\u00adwortung von \u00e4lteren Men\u00adschen zu achten. Sie aus dem sozialen Leben auszuschlie\u00dfen und ohne richterlichen Beschlu\u00df weg\u00adzusperren, ist keine L\u00f6sung, sondern grenzt an psychische Folter. Einsamkeit kann t\u00f6dlich sein. Wer unter Demenz leidet, wird Schwierigkeiten haben, den Sinn eines pl\u00f6tzlich vom Himmel fallenden Kontakt\u00adverbotes erkennen zu k\u00f6nnen. Unsere Angeh\u00f6rigen in den Heimen brauchen achtsame, sowohl soziale als auch\u00a0 physische Kontakte, sowohl von den Pflegern und Pflegerinnen als auch von ihren Besuchern, Angeh\u00f6rigen und nahen Freunden. Testet oder me\u00dft Fieber bei den\u00a0 An\u00adge\u00adstellten der Heime und die Besucher, statt die \u00e4lteren und \u00e4ltesten Menschen ein\u00adzu\u00adsperren.<\/li>\n<li>Zu den smarten Ma\u00dfnahmen geh\u00f6rt die Abl\u00f6sung des \u201eFax-Standards\u201c im deutschen Gesund\u00adheits\u00adwesen: \u201eDaten teilen, besser heilen\u201c titelte der Schverst\u00e4ndigenrat Ende April \u2013 die Be\u00adf\u00fcrch\u00ad\u00adtung, die Gesundheits\u00e4mter seien mit der manuellen und \u00fcbrigens alles andere als anony\u00admisierten Nachverfolgung der Kontakte von nachweislich Infizierten \u00fcberfordert, stellt zugleich ein Eingest\u00e4ndnis der Bundesregierung dar, die Digitalisierung in der \u00f6ffentlichen Gesundheit nicht voranzutreiben, um smarte statt rigide Schutzma\u00dfnahmen zu erm\u00f6glichen. In Europa verf\u00fcgen Estland und D\u00e4nemark \u00fcber elektronische Patientenakten. Diese L\u00e4nder k\u00f6nnen nun zum einen gezielt Risikogruppen vor Gefahren durch das neuartige Virus informieren. Zum anderen k\u00f6nnen sie erforschen, welche Vorerkrankungen und vor allem welche Vor\u00adbe\u00adhand\u00adlungen, insbesondere welche Medikamente (Blutdrucksenker etc.) in Kombination mit dem neuen Virus ein t\u00f6dliches Risiko bedeuten.<\/li>\n<li>\u201eOut of the Box\u201c nicht auf Kosten der Schw\u00e4chsten, d.h. der Kinder, die nach den heutigen Vorgaben der Regierung weiterhin an der realen Wahrnehmung ihrer elementaren, verbrieften Kinderrechte gehindert und von Spielpl\u00e4tzen, Kinderg\u00e4rten und Schulen ausgesperrt sowie in ein p\u00e4dagogisch und psychologisch sch\u00e4dliches Korsett aus Abstandsregeln und Mundschutz gen\u00f6tigt werden; Mimik, Gestik und k\u00f6rperlicher Kontakt geh\u00f6ren zum altersgerechten Lernen\u00a0 \u2013 die Sorge um \u00e4ltere Lehrer\/Erzieher und Vorerkrankte sollte sich auf deren Schutz beziehen, aber nicht aus\u00adgespielt werden gegen die Ent\u00adwick\u00adlungs\u00adchancen der Kinder.<\/li>\n<li>Aus der Krise lernen: Den Blick auf das Virus und seine Ausbreitung zu verengen, gen\u00fcgt nicht, um Lehren aus der Corona-Krise zu ziehen. Es m\u00fcssen Kontextfaktoren wie Klimawandel, Luft\u00adverschmutzung, Redundanz und ganzheitliche Qualit\u00e4t des Gesundheitssystems be\u00adr\u00fcck\u00adsichtigt werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Unser statistischer Schiedsrichter wischt sich den Schwei\u00df von der Stirn. Das Tournier konnte noch nicht einmal beginnen, doch die Scharm\u00fctzel um \u201erichtige Regeln\u201c haben ihn ersch\u00f6pft. Dabei wurde ein weiteres gro\u00dfes Zahlenspiel noch gar nicht erw\u00e4hnt bei dieser Weltmeisterschaft der Regellosigkeit: die Entwicklung der Wirtschaftszahlen. Ratlos blickt sich unser Schiedsrichter um, welcher Kollege ihn auf diesem Spielfeld abl\u00f6sen kann. Wo bleiben eigentlich die Exponen\u00adtialkurven, Modell\u00adrechnungen und Prognosen der Volkswirtschaftler, fragt er in die anhaltende Stille. Wom\u00f6glich ist dieser Acker noch welliger, rissiger, zerfurchter und unbegrenzter als das Spielfeld, auf dem\u00a0 sich ein einzelnes neuartiges Virus getummelt hat&#8230; Offen bleibt die Frage: \u201eWieviel Nat\u00fcrlichkeit, wieviel K\u00fcnstlichkeit stecken in der \u201eCorona-Krise\u201c? Vielleicht ist es noch zu fr\u00fch f\u00fcr Antworten. Ende Mai 2020 traf ich ein fast 80j\u00e4hriges K\u00fcnstlerpaar, das zeitlebens mitten im Wald einen Park voller erotischer Skulpturen aufgestellt hat, eine pralle, sinnliche Szenerie zwischen Bergk\u00fchen, zwei B\u00e4chen und Nadelb\u00e4umen. Zwei- dreimal im Monat haben sie \u00fcber Jahrzehnte zwei drei Musiker oder Schauspieler eingeladen, einen Abend lang f\u00fcr Freunde ihre Kunst aufzuf\u00fchren &#8211; und nun klagen sie, da\u00df das gerade nicht mehr geht. Und zugleich bangen sie, da\u00df die \u201eLockerung\u201c zu fr\u00fch kommen k\u00f6nnte&#8230; Ich habe diesem Essay ein paar alte Zitate vorausgeschickt. Denn was wir erleben, erscheint mir alles andere als neu. Neu ist m\u00f6glicherweise nur die globale Uniformit\u00e4t der heutigen Antworten, die wir ohne Internet und Globalisierung nicht in dieser Durchschlagkraft erlebt h\u00e4tten.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p>Harro Albrecht (2009). Rudolf Virchow, in: DIE ZEIT, Nr. 47, 12.11.2009 Sybille Anderl (2020a). Zahlen brauchen Kontext, FAZ vom 14.3.2020 (https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/warum-corona-daten-kontext-brauchen-16678047.html) Sybille Anderl (2020b). Wer war alles schon mit Corona infiziert?, FAZ vom 10.4.2020 (https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/wer-war-alles-unbemerkt-schon-mit-corona-infiziert-16720627.html) Sucharit Bhakdi (2020). Warum die Ma\u00dfnahmen sinnlos und selbstzerst\u00f6rerisch sind, Youtube vom 19.3.2020 Bendavid E., Mulaney B., Sood N., Shah S., Ling E., Bromley-Dulfano R. et al. (2020). COVID-19 Antibody Seroprevalence in Santa Clara County, California. medRxiv. 2020.04.14.20062463. doi: https:\/\/doi.org\/10.1101\/2020.04.14.20062463 Correctiv (David Schraven als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts), Coronavirus-Faktenchecks: Diese Behauptungen hat Correktiv gepr\u00fcft, correctiv.de vom 17.4.2020 Markus Grill, Georg Mascolo &amp; Hannes Munzinger, Was die Obduktionen der Virus-Opfer offenbaren, S\u00fcddeutsche Zeitung vom 21.4.2020 W. Guan, Z. Ni, Yu Hu, W. Liang et al. (China Medical Treatment Expert Group for Covid-19, 2020). Clinical Characteristics of Coronavirus Disease 2019 in China, Th e new england journal o f medicine, Massachusetts Medical Society, DOI: 10.1056\/NEJMoa2002032, published on February 28, 2020, and last updated on March 6, 2020, at NEJM.org Cristina Helberg, Coronavirus: Nein, aktuelle PCR-Tests haben keine Fehlerquote von 30 bis 50 Prozent, 07. April 2020, https:\/\/correctiv.org\/faktencheck\/medizin-und-gesundheit\/2020\/04\/07\/coronavirus-nein-aktuelle-pcr-tests-haben-keine-fehlerquote-von-30-bis-50-prozent Rolf Henrich (1990). Der vormundschaftliche Staat, Leipzig: Kiepenheuer Michael Hermann (2009). Analyse. Tages Anzeiger vom 11.12.2009 Instituto Superiore di Sanita (ISS). Report sulle caratteristiche dei pazienti deceduti positivi a COVID-19 in Italia Il presente report \u00e8 basato sui dati aggiornati al 17 Marzo 2020, www.epicentro.iss.it\/coronavirus\/bollettino\/Report-COVID-2019_17_marzo-v2.pdf Gunnar Jeschke (2020). Wissenschaftlichkeit in den Zeiten von Corona. Statistik 001 \u2013 Die Zahl der positiven Corona-Tests hat keinerlei Aussagekraft. Epidemiologen m\u00fcssen das wissen. in: Freitag vom\u00a0 5.4.2020 (https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/gunnar-jeschke\/wissenschaftlichkeit-in-den-zeiten-von-corona) Thomas S. Kuhn (1976). Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (The Structure of Scientific Revolutions, 1962), Frankfurt: Suhrkamp Corrado Logigiani, Venous and arterial thromboembolic complications in Covid-19 patients admitted to an academic hospital in Milan, Italy, Thrombosis Research, 191, July 2020, pp. 9-15, https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.tromres.2020.04.024 Jonas F. Ludvigsson, Children are unlikely to be the main drivers of the COVID?19 pandemic \u2013 a systematic review, ActaPaediatrica, 19.05.2020, https:\/\/doi.org\/10.1111\/apa.15371 Curzio Malaparte (1951). Geschichte von morgen. Eine realistische Satire, Karlsruhe: Stahlberg Verlag Yaron Ogen (2020). Assessing nitrogen dioxide (NO2) levels as a contributing factor to the coronavirus (COVID-19) fatality, <i>Science of the Total Environment<\/i>, Elsevier, print July 2020, Online: https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.scitotenv.2020.138605 Tomas Pueyo (2020a). Coronavirus: Why You Must Act Now. Politicians, Community Leaders and Business Leaders: What Should You Do and When?, 10.3.2020 (https:\/\/medium.com \/@tomaspueyo\/coronavirus-act-today-or-people-will-die-f4d3d9cd99ca) Tomas Pueyo (2020b). Coronavirus: The Hammer and the Dance. What the Next 18 Months Can Look Like, if Leaders Buy Us Time, 19.03.2020 (https:\/\/medium.com\/@tomaspueyo\/coronavirus-the-hammer-and-the-dance-be9337092b56) Tomas Pueyo (2020c). Coronavirus: Learning How to Dance. Part 1: A Dancing Masterclass, or What We Can Learn from Countries Around the World, 20.04.2020 (https:\/\/medium.com\/ @tomaspueyo\/coronavirus-learning-how-to-dance-b8420170203e) Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (Ferdinand Gerlach, Wolfgang Greiner, Beate Jochimsen, Christof von Kalle, Gabriele Meyer, Jo-nas Schrey\u00f6gg, Petra A. Th\u00fcrmann). Daten teilen hei\u00dft besser heilen! Digitalisierung als ein Schl\u00fcssel zur \u00dcberwindung der Coronakrise, Pressemitteilung am 20.4.2020, Online: https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/corona-daten-teilen-besser-heilen-sachverstaendigenrat-gesundheit-a-ed21193d-84cf-4765-a085-cca5de840078 Harald Salfellner (2018). Die spanische Grippe. Eine Geschichte der Pandemie von 1918, Prag: Vitalis Matthias Schrappe, Hedwig Fran\u00e7ois-Kettner, Matthias Gruhl, Franz Knieps, Holger Pfaff &amp; Gerd Glaeske (2020). Thesenpapier zur Pandemie durch SARS-CoV-2\/Covid-19. Datenbasis verbessern, Pr\u00e4vention gezielt weiterentwickeln, B\u00fcrgerrechte wahren, Endversion vom 5. April 2020, www.matthias.schrappe.com\/einzel\/thesenpapier_corona.pdf (Download vom 2.5.2020),\u00a0Update: Thesenpapier 2.0 vom 3.3.2020 (http:\/\/www.matthias.schrappe.com\/einzel\/thesenpapier_corona2.pdf) Leonardo Setti, Fabrizio Passarini, Gianluigi de Gennaro et al. (Societ\u00e0 Italiana Medicina Ambientale, Uni Bologna und Bari).\u00a0 Relazione circa l\u2019effetto dell\u2019inquinamento da particolato atmosferico e la diffusione di virus nella popolazione, POSITION PAPER, M\u00e4rz 2020 Bhoj R. Singh, Richa Gandharva, R. Karthikeyan, Shiv Varan Singh, Akanksha Yadav, Vinodh Kumar O.R., Dharmendra K. Sinha, Varsha Jayakumar, Kuldeep Dhama?, Dharmender Kumar and Sumedha Gandharava (2020). Epidemiological Determinants of Acute Respiratory Syndrome Coronavirus-2 Disease Pandemic and The Role of the Bacille-Calmette-Guerin Vaccine in Reducing Morbidity and Mortality, Journal of Pure and Applied Microbiology, accepted 21. April 2020, print in 14 (Special Edition), May 2020 Adam Sturts (2020). Comparing RT-PCR and chest ct for diagnosing COVID-19. <i>HCPLive <\/i>17 March 2020. https:\/\/www.mdmag.com\/medical-news\/comparing-rt-pcr-and-chest-ct-for-diagnosing-COVID19 Tao Ai, Zhenlu Yang, Hongyan Hou, Chenao Zhan, Chong Chen, Wenzhi Lv, Qian Tao, Ziyong Sun &amp; Liming Xia (2020). Correlation of Chest CT and RT-PCR Testing in Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) in China: A Report of 1014 Cases, Radiology, Published Online:Feb 26 2020, https:\/\/doi.org\/10.1148\/radiol.2020200642 Mathias Tertilt (2020). F\u00fchrt Luftverschmutzung zu mehr Todesf\u00e4llen beim Coronavirus?, Quarks.de, 30.3.2020 Luca Tratschin (2018, preprint). Katastrophenerinnerung im Spannungsfeld zwischen Vergangenheits- und Zu-kunftsorientierung. Zur Erinnerung der Spanischen Grippe in Deutschschweizer Zeitungen 1993-2018, in: Oliver Dimbath &amp; Michael Heinlein (Hrsg.), Katastrophen zwischen sozialem Erinnern und Vergessen : Zur Theorie und Empirie sozialer Katastrophenged\u00e4chtnisse, Wiesbaden: Springer VS (erscheint im Juli 2020) Robert Verity, Lucy C Okell, Ilaria Dorigatti, Peter Winskill, Charles Whittaker, Natsuko Imai, Gina Cuomo-Dannenburg, Hayley Thompson, Patrick G T Walker, Han Fu, Amy Dighe, Jamie T Griffin, Marc Baguelin, Sangeeta Bhatia, Adhiratha Boonyasiri, Anne Cori, Zulma Cucunub\u00e1, Rich FitzJohn, Katy Gaythorpe, Will Green, Arran Hamlet, Wes Hinsley, Daniel Laydon, Gemma Nedjati-Gilani, Steven Riley, Sabine van Elsland, Erik Volz, Haowei Wang, Yuanrong Wang, Xiaoyue Xi, Christl A Donnelly, Azra C Ghani, Neil M Ferguson, Estimates of the severity of coronavirus disease 2019: a model-based analysis (2020), Lancet Infect Dis 2020, Published Online March 30, 2020, https:\/\/doi.org\/10.1016\/S1473-3099(20)30243-7 Rudolf Virchow (1956), Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Pathologie, Bde. 40, Stuttgart: Gustav Fischer Paul Robert Vogt (2020a), Covid-19 \u2013 eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten sowie der aktuellen und zuk\u00fcnftigen politischen Entscheidungen, in: Die Mittell\u00e4ndische Zeitung vom 7.4.2020 (https:\/\/www.mittellaendische.ch\/2020\/04\/07\/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zuk%C3%BCnftigen-politischen-entscheidungen) Paul Robert Vogt (2020b). Update, in: Die Mittell\u00e4ndische Zeitung vom 20.4.2020 (https:\/\/www.mittellaendische.ch\/2020\/04\/20\/covid-19-update-von-prof-paul-r-vogt) C. Jason\u00a0Wang, Chun Y.\u00a0Ng,\u00a0 Robert H.\u00a0Brook (2020). Response to COVID-19 in Taiwan. Big Data Ana\u00adlytics, New Technology, and Proactive Testing, JAMA, 323(14), 1341-1342,\u00a0 doi:10.1001\/jama. 2020.3151 Wei-jie Guan, Ph.D., Zheng-yi Ni, M.D., Yu Hu, M.D. et al. (2020, China Medical Treatment Expert Group for Covid-19). Clinical Characteristics of Coronavirus Disease 2019 in China, New England Journal of Medicin, February 28, 2020,DOI: 10.1056\/NEJMoa2002032 Wilfried Witte (2008). Tollkirschen und Quarant\u00e4ne. Die Geschichte der Spanischen Grippe, Berlin: Wagenbach World Health Organization (2003). Health Aspects of Air Pollution With Particulate Matter, Ozone and Nitrogen Dioxide: Report on a WHO Working Group, Bonn, Germany 13-15 January 2003 Xiao Wu, Rachel C. Nethery, M. Benjamin Sabath, Danielle Braun &amp; Francesca Dominici, Exposure to air pollution and COVID-19 mortality in the United States: A nationwide cross-sectional study, https:\/\/projects.iq.harvard.edu\/covid-pm, 24.4.2020 G.H. Zhuang, M.W. Shen, L.X. Zeng, C. Li et al. (2020). Potential false-positive rate among the &#8218;asymptomatic infected individuals&#8216; in close contacts of COVID-19 patients, Zhonghua liuxingbingxue zazhi 41(4):485-488, DOI: 10.3760\/cma.j.cn112338-20200221-00144 \u00a0 <em>P.S. Dieser Beitrag wird in den kommenden Wochen kontinuierlich mit der realen Entwicklung abgeglichen und aktualisiert. Aktuelle Fassung vom 3.6.2020.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem Hand- und Fu\u00dfballspiele verboten sind, hat Corona den Kopfball als neue olympische Sportart hervorgebracht: die Zahlenspiele. \u201eDie Corona-Krise hat uns alle zu Zahlenjunkies gemacht. Wie entwickeln sich die Fallzahlen? Gibt es neue Todesf\u00e4lle? Wie hoch ist der Fall-Verstorbenen-Anteil? Wie h\u00e4ngt er vom Alter der Patienten ab? &#8230; Es ist in un\u00ad\u00fcber\u00adsicht\u00adlichen Situationen gut, sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_seo_schema_type":"","_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[59,68],"tags":[],"class_list":["post-12363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-panphobie","category-zahlenspiele"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":12725,"url":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=12725","url_meta":{"origin":12363,"position":0},"title":"Pandemische Paradoxien 2 (Update): Zahlenspiele, frisch frisiert","author":"Viktor Kalinke","date":"3. Mai 2020","format":false,"excerpt":"\u201eEs wird ja flei\u00dfig gearbeitet und viel mikroskopiert, aber es m\u00fcsste mal wieder einer einen gescheiten Gedanken haben.\u201c (Rudolf Virchow, Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Pathologie, Bd. 40, S. 4) \u00a0\u201eW\u00e4hle eine Maske, die einen deiner M\u00e4ngel \u00fcbertreibt, dann wirkst du sympathischer.\u201c (Baron James Ensor, ordentliches Mitglied der K\u00f6niglichen Akademie\u2026","rel":"","context":"In &quot;(2) Panphobie&quot;","block_context":{"text":"(2) Panphobie","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?cat=59"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":17719,"url":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=17719","url_meta":{"origin":12363,"position":1},"title":"Revolution No. 8","author":"Kraba vel Jop","date":"18. Juli 2026","format":false,"excerpt":"Decontextualized*","rel":"","context":"In &quot;Endspiele&quot;","block_context":{"text":"Endspiele","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?cat=90"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bauern_setzen_Koenig-scaled.jpg?fit=1200%2C900&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bauern_setzen_Koenig-scaled.jpg?fit=1200%2C900&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bauern_setzen_Koenig-scaled.jpg?fit=1200%2C900&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bauern_setzen_Koenig-scaled.jpg?fit=1200%2C900&ssl=1&resize=700%2C400 2x, https:\/\/i0.wp.com\/inskriptionen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bauern_setzen_Koenig-scaled.jpg?fit=1200%2C900&ssl=1&resize=1050%2C600 3x"},"classes":[]},{"id":16233,"url":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=16233","url_meta":{"origin":12363,"position":2},"title":"A.","author":"Kraba vel Jop","date":"26. Februar 2026","format":false,"excerpt":"Am Abend t\u00f6nen die herbstlichen W\u00e4lder (Georg Trakl) Kains Truppe zieht sich die Schilde bis \u00fcber die KinnladeGottes Zeichen unter den Helmen verborgenSie dienen sich selbst ihre Treue anAuf dem Erdbeerfeld eine Freizeitarmee von Eltern- - -Mit der \u00fcbern\u00e4chsten elektronischen Generation definieren wirDie Division eines Moments durch einen anderen:In der\u2026","rel":"","context":"In &quot;(2) Panphobie&quot;","block_context":{"text":"(2) Panphobie","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?cat=59"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":16911,"url":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=16911","url_meta":{"origin":12363,"position":3},"title":"8 &#8211; (&#8222;M.&#8220;)","author":"Zhenja","date":"1. Dezember 2024","format":false,"excerpt":"Vozle kogo u nikogo Bratva raspustilasja: Ko\/s\/\/ka-begemo\/s\/\/ka vozle no\/s\/\/ki tvoej, Kostjannaja igru\/s\/\/ka sredi \/c\/\/'ich-to brovej...","rel":"","context":"In &quot;Ende der Zahlenspiele!&quot;","block_context":{"text":"Ende der Zahlenspiele!","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?cat=69"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":12231,"url":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=12231","url_meta":{"origin":12363,"position":4},"title":"Pandemische Paradoxien 1: Krankheitsfolgen vs. Folgen der Krankheitsbek\u00e4mpfung","author":"Viktor Kalinke","date":"18. M\u00e4rz 2020","format":false,"excerpt":"Taiwan und S\u00fcdkorea zeigen, da\u00df der Umgang mit der Infektion anders gehen kann, ohne unkalkulierbare \u00f6konomische Kollateralsch\u00e4den, die beim \u00dcber\u00adbie\u00adtungs\u00adwett\u00adbewerb der L\u00e4nder hier billigend in Kauf genommen werden: \u00e4ltere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sollen sich sch\u00fctzen und gesch\u00fctzt werden, es wird fl\u00e4chendeckend getestet, Erkrankte sollen zu Hause bleiben, sofern\u2026","rel":"","context":"In &quot;(2) Panphobie&quot;","block_context":{"text":"(2) Panphobie","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?cat=59"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":16604,"url":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=16604","url_meta":{"origin":12363,"position":5},"title":"Miss Pistole mit AK 47 : Detlef Buck","author":"Zhenja","date":"19. Februar 2024","format":false,"excerpt":"drei\u00dfig jahre sp\u00e4ter . \" K t o r a n o v s t a j e t \" \" Aber dann genau, auf den Punkt, bitte ! \" \" Einige Tage sp\u00e4ter irgendwo am stillen Don . . . \" * Nicht die Liebe stirbtmit uns, es sind\u2026","rel":"","context":"In &quot;Ende der Zahlenspiele!&quot;","block_context":{"text":"Ende der Zahlenspiele!","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?cat=69"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]}],"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pcYSN4-3dp","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12363"}],"version-history":[{"count":234,"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15082,"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12363\/revisions\/15082"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/inskriptionen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}