Streicherlatein

Am Frosch sitzt die
Musik, sage ich dir,
hier hockt die Wirk-
lichkeit, der ganze

Saustall (schon
Mozart hatte so
seine helle Freude).
Da säuseln keine hoch-

gespielten Theoreme:
dicke Luft, Mutter-
sprache, Naturgewalt.
Bärenbändiger, Feuer-

schlucker, einer wie
Oistrach musst du
sein, voll
gegen die Wand. Alles

andere bleibt Finger-
food, Haute Cuisine
ohne Fettgehalt, Sex
aus dem Lexikon,

so’n Cyberscheiß.
Das Trockenfutter,
Ševcík, Schradieck,
diese lebenslange

Folter des Geistes,
die so viele von uns
zum Wahnsinn treibt,
umsonst aufgefiedelt

wenn der Wumms aus-
bleibt: Wer nie den
Bogen überspannt, der
spielt am Leben vorbei.

Jens Rudolph
geb. 1976 in Leipzig, Jurastudium in Dresden. Lebt und arbeitet als Familienrichter in Berlin und Potsdam.

Ein Kommentar

  1. Heut kann ich nicht meckern: Die ganze Woche lang gebratenes Gemüse mit Schuhsohlenartigem Fleisch-Ersatz, Tofu-Bürger – und nun, da die harte Arbeit der Woche sich, verkürzt, wohlbemerkt, wie es bei Schaffenden der Fall sein sollte, dem Ende entgegenneigt: Totes Tier, genauer Rinderfilet mit Kartoffel und Blumen-Kohl. Da möchte man doch gleich in die Szene der Buddenbrooks einsteigen, in der Th. Buddenbrook im Zahnarztstuhl liegt, sich das Gesicht des Dr. Brecht annährt und der Erzähler einfällt: “Sein Atem Roch nach Steak und Blumenkohl.” Großartig. Das toppt sogar den Tristan-Akkord.

    http://www.tristan.de

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