Der Falter

landet im Wachsaal
der Heilanstalt (weiß Gott
ist jeder seine eigene
Einflugschneise), Diagnose:

verzettelte Einsamkeit.
Der Sekundärarzt: Patient
könnte infolge seiner Zartheit
auch einer Blütenvergiftung

erlegen oder täglicher
Buchstabenbrei Auslöser für
die Stimmen, das Wimmern,
die Apathie sein, Ent-

mündigung unweigerlich.
Er beginnt, Pa-,Pa-,Pa-,Pa-,Pa-
piertüten zu falten (in
Gedanken entstehen durch Berg-,

Tal- und Senkkniffe erst Boo-
te und Sterne, dann besiedeln
Fische, Frösche, Seerosen,
Wunschblüten, Hasen, Flie-

ger und Schwalben die Welt
in Weiß), doch die Agorafratzen
bleiben. Am Weihnachtstag
fliegt er (letzte Fährten

sind keine) im Schnee:

Schweizer schreibt Herzschlag
in den Totenschein.

Jens Rudolph
geb. 1976 in Leipzig, Jurastudium in Dresden. Lebt und arbeitet als Familienrichter in Berlin und Potsdam.

5 Kommentare

  1. Guten Abend, Rapunzel. Ja, es ergeben sich einige Bezüge zu den hiesigen Beiträgen. Der Hauptbezug sind aber die Dichtungen und das Lebensende Robert Walsers. Sein letzter behandelnder Arzt war übrigens tatsächlich ein gewisser Dr. „Schweizer“. Vielen Dank für Dein Feedback und einen schönen 2. Advent.

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