Das Ende der Freiheit?

Hallo, mein Name ist Walter Thümler. Ich bin Schriftsteller. Wenn ich mich heute erneut zu Wort melde, dann weil wir alle Zeugen einer großen Kultur­transformation sind, deren zen­trale Adresse wir selbst sind, unser Menschsein. Dazu ein paar Bemerkungen.

Hinter der Tarnkappe einer zum Killervirus aufgebauschten neuartigen Vi­rus-Infektion wird der Mensch umdefiniert. (Ich bezweifle nicht, dass für einen kleinen Teil der vorerkrankten oder im­mungeschwächten Bevölkerung das Vi­rus eine ernstzunehmende Gefahr bedeutet). Umdefinierung des Menschen heißt, man legt ihn sich neu zurecht. Politik und Ökonomie orientieren sich fort­an nicht mehr am Men­schen, sondern umge­kehrt, dieser muss sich an ihnen ori­entieren. Die Frei­heits- und Abwehrrechte, die bitter erkämpft wurden und u.a. im Grundge­setz ihren Aus­druck ge­funden haben, passen nicht mehr ins neue Bild vom Menschen. Von je­nem „ge­schaffen nach dem Bilde Gottes“ ist dieses unendlich weit entfernt. Im Zuge dieser Umdefi­nierung wird das Grundgesetz scheibchen­weise ausgehebelt ohne Hoffnung auf Wiederhers­tellung. Das Recht auf körper­liche Un­versehrtheit, das Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung, das Ver­sammlungsrecht, um nur einige Grund­rechte zu nennen, werden zu Gü­tern, die nur Beken­nern zur Konformität ge­währt werden. Und diese bedeutet aktuell ein nachge­wiesener Impfschutz in unauflösli­cher Verbindung mit der Einstimmung in Überwachung und Verfol­gung per Smartphone. An­scheinend empfindet nur eine Minderheit diesen Frei­heitsverlust als Freiheitsverlust. Die großangelegte Panikmache hat ein Si­cherheitsbedürfnis geweckt, das geradezu wollüstig je­den Gedanken an Freiheit ver­bietet. Aber wollte man denn jemals frei sein? drängt sich die Frage auf. Ab jetzt sol­len wir uns an Politik und Öko­nomie orientieren, und nicht umge­kehrt. Der Bäcker backt nicht mehr das Brot, das ich essen möchte, sondern ich muss das es­sen, was er anbietet. Für diesen Rollentausch werde ich umfassen­der und unausge­setzter Mani­pulation ausge­setzt. Ich verler­ne, eigene Wünsche zu for­mulieren oder auch nur zu empfin­den. Ich werde de-individualisiert. Damit ich in dieses Programm einstimme, wird mir die Sicher­heit der Herde versprochen. War „Herde“ ehemals ein Begriff, der nur auf Tiere An­wendung finden durfte, so ist seine Anwendung auf den Men­schen heute un­bedenklich. Her­den-Immunität heißt das Zauberwort, womit ein zoon-biologis­tisches Programm dem Men­schen überge­stülpt wird. Das Kollek­tiv winkt mal wie­der als Rettungsanker. „Das In­dividuum“, so könnte es auf meinem Bildschirm stehen, „wird nicht mehr unterstützt“. Die große Kultur­transformation heißt „vom Indi­viduum zur Herde“. Initiation und Erkennungs­zeichen meiner Zugehörigkeit zu dieser Herde sind ein medizinischer Eingriff, hier „Impfung“ genannt, wodurch ich meinen Körper unter­werfe, und ein Smartpho­ne oder Chip, womit ich mein Grundrecht auf Freizügigkeit, sprich meine nicht nachverfolgbare Bewegungs­freiheit, aufgebe.

Ich kann über mein Smartphone fernbedient werden, genauso wie ich über mein Smartphone meine Gerä­te fernbediene. Jetzt braucht es keine Demokratie mehr, denn mein Wunsch und Wille sind auf meinem Smartphone ablesbar. Ich brau­che auch kein Eigentum mehr, denn als zur Her­de gehörig, gehört mir alles, weil ich alles leihen kann. Es müssen keine überflüs­sigen Dinge mehr produ­ziert werden, weil man weiß, was ich wünsche, oder besser, weil man mir ge­sagt hat, was ich mir wün­sche. Es bedarf folglich nur noch einer kleinen Pro­dukt-Auswahl. Das spart Ressourcen, wie jeder zugeben muss. Die Welt ist lenkbar geworden. Niemand muss mehr auf narzisstische Eventualitäten Rück­sicht nehmen, auf Sonderwün­sche, selbstherrli­chen Verbrauch. Die Freiheit war ein Missver­ständnis oder anders, die Vor­stellung von Frei­heit gab es nur, weil es keine techni­sche Bewältigung der Welt gab. Dieses Umdenken, diese große Umerziehung … dafür braucht es eine Erzählung, ei­nen Hebel. Eine Seuche ist eine Erzählung, die eingängig und leicht erzählt ist, denn Gesundheit ist so ziemlich der einzige Wert, der noch übrig ge­blieben in ei­ner längst zur Simula­tion herunterge­kommenen Demokratie. Demokratie, die Plutokratie geworden ist, Herrschaft des Geldes, in wel­cher nun ein nicht demo­kratisch legitimierter technokratischer Absolutismus, der niemandem re­chenschaftspflichtig ist, die gesichtslose Führung übernimmt.

Die Seuchen-Erzählung handelt im imaginären Raum, den wir digital besetzt halten, der uns asep­tisch, uns unberührbar macht. Darum braucht die Seu­chen-Erzählung kaum wis­senschaftliche Evi­denz, und wenn doch, dann wird die Evi­denz zahlenmystisch herbeigezaubert, braucht kaum Bestä­tigung in der Erfah­rung. Ein Foto von der Intensivstation genügt, auch wenn man im ganzen Land­kreis keinen ernsthaft von der Seuche Heimgesuchten kennt. Kurz: Die Seuche gibt es im Fernse­hen. Die Krankheit aber gibt es wirklich. Ihrer wäre man je­doch leicht Herr ge­worden, wenn man es gewollt hätte.

Also noch einmal: die Herde. Diese fürchtet nun die noch nicht der Herde Ein­verleibten. Jene wer­den zu Zersetzern der Sicherheit, zu einer Quelle der Angst. Man darf, man muss sie verfolgen, be­strafen, ausgrenzen. Die Initiation durch den medizinischen Ein­griff, das Aufgeben des Selbstbe­stimmungsrechts über den eigenen Körper, die Einstimmung ins Überwachtwerden per Smart­phone, das alles soll umsonst ge­wesen sein, nur weil ein paar Unbelehrbare eine egois­tische Freiheit be­haupten? „Die haben das Ghetto gewählt, und sie bekom­men das Ghetto. Da können sie sich gegen­seitig mit der Seuche töten“. So oder ähn­lich klingt der Stamm­tisch der Herde.

Vor diesem Hintergrund ist die große absolutistische Transformation eine Klei­nigkeit. Sie hat alle heute re­levanten Argumente auf ihrer Seite: Gesundheits­schutz, Klimaschutz, Res­sourcenschutz. Das Wagnis der Freiheit hat sie aller­dings geopfert und mit der Freiheit auch das Recht, das Men­schenrecht. Jetzt mag die Maschine schnurren, aber der Mensch, ob er noch singt, singt ohne einges­perrt zu werden?

Die Zerstörung der Welt ist seit langem grundgelegt im mechanisti­schen Vor­stellungsmodell von Welt. Die große Transformation erweitert jetzt diese Zer­störung auf den Men­schen, indem sie ihm die Freiheit nimmt, sich nicht mehr anschickt, der Freiheit politisch gerecht zu werden, sondern an ihre Stelle Angst und Überwachung setzt.

Walter Thümler

Januar 2022

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Walter Thümler
schreibt Poesie, Philosophie, Erzählprosa

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