Auftakt. Die Stille. Im Zimmer.

Kranke und Krankheit, ein Thema das manche zum Frösteln bringt. Doch mich bringt es in Hochstimmung. Ich ziehe mir einen Fellmantel an, binde einen Mundschutz um, renne vor das Haus, in den spätherbstlichen Garten, beginne wie ein dummes Kind mit den Armen zu rudern und vesuche gegen den Sturm, in die aus einer Bleigießerei geflossenen Wolkenberge zu schreien, was niemand hört: „Ich brauche einen Reigen von fünf mal fünf Metern Person für diese Materie, wer stellt sich mir freiwillig zum Experiment?“ Ein sandfarbenes Blatt verfängt sich in meiner Felljacke, hängt fest, klappert wie eine Motte mit ihren Flügeln, eine Motte, ein Falter.

Dieser Beitrag wurde von crysantheme am 6. Januar 2021 um 22:53 Uhr geschrieben.

Genre: Gemütstiefe

8 Kommentare »

  1. Ein Stern, ein Stern!

    Comment by Karma — 7. Januar 2021 @ 12:00

  2. An den Bäumen, wenn man genau hinsieht, die ersten Knospen.

    Comment by Vanitas vanitatis — 9. Januar 2021 @ 13:09

  3. Im alten Rom, da waren die Wasserleitungen aus Blei. Das lebensnotwendige Nass, es war zugleich der schleichende Tod.

    Comment by Wasserrohr — 9. Januar 2021 @ 13:10

  4. In der erlebten Wirklichkeit waren die Worte, Dinge & Ereignisse doch etwas anders als in der frei erzählten…

    Comment by Rohrbombe — 10. Januar 2021 @ 15:37

  5. Manche fangen richtig zeitig an:

    Ilse

    Ich war ein Kind von fünfzehn Jahren,
    Ein reines unschuldsvolles Kind,
    Als ich zum erstenmal erfahren,
    Wie süß der Liebe Freuden sind.

    Er nahm mich um den Leib und lachte
    Und flüsterte: O welch ein Glück!
    Und dabei bog er sachte, sachte
    Den Kopf mir auf das Pfühl zurück.

    Seit jenem Tag lieb ich sie alle,
    Des Lebens schönster Lenz ist mein;
    Und wenn ich keinem mehr gefalle,
    Dann will ich gern begraben sein.

    Frank Wedekind
    Aus der Sammlung Frühling

    DAS passt zu crysantheme!

    Comment by Rotkäppchen — 10. Januar 2021 @ 15:54

  6. Rotkäppchen trägt jetzt ihr Käppchen als Mundschutz.

    Comment by Rotmündchen — 11. Januar 2021 @ 10:44

  7. Die aus einer Bleigießerei geflossenen Wolkenberge stammen aus der Opernrequisite. Der Freischütz torkelt in sein tragisches Ende, das corpus delicti wandert in den Müll. Applaudiert wird erst am Ende. Alle wissen um die Bühnenförmigkeit des Geschehens. Eine Ameise erblickt den Wolkenberg: jemand hatte die Reste der zu seinem aufgebackenen Camembert hinzugehörigen Preiselbeerkonfitüre in vergitterten Eisenbehälter geworfen. Franz, der zufällig vorbeikommt, wird Zeuge einer Ekstase.

    “Vielleicht nur neun mal neun Meter Holzparkett, um zu tanzen bis nichts mehr geht…”

    Es ist schon spät. Wir sind noch zu fünft auf der Tanzfläche im Jugendklub Trarbacher Straße.

    Comment by Liebe Statt Drogen — 11. Januar 2021 @ 19:39

  8. mir träumte: crysantheme wurde dafür geehrt, dass sie die meisten texte eingestellt hatte. bei weitem die meisten. gratulation. doch sie durfte nicht lesen. war es wegen der aerosole? sie saß da mit zu vollem magen, wahrscheinlich hatte sie zuvor eine leicht angeschimmelte orange ausgepresst und den saft getrunken. sonne schien in den raum. später grübelte sie, schlief ich, wachte ich, war es winter, war es sommer, morgens, abends, osten westen, schnee? das nichtwissen und das nicht erwachenkönnen lagen ihr wie blei im magen.

    dann kam des rätels lösung: er trat auf. er hatte nur einmal in diesem jahr etwas eingestellt. das aber war in den augen vom admin so hochwertig, dass er, im gegensatz zu crysantheme, lesen durfte.

    einen tag wird es brauchen, um sich davon zu erholen.

    Comment by alpdruck — 16. Januar 2021 @ 12:25

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