Archive for Januar, 2021

… und die Zeitung druckt weiter

Samstag, Januar 16th, 2021

Zwischentexte

1. Ansgar

Damals hatten sie den Fußboden aufgestemmt. Das muss um 1980 gewesen sein. Albert war noch im Vorstand bei Hugo Boss beschäftigt, Viola betrieb einen Kosmetiksalon, ich weiß, das ist ein altes Klischee, der Mann aber, Albert, war nicht in einer typisch männlichen Branche beschäftigt, er war gelernter Schneider und hatte sich hochgearbeitet … aber davon wollen wir jetzt nicht reden. Das Haus, das stark sanierungsbedürftig bereits in den 1960er Jahren gewesen war, musste nun kernsaniert werden. Und dabei stemmten sie den Fußboden auf. Albert schwitzte. Aber nicht wegen der harten Arbeit, die andere leisteten. Er schwitze, weil er wusste, dass früher mit Zeitungen gedämmt wurde, Zeitungen, die sicher noch lesbar waren, und eventuell Material zu tage befördern würden, das ihm helfen würde, sich erneut mit Tante Violas Vergangenheit, der Vergangenheit ihrer Stiefkinder beschäftigen zu können. Was er zu Tage förderte war zunächst jämmerlich.

Da war zum Beispiel ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1907. Der alte Stadtanzeiger, auch damals schon mehr ein Werbeblättchen als eine seröse Quelle von Informationen, aber aus diesem Grunde mehr geliebt als alle andere Zeitungslektüre.

Der Stadtanzeiger war stark verblasst. Die Rezension, die dort zu lesen war, verheerend, etwas, das den Leumund ernst zu nehmender Menschen und Schauspieler gründlich zu verderben im Stande war. Direkt unter der Lampenaufhängung, in der Mitte des Zimmers, des damals großen Wohnzimmers, des Salons, war dieses Blättchen nebst wirklich seriöser Lektüre zur Verhinderung von Nervenschäden einbettoniert worden. Und es war noch lesbar, lesbar gemacht worden offenbar, für die Nachwelt erhalten, Albert war sich sicher, dass da Absicht dahinter steckte, 1980 sprach man noch nicht von Aluhüten, aber Viola hätte ihm damals sicher einen verpasst, die Stiefkinder waren noch zu klein, um etwas davon zu verstehen, aber Talente kapieren so etwas schnell.

Das dröhnende Lachen, das Werfen mit Gegenständen kann unter solchen Umständen nur als skandalös bewertet werden. Innerhalb eines Jahres hatte Ansgar über zwanzig Kilo zugenommen. Hatte er einst seinen Vater davon überzeugen können, dass es sich bei seinen Schauspielversuchen um Marotten handelte, so war er jetzt ernsthaft dabei, seine Karriere zu ruinieren. Er hatte sein Publikum mit Gesten schockiert, die selbst seine überdrehte Schwester nicht gutheißen konnte.

Und die Rezension im Tageblättchen lautete ungefähr so:

Der ungelernte Schauspieler Ansgar B. hat sich im neuen Stück, das er selbst geschrieben und auf die Bühne gebracht hatte, um Kopf und Kragen gespielt – ja, lächerlich, Kragen – welchen Kragen, welche Kleidung überhaupt, und der Kopf, der Kopf, sein Kopf war zu diesem Zeitpunkt anscheinend nur noch eine leere Porzellanschale, aus echtem Porzellan, aber leer.

Man verzeihe den Provinzschreibern ihre grauenhafte Handschrift. Niemand fragte sich, ob sie denn einen eigenen Stil hatten.

Haiku

Freitag, Januar 15th, 2021

Herbst auf Lesbos
Wind blättert die Zeitung auf
Fotos mit Ratten

Schnee _ *

Dienstag, Januar 12th, 2021

Endlich! wird der Vers
_ _ _ zum Besitzer seines
Impulses, hat sich
* * * * * * ein zerfetztes
Segel über die Erde

gelegt

was dichten sei?

Montag, Januar 11th, 2021

gedichte schreiben

ein wenig verrücktheit kultivieren

lesung online

Montag, Januar 11th, 2021
ich spreche gedichte ein
verse in stummschaltung
spiele ich bilder ein wie lebendig
spricht der himmel mit den kranichen im flug

ausverkauf & neue märkte

Sonntag, Januar 10th, 2021

Haiku für Heiko

erst die frauen
dann die ossis
jetzt die kinder

Auftakt. Die Stille. Im Zimmer.

Mittwoch, Januar 6th, 2021

Kranke und Krankheit, ein Thema das manche zum Frösteln bringt. Doch mich bringt es in Hochstimmung. Ich ziehe mir einen Fellmantel an, binde einen Mundschutz um, renne vor das Haus, in den spätherbstlichen Garten, beginne wie ein dummes Kind mit den Armen zu rudern und vesuche gegen den Sturm, in die aus einer Bleigießerei geflossenen Wolkenberge zu schreien, was niemand hört: „Ich brauche einen Reigen von fünf mal fünf Metern Person für diese Materie, wer stellt sich mir freiwillig zum Experiment?“ Ein sandfarbenes Blatt verfängt sich in meiner Felljacke, hängt fest, klappert wie eine Motte mit ihren Flügeln, eine Motte, ein Falter.

Ende der Zahlenspiele

Mittwoch, Januar 6th, 2021

Teil 1: Die übersehene Konstante

Wer den täglich erscheinenden Lagebericht des Robert-Koch-Instituts liest und auf der ersten Seite, genauer: in der zusammenfassenden Übersicht zu Beginn der ersten Seite, kleben bleibt, der kann angesichts der wachsenden („dynamischen“) Zahlen von Infizierten, Intensivpatienten und Ver­stor­benen im Zusammenhang mit Covid-19 nur in Besorgnis geraten. Diese Zahlen werden täglich im Halbstundentakt berichtet, als gäbe es keine anderen Probleme auf unserem Planeten. Wer dem durch häufige Wiederholung abstumpfenden Zahlenjournalismus noch Aufmerksamkeit schenkt, kann nur resignieren oder in helle Panik geraten. Vermutlich gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Studie zu den sozial-emotionalen Beeinträchtigungen, die von der Berichterstattung in Zu­sam­menhang mit Corona hervorgerufen werden. Tatsächlich wiegen die kulturellen und wirt­schaft­lichen Folgen, die von der phantasielosen Fortsetzung des „Lockdown“ ausgehen, schwerer als die psychologischen Kollateralschäden. Er geht auf Kosten der Kinder sowie überhaupt fast aller Menschen, die jünger als 60 Jahre sind, erhöht das Armutsrisiko und spaltet die Gesell­schaft.

Zu befürchten ist, daß sich nicht nur die Mehrzahl der unkritisch gewordenen Journalist*innen, sondern auch der entscheidenden Politiker*innen, vor allem auf Landesebene, von den Zahlen­spielen auf Seite eins des RKI-Lageberichts beeindrucken läßt und schlicht aufhört weiterzulesen. Denn würden die Entscheidungsträger*innen und die Berichterstatter*innen den Lagebericht bis Seite acht studieren, genauer: den Abschnitt „DIVI-Intensivregister“, dann würden sie ein anderes Lagebild gewinnen. Das Register wird seit April 2020 vom RKI gemeinsam mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) geführt und ist auf www.intensivregister.de für jede Leser*in zugänglich. Es dokumentiert die in Deutschland vorgehaltene Kapazität an ITS-Plätzen und gibt Ärzt*innen Einblick, wo freie Kapazitäten zu finden sind.

Der Übersichtlichkeit halber beschränke ich mich in der folgenden Darstellung auf einen wohldefinierten Stichtag pro Monat, genauer: auf jeweils den letzten Mittwoch des Monats bzw. den ersten Mittwoch des Folgemonats, wenn er näher am Ende des Vormonats liegt. (Der Mittwoch wurde gewählt, weil der Lagebericht an diesem Tag die validesten Daten und darüber hinaus die Ergebnisse der Laborumfrage enthält.) Anfangs haben sich noch nicht alle Kliniken am DIVI-Verbund beteiligt, daher können die Angaben vom März nicht interpretiert werden. Trägt man die Angaben zur Auslastung der deut­schen Intensivmedizin für das Jahr 2020 auf diese Weise zusammen, ergibt sich ein ver­blüf­fendes Bild:

ITS_Auslastung_2020

Abbildung 1: ITS-Kapazität, Auslastung und Anteil der Covid-Patienten in Deutschland 2020 (Stichtag: letzter Mittwoch des Monats bzw. erster Mittwoch des Folgemonats, Quellen: RKI-Lageberichte)

Die gestrichelte schwarze Linie stellt die Zahl der zur Verfügung stehenden ITS-Plätze in Deutsch­land dar. Während des ersten Lockdown im Frühjahr wurden zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Im Juli/August, als die Positivquote dramatisch gesunken war, wurde begonnen, die Zahl der ITS-Bet­ten zu reduzieren. Erstaunlicherweise hält der Rückbau der ITS-Kapazitäten bis zum Jahresende an, obwohl die Positivquote ab Oktober beträchtlich anstieg und mit dem „dynamischen Infektions­ge­sche­hen“ der zweite Lockdown im November 2020 sowie dessen Verlängerung bis Ende Januar 2021 „begründet“ wurde. Welche Politiker*in hat den Rückbau der ITS-Kapazitäten in Deutschland der Bevölkerung jemals erklärt? Welchen Motiven folgt er? Könnte nicht im Gegenteil ein Ausbau der In­tensivmedizin – wie im Frühjahr 2020 – einem befürchteten Kollaps des Gesundheitssystems vor­beugen? Vermutlich sind diese Fragen naiv gestellt. Es geht ja nicht um die Zahl der Intensivbetten, an denen gibt es keinen Mangel, sondern um die Zahl des Personals, das für die Intensivmedizin ausgebildet ist: Intensivärzt*innen und Intensivpfleger*innen fehlen und sind nicht auf dem Bestell­weg zu beschaffen…

Die langweilig anmutende, blaue Linie in Abbildung 1 offenbart eine deutlich tiefergehende Er­kenntnis: Sie zeigt, daß die Gesamtauslastung der deutschen Intensivmedizin von April an geradezu konstant ist. Die Tragweite dieses Befundes muß man erst einmal verdauen! Ich hätte mit einer jahreszeitlichen Schwankung gerechnet, etwa einer höheren Auslastung im Herbst und Winter – ein konstanter Verlauf ist überraschend. Er bedeutet zum einen in der Konsequenz, daß der Anteil der mit Covid in Zusammenhang gebrachten Patienten keinerlei Einfluß auf die Gesamtbelegung der ITS hatte. Weder hat der Rückgang der Corona-Positivquote im Sommer zur Entlastung der ITS beigetragen, noch hat der „dynamische“ Anstieg der In­fi­zierten­zahlen, der im November und Dezember 2020 berichtet wurde, zu einer höheren Aus­lastung der Intensivstationen insgesamt geführt. Daß die Auslastung der ITS seit Beginn der Er­hebungen im April in keinem Zusammenhang mit Covid steht, weder positiv noch negativ, ist die bemerkenswerteste Erkenntnis der aufmerksamen Lektüre des RKI-Lageberichts. Sie bedeutet zum anderen, daß auch sämtliche nichtpharmakologischen Maßnahmen der Pandemiebekämpfung, die seit April ergriffen wurden, keinerlei Einfluß auf die ITS-Auslastung hatten: Weder die schrittweise Aufhebung des ersten Lockdown im Mai/Juni, teilweise Schulöffnungen, Kohortenunterricht, Schulschließungen und die Schließung der Kultureinrichtungen noch die Verhängung des zweiten Lockdown – weder eine entlastende noch eine überlastende Inanspruchnahme der Intensivmedizin im Ganzen ist erkennbar.

Die Erhöhung des Anteils der Covid-Patienten auf den Intensivstationen im Herbst 2020 ist offenbar auf eine Zusatz­diagnose mit Covid bei Patienten, die ohnehin intensivpflichtig sind, zurückzuführen. Vorausgesetzt, daß Intensiv­ein­weisungen nicht wählbar sind, „elektiv“ wie es so schön im medizinischen Jargon heißt. Oder wurde bereits anderen Patienten zugunsten von Covid-Erkrankten die Intensivbehandlung verwehrt? Diese Folgerung wird durch die hinlänglich bekannten Befunde von Klaus Püschel bestätigt, der als erster im Frühjahr 2020 begonnen hatte, sogenannte „Corona-Tote“ zu obduzieren, und durchweg eine Reihe tödlicher Vorerkrankungen bei den Ver­storbenen neben dem Leiden an Covid feststellte.

Auf der ersten Seite des RKI-Lageberichts wird die Zahl der intensivpflichtigen Corona-In­fizier­ten als bezugslos herausgegriffene Zahl präsentiert, so daß ihr Kontext im Rahmen der gesund­heits­politischen Kennzahlen der Intensivmedizin aus dem Blick gerät. Es entsteht der Eindruck einer rasanten Steigerung der ITS-Auslastung durch Covid-Patienten. In Wirklichkeit handelt es sich um Patienten, die auch an Covid leiden, darüber hinaus jedoch in der Regel weitere intensivpflichtige Er­krankungen aufweisen. Die Art der selektiven Berichterstattung ist geeignet, Furcht und Panik zu erregen.

Tatsächlich beängstigend ist dagegen die anhaltende Verknappung der ITS-Kapazität – mitten in einer Pandemie ein Unding für eine ver­ant­wortungsbewußte Regierung! Von März an reichte die in Deutschland insgesamt vorgehaltene Reserve an freier ITS-Kapazität für die Zahl der mit Covid diagnostizierten Patienten aus. Dies bedeutet, daß gelegentliche lokale Engpässe vom DIVI-Verbund auf­gefangen werden können. So wird es auch in den sogenannten „Hotspot“-Regionen Sachsens seit Herbst 2020 praktiziert. Die Verknappung der ITS-Kapazitäten von Juli bis Ende Dezember um 6500 Plätze schmälert die Reserve zusehends – es ist bei der hier skizzierten Lage nicht nachvollziehbar, warum die Regierung einen Lock­down nach dem anderen verhängt, zugleich aber dem Rückbau in der Intensivmedizin nicht entgegenwirkt.

Aufwand und Nutzen sind aus den Fugen geraten. Die ma­the­matische Spielerei mit bezugslosen Zahlen, die auch von beraterisch tätigen Wis­sen­schaft­ler*innen an einigen Max-Planck- und Helmholtz-Instituten öffent­lich­keits­wirksam betrieben wird, hat Hochkonjunktur. Vergessen wir nicht, daß ein Modell nichts taugt, wenn ihm die empirische Basis fehlt.

 

Anti-Ödipus; Oder: Wie ich auf meine Mutter masturbierte und dabei Logos und Eros miteinander versöhnte

Montag, Januar 4th, 2021

Wie vieles in der Pubertät geschah auch das sehr unerwartet. Es war an einem Sonntag. Ich quälte mich gerade mit Mathe, Binomische Formeln. Ich lief durch die Wohnung, verkrampft versuchte ich die binomischen Formeln auswendig zu lernen. Nicht eine Sekunde dachte ich an meinen Schwanz, an Muschis oder an Titten und Ärsche. Wie auch. Zahlen waren für mich das unerotischste, was es gab. Ich fragte mich eher, wie Mathematiker überhaupt einen hoch kriegten. – Und schon gar nicht dachte ich an meine Mutter, weder in diesem noch in anderen Zusammenhängen. Ich dachte einfach nur an die binomischen Formeln, als ich…

- Nein, Stop, das ist zu früh, da komme ich später noch hin. Außerdem wisst Ihr ja auch schon was ich erzählen will. Interessiert es Euch überhaupt noch? Oder wisst Ihr vielleicht genau, was ich meine, und könnt Eure eigene Geschichte erzählen? Ihr? Männer? Ward Ihr schon mal geil auf Eure Mutter? Oder Ihr? Frauen? Ward Ihr schon mal geil auf Euren Vater? Oder Ihr? Mütter?

Ihr lieben Mütter, stellt Euch vor: Ihr steht vor dem Spiegel im Schlafzimmer. Es war ein harter Arbeitstag. Ihr seid müde, seid froh zu Hause zu sein. Euer MakeUp bröckelt, Euer Eyeliner ist verwischt. Ihr wollt loslassen, den Tag beenden, endlich Feierabend machen. Ihr wollt Euch eine Stunde nur um Euch selbst kümmern, Euch baden, Euch entspannen, Euch anfassen, Euch streicheln, Euch cremen und gemütliche Klamotten anziehen. Ihr steht also vor dem Spiegel, Ihr öffnet die Haare, die Bluse, den BH. Dabei schaut Ihr euch an, dabei schaut Ihr euch zu. Eure Bewegungen sind langsam, Ihr beobachtet Euch. Ihr beurteilt Euren Körper. Ihr beugt Euch nach vorn, zieht dabei den Schlüpfer aus und dann. Dann spürt Ihr zwei Augen auf Eurem Arsch kleben. Euch ist zunächst nicht klar, ob es die Augen Eures Mannes oder Eures Sohnes sind. Vielleicht irgendwas dazwischen?

Die Augen Eures Mannes sind ein Kompliment, sind aber auch aufdringlich, geil, fast übergriffig, denn sie beobachten Euch in einem intimen Moment, der dazu bestimmt war, nur Euch allein zu gehören. Diese intimsten Momente sind im Übrigen für den Mann die geilsten Momente. Jedoch hättet Ihr gewusst, dass Euer Mann zuschaut, Ihr hättet Euch anders gegeben, Euch anders bewegt, nie hättet Ihr Euch so betrachtet, wie Ihr Euch seht, sondern wie die Augen Eures Mannes Euch sehen sollen. Das sind übrigens nur die zweitgeilsten Momente.

Die Augen Eures Sohnes sind auch ein Kompliment. Mehr aber auch nicht. Nie würdet Ihr ihm sexuelle Ambitionen unterstellen. In Eurem Körper gewachsen, aus Eurem Körper geschlüpft, von Eurem Körper getrunken, mit Eurem Körper gespielt, auf Eurem Körper geschlafen, denkt Ihr nur an diese heilige reine Einheit, an diese heilige reine Liebe zwischen Mutter und Sohn.

Das seht Ihr vielleicht in den Augen eines Sechsjährigen. Aber was ist mit den Augen eines 14jährigen?

Eines 14jährigen, der das Wichsen in dreijähriger, täglicher, fast stündlicher, anfänglich schmerzlicher Praxis zur Perfektion gebracht hatte. Der geil werden konnte, wann er wollte. Der den Muskel austrainiert hatte und beherrschte. Der bei jeder Gelegenheit abspritzen konnte, nachdem er heldenhaft die Hürden des Anfängertums angenommen und mit Bravur übersprungen hatte. Der bis zu einer Art religiösen Schuldgefühl seinen Pimmel wundgerieben hatte, ihn blutig gewichst hatte, und selbst den verkrusteten Schwanz nicht verschont hatte. Der nie aufgehört hatte, nie aufgegeben hatte mit seinem Schwanz um die Herrschaft ringen. Bis er das Kunststück vollbrachte, während einer Werbepause, als die Eltern in die Küche gingen und Getränke holten, auf den Wohnzimmerteppich zu wichsen, die Wichse zu entfernen und entspannt wieder auf dem Sofa zu liegen, wenn die Eltern zurückkamen, als sei nichts passiert. Nur der Vater bemerkte diesen weich-herben Geruch. Oder war es doch nur der unerfüllte sadistische Wunsch des 14jährigen, irgendwann mal beim Wichsen erwischt zu werden, der dem Vater in die Nase stieg, so dass er schnaufen musste?

Ein echter Profi im Wichsen also, dachte ich an die binomischen Formeln, als ich ins Badezimmer ging. Meine Mutter lag in der Badewanne. Ich hatte meine Mutter tausendmal so gesehen, nein hunderttausendmal. Gefühlte hunderttausendmal, denn realistisch gesehen waren es bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 2555-mal. 2555-mal hatte ich ihre großen, runden Brüste auf dem Wasser schwimmen sehen. Und erst mit dem 2556sten mal bekam ich beim Anblick der schwimmenden Brüste meiner Mutter einen Steifen. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der Herrscher meines Schwanzes gewesen. Ausgerechnet der Anblick meiner Mutter machte mich wieder zu seinem Sklaven, ausgerechnet der Anblick der schwimmenden Titten meiner Mutter. Ich stand in der Tür und starrte auf ihre Titten, meine Augen hatten sich verhakt in diese wabernden tanzenden nassen nuckeligen… Ja, warum sind Titten eigentlich so verdammt geil?

-Meine Mutter streckt den Kopf zurück, ihre Brust wölbt sich hervor und ihre großen, runden Titten schwimmen auf dem Wasser und kleine Wellen züngeln die Brustwarzen hoch. Das Wasser schwappt zurück und für einen kurzen Moment sehe ich ihre Muschi rosa unter ihren schwarzen Schamhaaren hervorscheinen.

Meine Mutter schaut mich an, ich starre auf ihre Titten. Sie sagt etwas, ich höre es nicht. Ich starre auf ihre Titten und ich spüre meinen Schwanz. Ich spüre nur ihn,  denn er ist erwacht. „Geh bitte raus.“ sagt sie. Ich überhöre es, denn ich spüre nur ihn. „Geh bitte raus.“ sagt sie energischer. Und ich kann sie nicht länger ignorieren und schließe die Tür.

Was ich in diesem Moment dachte? Nichts, nichts dachte ich und nichts konnte ich denken. Mein Schwanz war erwacht und ich konnte nichts denken. Ich fand das weder abstrus, noch surreal, noch bedenklich. Das kam erst später. Mein Schwanz war erwacht und ich konnte nichts anderes fühlen als ihn. Mir war es nicht peinlich, ich schämte mich nicht, ich war nicht schockiert. Das kam erst viel später. Mein Schwanz war erwacht und ich konnte nur noch eins tun. Es gab nichts anderes zu tun als das. Nichts war wichtiger, nichts dringlicher, als dass ich in mein Zimmer rannte.

Ich rannte also in mein Zimmer, ich schloss nicht die Tür, ich öffnete nicht meine Hose. Denn nichts war wichtiger, nichts war dringlicher, als dass ich meinen Schwanz in die Hand nahm. Von oben schob ich die Hand in die Hose, ich kniff mir in die Eichel. Ich dachte, nein ich dachte nicht, ich stellte sie mir vor. Die schwimmenden Titten meiner Mutter, die Brustwarzen von kleinen Wellen umzüngelt, die tropfenden Schamhaare. Die nass-triefende Muschi meiner Mutter stellte ich mir vor. Und ich öffnete jetzt doch meine Hose. Mit geballter Faust erhöhte ich den Druck auf meinen Schwanz und spritzte ab. Ich spritzte auf meinen Schreibtisch, auf mein offenes Mathebuch und auf mein offenes Matheheft, auf die Aufgaben für den nächsten Tag. Auf die binomischen Formeln spritzte ich. Ich beschoss sie mit meinem Sperma, verschmierte sie mit meinem Sperma, löste die Gleichungen mit meinem Sperma auf. Schnell schlug ich Buch und Heft zu, als hätte ich meine Aufgaben erledigt. Als wäre alles getan, stemmte ich mich erschöpft mit beiden Armen drauf. Fertig.

+

Gerade gekommen, kam mir zusätzlich zu den binomischen Formeln die wichtigere Gleichung in den Sinn. Zusätzlich zu den binomischen Rechenwegen tat sich mir ein weiterer, breiterer, universellerer Rechenweg auf, wo Mathematik und Poesie miteinander verschmolzen. Wo eine Gleichung ein erotisches Gedicht war. Und wo ein Mathematiker schließlich doch noch einen hoch kriegte. Mir war plötzlich mit zahlenfester und ödipaler Sicherheit klar, dass nur die Mutter in dieser Gleichung die Variable spielen konnte.