Archive for Mai, 2020

Energie

Mittwoch, Mai 27th, 2020

Sobald du die Augen schließt, bist DU wieder da.
Als Widerspruch.
Das ist die Quelle der Energie, die DU sonst gar nicht bräuchtest.

#leavenoonebehind

Dienstag, Mai 26th, 2020

aus einer zeit kommend in der parolen noch in landessprache verabreicht wurden
verwundert sich der beobachter und ist auch manchmal los den rat

Wider-Geburt

Dienstag, Mai 19th, 2020

zum Gegenufer
gespannt
widersprechen
dem was schon ist
Pfeil werden
und
auf Neuland gestürzt
aufrechter gehen

Ich ärgere mich, weil ich ihn trotzdem sehe

Dienstag, Mai 19th, 2020

Die hohen, englischen Fenster des Wohnraumes gingen auf ein verwildertes Grundstück hinaus, neben einem Schuppen lagerte Schrott, der aber von hier aus nicht zu sehen war.

semantische absurditäten

Dienstag, Mai 19th, 2020

schon morgens die tage beginnen zu altern wir müssen
nur noch die stunden erschlagen die stadt liegt trunken am straßenrand
fensterscheiben erbrechen licht … ich … (du) nur der auswurf
des augenblicks um m(d)ich herum blutende wände waagerecht übereinander-
gestapelt die ordnung der dinge verlor sich im herbst
m(d)eine glieder (wahllos) im zimmer verstreut ein arm in der ecke
ein bein auf dem tisch das bulimische herz ins koma
erbrochen mach dir kein bild aus leuchtenden worten unter der erde atme ich
blau du hast den blick für die farben verloren: ich sterbe wie
ich geboren mit einem kräftigen schlag auf den rücken – pflegte nur mit
den toten verkehr – die zeit wirft falten (wie löschpapier)
niemand zeichnet die welt mit tinte (bin nur ein fleck auf weißem grund)
wie viele seiten ein buch doch hat am ende von allem: sag mir
was ist ein gedicht & wozu

Eisgrau

Dienstag, Mai 19th, 2020

fallen

[https://inskriptionen.de/?p=]

achtundvierzigfünfundachtzig

brennend aus dem Himmel des Sterns mit Namen

*

- Besser als ein Stern ohne Namen.
- Wieso?
- Na, die bleiben so klein. Fast unsichtbar…
(zweifelnder Blick)
- Hm, aber dann gleich – SUPERNOVAAH?
(Stirnrunzeln)
- Ah.

eisgrau

Montag, Mai 18th, 2020

fächelt der atem
aus dem mund
fiebert die nacht
nach unverbrauchten worten

vor das fensterbrett habe ich
ein sehnsuchtsnest gelegt
aus der stimme des letzten frühlings
forme ich mir
eine zeit für danach

Ein Sprung von Mathematik

Dienstag, Mai 12th, 2020

Ein Ereignis ist, wenn Sie mit einem einzigen Würfel eine 7 würfeln. Oder eine 8. Jedenfalls keine der Zahlen auf dem Würfel. Aber bitte, bleiben Sie dem Ereignis treu. Akzeptieren Sie die 7. Würfeln Sie nicht noch einmal. Bleiben Sie der 7 treu. Folgen Sie ihrer Spur.

Ein Sprung

Dienstag, Mai 12th, 2020

Haben Sie schon mal versucht, ein
Gedicht zu erzählen

Ohne Stockung, gar
Lüge

Wer das kann, der
werfe den ersten

Stein

Masken, Zeichen: Stein auf Stein,

Ein Sprung von Geometrie?

Samstag, Mai 9th, 2020

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Featuring : Josif Brodskij : Erinnerung 1995

Samstag, Mai 9th, 2020

Je n’ai pas oublié, voisin de la ville
Notre blanche maison, petite mais tranquille

Charles Baudelaire

Das Haus war ein Sprung von Geometrie ins taubstumme Grünen
des Parks, dessen Statueninfanterie, wie der Eingang zur Orangerie
Bewohner – nie! lümmelte in den Alleen, abgestolpert vom Straßenknie;
als sich die Fenster erhellten, war unklar – wessen und wie.
Wie man sieht, bediente das Rauschen des Winds, summierend die Varianten
der Abhängigkeit vom Schicksal (des Kinds – an den Abenden)
sich der Lammkrakelschatten, und, vom Standpunkt der Lampe aus,
reichte das aus fürs Erglühen von Wolfram.
Doch Vorhänge hingen davor. Eine grobkörnige Gravur,
vorsichtig knirschend, zeugte nicht von eines
Anderen Anwesenheit, sondern nur der Feier einer üppigen
Ungebundenkeit, den Umgebungen hingestolpert von ihr.
Und um Mitternacht die Wolken, erzogen von der Hochschule zur
Uferlosigkeit oder einfach nur kopfloser Abwehr von Dünkel
bedeckten patriotisch mit rissigem Laken den nackten
Kosmos vor der verwilderten Summe rechter Winkel.

Pandemische Paradoxien 2 (Update): Zahlenspiele, frisch frisiert

Sonntag, Mai 3rd, 2020

„Es wird ja fleißig gearbeitet und viel mikroskopiert, aber es müsste mal wieder einer einen gescheiten Gedanken haben.“ (Rudolf Virchow, Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, Bd. 40, S. 4)

 „Wähle eine Maske, die einen deiner Mängel übertreibt, dann wirkst du sympathischer.“ (Baron James Ensor, ordentliches Mitglied der Königlichen Akademie von Belgien, Ostende  im August 1935)

„Endlich war es möglich, Krieg zu führen, indem man zu Hause blieb.“ (Curzio Malaparte, Geschichte von morgen, 1951)

 „Schaufle die Tage auf. Zerpflügte Stirne – brandend in Spätsommertagen. Fiebre in deiner Enge, deiner stachelnden Stille. Hallo, die Pfähle glühn – die dich umzirkeln, umkerkern, sind süß. Tanze, springe. Weltlust pfeife auf zerküßten Lippen … Särglein ist süß.“ (Ludwig Meidner, Im Nacken das Sternenmeer, 1918)

 „Ich verachte die dummen hygienischen Vorstellungen der Bourgeoisie.“ (Massimo Cacciari, Philosoph, Bürgermeister von Venedig 1993 bis 2000 und von 2005 bis 2010)

 „In einem armseligen, entlegenen Flecken verweilen, inmitten von Bächen und Feldern, umgeben von den Mauern der Häuser, unter einem Dach aus Gras oder Schilf, oben undicht, unten feucht – all das versetzt das gewöhnliche Volk in düstere, gedrückte Stimmung, bereitet ihm Kümmernisse und Sorge, es verliert die Zuversicht. Der Weise verweilt dabei, ohne beunruhigt zu sein, ohne zu leiden und zu klagen und ohne die Freude an sich selbst zu verlieren. Warum ist es so? Indem er im Innern durchdrungen ist von Natürlichkeit, Reichtum und Mangel, Armut und Wohlstand, Arbeit und Dienstpflicht keinen Wert für ihn haben, verliert er den Sinn für deren Bedeutung.“ (Huainanzi, 1.19, 2. Jahrhundert v.u.Z.)

 

Im März 2020 wurden wir – zunächst allmählich, nach wenigen Tagen jedoch im Halbstundentakt – Zeu­ge einer Berichterstattung, die sich unter Berufung auf nackte Zahlen einem Schreckens­szenario verschrieb. Den Ausgangspunkt bildeten zwei Ziffern, die aus der Provinz Hubei und ihrer Haupt­stadt Wuhan gemeldet und auf Europa übertragen wurden: Die Sterbequote der vom neu­artigen Coronavirus infizierten Personen betrage 3.4% (WHO Directors speech am 3.3.2020). Das Virus werde 60-70% der deutschen Bevölkerung anstecken, prognostizierte Angela Merkel in ihrer Rede am 12.3.2020. Offensichtlich, so schien es nach diesem Kalkül, war hierzulande mit mindestens etwa anderthalb Millionen Toten zu rechnen. Je nachdem, in welcher Geschwindigkeit sich das Virus aus­breiten würde, würden die Menschen entweder innerhalb weniger Wochen oder über das Jahr verteilt nur so „wegsterben“. Das Robert-Koch-Institut (RKI) richtete Anfang März ein Monito­ring ein, die Bundesregierung war alarmiert. Verlaufsszenarien wurden als Computer­simu­latio­nen anhand verschiedener Modelle entwickelt und der Pandemieplan aus den Jahren 2016/17 aus den Schubladen geholt. Am 11. März 2020 rief die WHO schließ­lich für die Krankheit Covid-19 den Pandemie-Status aus. Damit überstürzten sich die Ereignisse.

Sowohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse in Bezug auf das neuartige Virus als auch die stati­stischen Methoden des Pandemie-Monitorings wiesen gravierende Lücken auf: Unbekannt waren nicht nur die bereits vorhandende Ausbreitung und die weitere Verbreitungsgeschwindigkeit des Virus. Auch die Übertragungswege, die Hinter­grund­im­mu­nität aufgrund von Infektionen mit be­kann­ten Coronaviren und die Genesungschancen konnten noch nicht valide eingeschätzt werden. Die Un­gewiß­heit all dieser Parameter veranlaßte die Ent­scheider, auf „Nummer sicher“ zu gehen: Das Schreckens­szenario, so schien es, könne nur ab­ge­wen­det werden, wenn die befürchtete exponentielle Ausbreitung des Virus so stark verlangsamt werde, daß das Gesundheitssystem mit den Patienten, die an der neuen Atemwegserkrankung Covid-19 litten, nicht überlastet werde, d.h. wenn die Ausbreitungskurve des Virus abgeflacht werde.

Länder wie Taiwan und Südkorea ließen sich infolge ihrer Erfahrungen mit SARS 2002/2003 und MERS 2015 von dem Verdacht leiten, daß die von der WHO aus Wuhan gemeldeten Zahlen eher eine Untertreibung darstellen und tatsächlich mit einer höheren Mortalitätsrate zu rech­nen sei. Bereits Anfang Januar ergriffen sie mit ruhiger Hand gezielte Sofortmaßnahmen: Schließung der Grenzen, insbesondere zur VR China, Sperrung des Schiffs- und Flugverkehrs, vorsorg­liche Quarantäne für alle Pendler nach China, Verbot von Groß­­veran­staltungen, Preisbin­dung für Medizinprodukte wie Atemmasken und Des­in­fika­tionsmittel, extensives Fiebermessen vor Eintritt in öffentliche Gebäude sowie konsequente Verfolgung von „Quarantäne-Sündern“ – insgesamt ein Bündel von 124 Maßnahmen, ein Überblick findet sich im „Update“ von Paul R. Vogt. Der in Europa be­schrittene Weg des Stillegens des gesamten gesellschaftlichen Lebens einschließlich Wirtschaft, Bildung und Kultur („Lockdown“) wurde in Taiwan und Südkorea vermieden (Jason Wang et al., 3.3.2020,  vgl. Richard Friebe im Tagesspiegel vom 5.3.2020, Martin Kölling im Handelsblatt vom 15.3.2020). Dennoch blieb sowohl die Zahl der Infizierten als auch der Verstorbenen in Taiwan und Südkorea anhaltend gering, ja um Größenordnungen geringer als in den Lockdown-Ländern.

Der Westen hat weder genau hingeschaut noch davon gelernt. Zuerst wurde das neue Corona­virus als ein fernes fernöstliches Leid ignoriert oder kleingeredet. Spätestens ab Mitte März brach ein Überbietungswettbewerb der Länder um die Schärfe der Verbote und Einschränkungen aus. Flankiert wurde er von einem medialen Feuerwerk, in dem selektiv herausgegriffene Zahlen und Bilder allgemeinen Horror verbreiteten – zur „Einstimmung“ der Bevölkerung auf eine hohe Opfer­zahl, wie es in einem Strate­giepapier des Innenministeriums von Mitte März hieß; das Papier wurde in der Presse ausführlich diskutiert (z.B. Christoph Prantner in der NZZ vom 5.4.2020).

Jedem Beobachter mit halbwegs wachem Sachverstand war klar, daß es sich um eine rhetorisch aufgerüstete Propaganda handelte. Merkel stufte die „Corona-Krise“ als schlimmsten Einschnitt „seit dem Zweiten Weltkrieg“ ein (Ansprache vom 18.3.2020). Macron ließ sich dazu hinreißen, die Bekämpfung des Virus als Krieg zu bezeichnen (Rede am 3.4.2020).

Deutlich wurde, daß die Berichterstattung des RKI wissen­schaft­li­chen Kriterien nicht standhielt. Täglich wird als Absolutzahl die kumulative Häufigkeit der Infizierten vermeldet, ohne die Grund­lage der Datenerhebung zu benennen oder das Bemühen um re­prä­sen­ta­ti­ve Erhebungen erkennen zu lassen. Tatsächlich handelt es sich nicht um die Infizierten, sondern um die Zahl der positiven Laborbefunde – was wegen der Dunkelziffer einen erheblichen Unterschied darstellt. Auch die Mel­dungen zu Todesfällen im Zusam­men­hang mit Covid-19 erwies sich als unzuverlässig, da nicht zwi­schen ver­schiedenen Todes­ur­sachen unter­schie­den wurde. Statt dessen meldete sich Christian Drosten als führender Virologe und Re­gierungs­be­ra­ter, in einem täglichen Podcast zu Wort – eine Form der Öffentlichkeit, die für einen ernst­zu­neh­men­den Wissenschaftler nicht angezeigt scheint. Häufig wirkte er fahrig, überfordert, fokussierte spe­zifisch-viro­lo­gi­sche Aspekte, kapitulierte bei epide­mio­logischen, soziologischen oder päda­go­gischen Fragen, ver­wei­gerte konkrete Hand­lungs­em­pfeh­lungen und wies die Zuständigkeit für Ent­schei­dungen der Po­li­tik zu. Das mag manchen sympathisch erscheinen – tatsächlich gelang es ihm nicht, im Ganzen zu denken. Zu kleinteilig, ohne Phantasie für die Folgen waren Drostens vage Andeutungen in Nebensätzen, wie etwa der  häufig bemühte Ver­gleich mit der Spanischen Grippe von 1918-20. Magere gesundheitspolitische Hinweise heizten den real­po­litischen Überbietungs­wett­streit weiter an. Offenbar fehlte der gegen­wärtigen Medizin ein Vir­chow, der natur­wissenschaftlichen Forscher­drang und engagiertes Interesse für die gesell­schaftlichen Rahmen­­bedingungen von Gesundheit unter einen Hut bringt.

Diese Umstände motivieren diesen Beitrag. Zum einen sollen die Grundlagen empirischer For­schung skizziert werden, die zu den Voraussetzungen gehören, um die  Ge­fähr­lichkeit und das Risiko einer epidemischen Erkrankung beurteilen zu können. Zum anderen soll auf typische Anfängerfehler hingewiesen werden, die insbesondere bei Journalisten im Umgang mit statistischen Zahlen zu beobachten waren und sich teilweise bis in die Gegenwart fortsetzen.

Nachdem im Moment Hand- und Fußballspiele verboten sind, hat Corona den Kopfball als neue olym­pische Sportart hervorgebracht: die Zahlenspiele. „Die Corona-Krise hat uns alle zu Zahlenjunkies gemacht. Wie entwickeln sich die Fallzahlen? Gibt es neue Todesfälle? Wie hoch ist der Fall-Ver­storbenen-Anteil? Wie hängt er vom Alter der Patienten ab? … Es ist in un­über­sicht­lichen Situa­tionen gut, sich an Zahlen statt an Emotionen zu orientieren, aber Zah­lenwerte sind oft trügerisch: Sie verstecken ihren Kontext. Wenn wir uns heute anhand von Zahlen ein Bild von der aktuellen Situation zu machen versuchen, dürfen wir dies nie aus dem Blick ver­lieren.“ warnte Sybille Anderl bereits Mitte März in der FAZ. Entsprechend ihrer medialen Reichweite sind Fehl­in­ter­pretationen von Jour­nalisten keine Privat­an­ge­legen­heit, insbesondere wenn sie mit politischem Kal­kül oder auch nur in sen­sations­erheischender Absicht be­gin­nen, die öffentliche Mei­nungs­bildung zu domi­nieren. Im folgenden geht es um Datenkompetenz, also um eine Mini­malkenntnis der Spielregeln, um sta­tisti­sche Zahlen lesen und interpretieren zu kön­nen – und daran zu erkennen, welches Spiel mit uns ge­spielt wird.

Dieser Essay wurde in seiner ursprünglichen Fassung am 30. März 2020 geschrieben. Das Er­scheinen des neuen Virus auf der Bühne des Tagesgeschehens und noch mehr die im Akkord ver­ab­schiedeten Rechtsvorordnungen der Länder, die in der Corona-Zeit vorübergehend zur Aussetzung aller bürgerlichen Grundrechte außer des Rechts auf Gesundheit führten, haben uns überrascht. Auf wel­cher Grundlage entschieden die Regierungen derart radikal? In den letzten Wochen wandelte sich das Bild vom neuen Virus in den Wissenschaften. Hier fasse ich wesentliche em­pirische Erkenntnisse über das neue Virus zusammen. Ausführlich dargestellt und diskutiert werden sie weiterhin an der Stelle, wo sich der ursprüngliche Beitrag befand: https://inskriptionen.de/?p=12363

-          Eine weltweite virale Verbreitung und Überzeugungskraft bei politischen Entscheidern gewannen Anfang März 2020 die Handlungsempfehlungen des kalifornischen Beraters Tomas Pueyo. Sie stützten sich nicht auf empirische Erkenntnisse, sondern auf hypothetische Modellrechnungen für die USA, die bislang weder dort noch an anderen Orten der Welt eingetroffen sind.

-          Die Zahl der PCR-Tests in  Bezug auf das neue Virus ist in einigen Ländern rasant gestiegen, insbesondere in den USA, Deutschland und Italien.

-          Die Teststrategie in den einzelnen Ländern unterscheidet sich stark, so daß Vergleiche der Kennziffern aufgrund fehlender Mindeststandards bei der Datenerhebung bislang nicht möglich sind. Wo dennoch verglichen wird, ist dies aus wissenschaftlicher Sicht unredlich (Verletzung der Datenethik).

-          Die kumulative Zahl der positiv getesteten Personen, die in der Corona-Zeit in den täglichen Nachrichtensendungen bekannt gegeben wird und den Eindruck einer vermuteten oder gefühlten Bedrohung durch das neue Virus verbreitet, ist linear abhängig von der Zahl der Tests. Eine exponentielle Ausbreitung des neuen Virus ließ sich nicht beobachten.

-          Es fehlen nach wie vor regelmäßig wiederholte, repräsentative Erhebungen zur Verbreitung des neuen Virus. Damit können bislang weder Prävalenz (bereits vorhandende „Durchseuchung“) und Inzidenz der Infektion (Zahl der Neuinfektionen) noch die Ge­fähr­lichkeit des neuen Virus (Lethalität) für die Allgemeinbevölkerung valide bestimmt werden.

-          Politischen Entscheidern fehlt damit nach wie vor eine gesicherte wissenschaftliche Grundlage, an der sie sich bei Abwägungen zwischen gleichberechtigten Interessen orien­tie­ren können.

-          Die Befunde zur Fehlerhaftigkeit des RT-PCR-Labortests zur Covid-19-Diagnose erscheinen noch unübersichtlich. Während Christian Drosten als Testentwickler von einer Falsch-Positivrate von 0% ausgeht, wurde in großangelegten Vergleichsstudien in China und in den USA eine sehr hohe Falsch-Negativrate ermittelt, z.B. im Vergleich zur computertomographischen Lungendiagnostik.

-          Fiebermessungen, die auf Taiwan als „Schnelltest“ verwendet werden, lassen sich wesent­lich niedrigschwelliger und breiter angelegt als der PCR-Labortest einsetzen, um erkrankte Personen im Alltag zu identifizieren. Je häufiger niedrigschwellige Tests eingesetzt werden, desto geringer fällt die beobachtete Zahl der Infizierten und der Todesfälle aus.

-          Das neue Virus breitete sich nicht flächendeckend aus, sondern in lokalen „Hotspots“,  „Clustern“ oder „Herden“.

-          Das deutsche Gesundheitssystem war in keinem Moment während der Corona-Zeit überfordert. In der Regel standen mehr als 40% der deutschen ITS-Plätze auch während des vermuteten Höhepunkts der Infektion frei. Aus medizinethischer Sicht ist die Verschiebung von Operationen und Behandlungen anderer Krankheiten zum Zweck des Vorhaltens freier ITS-Kapazitäten kritisch zu beurteilen.

-          Am häufigsten wurden Infektionen mit dem neuen Virus bei der mittleren Altersgruppe (35-55 Jahre) festgestellt. Schwere Krankheitsverläufe waren dagegen mehrheitlich bei vorerkrankten Personen zu beobachten, insbesondere mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes. Die mit Covid-19 in Zusammenhang gebrachte Mortalität war bei älteren Patienten am höchsten (Altersdurchschnitt über 80 Jahre).

-          Für die Abwägung, ob im Einzelfall eine intensiv- oder palliativmedizinische Versorgung angezeigt ist – gerade für diese Altersgruppe auch unabhängig von Covid-19 relevant – wurden keine Leitlinien entwickelt. Auch ein Monitoring der palliativmedizinischen Versorgung findet nicht statt.

-          Die verabschiedeten Empfehlungen zu Hygiene- und Schutz­maß­nahmen, um die Ausbreitung des Virus in Alten- und Pflegeheimen zu bremsen, vernachlässigen vollständig den Aspekt der seelischen Gesundheit, erhöhen die Gefahr der Vereinsamung und eines „elenden Tods“ in sozialer Isolation.

-          Unabhängige Studien legen nahe, nicht das neue Virus an sich als gefährlich zu betrachten, sondern seine Wechselwirkung mit ökologischen, sozialen und individuellen Vorbelastungen (Kontextfaktoren):

  • Laut Grippeweb des RKI gab es im extrem milden Winter 2019/20 vergleichsweise erfreulich wenige Atemwegserkrankungen, die geringste Zahl seit Beginn des Monitorings. Viele gesundheitlich gefährdete Menschen haben die Grippewelle überlebt. Im Gegenzug wurde Covid-19 für sie gefährlich.
  • Nachweislich verstärkt wird die toxische Wirkung von Covid-19 durch die lokale Luftverschmutzung, fehlende TBC-Impfungen sowie Faktoren, die mit der soziologischen „Überalterung“ der westlichen Wohlstandsgesellschaften zusammenhängen.

-          Die Politik des allgemeinen „Lockdown“ folgt populärwissenschaftlichen Konzepten des Umgangs mit Epidemien. Sie bekämpft die Ausbreitung des Virus, ohne die ökologischen und sozialen Folgen ausreichend zu berücksichtigen.

-          Differenzierte und adaptive („smarte“) Strategien können auf den Lockdown verzichten und die Ausbreitung des Virus um Größenordnungen wirkungsvoller eindämmen (Beispiel Taiwan).

-          Um leichtfertige Grundrechtseingriffe in Zukunft zu erschweren, ist der Schweregrad einer Erkrankung, meßbar in Form der in repräsentativen Studien wiederholt bestimmten Lethalität, im Infektionsschutzgesetz zu verankern.

 

Zahlenspiele – Inhaltsübersicht

Spielregeln

Grundlagen für die länderübergreifende Vergleichbarkeit von Public-Health-Daten

 

Foulspiel

Schwachpunkte der Datenerhebung zum neuartigen Coronavirus

Wer zählt was? Äpfel und Birnen in Corona-Form

Positiv oder falsch-positiv, negativ oder falsch-negativ – das ist hier die Frage

Zahlen ohne Bezugsgröße sagen nichts

Exponentionalfunktion oder Wellenform

 

Zwischenspielstand

Lineare Abhängigkeit der Zahl der Positiv-Befunde von der Zahl der durchgeführten Tests

Die Dunkelziffer: Spekulationen, Schätzungen, erste Studien

Genesen: Wie wird man Covid-19 wieder los

 

Schiedsrichterentscheidungen

Ab wann ist das deutsche Gesundheitssystem überlastet?

Multimorbidität und Implikationen für die ITS-Praxis

ITS-Kapazitäten in europäischen Ländern

 

Spitzenspiel

Ende März: Hochrechnung zur ITS-Auslastung in Deutschland

Mitte April: Resümée zur Hochrechnung

Erst hämmern, dann tanzen – ein Storyteller erobert die westliche Welt

Made by man: Schrecken ohne Ende

 

Kontexte

Hinterläßt Covid-19 Spuren in Bezug auf die Gesamtmortalität in Europa?

Unterschiede zwischen den Ländern

Klimawandel, milde Winter

Feinstaub: Autobahnen für Viren?

„Medicin im Großen“

Der Zustand unserer Gesundheitssysteme

Das neue Virus aus Sicht der Entwicklungs- und Schwellenländer

Bipolare epidemiologische Erinnerungskulturen

Versuch einer Zwischenbilanz

Die eigentliche Frage, um die es geht: Alter, Krankheiten und Tod

 

Spielergebnisse: Quintessenzen denken

 

Literatur

Parabeln zur Pandemie 7: Kammer-Bühl

Sonntag, Mai 3rd, 2020

An einem leicht bewölkten, nicht allzu heißen Augusttag des Jahres 1822 trafen sich Jöns Jakob Berzelius, ein Chemiker aus Schweden, der gerade in Marienbad zur Kur weilte, Graf von Sternberg, Johann Baptist Emanuel Pohl, ein Botaniker, Christoph Nepomuk Drostig, Mineraloge und Goethes Assistent, hm, nein, damals hieß es noch Diener, sowie schließlich, nicht zu vergessen, der Geheime Bergwerksrat höchstselbst zu einer Wanderung auf den Kammerbühl. Der Kammerbühl ist nicht irgendein Berg. Zwar klein, so daß man in ein paar Minuten von seinem Fuße aus den Gipfel erreicht, scheint er doch ein Vulkan zu sein und verheißt für Liebhaber der ernsthaften Naturkunde Überraschungen und Entdecker-Freuden, über die es sich vortrefflich streiten läßt. Siebenmal schon hatte Goethe die 30 Höhenmeter erklommen, vier Aufsätze hatte er über den Berg verfaßt: zuerst 1808 Der Kammerberg bei Eger und zuletzt 1822 ganz frisch Kammer-Bühl. War der Kammerbühl nun vulkanisch, also plutonischen Ursprungs, oder ist er wie andere Berge eine Auf­schichtung von Sedimenten, also dem Wasser entstiegen, ein Sprößling Neptuns? Goethe wurde nicht schlau aus dem Berglein, klopfte mit seinem Häm­mer­chen hier und da, sammelte Proben von Basalt und Schlacke. Und was hatte es mit dem Basalt überhaupt auf sich? Sah nicht der große Professor Werner, Vater aller modernen Geo­gnosten, im Basalt ein wässriges Geschöpf? Lagert er nicht gerne auf Sediment­ge­stein?

Pohl nickte und stimmte ein: „Richtig, unser verehrter Meister, Carl von Linné, der Unschätzbareres für die Ordnung der Pflanzen und der Natur geleistet hat, erkennt im Sediment ein Übrigbleibsel des Urozeans. Vor unendlichen Zeiten hat er sich langsam zurückgezogen, seine Wellen furchten und ackerten den Fels. Den Basalt hat er sicher als letztes Element auf die Sedimentschichten geworfen.“

Berzelius wackelte skeptisch mit dem Kopf. „Mein lieber Pohl“, sprach er, während er sich anschickte, sich zu dem zierlichen Moos hinunterzubeugen, das vor seinen Füßen wucherte, „als Chemiker möchte ich schon behaupten, daß Basalt eine kristalline Struktur hat, die mich an Lavagestein erinnert. Gewiß ist er aus einer Glutkugel heraus entstanden.“

Drostig nickte eifrig. „Seht, Freunde“, sprach er jauchzend, „welch herrlicher Quarz.“ In diesem Augenblick beugte er sich flink und hob einen kleinen Granitstein auf, der am Wegesrand lag.

„Granit, Granit“, rief Bergwerksgeheimrat Goethe hocherfreut, „du ältester aller Steine auf dieser Erde. Am liebsten möchte ich sagen: Im Anfang war … Granit. Geboren auf dem tiefsten Grunde des Urozeans, stapelst und formst du die höchsten Berge, die wir kennen: den Mont Blanc, den Gotthard und selbst den Brocken.“

Entzückt drehte und wendete Goethe das Steinchen, in dem sich Einsprengsel von Feldspat und Glimmer befanden, die sogar in der leicht verhangenden Sonne fun­kel­ten.

Das Grüppchen wanderte weiter, hatte schon den halben Weg zum Gipfel zurück­gelegt, als sie auf einer Weggabelung einen Felsbrocken entdeckten, dessen Ober­fläche gerundet war, als hätte ein Riese oder Zyklop ihn als Bonbon gelutscht und ausgespuckt.

„Ein Findling!“, entfuhr es Goethe voller Überraschung. „Zum achten Mal besteige ich den Kammerbühl, doch dieser Stein ist meinem Blick bisher entgangen. Wie kommt er hierher? Ich habe eine Vermutung… Was meint ihr?“

Die Herren umringten den Stein, schoben ihre Hüte über die Stirn, so daß die Krempe den Nacken berührte und schwiegen ein paar Minuten, in denen sie über die Herkunft des rätselhaften Steins sinnierten.

„Also“, eröffnete Pohl mutig die Diskussion, „ich glaube, der Urozean hat ihn auf seinem Rückzug hier verloren. Das Wasser hat ihn so schön abgerundet, daß wir uns an ihm freuen.“

„Halt, mein Lieber“, erwiderte Drostig. „wie wäre es, wenn ein Vulkan ihn aus­gespuckt hat. Der Kammerbühl ist doch ein Vulkan, da bin ich sicher.“

Pohl schüttelte heftig den Kopf, das konnte er nicht glauben. Berzelius jedoch führte Drostigs Gedanken weiter: „Es könnte sogar sein, daß dieser runde Riesenstein aus dem Weltall herabgestürzt ist, ein Meteroit, so nennt man das.“

Pohl kam aus dem Kopfschütteln nicht heraus. Nein, das konnte er nicht glauben. „Das Wasser war’s. Es hat dem Stein die runde Form verpaßt. Wart ihr noch nie am Meer?“ Da nickte Berzelius, der Schwede.

„Natürlich“, erwiderte er, „natürlich war ich schon oft am Meer. Aber dort, lieber Freund, sind die runden Steine am Ufer viel kleiner. Das Salz hat sie zerfressen und das Wasser gerundet. Ich bleibe dabei, der Stein stammt aus dem Schlund eines Vulkans oder aus dem Weltall an sich.“

Graf von Sternberg hatte die ganze Zeit über noch nichts gesagt. „Oh ihr Neptunisten und Plutonisten“, stöhnte er, „könnt ihr nicht aufhören zu streiten? Ewig will einer von euch recht behalten!“ Damit zog er eine Flasche köstlich kühlen Biers aus seinem Rucksack, entkorkte sie und reichte sie den Streithähnen herum. „Trinkt erst einmal!“, munterte er sie auf.

Goethe schwieg und lächelte. Dann sprach er: „Ich habe eine Vermutung, ihr werdet’s nicht glauben: Das Gegenteil von vulkanischer Hitze ist’s, das diesen Stein geformt hat, denke ich. Die Kälte war’s. Es muß eine Epoche großer Kälte wenigstens über Europa hinweg gegangen sein, als der Kontinent noch über 1000 Fuß hoch mit Wasser bedeckt war. Die Kälte verwandelte es in Eis. Das Eis, das können wir in unsrer Theorie nicht entbehren: Es hat die Felsklippen umhergeschoben und um­her­geworfen, abgeschliffen und gerundet.“

Goethes Gesprächspartner blickten betreten zum Boden. Nein, das hätte keiner von ihnen gedacht. Einen Moment lang herrschte frostige Stimmung. Kann ein kühles Bier so inspirierend wirken? Goethe reichte die Flasche dem Grafen von Sternberg zurück. „Nun, laßt uns nicht verzagen“, wandte er versöhnlich ein, „gehen wir weiter.“

Während sie sich nun dem Gipfel des Kammerbühl näherten, stellte Drostig die entscheidende Frage: „Verehrtester Herr Bergwerksminister“ – damit war Goethe gemeint –, „wie steht es nun um den Kammerbühl? Ist er vulkanischen Ursprungs oder als Sediment aus dem Urozean hervorgewachsen?“

Sie waren nun oben angelangt und genossen die Aussicht. Trotz leichten Wolken­dunsts erblickten sie die Dächer von Eger, das heute Cheb heißt. „Zuerst dachte ich“, hob Goethe an und blickte dabei Pohl tief in die Augen, „der Kammerbühl sei ein Geschicht, ein Sedimentberg. Ich war wie mein Lehrer Werner Neptunist. Dann fand ich Granit und Quarz und hielt ihn für vulkanisch. Ein Plutonist jedoch bin ich deswegen nicht geworden.“ Goethe hielt inne, sein Blick schweifte blinzelnd zu Drostig und Berzelius hinüber. „Denn Lava habe ich hier hie gefunden, bei all meinen sieben Wanderungen und auch heute nicht.“

Da drückte Berzelius das Hämmerchen, das Goethe stets bei sich trug, in Drostigs Hand. Der hockte sich nieder, schabte das Moos beiseite und begann zu klopfen. Dann stieß er auf eine harte Spalte, haute ein Stück von ihr ab und entdeckte in der Bruchfläche ein Olivin. Das war der Beweis: Der Stein war Lava.

„Oh!“ stieß Drostig hervor und wie zur Bestätigung begann der Berg unter ihm zu grollen. „Oh, oh, oh!“ Von unten donnerte es gegen die steinerne Kruste. Aus der winzigen Ritze, die Drostig in den Fels gehämmert hatte, züngelten winzige Flammen.

„Nichts wie weg von hier!“, sprach Graf von Sternberg und die Herren beeilten sich vom Kammerbühl wieder runterzukommen. Kaum waren sie unten in Eger, das heute Cheb heißt, hatte sich der Berg auch schon wieder beruhigt.

‘Gott die Natur’, dachte Goethe, ‘welch hohe und zartfühlende Macht, niemand darf ihr zu nahe treten, auch mein treuer Drostig nicht.’

Tage später, als Berzelius in der Postkutsche nach Stralsund saß, notierte er in sein Tagebuch: „Goethe war entzückt über diesen Fund und das Naturerlebnis und besonders über die Art und Weise, auf welche man a priori dazu gekommen war.“

portfolio für eisenwarenhändler

Freitag, Mai 1st, 2020

engelsgeplärr aus wolken blechblasmusik
über talnebeln
saßen wir auf einer datenbank
das loch schon im kopf
ausgeschlagen von einem grünspecht
grünspan auf allen dächern

heimwärts!
sollte es gehen
nur weg aus der ferne

legten sich träume auf wüstensand
schlaflos
kippten die bäume in jener nacht in ein meer

deine lippen formten wörter
du ahmtest stimmen nach

die an gestorbene rotkehlchen [engl. robins] erinnerten

& wieder flossen über alle graslande der welt walwasser
als stammten sie [lande & wasser] aus der familie der traurigkeiten

maigedicht

Freitag, Mai 1st, 2020

hältst du in den händen die enden der welt
wie die enden einer gerissenen perlenkette

leuchtet lyrik
ihrer wege gehen die brandstifter
das eine ende der welt liegt hinter einem apfelbaum
du schüttelst ihn und tapst
in die schneewittchenfalle
wer in meinem bettchen geschlafen hat kommt
nimmer um

ich saß in der küche und dachte an dich
das messer lag noch auf dem stuhl

gestern besuchte ich einen muschelfriedhof
beim anblick der schalenbruchstücke einer islandmuschel
fühlte ich rührung
ein alter seewolf war der muschelmörder
ich lauschte dem sound einer bekassine
eines tordalks eines regenbrachvogels

ich fand perlmutt
über die lippen rann es einem catfish

natur belassen

Freitag, Mai 1st, 2020

vor der stadt lagern monde
und bögen aus papier
wellen sich felder
über deine mondmilchhände
ergießen sich stimmen
in ein langgedicht im fluss
verwandeln sich die kurzen atempausen
in den weidenruten
zu flusskrebssalat im amselgelächter
in schnittmusterbögen am sternenhimmel
schneiden schnitter wellengebirge
aus deinem mund