Archive for April, 2019

Schmerz

Montag, April 15th, 2019

Eisen liegt nun auf den Wegen
mehr nicht
keine Schafe grasen
auch am Himmel kein Bewegen
Frieren verfällt ohne Datum

Eisen breitet sich aus oder wächst
der gewohnte Gang atemlos geschnürt
mit Erzschuhen und -hüten
eingepasst in Eisenfelder
tägliche Schnelldurchgänge
mit klackendem Handschlag
nun ohne Himmelswolken

Featuring : Alexander Blok : Wegscheide

Dienstag, April 9th, 2019

Und wieder Unmögliches geträumt
Fet

Noch sind bleichende Fetzen am Himmel,
In der Ferne kräht sacht ein Hahn.
Auf des Felds Kornährengewimmel
Geht plötzlich ein Lichtpunkt an.

Dann dunkelt der Erlenzweige Schar,
Hinterm Fluss flackert Rauch, dass Feuer werde.
Und durch den Nebel wunderbar
Sprengt eine unsichtbare Herde.

Ich fahre durch ewig gleiche Felder,
Den ewig gleichen Singsang im Sinn.
Und Träume, Träume hinterm Rücken
Verschwinden, wo ich nicht mehr bin.

Und was nie war, werden Silben und Klänge -
Der Gedanke, geflüstert, wird mein.
Es schaukeln die grauen Äste,
Das sind Hände von Schädelgebein.

17. November 1902

Daniel Schneider’s Theme

Dienstag, April 9th, 2019

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Wolken : Heim

Montag, April 8th, 2019

Für Elli

Das traute : klassisch
Humanistische Häuschen
Darin richten wir uns ein

Und schwingen uns
Über die schnöde Welt
Der anderen : um ängstlich

Blickscheu : am Nachbarn
Vorbei zu huschen
Zu schleichen : zu lauschen

Es gibt eine Verbindung
zwischen Hölderlin : Hegel
Fichte & Marx

Der Staatsterror von 365
Lokalfürsten : das ist es
Was sie deutsche Freiheit

Nennen : die von innen
Her kommt : verkommt
Die Freiheit der Folter

Die Freiheit der Flucht
Geht in die Wälder & sucht
Sie zwischen den Sporen

Eure Helden & Horen

Die Essenz des Frühlings

Donnerstag, April 4th, 2019

alles

fällt …

aus
ein

an
der

Clarissa

Mittwoch, April 3rd, 2019

„Du wolltest mir etwas zu den Bildern erzählen. Das rechte stammt aus dem achtzehnten, das daneben aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert. Wie soll ich das begründen?“ Clarissa, die Freundin neben ihm, mit dem Schal aus roher Seide, lenkte ihn ab in seiner Konzentration mit Fragen, während er vor seinem geistigen Auge alles auf Tapete brachte, seinen Film drehte, in dessen Zentrum nun ein obskurer Hintern thronte. In Gedanken feilte er an seiner Arbeit, blieb heute Clarissa manche Erklärung schuldig – wegen eines Hinterns, der ihn anfangs langweilte, was nicht ganz gefahrlos war. Clarissa brachte es immer noch nicht fertig, jenseits der ausgetretenen Pfade etwas zu entdecken, das sie als ungewöhnlich in die Diskussion einbringen konnte.

Der Hintern stand still und bewegte sich nicht. Der Mensch, dem er gehörte, war hoch aufgeschossen und sah, wie er jetzt feststellen musste, nicht nur etwas altmodisch gekleidet aus, sondern er schien sich geradezu auszuleben in dieser Pose der Vergangenheit, die durch seine Haltung, ja durch seinen ganzen Habitus, schon wieder etwas Futuristisches bekam. Eine Art An-, eine Vorausdeutung in eine Welt, die tatsächlich etwas weiter zurück lag in der Zeit, aber niemals, niemals so weit zurück, dass er sie nicht mit den Händen hätte greifen können, kein weiter entferntes Gegenüber als das der Landschaftsbilder, über die er mit Clarissa soeben debattiert hatte, kein Gegenüber wie eine Tapete, sondern ein Mittendrin, ein Hypnograph in der Hypnobar, ein Fingerzeig.

„Kennst du den?“ neigte er sich zu Clarissa herüber. Sie nickte. „Ich glaube, der gehört zur Akademie. Ist einer von  Prof. Ziegenbarth.“ „Von Ziegenbarth? Zu dem kommen doch nur die Guten.“ „Ja. Die Guten. Die ganz Guten.“ Ihr Schal aus Rohseide warf sich in Falten um ihren Hals und auf den schwarzen Glastisch, und er hatte, wie ihm eben auffiel, ein Muster im Jugendstil, so etwas fast Obszönes in seinen Windungen, wie die Zeichnungen von dem Beardsley.

Abwedeln nicht vergessen

Montag, April 1st, 2019

Nebel überzieht die Landschaft mit Zucker
Mein und dein : bürgerliche Kategorien
In den Mistelzweigen nisten die Vögel
Damit wir uns küssen und vögeln können

Vogelfrei : gehören wir niemandem
Ein paar Schnappschüsse vom Abenteuer entfernt
In deinen analogen Welten dauert die Entwicklung
Eines Bildes eine Stunde : abwedeln nicht vergessen

Verstecken wir uns im Schilf : schwanken im Wind
Kräuseln die Lippen wie Wellen : die Landschaft
Ist kein Zuckerschlecken : ihre Bitterkeit
Ruft die Endlichkeit in Erinnerung : mit der wir

Vergeblich dem Unendlichen entgegenwinken
Glitschig entgleitet sie uns : gleißend verglühen wir