Monatliche Archive: Juni 2017

Das Handmaschinchen

Von | 30. Juni 2017

Leider können wir in diesem Fall kein weibliches Ich bemühen. Das Maschinelle war von je her den Männern zu geordnet – jedenfalls ist mir keine andere Tradition bekannt, oder sie wurde noch nicht geschrieben. Das männliche Subjekt jedoch zieht es traditionell vor, aus dem Natürlich-Schwergängigen etwas Künstlich-Leichtfließendes, es werde Licht, werden zu lassen. Und hierzu… Weiterlesen »

PS.: Fahren Sie auch gern Straßenbahn?

Von | 30. Juni 2017

Und wie ich gerne Straßenbahn fahre, wie dort die Wege der Menschen für einen kurzen Moment vereint sind, wie sie da schweigend sitzen, aber leider versucht jeder, an den anderen vorbei zu blicken, vielleicht hätten sie sich ja etwas zu sagen, vielleicht würde sofort ein vertrautes Gespräch entstehen, oder vielleicht würden sie sie sofort merken,… Weiterlesen »

Ein Elefant im Porzellanladen

Von | 29. Juni 2017

Ich hole sie zum Spaziergang ab. Klingle kurz an der Tür, melde mich mit meinem gewohnten Satz. Sie zieht wahrscheinlich erst jetzt den Mantel an – überlegt, soll sie den langen nehmen, den fand er doch gut – und geht langsam die Treppe hinunter. Die beigen Stiefeletten klappern, das Holz gibt nach, die Vorstellung, dass… Weiterlesen »

Freiheit im 21. Jahrhundert

Von | 29. Juni 2017

Er, der Bibliothekar, hatte von irgendeinem Internethändler ein Armband geschenkt bekommen, das, mit allerlei Sensoren ausgestattet, nicht nur seine Herzfrequenz und seinen Blutdruck maß, sondern anhand einer Hautanalyse genau wusste, was und wie viel er aß und trank, ob er rauchte oder Drogen nahm, wo er sich befand, wie schnell er sich bewegte, und noch… Weiterlesen »

Dialog im Roten Stern

Von | 28. Juni 2017

A: Du gehst auf die Straße, und schon stehst du mitten im Kapitalismus. Was kannst du dagegen machen? Also konkret meine ich? B: Du hast ja auch Schuhe an. A: Aber so kannst du dich doch nicht herausreden. Wenn du etwas verändern willst, dann musst du sofort damit beginnen, jetzt und hier. B: Was meinst… Weiterlesen »

Mittlerer Algorithmus

Von | 28. Juni 2017

Aber er war Stolz darauf, Beamter im mittleren Dienst zu sein, hier an der Bücherausgabe einen großen deutschen Bibliothek, das war immerhin besser, als Designer von virtuellen Landschaften, auch wenn er sich manchmal fragte, ob er nicht selbst schon lange ein Algorithmus in einer virtuellen Landschaft war, überhaupt hatte er kürzlich in einem vielbeachteten Fachbeitrag… Weiterlesen »

Mittlerer Dienst

Von | 28. Juni 2017

Nach etlichen Jahren an der Bücherausgabe einer großen deutschen Bibliothek studierte er erstmalig seine Gehaltsabrechnung etwas genauer. Und las dort die Berufsbezeichnung: „Beamter im mittleren Dienst“.

Ein Morgen

Von | 28. Juni 2017

Ein Morgen   ich reiche meine Stimme in den geschäftigen Morgen   Kopf an Kopf Trophäen vermischen sich mit Gerüchen entgleiten uns   Rolltreppen Beförderung Rolltreppen in Abgründe verlorener Augen   Ungeweintes verklebt Gesichter jeder ist anders und nicht erkennbar der immer ferne Blick   in meiner Ohrmuschel zittert unerhört ein Anfang verletzlich wie Zauber… Weiterlesen »

Das ist keine Struktur

Von | 27. Juni 2017

„Eduards Ansicht nach musste alles erklärbar sein. Gedehnte Stunden bekamen eine physikalische oder psychologische Gleichung aufgedrängt, fragwürdigen oder verstörenden Bildern unterlegte er den Gedanken, dass es am Grunde aller Strukturen, dass es in all diesen noch unentdeckten Wasserwelten etwas gäbe, das der Struktur entgegenwirkte, sie auflöste. Doch er wusste, die Basis für alle Dinge im… Weiterlesen »

P. Ostkost (Flucht und Widerkehr XIII)

Von | 24. Juni 2017

Wenn ein sehr fröhlicher Mensch einmal nur lacht zier’n sein Gesicht Schatten der Nacht. Und wenn Frieden im Blick eines Freundes dir sagt da ist nichts mehr, worüber er klagt, dann ist  Leben uns nah und so fern, ist Liebe hegen die Gabe des Herrn, und ein altes Lied klingt dabei sacht wie ein Traum,… Weiterlesen »

Die Bohrmaschine

Von | 21. Juni 2017

Mein Bot ist immer noch nicht da. Statt dessen weht die schwarze Fahne. Vor meinem Fenster. Dass sie nicht mehr rot ist, habe ich den Wechseljahren zu verdanken. Da wechselt eben so manches, auch die Gesinnung. Das steht schon in Brehm’s Thierleben. Manches, wie die political correctness, krümelt und bröselt hinter der Tapete vor sich… Weiterlesen »

Finsbury Park

Von | 19. Juni 2017

Vor Jahren lebten wir in Finsbury Park dort feilschten wir in den Internetcafès: „A phonecard for five pounds, please. Do you sell it for four?“ „You can have it for three.“ Manchmal tanzte jemand am Morgen auf der Straße. Drugged. Einer stellte sich am Sonntag in der Underground rückwärts an die Bahnsteigkante: „Push me, anyone,… Weiterlesen »

Tiefenrausch

Von | 15. Juni 2017

Heut habe ich ein Wort gelernt : von einer Taucherin Seit sieben Jahren sitze ich : am Grund des Brunnenlochs Nun tauch ich langsam auf : nur nicht zu schnell Der Tiefenrausch hat mich erfaßt : ich nehms Mit Fröschen auf : als wär’n sie Ungeheuer Seit sieben Jahren quake ich am Grund : hab… Weiterlesen »

Rettung einer Welt

Von | 15. Juni 2017

Nachts, der Sommer sucht seine andere Hälfte, beginnen sie zu arbeiten. In unscheinbarer Umgebung, die übergroßen Brocken porösen Materials auf den Schultern, bahnen sie einen Weg. Sie mögen ein Ziel verfolgen, sie folgen nur ihrer Natur. Arbeiter sind sie in einem Staat, der nicht der Staat der Menschen ist. Ihre Natur besteht darin, Arbeiter zu… Weiterlesen »

Endlich wieder Erbauliches

Von | 6. Juni 2017

„Du solltest das tragen, was du immer getragen hast, das, worin ich dich, worin wir alle dich kennen gelernt haben. Jetzt ist nicht die Zeit für dich, zu zeigen, dass du auf eine einfache, proletarische Art krank sein kannst.“ Vyvyan hatte die im Schreibpult seiner Tante gefundenen Schriftstücke in Bilder verwandelt, die viel Ähnlichkeit, viel… Weiterlesen »