Monatliche Archive: November 2016

Jesus, deine Höflichkeit

Von | 29. November 2016

Wer einst die Höflichkeit erfunden hat, war Jesus, steht doch in der Bibel drin: „Haust du mir auf die Backe, halt ich glatt dir auch noch gleich die andre Backe hin!“ Vergiss die Höflichkeit dabei nicht gleich, sag: „Bitte sehr! Bediene dich, mein Bester!“ Verbuchst du als dein Plus fürs Himmelreich. Der andre haut dann… Weiterlesen »

Von | 27. November 2016

Wenn er seinen Verstand gebrauchen sollte, so war es ihm, als wenn jemand, der beständig seine rechte Hand gebraucht hat, etwas mit der linken tun soll. Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, S. 40

Endlich allein

Von | 26. November 2016

Der Bahnsteig hatte sich geleert, vorn wurde gepfiffen, der Zug ruckte an und glitt hinaus in die Nacht. Ein Mann, nicht mehr jung, blickte ihm nach, bis die Schlusslichter zu einem einzigen glühendroten Punkt verschwammen. Der Kiosk hatte noch geöffnet. Der Mann kaufte eine Schachtel Zigaretten und stand dann noch eine Weile auf dem Bahnhof… Weiterlesen »

Apropos, was ich sagen wollte

Von | 25. November 2016

Der Mensch regt sich oft über gar nichts auf, braucht einfach einmal einen Kontrapunkt. Dann wird er keck; mit Verve und Geschnauf wirft er sich in die Schlachten, dass es funkt. Dort steht er gar nicht gern alleine da. So sucht er sich Verstärkung, findet sie, vermeidet Aufruhr nicht und nicht Eklat, und hin ist… Weiterlesen »

Steckrübeneintopf II

Von | 25. November 2016

Den Dichter kommt das holde Dichten an. Ein bissel dies und das, nur bissel dichten, mehr will der Dichter nicht, der brave Mann, will ernst sein ernstes Tagewerk verrichten. Noch ahnt er nicht, wovon er heute schreibt. Die Wände schweigen, und es schweigt die Muse. Er stutzt: Wo heut denn nur die Muse bleibt? Verzweifelt… Weiterlesen »

Paar Zeilen November

Von | 25. November 2016

Nun ist es kühl, und vorerst wird’s nicht wärmer, die Welt wird grau, und grau wird’s im Gemüte. Der letzte Sommer ist kaum mehr als Mythe, und man bedauert sich, man fühlt sich ärmer. Und packt sich ein, man steht auf Winterjacke und stiefelt durch das feuchte Laub zu Füßen, denkt sich: Naja, der Winter… Weiterlesen »

Waldstück

Von | 23. November 2016

Irgendwann hatte er aufgehört, die Hütte zu streichen. Sie begann mit dem Netzwerk der Spinnen zusammenzufallen. Im Bauch seiner Wandergitarre nisteten sich Vögel ein (die brüchige Geige: zu klein). Der neue Nachbar mähte und dachte sich seinen Teil. Kinderfeste und leuchtende Nächte waren lange vorbei – ihr Spiritus Rector ging zu früh schon zu weit.… Weiterlesen »

Angebrochener Morgen

Von | 23. November 2016

Wie traurig im Regal der Wecker tickt, das Ticken hat so was von Stetigkeit. Ist ja, so scheint es dir, beinah verrückt: Pro Tick ein Quäntchen deiner Lebenszeit. Blass starren dich die Zimmerwände an, der Morgendämmer kommt ganz leis herein. Der Wecker tickt, der kleine Mordstyrann, und von der Lampe her ein blasser Schein. Von… Weiterlesen »

Der einsame Mann

Von | 22. November 2016

Der Bahnsteig hatte sich geleert, vorn wurde gepfiffen, der Zug ruckte an und glitt hinaus in die Nacht. Ein Mann, nicht mehr jung, blickte ihm nach, bis die roten Schlusslichter zu einem einzigen glühenden Punkt verschwammen. Der Kiosk hatte noch geöffnet. Der Mann kaufte eine Schachtel Zigaretten und stand dann noch eine Weile auf dem… Weiterlesen »

Die Hornissage

Gummiuniform hieß das unmögliche Theaterstück, in das Hornberg am folgenden Sonntag mit Iva gehen sollte. Er fürchtete sich davor, er wusste nicht, was ihn erwartete, der Titel sollte wohl die Farce eines Sprachwitzes sein, wahrscheinlich war das Stück Avantgarde oder ein Experiment für die eigene Kunstproduktion, ein Softwaretest, wie Iva am Telefon lachend gesagt hatte.… Weiterlesen »

Die unappetitlichen Lügengeschichten des Herrn Kreon

Von | 18. November 2016

Teil II Sexueller Missbrauch in DDR-Jugendheimen Quelle: ZEIT ONLINE, Matthias Schlegel Immer durchzuckt sie diese Angst, wenn der Erzieher in den Gruppenraum tritt, in barschem Ton ihren Namen ruft und den militärischen Befehl hinzufügt: „Raustreten“. Heidemarie ist 16 Jahre alt. Sie wird in eine der Arrestzellen geführt. Sie weiß, was kommen wird, aber sie hat… Weiterlesen »

Fürstliche Verse

Von | 18. November 2016

Das Fernsehn überrascht uns alle Tage. Zum Beispiel damit, was die Promis machen. Ob Royals oder Beatrix – ganz ohne Frage, das sind gewaltig relevante Sachen. Der Mensch legt sein Gedächtnis kurz mal weg, jetzt weiß er nicht mehr, wo er’s hingelegt. Und so bestaunt er noch den letzten Dreck, stiert auf den Bildschirm, königlich… Weiterlesen »

Gesang im Nichts

Von | 17. November 2016

hörst du das Nichts? siehst du das Nichts? augen tot ohren tot mund kann reden, singen, lachen ohren hören mich und schwarz augen sehen mich in schwarz nichts ist schwarz ich bin nichts ich bin schwarz schwarz ist dunkel schwarz ist stark ich bin stark hör, mein ohr! sieh, mein auge! sing, mein mund! Ich.… Weiterlesen »

Glück

Von | 17. November 2016

Flammen sprangen, deine Lippen auf meiner Haut. Gebannt ich, der Durst in deinem Blick. Nicht wissen, was geschah. Ich kam mir nah, nie war ich schöner, nie flog so mir das Haar. Tu mir nie weh. Meine Hand in deiner. Schweigen, du greifst zum Glas. Das Wunder: Du. Dass du bei mir bist.

Barock

Von | 15. November 2016

Esther geht durch die Reihen und markiert sie mit ihrem Duft. Von dem sie nichts weiß, in der Sekunde, in der er verströmt wird. Weil sie in Gedanken schon den Berg hinuntergeht in Richtung der Stadt. Am schmalen Fluss, gekrümmte, mit Bäumen bestückte und kurvige Gassen entlang. Das nennt sie die kahle Romantik des Abends.… Weiterlesen »

Ohne Zucker

Von | 15. November 2016

Tage gibt es, da denke ich an dich, ganz ohne Anlass, ich sehe dich noch sitzen am Tisch, morgenmüde, die Zeitung im Blick. Du warst mein ganzes Zuhause, nicht schwer, auch nicht leicht unser Zweisein. Und ja, du trankst den Kaffee ohne Zucker. Wie du am Tisch saßest. Seltsam, dass ich gerade jetzt an den… Weiterlesen »

Das Vöglein

Von | 13. November 2016

Ein Vöglein lieb ich dessen Lieder Erst klingen wenn die Welt verstummt, Das, wenn die Lerche im Gefieder Längst schlummert, weiter singt und summt. Schon manchen langen Abend lauschte Ich seiner Stimme Lust und Leid, Mitunter war es als berauschte Sie sich am Duft der Dunkelheit. Einmal ging sie mit mir auf Reisen, Weit folgte… Weiterlesen »

Für diesen Blick

Von | 13. November 2016

Für diesen Blick: von Meersburg übern See, ein fließend Blau, von Rebengrün umhangen, der Säntis wie ein Felsgewölk, von Schnee zart übersilbert, – welch ein Heimverlangen in diesem Blick und welch ein Abschiedsweh! – In diesem Blick ist alles eingefangen, was heimatlich durchträumte uns seit je, – in diesem Blick ist alles aufgegangen, was uns… Weiterlesen »

Auf dem See

Von | 13. November 2016

Und frische Nahrung, neues Blut Saug ich aus freier Welt; Wie ist Natur so hold und gut, Die mich am Busen hält! Die Welle wieget unsern Kahn Im Rudertakt hinauf. Und Berge, wolkig himmelan, Begegnen unserm Lauf. Aug, mein Auge, was sinkst du nieder? Goldne Träume, kommt ihr wieder? Weg, du Traum! So gold du… Weiterlesen »

Der See, er schwieg

Von | 13. November 2016

Der kleine See lag still, als ob er schliefe, kein Vogellaut, der sich aus Lüften schwang. Vom fernen Dorf ein leiser Glockenklang, es war, als ob mich eine Stimme riefe. Am Ufer stand ich, blickte in die Tiefe des Sees, wohl mehr als nur minutenlang. Hoch über mir bog sich ein Felsenhang, so hoch, als… Weiterlesen »

an der halte:schwelle

Von | 11. November 2016

Wenn ich gedichte schreibe, schriebe nicht ich, sondern die sprache selber, die sich über:schlägt … an der halte:schwelle abfahrt richtung alltäglichkeit am bahnsteig drei b sind wir zu lange zusammen:gezogen[e] zug:ab-teil:ung von rücksicht[ab]nahme zur teilnahmslosigkeit höre wir nicht – auf gewohnheit den beschissensten grund:los schwebt man in takt:[g]leise[n] hinweg :was weiß denn ich wohin: verliert… Weiterlesen »

Schlachthausblues

Von | 11. November 2016

i.m.L.C. Eins-zwei-klappt es hier wie dort, das Meer ist der Hintergrund. Drei-vier-schlägt es sanft & wild, sich selbst überschlagend. Fünf-sechs-zählt es nun schon aus dem Gedächtnis heraus. Sieben-acht-bringt es sich auf Kurs, Bibliotheken oder Konzert – open air. Neun-zehn-bleibt es immer diesseits, so weit die Finger reichen. Elf-zwölf-plant es sich ein Konzerthaus für alle Instrumente.… Weiterlesen »

Nachricht aus der Provinz

Von | 11. November 2016

Nichts wissen wir, ein schwaches Ahnen nur, was sein kann, wohin die Dinge uns treiben, was feststand, ist nicht mehr sicher, nicht in dieser lauten Zeit. Verblichene Sprüche halten die Welt uns zusammen, die Lüge beherrscht die Schlagzeilen, wer ihnen glaubt, wähnt sich auf sicherer Seite. Uns selber fremd werden wir, ohne Trauer sprechen wir… Weiterlesen »

Kapitänin Ahaba und der weiße Wal (Flucht und Widerkehr XII)

Von | 10. November 2016

November. Es schneit. Fast könnte man meinen, es seien gefrorene Tränen. Freudentränen? Eisige Freude also – Sarkasmus und Zynismus entfalten eine eigene Ästhetik. So wie der Industriegeruch eines Datenträgers oder eines Neuwagens irgendwie interessant ist. Die Wähler der „Rust Belt“ Staaten haben dem Establishment den Finger gezeigt, liest man. Es scheint, als ob die „Bernie… Weiterlesen »

Mit Kant im Schützengraben

Von | 9. November 2016

Er war kein Jünger. Der Anblick in der Höhe zerplatzender Geschosse bereitete ihm keinerlei Lust. Wäre er nicht patriotisch erzogen worden, aus ihm hätte a priori, aus systematischen Gründen ein Pazifist werden können. War es bei anderen ihre Sucht, so wurde er frühzeitig von einer Art Algebra des Begehrens erfüllt, welches sich nicht auf Dinge… Weiterlesen »

Déjà-vu

Von | 9. November 2016

Frau Reimann hatte ein Zimmer in einem kleinen Hotel in Smichov bestellt, telefonisch.Von Smichov aus konnte man auf ganz Prag hinuntersehen, wie auf einem Tablett lag die Stadt einem zu Füßen. Das Prager Meer, hatten sie früher gesagt. Sie liebte Prag, auch wenn sie noch ein Kind war damals, erst sieben Jahre alt, als sie… Weiterlesen »

Berlin-Ost

Von | 8. November 2016

10. Mai 1982 (für helmut)   Das ist die große Stadt die weite die immer alles kann und alles hat die Sehnsucht und den Hass von all den anderen die das nicht haben. Aber das müsse so sein sagt man. Da an der Schaltstelle ein Schaufenster zum Wundern und Staunen und Ärgern und Kopfschütteln. Und… Weiterlesen »