Archive for Oktober, 2014

in einem anderen gedicht

Montag, Oktober 27th, 2014

in einem anderen gedicht
herrscht krieg
ein regensturm fegt
über die straße
und jonas fängt einen bunten schmetterling

in einem anderen gedicht
verabredet sich das  laute mit dem leisen
hängen worte an kondensstreifen
am horizont
und keiner liest

in einem gedicht
ist es möglich zu sterben
und zu leben
winke ich dir vom bahnsteig zu
ein ende ohne ende

Zielsicher

Samstag, Oktober 25th, 2014

Die Großküche atmete Ungewissheit – ein herzzerreissender Aufschrei und von einer auf die andere Sekunde stand alles still. Zwanzig Augen starrten auf die Neue.
“Pippilotta”, hatte die ältliche Küchenchefin ihr eingebläut, “dies wird zähes Fleisch, klopfst du es zuvor nicht windelweich!” “Jawohl, Frau O.”, hatte sie artig geantwortet und war ein wenig enttäuscht gewesen, als ihr freundlichstes Lächeln von Frau O. nur mit einem teilnahmslosen, ja fast abwertenden Blick zur Kenntnis genommen worden war.
Jetzt sah sie das weiche Fleisch unter ihrem halb herunterhängenden Nagel hervorquellen.
Es schmerzte sehr – und doch atmete dieses sensible Fleisch nun Luft. Geschwängert mit Kartoffelwasserdampf und Zwiebelkuchenduft, um genau zu sein.

Pippilotta war hin- und hergerissen: dieser Schmerz, wie sollte sie damit umgehen?
Manchmal kam ihr das Pochen wie eine Befreiung vor, ein anderes Mal war sie wütend auf sich, ihn (wenn auch unabsichtlich, wie ihre innere Stimme stets betonte) gerufen zu haben.
Pippilotta war fünfzehn Jahre alt, fast sechzehn (wie ihre äußere Stimme stets betonte) und arbeitete zur Probe in der Großküche. Sie lebte mit ihrer Mutter, eine Kriegerwitwe, in einer Nissenhütte am Rande der Stadt. Ihr Leben drehte sich um Kartoffeln, Zwiebeln und zähes Fleisch.
Doch war sie – verglichen mit ihrer Situation vor einigen Jahren – nicht unzufrieden. Das ewige Heulen der Siren war verklungen, der Feuerregen weitergezogen und auch das tausendfache Knurren leerer Mägen hallte nicht mehr von kahlen Bunkerwänden wider.

Nun träumte sie davon, dass ihr einer der wenigen verbliebenen Männer den Hof machen würde und sie ihn in zwei Jahren heiraten könnte. Sie wollte einen Kinderwagen schieben, eine Küchenmaschine bedienen, das Bett machen und ihren Mann glücklich einschlafen sehen – nach gierigen Küssen und ach so süßem Schmerz.
Am Nachmittag traf sie in der überlaufenen Arztpraxis Nils. Seine Ohren standen etwas ab und sein Lächeln war leicht schief, sie wusste, dass ihre Mutter seinen Gesichtsausdruck als verschlagen bezeichnen würde, doch für sie war er einfach nur wild. Der Schmerz in ihrem Finger pochte nun in Einklang mit ihrem Herzen. Sie glaubte an das Gute im Menschen, an den Unterschied, den ein jeder zu bewirken vermochte. Nach dem erfolgreichen Verbinden ihres Fingers durch einen Arzt durfte Nils sie, aufgeplustert wie ein galanter Retter, nach Hause bringen.

Fünfzehn, fast sechzehn Jahre später verurteilte sie der Bundesgerichtshof dazu, ihre Beiwohnung nicht teilnahmslos geschehen zu lassen. Auf die Aussprache von Gefühlen, die Nils verletzen könnten, müsse sie, um der Erhaltung der seelischen Gemeinschaft willen verzichten, auch wenn sie das Opfer der Beiwohnung nicht bejahe.
Viktualia, ihre burschikose, viel zu freizügige Tochter übte sich derweil mit den Schmuddelkindern in freier Liebe. Blowing in the wind.
Wo war der süße Schmerz nur geblieben?, klagte Pippilottas innere, ergraute Stimme, als sie, zähes Fleisch weichklopfend, das Abendessen vorbereitete. Plötzlich drehte sie sich auf ihrem Stuhl halb um und ließ den Hammer auf ihre nackten Zehen fallen.

Situation in Deutschland

Sonntag, Oktober 12th, 2014

Im Jahre 1966 sah der Bundesgerichtshof den engagierten ehelichen Beischlaf als Voraussetzung zum Erhalt der Ehe an:[1]

„Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt. Wenn es ihr infolge ihrer Veranlagung oder aus anderen Gründen (…) versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen. Denn erfahrungsgemäß vermag sich der Partner, der im ehelichen Verkehr seine natürliche und legitime Befriedigung sucht, auf die Dauer kaum jemals mit der bloßen Triebstillung zu begnügen, ohne davon berührt zu werden, was der andere dabei empfindet. (…) Deshalb muss der Partner, dem es nicht gelingt, Befriedigung im Verkehr zu finden, aber auch nicht, die Gewährung des Beischlafs als ein Opfer zu bejahen, das er den legitimen Wünschen des anderen um der Erhaltung der seelischen Gemeinschaft willen bringt, jedenfalls darauf verzichten, seine persönlichen Gefühle in verletzender Form auszusprechen.“

8 Nonseme

Dienstag, Oktober 7th, 2014

Ach, vermummtes Seelum du,
wo bist du gewesen,
hab Neutronen totgeschwiegen
und verschluckte Besen.

Als uns das Leben zwangsereilte,
da wusste ichs nicht besser
und ließ mich auf das Leben ein,
nun bin ich ein Deltagramm.

Die Alten wussten schon ganz gut,
was Sache war und so.
Ihre Hausaufgaben hatten sie gemacht,
diese antiken Streber.

??? ??? ??? ?????? ?????:
?????????, ??????,
????????, ???????,
?? ? ????? ??????? ??????.

Und unter mir schwebt völlig arg,
die Riechung vorgebend,
ein blutendes Exempel,
kronykop-tütätowiert.

Doch du kommst gewiss nicht wieder,
ich weiß doch ganz genau.
Auch Seelen haben Glieder
und fischen in der Donau.

?

Sonntag, Oktober 5th, 2014

Die DDR war ein tätärätä staat.weil zu jedem anlass die spielmannszüge und andere kapellen aufzogen.zu jedem apell in den schulen wurde erst mit der fanfare geblasen.einige betriebe und schulen hatten ihre eigenen blaskapellen.immer war tätärätä angesagt,bei jedem kleinen ereignis.