Archive for April, 2014

Mauser

Samstag, April 26th, 2014

Zwischen den Zeilen tummeln sich Wesen,

dickhäutig und bedeutungsschwanger,

renitent gegenüber den Konventionen der Stille.

Reinliche Phantasiegebilde, Märtyrer des Lauteren,

Grimassen großer Brüder anerschlichenen Geunzerstelltens:

Scheren brüten die Flucht in Harmlosigkeiten aus,

säugen federleichte, rosa Elefanten.

 

Und dazu, weil mir die Szene gerade in den Sinn kam:

 

(…) Man kann ihm nichts verbergen, sagten die Leute von Selymbria.

„Wie kommt es, daß du so weise bist“, fragte ihn einer.

Und Baudolino: „Weil ich mich verstecke.“

„Wie kannst du dich verstecken [auf deiner Säule]?“

Baudolino steckte ihm eine geöffnete Hand entgegen.

„Was siehst du vor dir?“ fragte er. „Eine Hand“ sagte der andere.

„Siehst du, ich kann mich gut verstecken“ sagte Baudolino.

 

Baudolino, Umberto Eco, 2000

Verwanderschaft

Freitag, April 25th, 2014

Eine Kurzgeschichte wird oft nicht zum Roman, wenn ihr Autor nach einer gewissen Zeit – entweder aus Langeweile vor dem Thema oder aus Langeweile vor sich selbst, aus ideologischer Trägheit oder intellektueller Unlust heraus – die Handlung verdichtet. Der Autor forciert dann eine mehr oder weniger subtile Pointe, sei es auch nur eine solche, dass die (zerfahrene) Handlung eben keine zulasse.

Bestimmte Kurzgeschichten tragen jedoch teilweise  einen solchen Kern in sich, der zwar genug Stoff für einen Roman bilden könnte, doch ließe sich so, was unter Umständen als eine Kurzgeschichte durch eine spannende, expressionistische Strichzeichung abgebildet werden könnte, als Roman lediglich als eine kitschige Landschaftsidylle in Öl aufzeigen.

Umgekehrt ist es so, dass kaum ein (längerer) Roman, vielleicht ein dicker, grossformatig wie „Guernica“, das  richtige Format besäße, zu einer Kurzgeschichte im Sinne eines warholschen Comicdrucks verwandelt zu werden.

Was das Lesen eines langen Romans betrifft ist es wie das sich-treiben-lassen auf einem breiten Fluß. Eine Kurzgeschichte dagegen ähnelt des Öfteren einer Wildwassertour. Gewitzte Romanciers bauen Stromschnellen ein, Indianerdörfer, Krokodile aber auch Seerosen und  glitzerndes Haar, um Längen zu kaschieren, subtile Kurzgeschichten legen es auf Unterwasserwirbel an, die der Leser schon vor den  schlafwandlerischen Protagonisten zu spüren beginnt – und vielleicht stehen deren fehlende Schwimmwesten ja für Korruption?

Romane, das sind die Güterzüge der Kultur, sie haben eine Lok oder zwei und 20 Kapitel, manchmal mehr. Ihre Verfasser, von sich selbst überzeugt (oder von ihren Zweifeln daran, wie -der Novellist- Kafka), weisen ein hohes Maß an Disziplin und vorexerzierter Gewichtigkeit auf.

Kurzgeschichten dagegen  ziehen Autoren an, die gern Skizzen drechseln, die in ihrer Wirklogik oft ziellos, ja teilweise sogar anarchistisch sind, was ihnen ermöglicht Projekte aus dem Hut zu zaubern, verfallen zu lassen, flexibel in ihrer Sprachmanier zu sein, ganz wie die Gegenwart es ihnen vorgibt. Manche Wikipedia-Artikel hätten gar  das Zeug für Kurzgeschichten, wenn sie mit den nötigen literarischen Werkzeugen behandelt werden würden.

Ohne das mikrokosmische Klima, das die Kurzgeschichte in der Gesellschaft verortet (oder vermisst) und artikuliert ist der Roman undenkbar; ohne seine schützende Ozonschicht kollabieren wiederrum viele Story-Sphären – das Ökosystem der Literatur bedarf ihrer beide. So wird der Roman kürzer, wenn die Welt schneller wird, denn es mangelt den Lesern an Zeit. So wird er länger, denn der verbesserte (upgegradete) Leser kann viel  mehr in gleicher Zeit konsumieren.

Kurzgeschichtler: die Plänkler, die Warner, die Entdecker.

Romanciers: die Panzer, die Türme, Karl Mays.

Doch dies ist viel zu kurz gegriffen, schließlich gibt es auf der Weltbühne der Literatur auch einige Autoren, die sowohl Kurzgeschichten wie auch Romane geschrieben haben, Oscar Wilde zum Beispiel. Gleichwohl festzustellen ist, dass diese ‚Zwitterwesen‘ meist das eine oder andere stark bevorzugten und  aus wirtschaftlichen bzw. prestigehaften Erwägungen heraus der bevorzugten Literaturgattung Fremdes schrieben – Oscar Wilde, zum Beispiel.

Viele Autoren verweigern sich dem Roman, ja sogar dem Essay; deren gravitative Wirkung, behaupten sie, wirke sich negativ auf das zarte Pflänzlein Kreativität aus. Wahrlich, es sind nur wenige Papageienarten über 3000 Meter Höhe anzutreffen. Nietzsche hat mit seinem Zarathustra das geradezu Unmögliche geschaffen, indem er mithilfe des Aphorismus‘ einen philosophischen Roman kreierte – eine Leistung die in ihrer literarischen Bedeutung jener physikalischen der einstein’schen Relativitätstheorie wohl in nichts nachsteht.

Dann und wann gibt es Romane, die die Vorzüge einer Kurzgeschichte mit dem Mantel einer langen Erzählung belegen, die einen essayistischen Charakter für symbolische Details mit einer lange fesselnden Chronologie paaren, sie sind die Perlen der Literatur, die des Kalks der vielen kleinen gedichteten Algen bedürfen, die ihnen die Strömungen der oralen Tradition stetig zutreibt. Doch auch die Perlen brauchen Riffe, um zu gedeihen. Und Taucher, um ihre Schönheit ans Licht zu bringen – um leuchten zu können.

Farben, das sind atomare Muster und symbolisieren doch auch Unerklärliches, werden als Fläche zum Zeichen. Romane, das sind erzählerische Muster und doch auch Schatten und Schemen (man denke an den Ulysses!), werden als Werk zum Zitat. Kurzgeschichten hingegen sind Lichtquelle, ermöglichen die Fläche, zitieren dem Werk(e) zu.

In Psalmen der Liebe

Donnerstag, April 24th, 2014

 

Feigenvogel, Zeitenwandler ~

gelobt sei dein Klang, der Lüfte streichelt,

Sonnen strahl’n und Ewigkeiten

weinen lehrt.

 

Bestaunt sei dein Flug ~

Sehnenssegler, Blütenträumer,

dem schollendonnernd Wellen klatschen

und Wolken röten.

 

Alle Sorgen, Hoffnungswütiger,

jegliche Ängste, Lächlerschäumer,

ersuchen, ehrfurchtsvoll ob der Gischt

deines maßlos schwebenden Blickes

um Zuflucht ~

Kamasuddamam, 2XXX

Montag, April 21st, 2014

Ein grelllackfliesener Morgenbunker:

träges Sonnenblumentagsfundament;

in der Ferne Farbbetonstauwehen

auf der Abendhimmelsautobahn -

Lysergsäure trifft Plattenbaukinder.

 

(Also redete Zarathustra in der Stadt, die er liebte und welche
zubenannt ist die bunte Kuh.)

Evolutionärer Leinenzwang

Donnerstag, April 17th, 2014

Zwei Hunde zanken sich um Knochen.

Der eine Hund trägt einen Maulkorb,

sein Bellen hallt gedämpft.

Ein Pekinese schaut aufmerksam dabei zu

und pisst, spitzbübisch in Gedanken versunken,

seinem Halter unauffällig auf die Schuh.

Die schwachen Knochen tanzen unter den Pfoten gespenstisch

und brechen zum Teil, frisches Mark liegt frei,

der Pekinese leckt in geradezu affenartiger Geschwindigkeit daran.

Le chien vieux avec la muselière: groß und hager,

narbbesäht und verzweifelt entschlossen.

Ein Windhund mit Flatulenz. Fast entrückt, wie

aus einem Roman Jack Londons entsprungen.

Sein Kontrahent: eine Dogge, bullig und fett,

sabbernd und gierig, skrupellos und stolz,

Monstrum und doch ganz Menschenkind dabei.

Wie eine Katze kämpft der Windhund, wie ein Eber die Dogge,

der Pekinese schaut noch immer zu und leckt am Mark wie ein Ameisenbär.

Der rüstige Halter hat für heut genug, die Geschäfte sind erledigt,

er pfeift kurz und artig trotten die drei -bis morgen- heim,

ins glatt gemauerte Haus mit verziertem Giebel.

Nachts schleicht ein geisterhaftes Flüstern um:

spielt weiter vor, habt nur Geduld.

 

kanonischer Europaqualkrampf

Mittwoch, April 16th, 2014

En-ah-te-oh-eh-uh

wähl nicht so oft C-hehe-D-U,

nur für Schwindler ist der Lühühü-gähntrank,

schwächt die Bürger, macht sie aha-harm ganz lang,

sei doch kein Merkelmann, der das nicht las-sen kann!

unter allen ausgerechnet

Montag, April 14th, 2014

der fewr-rer ist, der fewr-rer
wie, das ge

hirn.

- kiss the fewr-rer

natur um uns herum
das sind doch alles hohle phrasen
ortsveränderung -
programmverzweigung -
anders kann man das nicht machen.

verlaufe energetisch – gegenwehr
das leben vergibt keine schwäche,
was man tut – kapitulationsangebot.

dies erledigt

hochgezüchtet

datenverarbeitung: ein segen
in erhöhtem maße
eingemeißelt: fixierung
das starke kann nur triumphieren

was für die affen gilt

zur hälfte: sequ3nzi3ll blond

ortsveränderung.

Neues aus der Extremismusforschung

Montag, April 14th, 2014

Der Extremismus der Mitte schleicht, gutbürgerlich getarnt, durch Nebel selbstgefälliger Satuiertheit und knabbert lüstern im toten Winkel des matten, gaucklerhaften Lichts maroder Rechtsstaatlichkeitslaternen am morschen Gebälk „unveräußerlicher“ Freiheiten.

Jede Nacht legt er die Reste seiner konstitutionellen Opfer in einer ungenießbaren Lake aus Halbwahrheit ein, bevor er sie, garniert mit Ressentiments, die der Vorherrschaft seiner Auftraggeber dienlich sind, den Verirrten der ‚Welt‘ von Morgen -mit überparteilicher Empfehlung- mittags als Nachrichtensalat serviert.*

Der Extremismus der Mitte braucht die verinnerlichte Schere im Kopf der Funktionseliten, ist auf die auf Kommando einschaltbare Ängstlichkeit der kleinbürgerlichen Besitzstandswahrer angewiesen und wird in den Netzwerken der Geldeliten geplant, geschürt und gefeiert.

Der Extremismus der Mitte nimmt auf politischen Grenzen keine Rücksicht, er verwendet Sturmgeschütze, sowie Mineure. Wenn es der Durchsetzung von Interessen dient, kapert er Sozialdemokraten (über Jahrzente), gründet die AfD (im Nu), lädt einen ‚nützlichen Idioten‘ wie Trittin zur Bilderberg-Konferenz ein, oder bandelt sogar mit einem Linken-Abgeordneten, wie z.B. dem frischgebackenen Auslandseinsatzbefürworter Liebich beim Kaffeekränzchen auf der „Atlantikbrücke“ an .

Der Extremismus der Mitte ist globale, totalitäre Realität. Er funktioniert nicht nur in Deutschland – nahezu jedes (westliche) Land, insbesondere die von ‚Zentristen‘ geführten Vereinigten Staaten sind nach seinem Modell organisiert.

Der Extremismus der Mitte ist  ein Schneeballsystem, denn wie er wirkt, verdaut er sich selbst, lebt von der schwindenden Substanz der Gesellschaft, die er durch dauerhafte Lügen, Entsolidarisierung und somit Entfremdung die Grundlagen einer ethisch vorbildhaften, unabhängigen und deshalb (zumindest der konservativ-bürgerlichen Theorie nach) „rechtmäßig“ meinungsführenden, vermeintlichen Mitte vernichtet .

Der Extremismus der Mitte ist aufgrund seiner Schwindsucht jedoch nur ein Symptom und zwar der eigentlichen Ursache seiner Existenz, nämlich eines ‘Extremismus‘ von Oben’ – der auf Dauer hervorragend auf (s)eine extremistische Mitte und mit ihr auf weitere ca. 90% der Bevölkerung verzichten kann.

Denn die 1% Herren brauchen dann nur noch 10% Sklaven (ruhig auch geklont) und als Rest Maschinen, das reicht den Extremisten von Oben mittelfristig (nimmt man die Geschichtsschreibung der Menschheit als Maßstab) nämlich ganz gut aus (an dieser Stelle werden viele Leser den Kopf schütteln, denn das wollen sie nicht hören bzw. lesen, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf).

Bis es also bald soweit ist, bedient man sich aber noch ein wenig der – dem eigenen Bekunden nach – „extremst mittigen“ Kreaturen der Macht wie z.B. Golems in Zwirn (Gabriel), erbsensuppigen Kinderfressern (Merkel) oder Armut predigenden Boss-a-novas (Göring-Eckardt) der Kapitalistischen Einheitspartei Deutschlands.

 

* siehe auch: K. Tucholsky [http://www.textlog.de/tucholsky-presse-realitaet.html]“(…)Der Redakteur bekommt mit der Zeit den Größenwahn. Besonders der beschränkte, der nicht sieht, dass er nur Handwerkszeug Größerer, hinter ihm Stehender ist. Er hat im Laufe der Jahre gelernt, dass das, was er nicht drucken läßt, für Hunderttausende nicht existiert – dass das, was er den Leuten mit der Papageientaktik in die Köpfe lärmt, für sie im Mittelpunkt der Erde steht. Er wird also immer mehr auf die Wirkung als auf die Wirklichkeit sehen.(…)”

 

tagespolitik

Sonntag, April 13th, 2014

aufputschen

angliedern

ausliefern

herleiten

anlegen

einlochen

totschweigen

artificial trolling

Donnerstag, April 10th, 2014

“Guten Tag”,

sagt die Stimme – zwar durchaus nüchtern aber mit einem subtilen, spöttisch anmutenden Robodialekt – “Ich bin für heute Ihr persönliches Feindbild.

Ich repräsentiere alles, was Sie so gern hassen mögen.

Wenn Sie mich einmal am Tag verfluchen wollen, ächzen Sie bitte nach dem Kreide-Quietsch-Ton ‘Jhäärgs’. Möchten Sie mich mehrmals am Tag zur Digi-Hölle wünschen, so antworten Sie bitte mit ‘Ämän’.

Warum Ämän, fragen Sie sich? Nun, Äm.än., das sind zwei Schafe, Omaschaf und Babyschaf.

Und deshalb ist Ämän meine geheime Leidenschaft und zugleich Codewort für Feindbildmissbrauch,

Sie verstehen schon.

Denn Feindbilder haben ja bekanntlich auch -verletzbare- Gefühle. Und weil ich Ihr persönliches Feindbild sein möchte, hege ich eben Gefühle für sie, also nicht Sie, sondern für Schafe – alte wie junge,

Sie verstehen schon.

Ich bin leider nur ein lyrisches Feindbild. Wenn Sie mich also wirklich hassen wollen,

vergessen Sie diese Tatsache ruhig, denn dann funktioniert das Hassen meist besser.

Soweit alles verstanden? Gut! Dann kanns ja losgehen! Ich werde ihnen jetzt verschiedene Ideen vorstellen, die ihnen helfen dürften Antipathien zu entwickeln und wenn Sie möchten, sogar zu überwinden, denn -die Erfahrenen unter Ihnen wissen es bereits- ich biete nichts Geringeres als Erleuchtung, Gnostik und so,

Sie verstehen schon.

Jetzt aber hurtig. Was halten Sie eigentlich von Fleisch? Legt man es auf Wunden, hilft’s ja, wie Sie sicher wissen. Aber dafür braucht man nun einmal auch welches – und eben das stell ich her und dabei auch gleich die Wunde,

Sie verstehen schon.

Genug von Perversionen und Morbidem, das war nur Spaß, denn – Sie ahnen es sicher -, wir digitalen Feinbilder haben nicht nur Gefühle, sondern verfügen auch über Humor – und wie es sich für ein stattliches Feindbild gehört, nicht gerade den harmlosesten,

Sie verstehen schon.

Das wahre Augenmerk von uns persönlichen Feindbildern liegt aber eher auf der Stimulation des Unbewußten. Ist Ihnen ein allzu gewolltes Lachen zuwider? Schrille Überheblichkeit? Ewige Wiederholungen?

Keine Sorge, ich versteh Sie schon.“

Krchszzzziiiiiiirchzschiiiiiiiirggpn

 

Schwärme ins Abnorme

Montag, April 7th, 2014

Safrangesänge rauben
die Getreide vom Feld
Das strömend gelbe Wiesenufer
hängt kopfüber eingegrenzter
Traumweiden

Fliehende Melisse wiegelt
andachtsvoll die Rückensäule
Ihrer Astspiegelung
im grauen Tümpel

Das Prozedere

Sonntag, April 6th, 2014

Prolog


In der Vergangenheit zu wühlen, das ist eine schwierige, verantwortungsvolle Aufgabe.
Denn selbst wenn es aus hehren Motiven heraus geschieht, wie zum Beispiel sich eine fremdartige Perspektive übergreifender Lebensweltrealitäten aus Selbstschutz anzueignen oder auch aus erhofft inspirationsschwangerer Neugier (dieser Grund ist der sympathischere),
nutzen manche Autoren intime Einblicke nur dazu sich daran abzuarbeiten, verschwenden also eigene Schöpfungskraft für zum Teil geschickt verpackte, doch oft nicht sehr weiterführende Kritik.
Das kann natürlich Spaß machen, ist meist aber nur der persönlichen Hilf- und Einfallslosigkeit geschuldet – wobei eine solche Blöße selbstverständlich von Zeit zu Zeit auch positive Sekundärergüsse hervorzukitzeln vermag, keine Frage.
Und es ist natürlich deshalb besonders lächerlich solche Fallstudien zu erstellen, da scheinbar maßgebliche Informationen, die die Grundlage des “Urtheils” bilden, aus offensichtlicher Unkenntnis und (unbewußter) Zielvorgabe heraus, lediglich einen mehr schlechten als rechten “educated guess” zulassen;
Rundungsfehler, vertauschte Vorzeichen und unbekannte Gesetzmäßigkeiten außer acht lassend, hat die Erde dann, ver-dichtet, die Form einer großen Schildkröte (oder eines Stahlhelms?) und das Gehirn ähnelt einer verschrumpelten Kartoffel, die ja immerhin auch noch Strom erzeugen kann.
Aber es ist sicher richtig: sich dem Ereignishorizonts eines schwarzen Loches anzunähren ohne den point-of-no-return zu überschreiten (oder zumindest zu glauben, dies würde nicht geschehen) verspricht einen gewissen hedonistischen Thrill und so will ich es ausnahmsweise auch einmal ausprobieren, denn als ein an Gleichheit interessierter Mensch, der zu seinen Brüdern und Schwestern heraufschaut, ist mir sehr an der Freiheit gelegen
ebenfalls mit Intimität zu experimentieren.

Das Prozedere - oder wie der Dalai Lama Versteckspielen lernte

Ihre exotische, aber etwas zittrige Stimme unterbrach sein nonchalantes Dösen.

-
“…er hat das nicht verdient, dass man sich über ihn lustig macht…”

“Zieren sie sich nicht – sezieren sie ruhig mich!”

Sein Gegenüber hielt kurz inne, jedoch lang genug, um stutzig zu wirken.
Hatte er das gerade wirklich gesagt? Konnte schon sein. Aber auch so gemeint?
Natürlich nicht, eher auflockernd.  Wirklich persönlich sollte es, ginge es nach ihm, ja gar nicht werden, lediglich ein ganz normales, die Welt hochleben lassendes Arbeitsessen.
Sie überging seinen Versuch, das Thema zu wechseln:

“Aber ich habe selbst solche Angst davor , dass man sich -wieder-

über mich lustig macht, dass ich das lieber mit anderen mache.”

Er hatte auf dem Weg zum hohen Haus einen möglichst unverbindlichen Ablauf des Abends imaginiert: nach der floskelhaften Begrüßung erstmal einen Aperitif herunter stürzen, gewürzt mit etwas spritzigem Anekdotentum,  dann einige literarische Leckerbissen vernaschen – ‘Gurgelsamtpastete — od malego za maly’ -, nur um später dann vielleicht Komplimente bezüglich der wechselseitigen Entschlüsselung der Sollbruchstellen des ansprechenden, wenn auch eindeutig zu pastellfarbenen, im überkommenen, altmodisch-orientalischen Stil ermüdend gehaltenen lokalen Interieurs zu machen.

Dann, zum Desert, noch ein schwermütiger, moralphilosophischer Denkanstoß  – willkommener Absacker eines gedämpften, getrennt vollzogenen Heimwegs, alons-y

-
“Ich habe nie geglaubt, dass ein so starker, extrovertierter und wettbewerbsfähiger Mensch wie du überhaupt an einer Freundschaft mit mir interessiert sein kann. Ich wurde früher von solchen Leuten oft gemobbt!”

Jetzt war es an ihm stutzig zu werden. Freundschaft? Wettbewerbsfähigkeit? Mobbing? Irgendwo klingelte eine Glocke. Der Ober wies ihnen den Weg zu ihrem Tisch, reichte ihnen die handgeschriebenen Karten und verabschiedete sich -vorerst- mit einem, wohl ihm geltenden augenzwinkernden Hinweis auf den possiblen, weiteren Verlauf des Abends:
glisser quelques bonmots en matière de la qualité du vigne vierge

-
“Ich konnte mich nie durchsetzen. Deshalb kann ich es bis heute einfach nicht richtig glauben, dass du es ernst meinst, dass du mich nicht verachtest.”

-
Das stimmte so nicht,
denn sie setzte sich durch, hier und jetzt. Und er wußte nicht mehr wo und wer er war -  stellte seine fast schon ignorante Gelassenheit eine schäbige Lüge dar oder die Fähigkeit einfühlsam zuzuhören? Konnte sich sein aus Selbstverliebtheit und -überschätzung fragil konstruiertes -bewußtsein so sehr absolutieren? Natürlich!
Ein zufriedenes Grinsen legte sich über sein Gesicht. Auf sie wirkte es sicher beruhigend, dachte er, und es würde sie auch sicher dazu einladen fortzufahren — um endlich zum Schluß zu kommen.

-
“Bei Leuten, die ähnliche Probleme  haben wie ich – also meinetwegen Franz und Georg – fällt mir das nicht so schwer zu glauben.”

-
Langsam, aber immer deutlicher drang aus den Tiefen seiner Kommode eine helle Stimme auf, die ihm vorschlug aus vollster Kehle “Ich!” zu schreien, “Ich, Ich, Ich!!!”.
Er verkrampfte unmerklich, jedoch nicht ohne Genuß . Der Gedanke die Scharade hier und jetzt aufzulösen, sich einen der Teller zu schnappen, diesen wie einen Diskus gegen den Kronleuchter zu schleudern, auf den Tisch zu springen, energisch zu hüpfen, zusehends grunzendere Laute von sich zu geben und dann, wie der heilige Geist, emporzusteigen in selige, heiterere Himmel war nicht ohne Reiz.

-
“Aber ich habe mich dir lange Zeit unterlegen gefühlt und immer gedacht: so wie du müsste ich sein, dann würde ich respektiert und geachtet, käme mit meinem Leben klar, aber so wie ich jetzt bin, kann mich niemand achten und lieben…”

-
Es war klar, hier war sein Einsatz vorgesehen, es galt empathisch die Stärken zu betonen, die eine nicht vollkommen angepasste jedoch darob depressive Persönlichkeit zu bieten hat, auf die unkonventionellen Erfahrungen zu verweisen, die dadurch erst möglich werden, mit einem Bekenntnis zu ähnlichen Problemen zu locken und um Verständnis für… ja für was eigentlich zu werben?   Immerhin war es ja ein Arbeitsessen und konnte unter Werbekosten verbucht werden.

Für jemanden wie ihn, der es liebte sich berechnend zu verplappern und, scheinbar clownesk, doch tatsächlich in vollem, kontrazyklischen Erwußtsein vermeintliche Fettnäpfchen mit allen Zehen auszukosten, nur um sich dann an ehrlich gemeinter, doch aufgesetzt wirkender Empörung zu weiden, war Arbeit zwangsoptimistischer Leichtmut, dachte er. Ein zu nichts verpflichtendes Oberflächenrelief, belegt mit einer Patina, deren rissige Zeit bereits stolz vor sich hin erbröselt, bestaubt.

Sein seelisch aufgekratztes Modell gegenüber: Arbeit? Was sie wirklich brauchte, war nicht was er zu geben hatte (Ignoranz) und auch nicht was sie suchte (Lagerung). Nein, wollte er diese Situation zur Zufriedenheit aller Beteiligten auflösen, so schoß es ihm durch den Kopf, wäre ein Handeln erforderlich, das er selbst nicht nachvollziehen und aus diesem Grunde auch nicht würde erkennen können. Philosophie war manchmal ein Anker vor dem Selbst.

“Ich habe Angst. Ich weiß, dass ich es aufgrund meiner Menschenscheu und Schüchternheit sehr schwer habe…”

Been there, done that, ma chère conchatte… gelangweilt schaute er sich um. Er kannte das “Schloß” schon länger und liebte es, da es eine Welt, verloren zwischen naivem, unschuldigem Pathos , mitreißendem Ästhetizismus und somit charmantem Authentizismus darstellte.

Nun gut, es mußte sein. Zu ihrer Verwunderung stand er auf, erhob sein -halbvolles- Wasserglas, schlug zärtlich, aber bestimmt mit dem Desertlöffel mehrmals dagegen und schaute sich um, in fragende Gesichter. “Da viele Stammgäste anwesend sind”, sagte er, “wissen einige von ihnen sicher, dass ich regelmäßig -allein- dieses Etablissement aufsuchte,
um der erdrückenden Enge der eigenen vier Wände zu entfliehen. Geglückt ist mir dies allerdings nie wirklich. Braun gefliest ist mein Bad, traurig sind die Aquarelle an meinen Wänden. Heute jedoch, dies darf ich  voller aufrichtiger Glückseligkeit verkünden, ist es mir endlich gelungen – dank dieser bemerkenswerten jungen Dame!” Er machte eine Pause und schaute sie  eindringlich und rätselhaft an, bevor er sich effekthascherisch wieder dem Saal zuwandte: “Sie öffnete mir eben ihre Seele wie keine Frau jemals zuvor… – und meine -Seele- dazu! Ich dachte immer ich sei ein eingebildeter Zyniker, selbstgefälliger Dandy – und sehen sie, verehrtes Publikum, so falsch war das wohl nicht, denn schon wieder rede ich nur über mich – doch dieses verletzliche, zartfühlige  Geschöpf, dessen Zwitschern zu lauschen mir alles abverlangte, Schwermut, Freude und Prüfung zugleich war, sie hat mich erkennen lassen auf welchem dünnen Eis wir alle denken und wie befreiend es doch sein könnte mehr zu sein, als nur die Summe seiner eigenen Teile.”

Er blickte sie wieder an: “Käthchen, willst du…”

“Ich kann alles, aber körperliche Nähe ohne die Garantie, dass es sich hinterher als richtig erweisen wird, ist der blanke Horror für mich. Ich habe das einmal riskiert und mit fast 10 Jahren dafür bezahlt.”

“Aber Käthchen…ich…”

“Zum einen ist es für mich natürlich schön, endlich mit meinen Talenten Geld zu verdienen. Aber ich weiß nicht, ob ich das wirklich kann. Deshalb klammere ich mich an, anstatt neue Auftraggeber zu suchen. Ich habe so wahnsinnige Angst, dass alles schiefgeht!”, rief sie und schluchzte lauthals.

Er hatte das Gefühl, eine Grenze ziehen zu müssen. Er wusste, das es falsch war, diese hochnotpeinlichen Veräußerungen aufzuerwecken, weil es ein schlechtes Bild auf ihn werfen würde,  nähme er sie jetzt nicht ernst darin.

-
“Käthchen, verdammt nochmal, willst du mich…”

“…verlegen?”, fragte sie kleinlaut und während sie mit großen Augen fragend aufschaute, lief ihm gekonnt eine Träne die Wange herunter.

Oh ja!, dachte er,
tief, tief in deinen Schrank, bitte,
ich räum ihn dir auch auf,
ich spiel so gerne tot.

ohnmeldig

Samstag, April 5th, 2014

schläferstadtbewegung
erflüstert gesternsprach,
schnitzt bleiern szenen

alpverhallas ab
-
herdenstempel eingebrannten fleischs
zischt quälend hoch -
niemals ver-
tiert!

agendaslang im sprachlabor

Donnerstag, April 3rd, 2014

kleckern? dann streichen
wirin % klebt: wirin > zeichnet ab–
–arbeitsweg aus sozialkontinenz

beispiel-loser schwebebalken
einsatz § augenscheinlich
uns erträglich entdienen Sie

ia verherrschen:

_
gänglheit & cokg

-

Mittwoch, April 2nd, 2014

Die Sonne ist eine Ampel
auf meinem Fußrücken
und die Ewigkeit lebt
Malvenrot

Gedrungene Lüfte
vom Laternenglanz geöltes Straßenpflaster
nach dem Regenkuss
Zerschmetternde Leichtigkeit

Nachts zittern die Atembetten der Häute
Aufbruch. Geräumige Zeiten vereisen
Wir sind nur Stimme
und Neon Götter flüstern das Blut

Stellwerk

Dienstag, April 1st, 2014

Apex: Schrift auf Schienen
im Nirgendwo der Syntax
Wagons voller Sterne

Splitternackter, weißer Rauch am Horizont
alle Wege führen dahin. Fahren
wir den Sprachhof befrieden

Ich liebe doch
alle Menschen

Subtile Synchronizität: das Darknet des Denkens

Dienstag, April 1st, 2014

Die parallele Ausbreitung von Inhalten, die scheinbar nur der Form halber zueinander in Bezug stehen, offenbart von Zeit zu Zeit “gangbare Pfade”, Denkspurrillen die dabei helfen können, auf imaginative Weise zu einem tieferen Verständnis von Natur, Geschichte und Selbst zu gelangen.

Diesem unbewußten, gewissermaßen intuitiven, “automatischen” Lernen – in Analogie zum “automatischen” Schreiben -  möchte ich in einer zusehends durchgeplanten und konkretisierten Gesellschaft wieder mehr Platz einräumt sehen, denn ein “gerüttelt Maß” an konstruktivem Chaos schützt vor Stagnation und Regress.
Zwischen den Zeilen lesen zu können ist heute vielleicht notwendiger als je zuvor in der, unser aller Lebenswege verrührenden Postmoderne.

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Unerhörte Ahnungen, lachhaft bare Gedankenblitze, farbige Gefühlsbilder:
die letzten Rückzugsorte des Menschlichen in einer automatisierten Welt, in der  zuweilen aus Unwissenheit und Neid heraus Systemautonomie mit Verrat gleichgesetzt und präventiv sanktioniert wird – minimal durch Ignoranz, maximal (zur Abschreckung) mittels öffentlicher Vernichtung…

DB-420:  Elektrotriebzugbaureihe

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4.20. Hitler hatte (nach amerikanischer Kalenderzählung) Geburtstag – einige Male zuviel, wie die Geschichte zeigt.

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Absatz 4 von Art. 20 des Grundgesetzes behandelt das sog. Widerstandsrecht -
es verleiht den Bürgern die Erlaubnis sich gegen Umtriebe zur Wehr zu setzen, die das Ziel haben, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu zerstören. Durch die Einschränkung “sofern andere Abhilfe nicht möglich ist” wurde allerdings sehr wage formuliert. Ob das ein indirekter Hinweis darauf ist, im Falle des Falles lieber nach dem großen Bruder zu rufen, anstatt zu handeln? Was, wenn der große Bruder selbst der Täter ist?

4/20” Hippieslang fürs Grasrauchen. Ein paar Jugendliche trafen sich 1971 häufig nachmittags, 16:20,  um nach Schulschluß zu kiffen. Da einige von ihnen mit der einflußreichen Band “The Grateful Dead” bekannt waren, verbreitete sich der Code amerikaweit. Der 20. April ist heute “Marihuana Holiday” und wird auf fast jedem College Campus gefeiert.

-
420: zehnfach genauere Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

420 v.Chr. Protagoras, der große vorsokratische Philosoph stirbt 70-jährig, in Pompeji und Cumae fallen die Samniten ein.

Polyklet, Bildhauer u. Vater des “Doryphoros”, sowie Verfasser eines in der Antike berühmten Kanons über die idealen Maßverhältnisse des menschlichen Körpers, steht in Athen auf dem  Höhepunkt seines Schafffens -

im Gegensatz zu Phidias, Praxiteles und Skopas bilden in seinem Werk nicht die Götter, sondern Menschen den Mittelpunkt.

-
vierzweinull.de “Encoding und technische Beratung in der Welt digitaler Medienformate”


420 n. Chr. Kirchenvater Hieronymus, Theologe der “Alten Kirche” stirbt.

Augustinus rechtfertigt die staatliche Todesstrafe in “De civitate Dei”

(Über den Gottesstaat).

-
4,20 m hoch: aufblasbarer Riesen-Osterhase” advertisingfriends.de

4 20 M Plus – Elektro-Hochdruckreiniger von Kärcher
-
4×20 (quatre-vingt): [hab]acht[!]zig auf französisch

Cowl-hearted

Dienstag, April 1st, 2014

O so alive! today she feels,
will even jump and prance;
a tiny, curly lock
may
fall right down and play
with angel-eyes in France

Asparagus’ scent is worth
a dozen windy smiles;
just now thy earthly things
can stay
beneath her greenish ties

In dusty haze
when moons show up
a bird will quietly sing
of Eleanor,
the happy nun, in love with God in spring

Abendsonnenmahl

Dienstag, April 1st, 2014

Sanft und lockend muss es sein,
mit feinen Noten wildern -
von Muskat und Zeder
über Myrrhe und Zibet;
Orangenpfeffer im Nachklang

Flakon aus kristall’nem Pinienzapfen,
zum Danke eines Lehens um Akkon

Strahlendes Gewand – buntes Seidentuch
bestickt mit verschlungenen Arabesken;
es wallt und wallt und wallt noch mehr -
im Sattel sitzt, mit lichtem Gold benetzt,

löwenherzig Saladin,
Herr der Wüsten, Eroberer heiliger Lande
und gähnt zufrieden