Archive for Januar, 2014

J.P. Sunshine

Mittwoch, Januar 29th, 2014

Auf Deckhauben vergessener Tücherbäume:

Die Sonne bläult. Rotrosafarben
stehen Wolken im Dickicht.
Im glasig, rauchigen Schwaden Lustraum.

Fern ruft das stille Haar:

Adieu, mein Kapitän
bis zum Vierten der Woche.
Ich reise immer nur allein.

Mit Sternschnuppen im Knie.

Blaues Fettkraut

Samstag, Januar 25th, 2014

Diese Pflanze produziert an ihren Blättern ein klebriges Sekret. Bleibt ein Insekt daran haften, so wird es von den Blättern eingerollt und anschließend verdaut. (Römers Garten)

schnee : verlorne

Freitag, Januar 24th, 2014

Erster schnee : verlorne liebe
Zur natur : hol dir die ohr-
Feige ab : alter dichter-
Sack : dafür daß du noch
Immer am wetter hängst
Wie andre am dysfunktionalen
Strukturalismus : dieses zarte
Weiß auf den zweigen hast du
Nicht verdient : schließ
Die augen : wenn du unter
Ihnen entlangfährst : landest
Du am nächsten baum und kannst
Deine unwiderrufliche Liebe
Mit deiner blechschnauze küssen

etwas wie ein eingeknöpfter akt

Donnerstag, Januar 23rd, 2014

das ich zu hassen dich begann geliebter etwas wie ein ausgeglühtes grau das mein augenlicht betrübt eine willenskurve später ich stelle meinen mund auf tot bei dir und springe vom dach in den nebel mir fliegt die nacht davon im geseier der trösterinnen und stürbe in ihrem willkommensschrei einander schreiend geblieben

zur neige

Dienstag, Januar 21st, 2014

schnuckilie gib mir ein kussilie dann werd ich zum roten füchselein und trage mein halsband aus knochen greif dir ins verknopfte halbgesicht schnuckilie gib mir ein kussilie das gedrechselte ist eckig und grünlich gelockt schüchtern in mir dein entfernter begleiter im schwarzen sack im schwarzen sack du kannst deine strumpfhosen ausziehn

 

Winterillusion

Sonntag, Januar 19th, 2014

Schnee ist gefallen : zart ziert er das Geländer
Grellweiss : unbestechlich : kalt

Lädt er ein zur Berührung : das erste Mal
In diesem Jahr : das keinen Winter kennt

Ich trete näher : will ihn fassen
Es ist der Mond : der hier herabgerieselt ist

Fast Vollmond : täuschend : schneeweiß

M.2

Freitag, Januar 17th, 2014

Wie ein Vogelzwitschern wieseln deine Herzstaben durch meine Zimmer.

Wie der Gesang verwünschter Wundertüten rudert der Fährmann zwischen den Schenkelhügeln.

Wie eine Taube gurrt das Beisammensein in Flüsterranken durch die Aderflüsse.

Wie ein Versprechen zukünftelt das Lächeln deiner Worte.

Durch lange Stunden der Gegenwart, wie die Schmetterlingsflügel ruhend
auf orientalischem Baldachin.

ein klingeln an der tür

Donnerstag, Januar 16th, 2014

geht vorbei, vorbei geh!
die nacht der nebel dunkelheit

geh vorbei pfeif deinen weg
nur diesen einen schritt

mach dass du fortkommst
die angst ist treu.
© Niko 16012014

Landgang

Sonntag, Januar 12th, 2014

Tankerflotte arktis
macht frei den weg

flocken schnee das eis
die nord-west-passage
bären kreuzen

fremde freunde fremdeln noch
jaja die bären aber
die natur geht ihren weg

wie schön, sagten sich die kontinente
das eis zwischen uns
: es ist gebrochen.

© Niko november 2013

Ein paar hundert Plädoyers

Freitag, Januar 10th, 2014

Der Abstieg hatte schon länger begonnen. Drinnen war jetzt ein Frisör, im Fenster ein kleiner Stern, der das Dunkle, Regenichte müde beleuchtete, ganz als hätte ein Arzt sich zur Untersuchung seines Patienten entschlossen und ein mit Schwachstrom betriebenes Instrument hervorgeholt. Das matte Plakat in Schwarzweiß mit dem schönen Jüngling war nur von feinen und geübten Augen zu erahnen – und meine Kurzsichtigkeit war mit einem Mal kein Manko mehr, sondern von lustvoller Zärtlichkeit gegenüber dem zweidimensionalen Objekt. Das Ramschlädchen mit den Stoffvorhängen, vor dem die Straßenbahn hielt, blieb dagegen in finsterer Nacht. Ein paar Haselnüsse blühten schon, der Regen fiel in transparenten Punkten gleichmäßig wie im Schlaf. Du hättest gesagt, das ist die Jahreszeit, zu der man in diese Bar nicht gehen kann. Ich denke, das hast du ja gar nicht gesagt. Ich denke, ich und du und unsere gemeinsamen Essen in dem auf dem Abstieg befindlichen Lokal sind so straff miteinander verwoben, dass eine Trennung unmöglich ist. Ein strenges Muster in einem abfälligen Gottesplan. Zum Würfeln hat er nie geneigt, der Alte, und wenn er es hier einmal getan hätte, drei Sechsen wären diese Stunden mit dir und mir, dem Putengenuss und deinem aufgestellten Patent sicher nicht gewesen. Ich blicke in den Regen, die Uhr an der Straßenbahnanzeige steht auf 07:07. Bei Schnappszahlen denkt ein Engel an dich. Minuten später steige ich in die Bahn und die Erinnerung klammert sich an meinem Rücken fest. Offenbar will sie mitfahren. Ich knipse den Fahrschein und lächle ihr zu.

Ausgabe und Arbeit [Verausgabung und Mühe], und Reibung,

Sonntag, Januar 5th, 2014

Fließt aus dem See [zu dritt] der Drei!
Sache und Gabe [Werk und Geschenk] – aus dem [Zweier-] See der Zwei!
Das Gras behindert die Füße beim Gehen,
[_] Gift löscht die Seele, und kalt wird das Blut.
[.] Stumpfes Messer schneidet schwer.
[:] Sackgasse – der / ein Weg // mit negativem Faktor.
Offen wandelt den Weg der Freudige,
Schwierig und mühsam schleppt’s sich auf ‘nem Pfad.
Der ausgeweidete / organlose Körper, des Geistes // der Seele beraubt,
Der reglose Leichnam, der Bewegung beraubt [erleichtert],
Die Belustigung / Satire – eine Wohnstatt für Tote,
In denen du dich nicht regst,-
Ihr alle entfließt der Drei,
Die gute Sache dagegen – der Zwei. [Diesem See...:]
Jungfrau und Geist, flügelbrausend von dort her.
Die Zwei zweigt / treibt, es drängelt / dringt die Drei.
Travi uzhi schreit man’s an der Wolga,
Dabei / damit die Katz’ aufhaltend.

Gezeugt oder gehaucht? Und warum als Tier?