Archive for Oktober, 2013

Die früh Verwöhnten

Mittwoch, Oktober 30th, 2013

Die früh Verwöhnten kuscheln brav

Im Bett : am Bildschirm

hocken sie die halbe Nacht : der Vollmond

 

Interessiert sie nicht & nicht der Sturm : der

Durch die Esche rauscht : das ist zuviel Natur

Ein Schritt zuviel vors Haus : sie warten ab

 

Beim Nachbarn brennts : die Flammen

Greifen über : solang das Sofa

Steht : herrscht keine Not

 

Wenn sie sich doch bewegen müssen : hat

Ein andrer schuld : so ists bequem

Mag draußen Regen quirlen : der Kuchen

 

Schmeckt & Krieg gibts nur im Spiel : da

Wird geschossen : was die Maus hergibt

Los : räum ab : ich hab den kleinen Finger

 

Grad nicht frei : Mama wirds mir richten

Weihnachtsmänner

Donnerstag, Oktober 24th, 2013

Als die Atemnot im Rossmann so stark wurde, dass ich kaum noch gehen konnte, kam ein Brief von Dir an. Ich öffnete die Botschaft und blieb auf dem Fleck stehen, auf dem ich mich regenerieren wollte, hoffend, nicht innerhalb der nächsten zehn Sekunden umzukippen und von einer der Kassiererinnen vom Fußboden aufgekratzt zu werden. Und mit Tatütata wäre es auch schon in die Notfallklinik gegangen. Infusionen, Tabletten Spritzen – reines Cortison, du kennst das von mir. Sonntags in der Elsterbar trug ich lange Ärmel wegen der Sonne, die dunkelblaue Brille über Stirn und Augen. Was willst du mit dieser kranken Frau, fragte ich mich, nur schreiben kann sie, deine Fiktionen aufhübschen, rennovieren, das ist alles. Da kann sie ruhig gegen jedes Stäubchen allergisch sein, wusstest du, ich bete ihren Geist an, bedecke ihr sanftes Gesicht mit blütenweißen Gazefiltern, teuer erstanden im Sanitätswarenladen. Du, ja ich weiß, du opferst dich für mich, obwohl deine Gefühle von Natur aus eher schwach sind. Warum schien damals nur die Sonne und ich habe dich mir angelacht. Nun stehe ich mit Atemnot am Regal neben den Bioklamotten, dem grünen Thee, den geriebenen Vanilleschoten, dem Chai Latte aus irgendwelchen korrekten Anbaugebieten, dem Tee, den du irgendwann am Anfang mal gern für mich da gehabt hättest – und lese. Du wünschst mir ein gutes, ein schönes – nein nicht nur ein gutes, nicht nur ein schönes – ein besonders schönes Weihnachtsfest. Später zerschlage ich Blumentöpfe und klebe ihre Scherben kunstvoll wieder zusammen. Crashe die Christbaumkugeln mit der bloßen Hand. Aber am Regal mit dem Bioobst, den Theedüften, denke ich, mein Weihnachtsmann in rotem Zelluphan, es knistert, die Schokolade ist süß da drinnen, der Himmel abschüssig und du kommst gerade auf einem Edelholzschlitten herabgesaust zu mir, direkt in diesen Rossmann. Nein, Sie dürfen den Krankenwagen wieder abbestellen. Mit mir ist wirklich nichts.

Briefwechsel 2

Donnerstag, Oktober 24th, 2013

- Auszug -

… Deine Briefe hatten vor allem eine Wirkung: Sie reizten mir die Gedärme. Sie lehrten mich das Rennen. Ich, die ich im Sport eher unteres Mittelmaß war, legte nach der Lektüre Deiner Briefe einen echten Sprint hin. …

 

 

Wir Jaden

Samstag, Oktober 19th, 2013

Wir hobeln Gruben bis zum Stein.
Wir siechen hin mit all den Empfindungen,
Abfall betastet auf der endlosen Straße
der Niemand´s – Wertigkeit.

wir dichter

Freitag, Oktober 11th, 2013

wir dichter sind freundliche schafe : lassen uns
herumführen von ort zu ort : immer einen scherz
auf der zunge : dabei sind wir melancholisch
nur aufzuheitern durch gutes essen : bitte drei gänge

und ein paar gläser wein oder zwei flaschen bier
damit sind wir schon zufrieden und lassen uns
herumkutschieren : kreuz und quer durchs land
um am abend ein paar minuten lang unsere genialität

zu preisen : indem wir möglichst gleichgültig verse
vorlesen vor fünf oder fünfzehn leuten : von denen man nie weiß
was sie ins publikum verschlagen hat : uns verschafft es
den nächsten aufenthalt : die nächste beteiligung

an einer anthologie (nicht an aktien) : wir sind so einfach
zufriedenzustellen : am tage reicht uns eine leere landschaft
mit weitem blick und bitte eine portion
einsamkeit : romanschriftsteller lieben es etwas belebter

sie brauchen eine unterkunft in kleinen großstädten
wo verbrechen und verfolgung mit der sirene ins hotelzimmer tönen
wir dichter lassen uns ohne widerstand abführen
in irgendeine idylle : ohne zu murren

Manieren und Pleiten

Mittwoch, Oktober 9th, 2013

Ein Benutzer-Handbuch* für Frauen mit akademischem Abschluss

*Ratgeber wollen wir nicht verwenden, das klingt zu sehr nach der Generation Mutti und Omi. Gebrauchsanweisung ist zu technisch. Unser heutiges Thema aber hat mit dem menschlichen Körper und seinen Chromosomen zu tun. Etwas mit den Händen benutzen bietet sich also weitaus besser an und ist wesentlich zeitgemäßer: Keine Romantik, keine Beschönigung, kein unnützes Drumherum.

1. Sie sind in seiner Wohnung und betrachten das mäßig bestückte CD-Regal. Sie sagen, mein früherer Freund interessierte sich so sehr für klassische Musik aus allen Epochen und Ländern, dass er eine komplette Wand seines 30 Quadradmeter großen Wohnzimmers für die Tonträger benötigte.

Seine Reaktion: er zeigt Ihnen eine 10 CD umfassende Sammlung der Filmmusik von “Matrix” und “Matrix Reloaded” und sagt dazu, der Komponist sei ganz modern, erst vor 2 Jahren gestorben. Das Cover ist futuristisch und scheint im Baumarkt entworfen zu sein. Daneben stehen Spielzeug-Busse und -flugzeuge. Er erklärt deren Herkunft und die Umstände, unter denen ihre lebensgroße Originale einst eingesetzt wurden. Es handelt sich nicht um Kriegsspielzeug.

Ihre Antwort: Sie bleiben höflich und interessiert, sagen oh und ah und hmhm und ja. Ist ja interessant. Schließlich warten Sie darauf, dass er Sie küsst.

2. Er nimmt Ihren Kopf in beide Hände und beginnt das Küssen. Leider spüren Sie nur dünne Lippen, Feuchtigkeit und eine Zunge, die immerzu dieselben Bewegungen ausführt.

Ihre Reaktion: Sie halten selbstverständlich die Augen geschlossen und harren dem, was da noch kommen mag. Noch ist es nicht vorbei.

Seine Antwort: Er macht dankbar weiter.

3. Sie landen tatsächlich auf seinem Bett oder seiner Couch. Es scheint langsam besser zu werden.

Ihre Reaktion:   -   (selbsterklärend)

4. Er sagt: Du bist eine wirklich faszinierende Frau. Ich wollte bloß nicht, dass du etwas falsch verstehst, deshalb habe ich…, während er weiter macht.

Ihre Reaktion: – (selbsterklärend) Ihre Beine sind mittlerweile oberhalb seines Körpers.

5. Er erschlafft mit einem Mal, wird unkonzentriert und beginnt das Faseln: Dein Buch ist wirklich gut, du brauchst aber mehr Erfolg, es fehlt dir an Bekanntheit … etc, pp.

Ihre Reaktion: ?

6. Er sagt, er müsse mehr Sport treiben, entschuldigt sich und geht aufs Klo.

Hier gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder Sie bleiben tolerant, ignorieren eventuelle Körpergeräusche und hoffen auf bessere Zeiten, die ja bekanntlich immer mal kommen werden – oder Sie nutzen den Moment, packen Ihre Sachen und steuern schleunigst den Ausgang der Wohnung an.

Kultur und Sprache

Montag, Oktober 7th, 2013

Kultur ist also ein Zeichensystem, das auf eine ganz bestimmte Weise organisiert ist. Dabei fungiert gerade das Moment der Organisation – verstanden als die Summe von Regeln und Einschränkungen, denen das System unterworfen ist – als das bestimmende Merkmal der Kultur.

Die Definition der Kultur als eines Zeichensystems, das bestimmten Strukturregeln unterworfen ist, erlaubt es uns, die Kultur als eine Sprache auszufassen – in der allgemeinsemiotischen Bedeutung dieses Terminus.

Unweigerlich nimmt die Kultur den Charakter eines sekundären Systems an, das jeweils über einer in der betreffenden Gemeinschaft üblichen natürlichen Sprache errichtet wird, und in ihrer inneren Organisation reproduziert die Kultur das Strukturschema der Sprache.

Die Übersetzung ein und derselben Texte in verschiedene andere semiotische Systeme, die Identifizierung unterschiedlicher Texte, Grenzverschiebungen zwischen den Texten, die einer Kultur zugehören, und denen, die sich jenseits ihrer Grenzen befinden – diese Vorgänge bilden den Mechanismus der kulturellen Wirklichkeitsaneignung. Die Übersetzung eines Ausschnitts de Wirklichkeit in eine „Sprache“ der Kultur, seine Umwandlung in einen Text, das heißt in eine auf bestimmte Weise fixierte Information, und die Aufnahme dieser Information in ein kollektives Gedächtnis – dies ist die Sphäre der tagtäglichen kulturellen Tätigkeit. Nur das, was in ein Zeichensystem übersetzt wurde, kann Gedächtnisbesitz werden, und in diesem Sinne kann man die Geistesgeschichte der Menschheit als einen Kampf um das Gedächtnis betrachten. Nicht zufällig erfolgt jede Zerstörung von Kultur als Vernichtung von Gedächtnis, als Tilgung von Texten, als Vergessen von Zusammenhängen.

Die Chronik war der Wirklichkeit isomorph: Die alljährliche Aufzeichnung ermöglichte es, einen endlosen Text aufzubauen, der sich entlang der Zeitachse immer weiter ausdehnte. Der Begriff des Endes bekam in diesem Kontext eine eschatologische Einfärbung, er stimmte überein mit den Vorstellungen über das Ende der Zeiten, das heißt der irdischen Welt. Das Herausheben eines markierten Endes im Text (die Umwandlung der Chronik in eine Geschichte oder einen Roman) stimmte überein mit seiner kausalen Modellierung. In dieser Hinsicht war die Umwandlung des Lebens in einen Text verbunden mit der Erklärung seines geheimen Sinns. Im Aufbau der Chronik wird ein anderes Schema realisiert:

Leben –> Text –> Gedächtnis

Die Umwandlung des Lebens in einen Text dient hier nicht der Sinnerklärung, sondern der Eintragung von Ereignissen in ein kollektives Gedächtnis… Das gemeinsame Gedächtnis verwies auf die bewußt wahrgenommene Einheit der Existenz. In diesem Sinne konnten die Chronik und die ihr funktionsverwandten Gedächtniszeichen (Gräber und Epitaphien, Denkmäler, Inschriften auf Gebäudemauern, Toponymik) für die Gemeinschaft die Funktion von Existenzzeichen erfüllen, weil sie – im Unterschied zu historischen Texten mit pragmatischer Ausrichtung – nicht Erklärungen von Ereignissen, sondern die Erinnerung an Ereignisse darstellten.

Zwei einander entgegengesetzte Verfahrensweisen:

1. Die Welt ist ein Text. Sie stellt eine sinnvolle Mitteilung dar, als Schöpfer des Textes können auftreten: Gott, Naturgesetze, die absolute Idee usw. Die kulturelle Aneignung der Welt durch den Menschen besteht im Erlernen der Sprache des Textes, in seiner Entschlüsselung und Übersetzung in die dem Menschen zugängliche Sprache… Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß zum Beispiel die armenische Kirche einen besonderen Feiertag der Heiligen Übersetzer kennt, der als Tag der nationalen Kultur begangen wird.

2. Die Welt ist kein Text. Sie hat keinen Sinn… Hier haben wir es nicht mit der Übersetzung eines Textes zu tun, sondern mit der Umwandlung von Nichttext in Text. Die Umwandlung von Wald in Ackerland, die Trockenlegung von Sümpfen oder die Bewässerung von Wüsten, kurz: jegliche Umwandlung von nicht kultivierter Landschaft in kultivierte kann man als Transformation von Nichttext in Text auffassen. In diesem Sinne gibt es zum Beispiel zwischen dem Wald und der Stadt einen prinzipiellen Unterschied. Die Stadt trägt in sich in sozialen Zeichen fixierte Information über verschiedene Seiten des menschlichen Lebens, das heißt, sie ist ein Text in demselben Ausmaß wie jede Produktionsstruktur.

Neue Teilnahmebedingungen

Sonntag, Oktober 6th, 2013

Mit der Bitte um Beachtung …

Softwaretester

Sonntag, Oktober 6th, 2013

Auch er will leben. Heute morgen will ich nur schnell ein Brot essen. Die Scheiben kommen dunkelbraun aus dem Toaster geflogen, im Zimmer gegenüber flattert ein Stoß Papier, bedruckt mit einer 8-Punkt-Schrift. Alles bei offenem Fenster. Die Küchenuhr schellt, die Eier im Topf zerplatzten. Entropie, murmelte mein Freund, den Mund noch halb voll und schon im Arbeitsanzug. Seine Tochter ist groß, weitere Kinder will er nicht. Die ganze Woche bin ich allein und damit beschäftigt, einen Ort für meine literarische Arbeit frei zu schaufeln. Allein, während mein Freund im In- oder Ausland Software testet. Software für Munition, Software für Banken, Software für Aktienmärkte oder Software für Sachbearbeiter im Gesundheitswesen. Die Wände sind mit seriellen Zahlenreihen bespickt. Informationstechnologie, das ist die Zukunft. Ich sage, hier. Ich helfe ihm in den Mantel, auch als Frau tue ich das gern, und küsse ihn auf die Stirn. So wünscht er sich das, liebevoll auf die Stirn. Wenn wir dann am Freitag gemeinsam beim Dinner sitzen, ist es ihm gleich, ob die Raucherlounge noch leer ist. Er sitzt gern dort. Jedes Wort wirft ein Echo ab, zwischen blanken Tischen und Stühlen, es stört ihn nicht, dass die Kellnerin extra für uns den weiten Weg herkommt, weil wir das einzige Paar in der Raucherlounge sind. Ich hole den Staubsauger aus der Abstellkammer und beginne mit der Hausarbeit. Wir haben einen digitalen Staubsauger, dessen Software sicher auf alle wahrscheinlichen Fehler getestet wurde. In zwei Stunden werde ich mein Werk vollbracht haben. Sein Schreibtisch ist leer, die Zahlenreihen sind verschwunden – ich schließe die Augen und denke an nichts. Ich ziehe den Stecker. Nun habe ich Zeit für wirklich wichtige Dinge.

Kultur und Information

Freitag, Oktober 4th, 2013

Der Mensch will leben. Die Menschheit trachtet nach Fortbestand. Diese elementaren Wahrheiten liegen sowohl dem Verhalten des einzelnen zugrunde wie auch dem Gang der Weltgeschichte. Die Erfahrung zeigt, daß die Verwirklichung dieses so einfachen und offenkundig berechtigten Zieles jedoch mit immensen Schwierigkeiten verbunden ist …

Die Praxis der Geschichte ist ein strenger Kritiker. Unerbittlich sondert sie all das als Spreu aus, was für das jeweilige System entbehrlich ist. Dennoch, wenn wir die Menschheitsgeschichte überblicken, so werden wir mit Erstaunen gewahr, daß die Menschheit im gesamten uns zugänglichen Zeitraum, so weit wir auch in die Vergangenheit zurücksteigen mögen, neben der unmittelbaren Produktion stets auch Kräfte bereitstellt für die Kunst, für theoretische Beschäftigung, für Erkenntnis und Selbsterkenntnis.

Dabei wird für diese Tätigkeit nicht etwa abgestellt, wer sich für nichts Besseres eignet. Nicht die untauglichen und ausgestoßenen Mitglieder der Gesellschaft werden dafür eingesetzt, sondern gerade die fähigsten und aktivsten Menschen, bei denen sich Genie verbindet mit dem Streben nach Gemeinwohl…

Wenn es für die biologische Existenz eines einzelnen Menschen ausreicht, daß bestimmte natürliche Bedürfnisse befriedigt werden, so ist das Leben einer wie immer gearteten Gemeinschaft jedoch unmöglich ohne eine gewisse Kultur. Für jede Gemeinschaft ist die Kultur nicht fakultative Zugabe zum Minimum der Existenzbedingungen, sondern eine unerläßliche Voraussetzung für die Existenz der betreffenden Gemeinschaft…

Man kann die Bedürfnisse des Menschen in zwei Gruppen einteilen. Die einen verlangen eine sofortige Befriedigung und können nicht (oder so gut wie nicht) akkumuliert werden. Die Körperzellen können zwar in bestimmten Mengen Sauerstoff speichern, für den menschlichen Körper als Ganzes jedoch gibt es keine Atmung auf Vorrat. Ebensowenig kann man Schlaf speichern… Im Kampf um seine Existenz ist der Mensch also an zwei Prozessen beteiligt: Zum einen tritt er auf als Verbraucher materieller Dinge und Sachwerte, zum andern agiert er als Akkumulator von Information. Beide Seiten sind lebenswichtig. Mag für den Menschen als biologisches Wesen die erste genügen, so setzt aber das soziale Sein das Vorhandensein beider voraus.

Heute können wir dafür eine allgemeinere Definition angeben: Kultur – das ist die Gesamtheit aller nicht vererbten Information zusammen mit den Verfahren ihrer Organisation und Speicherung.

Der Rest

Donnerstag, Oktober 3rd, 2013

Einmal hatte ich die Eingebung
Dass nichts ohne den
Rest jemals
Bedeutung haben würde

Ich prüfte die Eingebung
Ich prüfte den Rest
Und befand

Ich befand mich urplötzlich
In einer anderen Welt
Die Dinge lächelten mir zu
Von den Dingen her
Strömte es übern Himmel
Der nur ein Grund für die Augen ist

Ich befand die Sache für
Prüfenswert mehr
Als nur eine Sache des Glaubens

Ich glaubte nicht an
Sprünge, von der Natur
Vollführt
In der Absicht zu verführen

Ich glaubte nicht an
Wunder, diese un-
Glaublichen Enthüllungen
Über alles und nichts

Am Ende blieb dann ein Rest
Der Gedanke wie es
Wohl wäre nie aufzuhören

Und ich hörte das Wasser
In der Leitung, den Strom
Wie er seelenruhig
In der Steckdose siedete

Und es wollte nicht aufhören
Nie mehr aufhören

Bis ich mich endlich
Besann: das war also
Eine Eingebung
Eine Eingebung in Worten
Erzählung über den Rest, ohne
Den niemals je
Irgendetwas
Auch nur im Entferntesten
Eine Bedeutung haben würde

Das war nun wirklich stark:
Niemals je
Irgendetwas
Als ob Aussagen dieser Art
Auch nur im Entferntesten
Mit der Steckdose und der
Langen Leitung zu tun haben könnten

Ich besann mich
Und fühlte das Strömen
Der Worte auf einer Zunge
Die keine Zunge ist
Sondern
Lediglich ein Organ
Des Artikulierens in der Zone
Zwischen Anfang und Ende
Wo sich immer alles abspielt
Und meistens mit Rest mit

jesienny *

Mittwoch, Oktober 2nd, 2013

in neuem gewand streift der herbst
rehe von den bäumen
lautlos fallen sie
und jedes hört
auf einen namen
die gehwege sind schon voll von ihnen
am liebsten gehe ich auf den boulevards
unter meinen füßen
das rascheln von rehen

————————
* polnisch, deutsch herbstlich