Archive for August, 2013

ooh. Ooh.OOH. oder In der Leere des gesättigten Nichts

Samstag, August 31st, 2013

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Dein Leibturm wacht an mir.

Gegenwartsspule.

Ein Irdischseiendes Gedankenröllchen

entweicht der quälenden Zeit

tentakel amöbiger Fühlwesen.

Am obstleeren Strand

so himmelgelb

zittern die Muscheln

auf schwarzen Wellen.

Wir treten auf unseren Fühlern.

Nirgendwo steht geschrieben, das

… … ….. …… ……! .

Poesie, morgens

Samstag, August 24th, 2013

Ein Briefwechsel, weiblich

Freitag, August 23rd, 2013

Oder: wenn die Lust zur Last wird

28. Oktober

Liebe Frau  Kleist,

Ihre langjährige Erfahrung mit guter Prosa beeindruckt mich so sehr, dass ich nunmehr beschlossen habe, selbst etwas zu verfassen. Doch bin ich noch ungeübt und in den Kinderschuhen mit meinen Texten. Ich möchte eine Erzählung, vielleicht sogar etwas mehr aus diesen Fragmenten machen. Vielleicht wird es sogar ein Roman! Doch ich weiß nicht, ob ich alles richtig mache, da ich eine blutige Anfängerin bin. Für Tipps aus Ihrem Nähkästchen, wäre ich sehr dankbar,

herzlichst,

Ihre Marianne Kramer

***

29. Oktober (gibt es den eigentlich?)

Liebe Frau Kramer,

vielen Dank für Ihre netten Worte und Ermunterungen, die man auch nach Jahren schreibender Tätigkeit immer gut gebrauchen kann – denn das kreative Loch, in das man fällt, ist tief – eine Erfahrung, die immer wieder gemacht werden muss.

Was Ihre eigenen Schriften anbetrifft: Bewahren Sie sich so lang als möglich Ihre Unbefangenheit! Später erst werden Sie wissen, welch ein Geschenk diese war – wenn Sie, wie auch ich, überreflektierend vor Ihrem Bildschirm sitzen und nicht mehr einfach so anfangen können, wie es aus Ihrem Antrieb heraus eben einfach geschieht und geschehen muss. Es wird zu harter Arbeit, es wird zum Zwang, dem Ihr Körper, Ihr Geist sich widersetzt….

Doch heute denken Sie bitte nicht so weit. Schreiben Sie einfach weiter und werten Sie nicht – solange wie möglich. Sollte Sie jedoch das Bedürfnis nach einem Urteil zwicken, so bleiben Sie wachsam und rechnen Sie mit dem Schlimmsten: dem Verlust Ihrer schreibenden Jungfräulichkeit, die paradoxerweise die schönsten Früchte erwachsen lässt – sehen Sie, vielleicht hat das sogar etwas mit dem christlichen Glauben (dem ich nicht zwangsweise anhänge) zu tun.

Melden Sie sich also erst wieder, wenn ein ernsthaftes Schreibproblem Sie plagt und seien Sie sich sicher, dass Ihnen dann nur noch mit Spritzen und Verbänden zu helfen sein wird.

Herzlichst,

Frau Kleist

***

31. Oktober (Valentinstag?)

Liebe Frau Kleist,

danke für Ihre Antwort. Leider bin ich noch nicht so weit, dass ich alles verstehe, auch empfinde ich Schreiben nicht als Arbeit, sondern als Spaß, über den ich aber nur mit sehr vertrauten Menschen sprechen möchte. Ich weiß nicht, was beispielsweise mein professor denken würde, wenn ich, anstatt brav meine Seminare vorzubereiten, heimlich nachts mir selbst Geschichten erzähle, das als lustvoll empfinde und erst aufhören kann, wenn die Uhr bereits vier Uhr früh anzeigt. Dann plagt mich das schlechte Gewissen ob eines nicht genug vorbereiteten Referats und ich gehe müde zur Uni, halte es, und bekomme wieder nur eine drei, obwohl ich mindestens eine zwei hätte haben können. Wenn nur diese verdammte Schreiberei nicht schon zur Sucht geworden wäre, zum Kick, den ich brauche. ein objektives Urteil habe ich leider nicht. Aber da ich es nicht lassen kann, möchte ich doch gern irgendwann mal etwas damit anfangen – und dann muss ich natürlich sicher sein, dass es auch etwas taugt. Blamieren will ich mich nämlich nicht.

Also, Sie meinen ich soll einfach weiter machen, wenn ich Lust dazu habe? Ist das denn nicht nur Spielerei? Natürlich, andere gehen in die Kneipe und betrinken sich, jeder muss ja irgendein Laster haben. Aber manchmal schäme ich mich fast für diese Lust am Schreiben! Kommt Ihnen das bekannt vor?

Alles Liebe,

M. Kramer

(Anm.: Die Rechtschreibung und Grammatik des Originals wurde aus urheberrechtlichen Gründen beibehalten)

“Entschuldigung, sind in meinem Essen auch Gluonen drin?”

Dienstag, August 20th, 2013

Ein Märchen in hellblau

In langer langer Zeit lebte da mal ein Rprinz, der wollte unbedingt wissen, was in seinem Essen drin ist. Leider lebte er in der Zukunft und somit konnte ihm niemand aus der Gegenwart sagen, was er sich seinerzeit alles so in den Mund löffelte. Entschuldigung, entfuhr es ihm da, kurz nachdem er runtergekaut hatte – wie sieht es mit den Elementarteilchen in dieser Mahlzeit aus? Ich habe das dunkle Gefühl, dass da auch Gluonen drin sind. Der Hellblaue war so recht von potenzieller Eleganz. Die rosa Tante, frisch vom Frizör kommend, stocherte in dem was übrig blieb, schickte eine Probe davon ins Max- Planck-Institut, wovon sie bis übermorgen nicht zurück gekehrt ist. Alles ist falsch: Die Wahl der Zeitscheibe, die Darstellung des Gluons beim Farbaustausch, das Gefühl der Verhaftung in ewiger Wechselwirkung. Das Standard-Modell kennt acht Gluonen. Rosa Tante fürchtete, ein Kind zu bekommen, nahm den Koffer in die Hand und ging zum Frauenarzt. Es herrscht ein ewiges Kommen und Gehen – nur die menschliche Hybris liegt als stärkste Kraft wie ein Klebstoff über Allem. Und da manches hier viele von uns persönlich betrifft, muss ich leider Schluss machen. Vielleicht waren in meinem Essen auch Gluonen drin. Ich frage irgendwann nochmal nach.

vorort

Sonntag, August 18th, 2013

auf den straßenbahn
schienen zieht ein zeisig
seine kreise
haltestellen kennt er auf bäumen

wundersam die sitten
und gebräuche
in alternden großstädten
gehen greise auf den gleisen
sitzen die jungen in der tram
und zünden sich ein handy an

individualisierter : massenbetrieb

Freitag, August 9th, 2013

alle drei stunden : ein neu geborenes
alle drei minuten : jähes schreien
alle drei tage : eine andere bettenbelegung

und jederzeit : verklärte blicke
sachtes schlurfen der frisch entbundenen
beim ersten gang über den gang

verhaltenes flüstern kräftiger männer
alle drei sekunden : huscht eine schwester
in rosa vorbei : majästetisch wehen die offenen

kittel der ärztinnen : sie schreiten gemessen
durch die automatisch geöffnete tür
morgens um vier buckelt die putzfrau

mit ihrem mob durch die flure : unbeeindruckt
vom gellenden schrei nebenan : schon ist es
vorbei : schon sind drei tage vorüber

die drei sekunden : nicht gezählt
in drei minuten rollt die nächste erschöpft
auf dem bett in den raum : du kannst gehen

viel spaß : alles gute

flüchten und bleiben

Donnerstag, August 8th, 2013

eintauchen in brombeerewigkeit

in der mittagshitze vergessen
wie der duft der büsche und
das blühende gras
sich schwankend zur
leere des blauhimmels
gesellen

taumelnd die gedanken
wie ziellose schmetterlinge ziehen
lassen über sandig heißem sommergrund
der gleiche wie vor jahrtausenden
als dieser moment zum ersten mal
verging und die baumkronen hitzig
schwankten im dunst namenloser
sekunden

später erschien pan im schattigen
gefieder der pflanzen oder war es
der nachbar mit der sense
wusste er nichts anzufangen
der mäher schwieg jedoch
die mittagshitze währte
jahrmillionen schon

immer glauben wir
das festhalten zu müssen
weil nichts bliebe

(milliarden kopien des lebens
die niemand je liest
während das leben
verstreicht)

das vergeht
kommt aber
immer wieder

wir allein
sind flüchtig