Archive for Juli, 2012

lauthals über kopf

Dienstag, Juli 31st, 2012

frei –

das wort hat eine wurzel

- prai – indogermanisch -

die lauthals über kopf

nie zu vergessen sei :

schützen und schonen

gern haben

lieben

sildenafilsurrogat

Dienstag, Juli 31st, 2012

(samtene sinndeutung)

silbenaffine schlagwortschlaffen
sabbern süchtig schlorrigen schriftschlunz
auf schimmernde scheiben.
tastaturdiarrhö? computercholera?
schreibschubladehemmungserlösung?

seltene subsensation: schreibschlamm
als sildenafilsurrogat.

wunschbrille

Montag, Juli 30th, 2012

durch meine stadt laufe ich mit einer spezialbrille rum, auf jedem glas steht ein wort: stirb — idiot. ein herrliches gefühl, so durch die massen zu laufen.

Montag, Juli 30th, 2012

wo ist frau kleist, diese kleine selbst an sich…

BEITRAG WURDE VON DER REDAKTION GELÖSCHT: BITTE UNTERLASSEN SIE PERSÖNLICHKEITSVERLETZENDE BEITRÄGE ÜBER REAL LEBENDE PERSONEN.

Liebesbesuch

Montag, Juli 30th, 2012

Die Liebe lehnt an einem Baum

Die Liebe ist ein Baum

Unversehens glänzt die Schuppe

dieses gewöhnlichen Wunderbaumes

an mich heran,

bar jeder Gegenwart

Transformierte Stimmen,

in den Strom der Sprache gewoben,

streichen, kriechen, schmeicheln

sich in meine Ohren

Offen alle Poren,

die Ein- und Ausgänge wie

Blüten im Gebirge

Du erreichst mich,

hier an den Baumstamm gelehnt,

unter jeder Zahl

bis in die nicht beweisbare Unendlichkeit

Komm mich doch einmal besuchen!

Verwirrte Venus oder Himmels-Wissenschaft als Selbstversuch

Freitag, Juli 27th, 2012

Erwache in Morgenstarre, feuchter Musenkuss, wo auf meinem schweren Schlafleib, wo? Erweckt und auf eine ziemlich kreisrunde Umlaufbahn geschossen (wer wagt es, an meiner Bahn herumzubiegen?).

Neigungswinkel gering, Exzentrik gering (was heißt das?). Oberfläche flach, dunkel (maximal 5000 Lux), rotglühend, heiß. Leichte Brise, keine Jahreszeiten. Terrestrisch, Kruste vorhanden. Vulkane mit Windfahnen. Crèmefarbene Wolkenschicht über Atmosphäre. Gasozean.

Erde, hallo Erde, bitte kommen…!

Befund: Auf einmal bin ich retrograd, andersherum. So reist die Sonne an meinem Himmel von West nach Ost statt von Ost nach West; außerdem bin ich nun trabantenlos. Fahler, kraterüberzogener Mond, bin ich Dich los! (Sagt man so etwas zu einem so treuen, langjährigen Begleiter?) (Die Wahrheit ist, unsere Liaison war Schicksal, weiter nichts, wir konnten nichts für uns und unsere ewige Umkreisung). (Aber was, Muse, ist Schicksal? Und was ist schon ewig? Ist die Zeit nicht relativ?)(Ist die Ewigkeit endlich oder endlos? Gibt es die Unendlichkeit? Ist sie denkbar, vorstellbar oder berechenbar?) (Was, Muse, ist wahr von alledem?)

Sage mir, Erde, Muse meiner Nacht und meines Morgens: Sprich an meinem Himmel mit Kohlendioxid-Atmosphäre, Vulkanwindschwefelsäurewolkendecke und Superrotation, erzeugt mittels Energie durch Sonnenstrahlenabsorption in meiner Wolkenoberschicht – sechzig Mal schneller dreht sie sich um mich, als ich mich um mich selbst drehen kann! Ich bin, terrestrische Musenschwester mit Weltozeanadern, der Sonne näher – bin also heliozentrischer als Du. Du aber drehst Dich schneller um Dich selbst. 117 Erdtage sind ein Venustag, höre ich es, Muse, flüstern im All. Doch sind wir nicht alle egozentrisch? Und was macht das schon aus?

Heiß bin ich, Schwester, vierhundert Grade heißer als Du. Von meiner ziemlich hermetischen Schwefelwolkendecke werden die meisten Sonnenstrahlen zurückgeworfen; strahlend hell leuchte ich an Deinem Morgen- und Abendhimmel. Deine Seeleute, Hirten und Königinnen nennen mich Aphrodite; die Göttin der Liebe soll ich sein. Oder Lucifer, gefallener Engel. Besser fallen als auf Deinen Scheiterhaufen brennen, denke ich, mit Grausen auf die Geschichte Deiner von Machthunger und Selbstherrlichkeit geprägten Lebewesen schielend.

Mein Wander-Rhythmus, meine Regel, unser Akt, steht als Zeichen in den Himmel geschrieben: Alle acht Jahre entsteht ein Pentagramm durch meine „untere Konjunktion“ genannte Stellung genau zwischen Dir, Erde, und unserer großen und allergrößten Schwester, Zentralfeuer Sonne. Befinden sich unsere Bahnen, und die meine ist gegen die Deine geneigt, einmal auf gleicher Ebene, ein Knotenpunkt auf der Ekliptik, kommt es zum Durchgang, auch Transit oder Passage genannt. Dies geschieht im Wechsel genau alle acht und dann ungefähr alle hundert Jahre. Dein Volk kann mich dann sechs Stunden lang als schwarzen Punkt, als Zentralfeuer-Pupille, durch das glühende Sonnenauge wandern sehen. Und wenn sich keine Wolken zwischen Dich und mich schieben, dann können Deine Astronomen aus den Zeichnungen den Abstand zwischen Dir und der Sonne errechnen, Astronomische Einheit genannt, kurz AE. Und wenn wir zwei, Schwester Erde und ich, Venus, uns alle paar hundert Jahre einmal näher kommen, sind wir nur noch 0,26413854 AE voneinander entfernt. Komm mir bitte nicht noch näher!

Flüstere mir, Muse, Erinnerung! Da kommen sie, schwankende Gestalten, hell und dunkel, meine Erinnerungen. Schleichen heran, kriechen aus meinen Canyons und entsteigen meinen Lavagräben.

Die jüngsten von ihnen wissen zu berichten, dass Du mir einen Orbiter gesandt hast, eine Art gynäkologisches Instrument mit Eintauchsonde. Bakteriengroße Partikel hat er meiner Atmosphäre entnommen (das war eine Zwangsuntersuchung; ich wurde nicht gefragt). Anwesende und abwesende Gase habe die Sonde gemessen, und so kam es zu der Vermutung: Möglicherweise gibt es LEBEN auf  der Venus! Sage mir, Muse: Was meint Ihr? Was ist das Leben für ein Leben?

Erzähl mir, Muse, erklär mir Erde! Sprich von der Poesie, der Magie, der Philosophie, den Naturwissenschaften. Von Weisheit und Wahrheit. Wer hat Vorrang, wer hat Recht, sagst Du? Zähle Deine Schwestern, Muse, und fange von vorne an. Spinne ein Garn mit den Nonen und wickle die Deinen darin ein wie in einen Cocon: Hirten, Seeleute und Königinnen. Mich aber lasse infrarot und schwefelsauer auf meiner kreisrunden Bahn und störe gefälligst meine Kreise nicht! Vor allem die Gynäkologen lass bei Dir Zuhause, astronomisch weit von mir entfernt.

Sie haben mein Geschlecht bestimmt, „weiblich“ sagen sie, ohne Chromosomen-Befund, und meinen Körper haben sie in Landschaften eingeteilt und diese benannt. Aphrodite hat die Form eines Skorpions und schlingt sich um etwa ein Drittel meines Hüftumfangs (der dem Deinen gleicht). Auf Ishtar stehen hohe Berge, männlich, aufrecht und faltig wie Deine höchsten Berge. Meine Vulkane sehen aus wie weibliche Brüste. Sie heißen pancakedome oder ticks, also Zecken. Wie feige! Sagt’s doch gleich: Sie sehen aus wie tits. In meinen Tiefen gibt es mosaikförmige Würfelländer, die Tesserae heißen. Eine Besonderheit wie die Kronen, Coronae, die durch einige der 963 ziemlich gleichmäßig über meinen Leib verteilten Einschlaglöcher entstanden.

Einer dieser Einschläge hat mir offensichtlich ein ganz schönes Trauma verpasst. Manche Deiner Venus-Psychologen behaupten, seitdem sei ich retrograd, drehe mich also andersherum, wie sonst unter den Planeten nur noch Uranus und der Zwerg Pluto, der sich ja nicht einmal mehr Planet nennen darf. (Ist er nun exkommuniziert oder staatenlos?)

Aber ehrlich gesagt, was macht es schon aus, ob die Sonne von Ost nach West oder andersherum reist?

Weitere posttraumatische Symptome könnten der GNW, der geringe Neigungswinkel zur Erde sein, der für das Fehlen von Jahreszeiten verantwortlich ist, oder, oder… die hermetische Wolkendecke, mit der ich mich abschotte gegen den Einfall von Sonne und Licht – das aber ist verständlich und auch nicht bedenklich: Es wäre ja sonst noch viel heißer auf mir als es schon ist. Ich bin eben etwas nah an der Sonne gebaut.

Oder aber mein Druck von 92 bar. Wenn Du mich streicheln willst, oder wenn einer Deiner Orbiter oder Wissenschaftler, Astronauten, Seeleute, Hirten oder Königinnen mich berühren will, dann ist es, als wären sie über neunhundert Meter unter dem Meeresspiegel. Da stimmt doch was nicht mit mir! Ich leide eindeutig unter einer Dauerdepression.

Und dann ist da die Sache mit Merkur. Die Venus-Psychologen nennen es posttraumatisches Retrogradationssymptom, ich nenne es terrestrische Gerüchteküche. Merkur, so heißt es, sei einmal ein Teil von mir gewesen, wie der Mond ein Teil der Erde gewesen sein soll. Durch Einschlag sei er abgesplittert und in meiner Umlaufbahn als Trabant gelandet. Soweit ist es ja auch die Geschichte von Erde und Mond. Durch einen weiteren, besonders gewalttätigen Einschlag sei Merkur dann aber aus meiner Bahn geflogen, oder, das ist die andere Theorie, habe sich möglicherweise wieder mit mir vereinigt. Könnte also Erde und Mond auch noch bevorstehen. Die Spuren der Vereinigung, falls es so war, sind durch Lavaströme verwischt. Geht auch niemanden etwas an, sage ich. Schließlich will ich als Liebesgöttin auch meine Geheimnisse haben.

Lass uns also feststellen, Muse Erde: Du kannst mich nicht betreten, ich bin Dir zu heiß. Du kannst mich nicht aushalten, ich habe einen zu hohen Druck. Du magst mich nicht riechen, kriegst keine Luft, das Kohlendioxid erstickt Dich, und Schwefelsäureregen ist nichts für Deine empfindliche Haut. Du kannst mich nicht einmal sehen, mein dunkles, schönes Infrarot. Warum willst Du mich kartografieren und vermessen? Wozu erforschen?

Höre, Muse Erde: Nimm Deine Orbiter, Wissenschaftler, Seeleute, Hirten und Königinnen und verschwinde! Schicke sie alle auf eine Odyssee und lasse sie in Ziegen, Schweine und Schafe verwandeln. Diesmal aber richtig! Lass die Sirenen singen und nicht versagen; schicke einen intelligenteren Zyklopen! Lass das Pack dieses Mal nicht entkommen!

Sage Ihnen, Muse, ich bin nicht codierbar, ungefragt vermessbar und benennbar. Meine Geheimnisse heißen nicht Freya, Lucifer oder Aphrodite. Ich trage auch keinen Handspiegel.

Und ansonsten Muse, macht, was Ihr wollt! Verbrennt Euch auf Scheiterhaufen, schändet Euren Planeten und besingt ferne Körper im All. Fahrt zur See, durchquert Wüsten und den Himmel und klettert über all Eure Berge! Ich aber bin gerne allein auf meiner Bahn, infrarot, trabantenlos und retrograd. Ich bitte Dich, Muse, geht!

 

Wieder Erwachen. Zahlen mit vielen Stellen nach dem Komma auf meine Stirn gefroren.

Kalt ist es hier, grell, und die Sonne geht schon wieder irgendwie anders auf. Fortgeschrittene Fremdheit, eine Heimsuchung, ein Befall. Mein Morgenleib von Monadenschwärmen überzogen, Schweißelixier. Tröpfchen. Tröpfchen. Tröpfchen. In seltsamen Bahnen kreisen meine Gedanken. Unberechenbar. Substanziell, essentiell, mit wachsender Exzentrität. Wesentlich, belanglos und fern. Näher als alles.

Sage mir, Venus…

Mösengezwitsxcher.

Mittwoch, Juli 25th, 2012

 

 

* Brauchen uns kaum noch aus den Gläsern zu schöpfn, dem auffellln, was uns ums Gewissen schleicht. Dieses leichte Zeitsein. Aus dem Gekränktsein schlüpfen. Auf die Insel des scheugeklappten Verrats. Es war Liebe. Unumstössliches dein Denken. Wie Einfühlen, aus Treiben aus Kopfen aus kaum dem Gedichtverlassen und damit der Welt dennoch Gehorchen aus Leiben wsie Schwitzen gefiederter Lüstling mein Umwuchern.

Einschreiben

Mittwoch, Juli 25th, 2012

…endlich halte ich es in meinen Händen: das güldene Buch der traumaverspielten Inskriptionen Nr.5. Wow! Danke, liebe Plapper-Klapper-Kritzel-Kratzel-Winde-Schling- und Kletter-Pflanzen, grimmsch’ bezopfte Turmbewohner-Innen -; halbstarke, vollwaise, plastischphantastische Mitwesen und -bewohner -Innen – virtueller Wiesen, Weiden und Welten. Muh!

strick stracks

Dienstag, Juli 24th, 2012

außer mist und essen und vögeln und farben, gings hier in diesen löchern und huckelpisten doch auch schon mal ums stricken. oder ist mir da eine masche entglitten ? jedenfalls liegt da wieder mal so ein edles garn herum, es schimmert und schimmert, so vor sich hin, man ist bereits bestrickt, doch nackt !! (applaus applaus vom grimmschen märchenhaus.) also konkret, ich sprech es aus : „in der zukunft ist es nicht schöner als zuhaus.“ wer strickt mir einen paletot daraus ?

Ein Blatt, dreilagig

Dienstag, Juli 24th, 2012

ein schwaches stück für den an konstipation leidenden dukaten-esel

Wenn Hirsch und Kuh sich trennen

und alle Leute rennen

dann schau auf dieses Käseblatt:

wer (diesen) Mist geschrieben (und eingestellt) hat.

setzen!

noch einen drauf im biologischen

Sonntag, Juli 22nd, 2012

(sonntag im park)

was ist hier los ? wo führt das hin ? niemand liebt sein fell mehr so, wie es gewachsen ist. wo ist der bisamratten ruh ? das dünne blond muss rosa strähnchen tragen. das warme erdenbraun, brünett genannt, wird kaltes schwarz. das sanfte grau wird aufgebrannt zu kringelwurz und haubenstiez. ich sehe enten, sehe elstern, die ammer und den wiedehopf.

Hinfort

Sonntag, Juli 22nd, 2012

Ich fühle mich frei. Ein bonbonfarbenes Licht kreuzt meinen Sehnerv. Darüber liegt Dunkel. Gisbert Dunkel. Er ist eine Erfindung, die aus strömendem Licht besteht. Es sengt sich heraus aus der Hirnspirale. Selbst Herr Morgenrock kann es nicht davor retten. Ich drücke seine Klingel. Er ist noch beim Frühstück, Käsebrötchen mit schwarzem Kaffee. Jetzt, da die Sonne warm scheint, der Zugang zum Balkon wieder Lust und nicht Frost. Schauer bereitet. In der Zukunft ist es nicht schöner als zu Haus. Ich kräusele hinein und happs, ist das Käsebrot hinfort.

Achilles Schildkrötenjäger in der Mannigfaltigkeit seiner Speere

Freitag, Juli 20th, 2012

i. mem. G. Del.

Das ist also das Leben: eine Halbkugel, die sich in der Zeit zu einem einzigen Punkt zusammenzieht. Eigentlich ist das nur das halbe Leben – die Existenz im eigenen Körper. Aber was außerhalb dessen ist, wird permanent eingemeindet. Mein Licht, deine Liebe. Unser Kosmos, o du wildes Dunkel.

Manchmal träume ich Tangenten. Kaum merklich ihre Berührungen in der Mechanik des ewigen Kreislaufs, nur am Scheitelpunkt wird der seltene Augenblick spürbar. Durch die Luft schwimmende Wesen streifen ihren Schuppenkörper ab auf der Höhe eines adäquat gedachten Gedankens. Das wäre also auch Leben: eine Halbkugel  mit Tangentialebene.

Das Laub wie meine conditio sine qua non.

Freitag, Juli 20th, 2012

* Das Laub errötete in deiner grausamen Zärtlichkeit. Darumherum frische Liebes(ge)schwüre. Wie vorher schon aus deinem Strandkorb. Aufeinander zu dein Vermeeren. Und an den Rändern deine fast vereiste Gleichgültigkeit (siehe auch Kap. 44). Ah, mit unseren Egalen kommen wir noch nicht zurecht. Halbes Abgestumpftsein von Geburt an als conditio sine qua non. Komm, fang mich an. Aufgekrampftes Element. Abendlaune dazu. Ohne dein Greifverlangen, weisst dus nicht, geht der Tag nie zu Ende. Aus dem Wasser verschwinden. Aber nicht in die Nacht. Morgens: da kam mir der Gedanke. Noch nie, dass ich verstehn werde. Wenn ich mich deoch früher, viel früher verführt hätte. Und mich nun erst schmecke, wie auf dich zugelebt. Dass du aus der Nachwelt kommst. Dein Geheimnis. So verloren und unversucht. So abgestreift und neu entdeckt. Aus diesem verlassenen Hinterhof. Begriffen hatt ich nie, dass du mich längst ausgemalt hast. Mit deinem langen Umwimpern. Lies mich auf. Aus. Löschen. Wie bedacht du ins Wasser gehst, fast meine Andacht.

en passant schlagen

Donnerstag, Juli 19th, 2012

Es ist an der Zeit, Fräulein Pikante Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Als junges Mädchen war sie charmant. Sie turnte mit den Jungen auf den hölzernen Gerüsten im Sandkasten, spielte als Libero Fußball, erkannte beim Schach die Züge, bei denen sie en passant schlagen konnte. Ja, sie war ein schlaues Mädchen. Ihr erster Freund: ein Draufgänger und Motorraddieb. Sie kurvte auf dem Sozius mit, bis der Tank leer war. Dann ließ der Freund das Motorrad im Graben liegen. Sie mußten 50 Kilometer zurück nach Hause laufen. Das fand sie dann doch blöd und sie streckte den Arm aus. Rasch wurde sie per Anhalter mitgenommen. Sie war ein scharfes Mädchen. Vor allem, wenn man sie im Gegenlicht sah. Der Freund konnte getrost weiterlaufen. Nach Hause würde er ohnehin nicht kommen, vor der Tür wartete die Polizei auf ihn. Das war das Ende. Für Fräulein Pikante: ein neuer Anfang. Der nächste Freund wurde der Vater ihrer Tochter. Er wußte davon nichts. Sie hatten sich platonisch im Schachclub kennengelernt und am frühen Abend ist etwas Tieferes daraus geworden. Als sich Fräulein Pikante an jenem denkwürdigen Tag im April die Gewißheit verschaffte, schwanger zu sein, trennte sie sich. Sie würde es schon allein schaffen. Allein gäbe es auch nur halb so viel Diskussionen, oder gar keine.

graustrich

Donnerstag, Juli 19th, 2012

es schifft vielmals ein, die temperaturen sind im vergleich zu denen der tropischen planeten niedrig. natürlich lebensfreundlich. vor hitze schnaufen ist zum fremden zustand geworden. dennoch gibt es orte, an denen die artenfielfalt mehr beiträge liefert. bunte schleifentapire, goldspitzbarden, rüsselmigranten – all das bekommen wir hier nicht zu sehen. gisbert dunkel: “leider fallen die lebensformen in dieser witterung eher klein und farbneutral aus. ein großteil macht nur monotone geräusche und verhält sich auch so. das bringt der graustrich mit sich.” der graustrich also. unter zeltplanen streichlen wir die ganzjährig befellten braunbandstrolche. sie fiepen leise und verlangen nach wasser. zum beißen haben sie schon lange keine lust mehr. keine bange, raus aus dem zelt mit ihnen und unter den freien himmel. da können sie sich gründlich abduschen.

recycling, retro und retour

Mittwoch, Juli 18th, 2012

jedenfalls irgendwas mit zurück. alle guten vorsätze taugen nichts. das vertikale streben. das wird nichts mehr. 10 tage abstinenz. ich sitze da wie ein paket. erinnerung mit schleifchen. was war da noch. ist das die nahende demenz. oder einfach nur die schlichte aufforderung, mir die schuhe zu binden. ach und ach. guten tach.

Zum Mund.

Sonntag, Juli 15th, 2012

    * Der freche Junge aus dem anderen Grün, der Spiegel, der sich so wölbt, schwarz bemalte Haut vom Süsschen, deren herausbrechende Tränen alles abwaschen, aus Wut zögern wir noch, uns in weisse Holzrahmen zu zwängen und vor lauter Selbstwelt aus den Weihwassern der frischen Inseln zu saufn, verschluckn wir uns an Gelächter übers Verzweifeln, wie vor der Zeit, als ich mich ohne deine Nacht durchschlagen musste, als du dein Herz noch nicht vor mir versteckt hast, mit all deinem zarten Fleisch, wie schöhn, wenn du nicht aufwachen willst, uh du bist mir längst auf den Atem geschlagen, schleifst mich ein und spuckst mich aus, ohne Hals, auch wenn du dich schämst vor dir selber: dem Güllegeruch neben deinen Zungen. Du wolltest gestern nach dem Schatten greifn. Nun leg ich mich in deine aufgeniederten Gründe. Mit meinem andern Grün. So wie morgen früh, wenn ich mich wieder in deinen Mund grabe.

Gesicht aus Dreck.

Sonntag, Juli 15th, 2012

* Dein 3-eck aus kaum zerbröckelndem Abgrund. Dein Vergraben. Dein Vergeben. Dein ständiges Vergeben. Aus lauter kleinen Lügen. Immer grösseren Gerüchen. Niemand sagt es dir. Jeder will sein junges Gesicht aus Dreck behalten. Begehrst du dein weisses Schweigen. Oder dein versteinertes Unterleiben. Kaum erlöst vom Überhaupt. Es fällt dir immer schwerer, dich in Zusammenhänge zu verstricken. Es quillt dich. Verstört dich. Deine Wege sind aus trockenem Regen. Abgemähte Septembersonne. Dann interessieren dich auch deine Finger nicht mehr, die du in andere Gesichter tauchen willst. Schreist in deine Starre. Kornbefreit. Aus dem Dreck hast du dich doch neu erfunden. Aus den zerplatzten Gesängen, die dich über die Lilienzweige hoben. Aufgeritzte Haut. Das Blut fliesst viel zu langsam. Früher schoss es aus dir heraus. Und hast es mit deinem Lachen wieder eingefangen. Verstör dich, meine Liebe, leise an mich heran. 

Verschreibungspflichtig: Jens Rosch

Freitag, Juli 13th, 2012

Warum diese Überschrift? Nun, vor Zeiten gab es mal die Überschrift “Theodor Holz”. Hier lag Kritik vor – Kritik an einem großen Kopf. Dies ist heute auch der Fall. Der Kopf des Herrn Rosch ist überaus pfiffig, und steht mit der Birne direkt vorm Bildschirm – äh, meine: vor der Kommentarfunktion. Sollte Herr Rosch wieder auf diesen ehrenwerten Seiten zu Besuch sein, so bitten wir ihn, die Kommentare zu seinem orphischen Gesange zu genehmigen, damit wir wieder Teil der kommentierenden Community sein dürfen.

In Verneigung und in Hoffnung auf Anhörung:

frau kleist, crysantheme – und rapunzel, die sich hoffentlich von dieser Einbeziehung nicht düpiert fühlt.

PS.: Ich habe mich an die Großschreibung gehalten. So sieht das Ganze noch mehr wie ein Rezept vom Arzt aus.

Abgesplittert.

Freitag, Juli 13th, 2012

In der Genüge aufgehoben, indem er nicht mehr dem Atem seiner Worte gehorchte. Aus seiner Schicksalshaft entlassen, verfuhr er mit sich nicht bröckelnd genug, nein, stiess er bloss immerzu auf sich selbst. Der Wald mochte ihn nicht. Zuletzt die abgesplitterte Ecke der Marmorplatte am Grab seiner Mutter. Gewissheit: wie ein Atmen im Zwischenlaub danach. Jedes Knistern ein neues Zweifeln. Seine Lust musste er selbst daraus erfinden. Aber in dem Wort, in dem Moment, in dem du es schreibst, geht, wenn es das Gewöhnliche übersteigt und dich berührt, eine ganz neue Kraft aus: Es überspringt dann eine Welt und du darfst nicht erwarten, dass es zu dir zurückkommt. 

Finsterbergen

Freitag, Juli 13th, 2012

Vielleicht hätte ich den Computerkurs damals nicht machen sollen. Vielleicht hätte ich es von Anfang an wie Norbert, der Nichtsnutz aus dem Nachbarhaus, halten sollen, der bis heute nicht einmal einen Anrufbeantworter in seinem Haus duldet. Der meint, dieses technische Zeugs mache uns lebensuntüchtig und wäre im Grunde überflüssig. Schon Lem hätte in den Siebzigern vorausgesehen wie uns Elektronikkonzerne gehirnmäßig weltweit abhängig machen würden. Aber wahre Größe hänge nicht von Elektronik ab, die Ägypter hätten ihre Pyramiden schließlich auch ohne Handy gebaut.
Irgendwie hat er wohl recht, aber seit es das Internet gibt, fühle ich mich auch in Finsterbergen mit der ganzen Welt verbunden, ohne dass ich mich einen Zentimeter bewegen muss. Das hat auch Vorteile. Norbert hat gut reden, er hat seit Jahren schon seine Hübsche und Arbeit als Fremdenführer im Schaubergwerk. Ich aber hänge rund um die Uhr am Netz, egal ob zuhause oder unterwegs. Bevor noch der Morgenkaffee in der Tasse dampft, bin ich schon zweimal bei den Pyramiden und einmal hinterm Mond gewesen und wieder zurück.

Duell

Donnerstag, Juli 12th, 2012

Es muss einfach schneller gehen/ höher/ töter/ röter/ wütericher, Duda!

Ein Gedicht/ ein elendes Lebensrettergedicht im Dschungel dieses lebensbeschwerlichen Tages zu schreiben – zu schreien – meinetwegen daherzustammeln – zu rotzen – zu wassern – zu klammern – und los!

Schieß doch, Duda! Schieß doch Dein Wortschwadron ab gegen mich! Kein einziges Gedichtes darin/ nichts Leichtes, nichts Lichtes!

Das kriegst Du zurück, Du Wichter, dumm und wumm/ Schneller, schneller muss das gehen/ hör mir zu! Endlich einmal rein in Dein Ohr/ mein Wurm, mein Wissen, meine Weisheit//

Dich und mich nehm’ ich mit/ in den Gedichteschießwald

Mittwoch im Café

Mittwoch, Juli 11th, 2012

durch wirres Gezweig ein Leben// unbedingt vermeiden: Worte mit zappelnden Fingern// will nicht sagen morsch/ bei dem Versuch, das Dickicht zu durchdringen/ zu ordnen/ hautgeschunden, ich/ weh, weh/ durchsichtig die Kuppelwunden// dort oben zeigte sich Licht über dem Dicht-Gezweig// Blitzkrieg/ ein Resonanzgewitter// Eulenaugen/ kuller, kuller/ warum das bollert durch diesen irren Raum// bei dem Gequatsche kann sich niemand konzentrieren/ beim besten Willen nicht/ es ist unmöglich// bleib, wo Du bist/ im Dick-Dickicht/ in der Mittwoche/ da //

Fräulein Pikante

Mittwoch, Juli 11th, 2012

Fräulein Pikante hatte einen ehrgeizigen Plan: Sie wollte mit Hilfe der “Neos Demokratos” die Macht erobern. Nicht die Macht im Lande, das kam vielleicht später. Erst einmal ging es um die Macht an der Schule, die Macht über das Kollegium und den Lehrplan. Wie passend, daß die Aufsichtsbehörde die Schule damit erschreckte, aus der Weltstadt Petit Paris, seit Jahrhunderten bekannt für seinen Handel und Trödel, aufs Land zu verschicken, in die Provinz, in ein entlegenes Kuhdorf. Der alte Directeur, der dem Weiß seiner Haare nach kurz vor der Pensionierung stand (der Eindruck täuschte, er hatte noch etliche Jahre bis dahin abzuleisten, der Dienst färbte ihm die Haare weiß) hatte die Kollegen treubrav von den Sandkastenspielen der Behörde unterrichtet und dabei nicht seine Ohnmacht der Obrigkeit gegenüber verschwiegen. Die Ehrlichkeit sollte ihm zum Verhängnis werden.

Fräulein Pikante gründete die Partei “Neos Demokratos”, die in Wirklichkeit keine Partei war, sondern ein loser Wählerverein für die kommende Schulwahl, auf der das Directeurspöstchen neu bestimmt wurde. „Neos Demokratos“ bediente sich der üblichen Mittel, die dazu dienen, die Mehrheit zu ergattern, und sich der rechtlichen Prüfung entziehen: Absprachen am Telefon, Gespräche in Cafés und vor allem üble Nachrede über nichtanwesende Kollegen in der Mensa. Das Ergebnis war eine veritable Spaltung des Kollegiums. Die neue “Hausmacht” reichte Fräulein Pikante, um die Wahl zu gewinnen – 6 zu 4, eine Stimme Mehrheit. Nach der Wahl begann die Qual, denn nun galt: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Kampfspruch der Haudegen, die von “Demokratie” schwätzen und “ich” meinen – natürlich im Namen aller.

Wer behauptet, er wolle niemanden ausschließen, hat mit Sicherheit die ersten Leichen im Keller gebunkert. So funktionierte es in der deutschen “demokratischen” Republik und in der “demokratischen” Republik Kongo: Beschwörung der „Demokratie“, um die Willkür zu bemänteln, „Demokratie“ als die Verschleierung der Tatsache, daß die Mehrheit von der Mitbestimmung ausgeschlossen wird, indem man ihr den Glauben schenkt, sie könne mitbestimmen. Der Diktatur der Rassen hatte die Demokratie als Steigbügelhalter gedient, die Diktatur der Klassen hielt sich für die Vollendung der Demokratie. Doch das war alles Geschichte. Hieß es nicht, wir hätten damals im 20. Jahrhundert zwei Diktaturen zu erleiden gehabt. Die Demokratie, die wir jetzt hatten, war eine Diktatur der Massen. Des Massengeschmacks. Es regierte der Durchschnitt, das Verkäufliche, Absetzbare. Fräulein Pikante versprach schon etwas Neues: Nach den Rassen, Klassen und Massen verkündete sie die Diktatur der Blassen. Mit Schönreden würde sie Wunder bewirken.

Auf dieser Klaviatur vermochte Fräulein Pikante vorzüglich zu spielen. Übrigens war sie kein Fräulein mehr, sie hatte bereits eine halbwüchsige Tochter, besaß dazu aber keinen Mann, was bei der Fräuleinhaftigkeit ihres Gebarens niemanden wunderte, aber niemanden abhielt, sie zur Provinzfürstin zu küren, die der Verlegung der Schule in die Provinz Einhalt gebieten sollte. Für diese Unternehmung spannte sie die gleichen “demokratischen” Kräfte ein wie einst für ihren (knappen) Wahlsieg. In der Mensa und im Café redete sie so übel sie konnte von der Ministerialdirigentin, die der Aufsichtsbehörde vorstand. Im Gespräch mit ihr aber verteilte sie Honig, benutzte alle psychologischen Tricks, zu täuschen und sich einzuschmeicheln, die ihr zu Gebote standen. Und tatsächlich fand sie rasch heraus, daß es gar keine ernstgemeinten Verlegungspläne gab, die die Schule aus Petit Paris in die Provinz befördern sollten. Es gab nur Überlegungen, Erwägungen und die allgemeinen Sparzwänge – das war aber noch lange kein Handlungsplan. Das Beste sei es, nichts zu tun, sagte Frl. Pikante im kleinen Kreis. Vor versammelter großer Runde blies sie lautstark ins Horn, man müsse sich wehren, protestieren und die eigenen Fähigkeiten preisen. Hochglanzprospekte wurden gedruckt, Verbündete in der Kommune rekrutiert, die Schüler wurden für eventuelle Demos in Stellung gebracht – die “Neos Demokratos” entfaltete Schlagkraft.

fragment eines gedichts für oderausflügler

Dienstag, Juli 10th, 2012

ruderboote massieren den fluß.

biber basteln assemblagen aus sperrholz.

angler üben das lippenpiercing für fische:

sie stehen da und warten auf

die letzte ziehung

doch zur zeit sieht man nur die

schnippischen ärsche der bärsche,

die hier & da mit kleinen lobs

das wasser verwirbeln.

[...]

?

Dienstag, Juli 10th, 2012

wie hat eisenhans es geschafft, einen kommentar zu schreiben? hat Er eine sondergenehmigung vom admin.?

geben ( zu-, an-, ab-, auf-, er-, be-, ver-, bei-, mit-, durch-, )

Montag, Juli 9th, 2012

es ist ein wenig ermüdend, dieses cowboyhafte stöckelnde orpheische denken mit pfiffigen einschlägen und schamlosen ausfellen. liebe dünnhäuter und liebe dickbrettbohrer, eine kleine sommerpause, gut genutzt, ist eine geschenk. ja eine gabe.

dem auffellln.

Sonntag, Juli 8th, 2012

 

 

* Brauchen uns kaum noch aus den Gläsern zu schöpfn, dem auffellln, was uns ums Gewissen schleicht. Dieses leichte Zeitsein. Aus dem Gekränktsein schlüpfen. Auf die Insel des scheugeklappten Verrats. Es war Liebe. Unumstössliches dein Denken. Wie Einfühlen, aus Treiben aus Kopfen aus kaum dem Gedichtverlassen und damit der Welt dennoch Gehorchen aus Leiben wsie Schwitzen gefiederter Lüstling mein Umwuchern.

schamlos

Sonntag, Juli 8th, 2012

das klappt nicht immer so – mit dumm und länger leben. dumm – ist einfach ein gegebner baustein im system. ganz ohne schuld. nur die mit dem groben raster, die mit dem großmaschigen sieb, die mit der schwarte, die dicht behaarten mit dem undurchdringlichen vlies, die leben länger. egal wie hell die birne leuchtet oder nicht.
die pfiffigen versuchen es mit brennessel. oder mit birke. das stärkt den haarwuchs. und linde beruhigt. lass uns linden plündern. das tut gut. manche riechen wie honig, satt und reif. andere wie blumen, mehr so jung und grün. jedenfalls liegt da viel trost in der luft. man muss nur schamlos die nase benutzen.