Archive for April, 2012

panik

Montag, April 30th, 2012

frisch
eingesonnte
grüne schmerzen
in eine männerhand
versprochen
savin all my love for you
geringelte donnerschläge
aus dem off gekrochen
böse zungen mit augen
wie zornesgefolge
liebe ist eine
un
heim
lich
k
e
i
t

Hut vorm Gesicht

Freitag, April 27th, 2012

Specktinte auf Karton. Der Hut vorm Gesicht. War mal ein Apfel. Blau-Brokat von C&A weht durch die Turnhalle. Lauwarme Herva rinnt die Speiseröhre hinab. Weich drücken sie sich auf die pinken Spitzenschuhe, die Gummisohlen von dreiundachtzig. Wie ein Schwamm. Wie ein dicklicher, hellgelber Schwamm. Vollgesogen mit Badewasser auf dem seit Wochen filmtrüben Wannenrand. Sie lutscht Vivil ohne Zucker. Ihre Haare hat sie puppenhaft wuschelig auftoupiert. Seine Finger quetschen die Pastille aus dem Staniolpapier in ihre Handfläche. Dazu kleine Flasche Herva aus der Brutbatterie. Ihre Haut ist wie Radiergummi. Schokolade möchte ich essen, Schokolade. In der Stadt gehen sie jetzt zu ihrem Abendtreff. Die Hosenbeine flattern. Kalorienreduziert.

Wojtek.

Donnerstag, April 26th, 2012

Geht’s dir auch so, dass du ein Gemütsbedürfnis bist. Das dir immer wieder zu Kopfe steigt. Ach, wie aus Winterkleidern steigen. In letzter Zeit tret ich meine Hose mit den Füssen ab und lass sie auf dem Boden liegen. Die Füsse gehn dann weiter. Weiss auch nicht, wohin. 

Zweiteilung des Gesichts.

Donnerstag, April 26th, 2012

Mit dem Abwenden der Leute beschwingt sich meine Pulsader. – Du sagst, dass man davon mehrere habe. – Okay, dann ists ein kollektives Beschwingen. Du glaubst gar nicht, wie schön ich geworden, wenn mir meine Geburt nicht dazwischen gekommen wäre, hast du noch nicht davon gehört oder glaubst du immer noch an die Zweiteilung deines Gesichts. 

Die Frankheimer Spezielle. Eine Groteske

Mittwoch, April 25th, 2012

Einst erfreute sich die Frankheimer Spezielle Zeitung (FSZ) einer verstohlenen Beliebtheit unter den Kulturherren des Landes: Man empfand einen gewissen Stolz, in ihr erwähnt zu werden, „besprochen“. Die Kritik adelte den Künstler. Professoren gaben Eitelkeiten zum Besten. Zyniker fielen über Novizen her und schlachteten sie genüßlich. Patricia von Todtental hatte lange Jahre des Volontariats hinter sich gebracht, um in diese Kreise aufgenommen zu werden. Wieviel Schlappen hatte sie einstecken müssen, wie wenig hatte ihr der Adelstitel genutzt. Endlich hatte sie es geschafft, sie wurde Redakteurin.

Warum blieb die Freude an dieser Zeitung verstohlen? Jeder vernünftige Leser bekam das unheimliche Gefühl nicht los, explosiven Stoff morgens aus dem Briefkasten zu ziehen. Oder wollte er sich von niemandem in seiner heimlichen Liebe zum Konservativen erkennen lassen, wenn er das dünne Papier mit der markigen Frakturschrift neben dem hartgekochten Frühstücksei ausbreitete, um sich auf die Bosheiten des Tages einzustimmen?

Doch dann kam das Internet. Schon bei seinem ersten Erscheinen war zu ahnen, daß es einem Meer glich, abgrundtief, dunkel, salzig. Und daß Papier in ihm rasch aufweichen, in Einzelteile zerfetzen würde, um in den runden Mäulern der Fische zu verschwinden. Die FSZ warf ihr Blatt Tag für Tag hinein und hoffte, es würde standhalten. Perlenfischer – ein hierzulande längst ausgestorbener Beruf – erlebten eine unerwartete Nachfrage. Sie warfen ihre Netze aus und zogen kleine Schätze aus der Tiefe ans Licht, quirlten sie ordentlich durch zu einem verdaulichen Brei, den sie vorbeischlendernden Touristen feilboten. Ab und zu war eine schillernde Gemeinheit aus der Feder eines FSZ-Kritikers darunter, die sonst längst untergegangen und vergessen worden wäre.

Die Redakteure schäumten, ihr Boss explodierte fast: Wie kann das sein? Wer angelt hier nach unseren Artikeln? Wo bleibt die Polizei? Die ließ sich nicht blicken. Sie mied das Meer und die Netze. Zumindest in der Anfangszeit. Eine Zeit des Wilden Westens. Virtuelle Schießereien aus verbalen Kanonen. Die Frankheimer Spezielle besann sich auf ihre besten Freunde. Professoren rieten ihr – und ließen sich den guten Rat auskömmlich vergolden – eine Abteilung für Haarspalterei an Bord zu holen, die werde es schon richten. Sie könne die Perlenfischer jagen wie Piraten vor der somalischen Küste.

Gesagt, getan. Doch die Perlenfischer retteten sich an die nächstgelegene Küste und verschanzten sich hinter eigengeschöpften Sätzen, sie waren von den Haarspaltern nicht angreifbar. Dafür gingen die Haarspalter nun selbst auf Fang hinaus auf hohe See. Ihren sorgfältig programmierten virtuellen Treibnetzen und Hecktrawlern sollte niemand entgehen. Und sie wurden fündig: in den tieferen Schichten des Meeres, hinter Klippen und Riffen hockten die Künstler und Dichter, die Musiker und Maler, die sich noch immer darüber amüsierten, in der FSZ „besprochen“ zu werden. Sie hockten da, aus der Ferne kaum zu erkennen, aus der Nähe betrachtet ein Haufen bunter Parasiten. Sogar Händler und Zwischenhändler hatten sich unmerklich untergemischt. Keiner ahnte, daß ihre Freude an einer Erwähnung in der FSZ nunmehr zum Delikt erklärt worden war. Sie alle hatten sich Perlen aus der FSZ zwischen die Zähne geklemmt, um den Hals gelegt oder an die Ohrläppchen gehangen und sie brüsteten sich öffentlich damit.

Diesen Schmuck wollte die FSZ den Möchtegern-Helden gern wieder entreißen. Gebt sie her, das sind unsere Perlen, riefen die Redakteure empört. Stellt euch der Perlenpolizei, ihr bösartigen Geistesdiebe. Könnt ihr euch nicht selbst bejubeln, wozu braucht ihr unsere Kritiken? Patricia bewies ihr Talent zur besonders eifrigen Perlenpolizistin. Äußerlich erinnerte sie eher an eine Hofdame, nun wurde sie in den Stürmen des neuen Zeitalters mit einer Station auf den weltweiten Meeresboden herabgesenkt, um dort das Übel an der Wurzel zu packen: Keine Toleranz für Parasiten! Dem Geistesdieb auf Land und Meer gebet keine Perle mehr!, skandierte sie kämpferisch in unterseeische Schalltrichter.

Die Gerichte erteilten der FSZ Absolution, erkannten ihre Wahrheit in Leninscher Manier als die einzige Wahrheit an und die fällige Säuberungsaktion konnte beginnen. Was dann geschah? Nichts. Es kehrte Stille ein, im Meer und auf dem Land. Künstler, Dichter, Sänger, Maler – all diese Perlenparasiten wurden verfolgt und sie igelten sich ein, bezahlten brav ihre Bußgelder und hielten den Mund. Die vermeintlichen Perlen, die sie so lange festgekrallt hielten, spuckten sie aus, rissen sich die Ketten vom Hals und die Klunker von den Ohrläppchen. Sie wollten von all dem nichts mehr wissen, warfen es beiseite wie Spielzeug, mit dem sie lange genug ihre Lebenszeit verschwendet hatten. „Verwunderung“ löste diese Mißachtung aus – immerhin gab es ja, behauptete die FSZ, außer ihr keine andere überregionale Zeitung mehr, die sich derart detailversessen, hartnäckig und verbissen der Parasitenbekämpfung auf künstlerischem, literarischem und musikalischem Gebiet verschrieben hatte.

Nun endlich hatte die FSZ die ersehnte Alleinherrschaft, das Monopol, erreicht. Sie war am Ziel ihrer Träume angekommen, sogar der Brandung des weltweiten Meeres hatte sie mit ihrem Papier getrotzt. Von wegen aufgeweicht und zerfetzt! Das einzige Problem war, daß sich keiner mehr für sie interessierte. Statt sich im Ruhm einer Erwähnung in der FSZ zu sonnen, wandten sich die Dichter, Musiker und Maler – aus Sicht der FSZ rückständig wie im Mittelalter – der Dichtung, der Musik und Kunst zu. Sie hörten auf, sich auf Erwähnungen in der Zeitung etwas einzubilden. Wo immer sie wohnten, in Sekundenschnelle hatten sie miteinander Kontakt. Das Netz, jaja, das Netz erlaubte ihnen den Austausch. Nur Patricia auf dem Meeresgrund rief warnend in die Trichter, nun sei das Ende nah.

Lachsfarbene Pissnelke.

Mittwoch, April 25th, 2012

Schrie ich oder hörte sich das alles nach einem falschen Inneren an. Meine Sorge gehört seit Tagen der lachsfarbenen Pissnelke, von der ich dir schon mal erzählt habe. Sasst du da nicht sogar im Streifenanzug wie ein Streifenanzug vor mir und wolltest mir so was wie gute Laune verkaufen und in der beiläufigen Erwähnung deiner Freundin und ihres Namens so was wie ewige Liebe einhauchen – und wenns nicht bei ewiger Liebe bleiben sollte, so doch unendliche Nähe. Jetzt erst begreif ich, dass sich unsere Blicke so heftig aneinandergeheftet hatten, weil sie unterm Blatt das Geheimnis eines Stalkers verrieten. Auch wir werden uns lebenslang verfolgen und uns dann wie zufällig in der Nähe des lachsfarbenen Todes … wiedersehn.

besuch bei david

Mittwoch, April 25th, 2012

man öffnete uns die stillen paläste
die alten brücken mieden wir
unter denen der arno so dunkel
dahinfloss & darüber die menschen

die restauration des frühlings
wie der venus waren gelungen
nur die frauen waren männer mit
angeklebten brüsten aus marmor

in der kathedrale gab es nichts
zu bestaunen außer uns selbst
es dauerte eine weile bis wir das
begriffen im gigantischen licht

dann das nächste festmahl und die obligate
reverenz an die schönheit des steins
eine gute gelegenheit
für selbstmörder sagte sie lächelnd

blickte hinab in den lichthof der
galleria dell‘accademia

Frühling, nachts

Montag, April 23rd, 2012

Mitten in der Nacht erwachte ich und hatte das deutliche Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war. Vielleicht war es die Stille. Kein Auto war zu hören, kein Krakeelen von späten Passanten, selbst das Licht der Straßenlampen drang spärlicher als sonst durch die Vorhänge. Ich starrte eine Weile ins Dunkel des Zimmers und versuchte zu verstehen, was mich geweckt haben könnte. Dann sah ich die Umrisse des Kissenbergs neben mir. Kein Atemgeräusch. Asja war nicht im Zimmer. In der Wohnung herrschte vollkommene Stille.
Ich stand auf und ging in die Küche. Alles war dunkel, nur der Kühlschrank summte plötzlich. Auch im Badezimmer war niemand. Ich trank kühles Wasser aus dem Wasserhahn. Ich schaltete das Licht erst in der Küche und dann im Wohnzimmer an und wieder aus. Ich lauschte angestrengt in die schweigende Nacht. Nichts. Keine Asja, keine Nachricht.
Als ich die Balkontür zum Markplatz hin öffnete, begriff ich, was anders war. Draußen herrschte dichter Nebel. Ich sah weiße Schwaden aus meinem Mund aufsteigen und sich mit dem Nebel verbinden. Kaum konnte ich die Straßenlaterne erkennen, die unweit der Balkonbrüstung eine orangegelbe Lichtwolke ins wallende Nichts sickern ließ. In der Ferne heulte eine Sirene auf und verschwand wieder. Mich fröstelte, ich schloss die Balkontür.
Auf dem Weg ins Schlafzimmer fiel mir auf, dass Asjas Jacke nicht am Haken hing. Im ersten Moment wollte ich sofort draußen nach ihr suchen. Vielleicht wollte sie sich die Beine vertreten, war vom Nebel überrascht worden und hatte sich verlaufen. Aber ich konnte schlecht durch die Straßen des schlafenden Städtchens laufen und fortwährend ihren Namen rufen. Also legte ich mich wieder ins Bett und starrte auf das dämmrige Licht hinter dem Vorhang.
Das nächste Mal wurde ich wach, als sich neben mir etwas regte. Draußen war es noch dunkel. Zwischen den Kissen hörte ich Asja seufzen. „Asja?“ flüsterte ich. „Wo bist du gewesen?“
Asja richtete sich auf. „Was meinst du?“ fragte sie schlaftrunken. „Ich habe geschlafen wie ein Haufen Steine.“ Ich wusste nicht, was ich denken sollte. Asja murmelte etwas Unverständliches und vergrub sich wieder in ihre Kissen.
Ich tastete nach ihrer Hand. Sie war eiskalt.

Tod.

Samstag, April 21st, 2012

   Diese Formen, die mich mittlerweile begreifen, sagte Marizz damals, als Achim, ihr Friseur, sie besuchte, um ihr die Haare zu schneiden, und ich stand daneben und sah ihren Hals und spürte, dass sie gehen wollte. Da war keine Lust mehr, zurückzublicken. Da war nur noch diese verfeinerte Todesform. Dafür es zu lieben lohnt. Der Tod macht dir ein Gespür dafür. Er spricht mit dir auf eine andere Art. In einer anderen Sprache. Ich glaub, ich hab die ersten Buchstaben gelernt. 

Immer noch …

Donnerstag, April 19th, 2012

 

Immer noch …

dein hinterhältiges weitförmiges Fleisch im Nebensatz, fast angehängt ans gliedgeformtes Schwolldenken … nur reden, um etwas zu verbergen … die Hamletmaschine in Oberbruch auf dem Sportplatz: wenn Menschen ihren Sarg also vor sich hertragen … Heiner, erklär mir Verlogenheit … 

Paul.

Donnerstag, April 19th, 2012

Je tiefer der hinter den Worten mitschwingende Gleichklang in ihm zu spüren war, umso mehr begann sich die Sprache des Onkels in Edmond breitzumachen, allein von diesem einen Wort her, und umso mehr fühlte Edmond sich zu ihm hingezogen. Er fühlte sich diesem einfachen Menschen dann ganz nah. Und zum ersten Mal in seinem Leben nahm er Nähe nicht als Gefahr wahr. Aber warum? Er suchte doch immer schon die Nähe: zu einer schönen Frau, einem Gedicht oder aber einem einfachen, ehrlichen Menschen.

Leisewerdn.

Donnerstag, April 19th, 2012

Wir können uns nur ausgewollt lieben? Es ist nun an der Zeit, meine falsche Beschaidenhait zu korrigieren. Layla, du musst mich in der Schwere halten … hihi, Äffchen, die dich lieben, hättn ja Schwebe gesagt … mein Quadratmeter Liebe hätte ausweglose Folgen … schliesslich bin ich in einem schrägen Geburtslicht gekrochen (hast du schnöden gesagt) … um irgendwann nicht mehr zu kriechen: liebe es, die Tropfen in meiner Höhle abzulecken, so wie mich nicht mehr ständig korrigieren zu müssen von dem, wie ich mich entsage und entgleise und nun punkte (ohne Komma und Leisewerdn). 

auf die gefahr hin, allergie auszulösen

Mittwoch, April 18th, 2012

die augenblickliche verwandlung der ahornzweige ist unendlich interessanter als der 366. bericht über die wachstumsraten der wirtschaft.

sommerfest

Montag, April 16th, 2012

ein blatt im leichten winterwind
ein strich in der waldung
einer durch die rechnung
langsam denkender gemüter
eingeschlafener
organe

krabbeln und wuseln
durch die zeilen textcodierter
zellen in den
ein – ge – weih
den.

es war eine aufgeladene atmosphäre, wie sie oft in träumen vorkommt. ein mädchen von vielleicht fünfzehn jahren ging durch eine stadt, die mir unbekannt war. sie kam auf dem stadtmarkt an, wo es wie nach alter art blüten schneite und hausfrauen tulpen verkauften. sie räumten schon die regale aus. und dann war nachts. sie saß mit einer unbekannten familie in einem haus mit gedämpften lampen und sie trugen leeres geschirr auf. getrennt waren die zimmer nur durch glastüren, schwere rahmen alter häuser, hell. ich weiß nicht was sie sonst taten, aber sie legten das mädchen auf ein weißes bett, damit das bild stimmt.

wieder ging sie durch die stadt, wieder war frühling und es schneite blüten, aber vielleicht war es auch schnee, hagel, es lag überall herum und ich kannte die temperatur nicht. möglicherweise war es warm, denn sie wollte röcke kaufen. röcke in kindergröße, bunte, die ihr passten. ich weiß nicht, wie alt sie in diesem film war. sie testete die röcke, die sich problemlos schließen ließen. es ist für kinder, sagte jemand zu ihr, aber sie können es auch tragen.

hinter einer wand aus glas wurden dinge ausgestellt und auch ein heft im A4 format, das alt aussah, verblättert. auseinandergefallen, viele male gelesen. ich gab es in die buchbinderei.

Toasting

Montag, April 16th, 2012

(feat. apathie der moleküle)

Das Thermostat am Backofen zeigt fast dreihundert Grad an. Hier lässt sich Brot gut und schnell rösten. Warum ich mich ängstlich fühle, verstehe ich nicht. Ist doch alles in Ordnung. Ich öffne die Ofentür, heiße Luft schlägt mir entgegen. Die Körperoberfläche strahlt die Wärme wieder an die Umgebung ab. Ich versuche, rund zu atmen, doch die Luft, die da aus dem Ofen kommt, ist eckig. Es wird noch heißer. Bin ich ein Pyromane? Schnell lege ich das Brot aufs Backblech und lasse die Tür zufallen. Ist doch gar nichts passiert. In fünf Minuten wird das Brot gut sein. Dann gilt es, die Temperatur möglichst schnell wieder auf Zimmertemperatur herunter zu drehen. Ich betätige den Schalter und stelle ihn auf Null. Wahrscheinlich wird das heiße Gas entweichen. So ein Quatsch, der Ofen ist aus feuerfestem Silizium und funktioniert elektrisch. Strom ist derzeit noch genug vorhanden. Die Sonne hat ein Einsehen und schickt keine Stürme bis zu uns, die zum globalen Stromausfall führen. Nun, die Sonne. Die hat sich seit Tagen hinter dicken und schwülen Wolken verkrochen. Regen ist lange keiner gefallen.  Auch der Luftdruck hat zugenommen. Ich versuche, die Lungen zu füllen, aber es geht nichts rein. Wahrscheinlich kommen meine Gedanken deshalb so asynchron daher. Das menschliche Gehirn toleriert eben nur enge Zonen physikalischer Zustände.

dead air

Montag, April 16th, 2012

wer hätte das gedacht, daß die mal so nötig wird, zum durchatmen, die unverhoffte sendepause, und daß es sie geben darf, bloß leider kaum noch gibt.

***

Montag, April 16th, 2012

Klopsige Töne aus Unterfranken, Nüance Edelsüß,  Hausfrauensülze aus Braunschweig, dünne Haare aus dem Hessenwald, Editorische Randnotizen aus Mitteldeutschland — oh, liebe Inskriptionen-Gemeinde, wie tief bist du gesunk(g)en!

Montag, April 16th, 2012

Unendlich. Unnachgiebig. Unter den Linden. Ein schweifendes Auge. Um sich herum noch der tiefe Schrei. Auf anderer Wiese dann zyklopenhaftes Insichhineinschauen. Auf den Abwässern der letzten Jahre: ihr Lachen ihr nicht einschlafen können ihre Nähe suchen. Auf den Abwässern ihres kleinen Herzens schnaubt sich späte und frühe Liebe aus. Umbrafarbenes Hirn. Sie wird sich mit ihren fremden Tönen anfreunden. Austränen.

bagatelle

Samstag, April 14th, 2012

kokette kunden kaufen käse
kauen kuchen
und konfekt

und nehmen
sich
wichtiger
als das wort

bagatelle suggeriert

ich gebe zu
kleine beträge
straftaten von geringer bedeutung

aber warum

singen in moll

Bagatellleben, wie deins.

Samstag, April 14th, 2012

Ohne Wahrheit. So gehst du, sagst du, in den Tag. Wie auch sonst. Es gibt sie nicht mehr. Du hast dich bislang davor retten können. Sie, die Hautflechte, hat dich noch nicht erwischt. Sie, die Hirnfäule, trägst du anderswo aus. Sie, das Weibliche, müsste nur mal zu sich kommen. Du kümmerst dich ja auch nicht um sie, die ausgestossene Sehnsucht.        

Später schrieb man sich ebenso Verleugnendes.

Freitag, April 13th, 2012

Die glaubten nur, dass es das besonderste Merkmal sei, das uns von den Tieren unterscheidet. Nietzsche glaubte viel eher, dass Tiere lachten. Und erwischte mich vollends dabei. Dass ich nicht aus Selbstzweck lache, meine ich, was du sicherlich längst verstanden hast.

Fremdbildnis.

Freitag, April 13th, 2012

Der Ideengeber wird immer verlacht. Weil er die Stumpfsinnigkeit seiner Mitatmer offenbart. Kleingöttisches Abgefühl beim Tun. Je glücklicher. Aus dem immer wieder aufgeforderten Leben wird nichts. Das Zerstörte vollendet uns. Wie als Kind in dir. Es bleibt ein Leben lang ein Spiel. Nur immer zynischer und gehässiger. Aus Angst. Nicht du, sondern dein Anspruch, dein Fremdbildnis hat sich selbständig gemacht. Klar verheissnes Nebelkleid. Schimmelt dich ein. An deinen noch unbeschriebenen Saiten hängt kaum ein Herzton.

essay I.

Mittwoch, April 11th, 2012

Wolltest du nicht mal ausruhn von den Kriechern um dich herum, dich mittendrin aufscheuchen und die Wände einschlagen, die dich befreien würden, hättst du sie nicht so lange zerkratzt, um dein Gesicht zu schonen.

wie cioran.

Montag, April 9th, 2012

Nee, lass ma. Letzte Nacht konnte ich wirklich nicht mehr. Ich besorg dir alles: ein Kissen für deine Liebste, einen Ohrmusicus, Papier, neue Schuhe und auch Cioran (dein Abführmittel, hab ich zuerst gedacht, hab dann gegoogelt/gevögelt/gemogelt und weiss jetzt, dass sein Thema die Schlaflosigkeit war, uuhhh, ich glaube, dann bist du doch völlig am Ende, oder, oder nur noch getrieben, mann hast du Freunde).

skizzen

Samstag, April 7th, 2012

von rosa zu hellgelb

es ist schon spät. wieder weht lauchduft durch das fenster, miasmen verändern die stimmung, manipulieren die synapsen. ein kurzer austritt auf den balkon belehrt mich, dass meine geruchsnerven schaden genommen haben. es riecht nicht nach knoblauch, frische luft weht herein, wolken krümmen sich in der dunkelheit. ich habe das elektrische licht ausgeknipst und eine kerze leuchtet auf dem küchentisch mit der blauen wachsdecke. durch das balkongitter und die zweigschatten sehe ich die lichtquadrate der nachbarvilla. die kerze spiegelt sich zweifach im doppelglasfenster. jetzt, beim letzten stück musik, muss ich an die novemberstimmung im zimmer denken, über mir ein kegel energiesparlicht. die villa war nicht einmal als kontur erkennbar, nur einzelne rechtecke dissoziativ. du hast die zeit als wort konserviert und konservierte dinge sind schal. farblos, von künstlich gealtertem aroma. der moment ist mit einem luftzug beendet. nun, an diesem sommerabend, wackeln wie an eine wäscheleine geklammert ein paar blätter unentschlossen an den ästen, als ob sie da nicht hingehören und nur zum scherz so aufgehängt sind. was hat neonlicht an einem sommerabend verloren, worin ist der unterschied zum kerzenlicht, nur eine farbnuance, eine steile spitze gegen eine gestreute fläche, die sich zerläuft, champagner von rosa zu hellgelb.

denkst du, nein, zum Anbluten

Donnerstag, April 5th, 2012

Mir gelingt seit dir nur noch mein Abgrund. Unser ständiges Ein- und Ausatmen. Als lebten wir uns. An den Fressalien der Gewöhnlichkeit vorbei. Eines Tages gelingt mir wieder ein ganzer Satz. Meine Nadelschau. Ständig von grünen Nadeln gespitzt. Hättst du dich sonst dem Wald anvertraut? Dem Meer. Da schwimmt vielleicht heute immer noch eine Restspermaerinnerung von euch beiden. Denkst du immer noch daran. Man wird sich nie verlieren. Es gibt Provokationen mit Stil. Was, klar, nur wenigen offensteht. Also, mach ne Familie oder ein schlechtes Bild. Einer, der es sich aufhängt, will vergessen. Der fühlt sich in seiner Soße schon lange nicht mehr wohl. Er glaubt sich damit zu verfärben. Es gelingt ihm aber nur noch sein Leben, wenn er Nitsch kennenlernt und mit ihm in die Glocke steigt: zum Verbluten, denkst du, nein, zum Anbluten, es läuft dir nämlich alles in den Mund, wenn du an den Füßen aufgehangen alles von dir einsaugst, was du nicht für möglich gehalten hast, was er, dein Körper, alles hergibt … 

// wenn du gehst //

Mittwoch, April 4th, 2012

sag mir bescheid wenn du gehst
weck mich auf
lass mich wach sein
wenn du gehst

geh wohin du willst
doch lass mich wissen
wenn dein herz
mit dir von mir weggeht

tu was du willst
und was dir gut tut
zeig mir,
was dich glücklich macht

geh von mir weg
doch vergiss einen teil
von dir bei mir
solange du bei mir bist

hör zu …

Dienstag, April 3rd, 2012

würde es aufpropfen nennen, aber das, erklär ich dir später, weil der es auch ein wenig anders meint… und nun sitze ich hier am rande der neuen welt und freue mich, bald wieder in deiner nähe zu sein, auch wenn wir uns nach meiner rückkehr nicht sofort sehen werden… aber so ist das nun einmal bei schaffenden menschen; unser leben lebt und schwemmt uns regelmäßig davon, was hier in diesem land zu wenig an verstand ist, ist bei uns zuviel an demselben, hier ist die verblödung maßstab, dort die missgunst und gegenseitige erdrückung; die moral, die hier fehlt, ist bei uns auf falsche füße gestellt (zu wenig diesen königsberger gelesen und verstanden, aber das bleibt unter uns), jedenfalls bin ich froh, aus diesem fettleibigen und korrupten land herauszukommen… weisst du, rhode, was das schlimmste ist, was uns mit in die wiege gelegt worden ist: dass wir unserer gefühle nicht herr werden können und deshalb anderen immer wehtun müssen; wir können uns den schmerz nicht selber mitteilen und noch weniger mit ihm umgehen… so ist unsere sprache darauf ausgerichtet, die andern mit in unseren schmerz zu reissen – und wenn das nicht der fall ist, dann langweilen wir uns, wie wir uns eh langweilen, wenn wir andere sprechen hören – außer wir empfinden was für ihn…

Wojtek.

Sonntag, April 1st, 2012

Du mochtest einen Menschen einfach so, wenn er eigentümlich in einem Satz fallen oder wegrauschen liess. Und nun sitz ich hier und muss dich in eine normale Sprache übersetzen. Wie Metaphern auskotzen. Du lachst. Aber begreifst du eigentlich, was mich das manchmal interessiert. Ich hasse dich. Dennoch spüre ich was. Denn du sprichst von etwas, was wir alle wollen: souverän seyn. Und unerwünscht. Warst du scheinbar auch immerzu. Du schäumst bodenlos tief um dich herum. Wie Schläge, die du verteilst, nur weil du – das behaupte ich jetzt einfach mal – da bist, neben einem stehst, deine Gesichtslektüre ist längst noch nicht abgeschlossen, das was Wojtek meinte war so was wie eine Religion. Nimm es dir zu Herzen, würd ich dir jetzt gerne zurufen, würdest du mich noch hören …

Gebrochenes.

Sonntag, April 1st, 2012

Haste noch nen Karamellkaffee, schmeckt gar nicht mal so schlecht nach so ner Nacht. Weisst du, so wie ich jetzt schwätze, hast du damals an unseren Geburtstagen die ganze Nacht geschwätzt und mich und uns kaum zu Wort kommen lassen, mann, ging mir das auf den Piss: und jetzt bin ich es, der dir auf den Strahl geht … und weisst du was: es tut verdammt gut. Ich glaube, damals hat dir niemand widersprochen, weil er sich damit auf Glatteis begeben hätte … bei dir wusste man nie, was danach kommt, trotzdem sind wir immer wieder zu dir gekommen, die einen aus Mitleid, die anderen weil sie noch mehr Mitleid hatten … und darauf konnte man ja nicht immer vorbereitet oder gewappnet sein … du hast Unmögliches verlangt … ja, ich weiss, auch von dir hihi aber wenn man so drauf ist, dann ist es doch nichts Unmögliches, wenn man so besessen ist. – Ich glaub, mir wird schlecht.