Archive for Januar, 2011

Als Tantalina tanzte

Montag, Januar 31st, 2011

Die Liebe gebahr die Welt, die Freundschaft wird sie wiedergebähren (H. an B.)

da wurde der Blick einer schiefen Ebene gleich quer durch den Raum gespannt und

es begann in wogender Luft ein Wind quer durch den Raum zu gehen einer Transversalen gleich durch die Himmelskugel

schoss ein Pfeil wie ein Blick so schnell aus dem Aug’ einer schwebenden Puppe durch den Raum zwischen hier und hinter dem Vorhang dort zwischen Pfeilern

sah es aus wie ein Krümelfeuer quer durcheinander hüpfender Flöhe oder Wanzenbruten vom Grunde des Malstroms droben zwischen Flammen so hell wie ein ganz

aus Punkten erstehender lebender Raum

Am Ende des Winters

Sonntag, Januar 30th, 2011

Für die Fahrt einmal quer durch die Stadt existieren keine Bilder mehr. Ich muss sie vergessen haben. Oder sie sind nie an Ort und Stelle angekommen.

Ich erinnere mich lediglich an Geräusche. Mein Herzschlag. Das dumpfe Poltern, wenn die U-Bahn im Tunnel verschwindet.

Stimmengewirr um mich herum. Irgendwo im Zug scheint ein Obdachloser Zeitungen zu verkaufen. Als er in meiner Nähe ist, reiche ich eine Münze ins Leere.

„Wollen Sie dafür wirklich keine Zeitung haben?“ Er fragt das offenbar mich.

„Seien Sie doch mal so richtig geschäftstüchtig“, höre ich mich sagen.“Stecken Sie das Geld weg und verkaufen Sie die Zeitung noch mal!“

Um mich herum Gekicher. Der Verkäufer lacht auch. Dann Stille. Nur die eigene Stimme im Kopf: Es ist etwas im Gange. Unheimlich klingt das. Ungeheuerlich. Du wolltest etwas geheim halten!

Vor dem Telefon stehen.

Zuhause bewegungslos vor dem Telefon stehen, minutenlang. Mantel und Stiefel sind bereits auf dem Weg ins Arbeitszimmer von mir gefallen. Meine Strümpfe sind nicht mehr schön. Reine Wolle, aber reine Wolle verfilzt. Ich werde die Strümpfe wegwerfen, später. Ersetzen brauche ich sie erst mal nicht. Die Wollstrumpf-Saison ist vorbei. Nächsten Winter… Nächster Winter? Werde ich nächsten Winter noch in der Welt sein?

Denken bei sieben Kelvin

Sonntag, Januar 23rd, 2011

* *

* _ 3 K

K 1 K 2 _ _

* * *

Astwerk

Donnerstag, Januar 20th, 2011

ich hänge die Liebe
in die Luft
lasse sie baumeln
geästet, gerädert, zerfurcht.

zer furcht sich im
wolkenlosen Himmel
durch den sich
Dunststreifen wie Gitter
ziehen

ich hänge mich
in die Luft
auch mich
in die Luft

ich baumle
Regenschnüre schnallen
mich in die Fassung
in eine Fass
mich an
oder auch
nicht

Lichter Unendlichkeitstraum

Montag, Januar 17th, 2011

Ich falle in das All.

Ein Fallen ohne Fall.

Ich gehe in das Licht.

Werd wieder zu nichts.

Es gibt keine Zeit

in der Unendlichkeit.

Es gibt kein hier.

Es gibt kein dort

und doch bestehn wir fort.

Etwas bleibt bestehn,

wenn wir von uns geh’n.

Im ewigen Sein

gehen wir ein.

Und werden ein Teil vom Raum

im lichten Unendlichkeitstraum.

Wohin des Weges?

Montag, Januar 17th, 2011

Wohin des Weges du eil’ger Mann?

Dessen Blicke ich nicht weichen kann.

Weilend spüre ich sein inneres Klagen.

Ihn anhalten – wie kann ich es wagen?

Knapp ist die Zeit schon ohnehin!

Stehen macht nur wenig Sinn.

Sieh, dass du schnell weiter gehst.

gleich der Himmelsrichtung wehst.

Arbeit hat kein Ende in Sicht.

Heute wie morgen das gleiche Gesicht.

Schuften sie bis zum letzten Tag,

ohne, dass es etwas Anderes gab.

Leben ist mehr als pure Pflicht.

Leben verlangt, dass man einbricht-

Ganz sich hingibgt – “Gott”vertrauen!

Denn nur darauf können wir bauen.

Reaktion auf Unmenschlichkeit

Montag, Januar 17th, 2011

Zuletzt wurde ich gedemütigt, wie ein Hund getreten, als ich in eure Welt eintrat, nur weil ich euch missfiel und ihr mich nicht wahrnehmen wolltet, doch ich kehre noch einmal zurück, um mich zu wehren gegen diese unfaire Behandlung und diesen unerwarteten Einstieg, geradezu ein Einriss in eine pessimistische Denkweise, voller Formvollendung und Perfektion, ohne Gefühl der Nächstenliebe, Achtung, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit. Kälter als der kälteste Winter, kränker als der krank machenste Arzt und ohne Verständnis. Nur ein Gedicht und der Wettbewerb beginnt.

Wer ist der Beste??? Nicht Du! Kleiner Wurm, das wurde mir hier mitgeteilt, eine Beleidigung für alle sei gerade dieses Gedicht. Es heißt: “Bücherwelt” Ich beschreibe das Entstehen und interpretiere pflichtgemäß, ohne Raum zum Denken zu lassen. Ich hoffe, es wird mir niemand reinreden in mein Werk.

Wiederholung:

Bücherwelt

Ein Zauberkuss,

der dich berührt. (Hä??? Ah, Magie!)

Ein neues Buch,

dass dich verführt. (Natürlich unerotisch und einlädt, hätte auch gepasst…aber der Reim!)

Tritt ein in die Welt

der Phantasie (ganz frei und ungezwungen, es gibt kein Gesetz der Anpassung an letztere Form und freier Rhythmus!!!)

Komm mit in die Welt der Harmonie (hauptsächlich im musikalischen Sinne als Vergleich gemeint, bloß nicht zu einfach verstehen!)

Ein Gleiswechesel in eine neue Dimension. (genialer Einfall, erinnert an Harry Potter)

Ein neues Blatt gleicht keinem and’ren Ton.

So, jetzt ist es halbwegs verständlich, was die Stümperin meinte, das war Absicht und ich kann auch anders.

Ein anständiger Versuch: (nicht ganz so frei)

Lunas Schatten

Sonnenstrahlen zerfließen in purem Glanze

des stetigen Abschieds.

Lunas Schatten begleitet uns nachts schützend

vor des Pudels Kern.

Fliegend fallen weiche Träume, sie singen

tags erlebte Lieder,

weben neue Klänge, tönen hernieder

in tiefem Geiste.

Leuchtend schwingen Lunas Blumen die Köpfe

neigend sanft im Schlafe,

wie einst  Amors Harfen leise ersehnte

seel’ge Liebespaare.

Diesmal darf man vielleicht doch frei denken und ich weiß selber eben am besten, was ich damit ausdrücken wollte. Ich mag vorgegebene Interpretationen gar nicht, sie lassen keinen Spielraum. Mehr Respekt verdient “Warten auf Godot” von Samuel Beckett. Er sagte, dass andere das Interpretieren bei diesem Werk ruhig lassen sollten. Es fiel ihm vermutlich einfach so ein und sollte uns eben teils sinnlos erscheinen und doch ist es tiefsinniger als manches moderne Werk. Ich interpretiere nicht, ich nehme nur Stellung und ich würdige dieses Werk. Der Dichter und Erschaffer selber weiß, warum er gerade Jenes und nicht Dieses schreibt.

Der Hund hat den Eindruck, als bräche aber auch hier eine neue Zeit an und als gäbe es noch Hoffnung und Verbesserung bei den Abseitswerken! Also dann doch ein frohes neues Jahr, den guten Menschen von diesem Projekt.

Entschuldigt meinen persönlichen Einwurf. Ich hoffe, ihr lernt aus euren Fehlern. Eine Dirne aus dem Faust bin ich nie gewesen und werd es wohl auch nie sein. Des Pudels Kern bleibt mir eines Tages fern. Das ist zu hoffen.

Carpe diem.

Anmerkung zum Schluss:

Gedichte sind für mich der Schlüssel zu meiner Seele und geheime Botschaften aus dem Jenseits, die mir helfen meinen Weg zu gehen, manche scheinen göttlich, nahezu perfekt, so wie sie sind, wenn ich zufrieden mit ihnen bin und nicht mehr pfeile… “Blätter” entstand in einer Nacht, als ich ganz ungezwungen “drauflos” schrieb und ich lies es einfach so bestehen. Es war eine wunderbare Nacht voller Inspiration und das Gedicht wurde sogar auf einer Schulhomepage veröffenticht. Ich war sehr stolz auf meine Leistung!

Die Achtung darf nie verloren gehen und die Würde des Menschen ist unantastbar!

Anne

(persönlicher Kommentar)

Einblick

Sonntag, Januar 16th, 2011

An manchen Tagen bin ich
nackt für dich und trage schamlos
meine Seele im Gesicht.

Wenn du dann erschrickst
spiegelt sich in deinen Augen
meine Einsamkeit.

Variation auf zwei Bilder eines unbekannten toten Dichters

Samstag, Januar 8th, 2011

Durch das zerbrochene Auge
Des Wasserspeiers
Sieht man den Himmel
Wie eine schmutzige Scherbe

Jeder Blick ein
Abgeschossener Pfeil -
Jeder Stern ein
Langsam verglühender Schütze

Und die Strahlen sammeln sich

Im Rauschen
Treffen sich die
Verfeindeten Ströme

Im Brennpunkt

In der endlosen
Ebene suchen sich
Die einsamen Feuer:

Der Atem des Meeres
War angehalten
Im bildleeren Schlaf
Der Muschel

Stillleben Oderbruch

Freitag, Januar 7th, 2011

Und der Schelling dampfte

Auf seinem Grill, weit

Außerhalb der bewohnten Zonen

Und die Bäume im Wald

Traten auseinander

Wo das Fleisch zweier Herzen

Flammen schlug, eine

Aussicht auf Blätter

Verdorrender Feige, da

Der Himmel nicht viel

Zum Schäumen braucht

Und die Nadeln verteilten sich

Auf der Haut und die

Schneeigen Reste erglühten im Wind

Wo der Kant mit dem Hegel

Am Förstersgrab / disputierte

Über die Zukunft der Fichten

Fatale Folgen

Dienstag, Januar 4th, 2011

Martha hat ihr Schicksal getragen. Geduldig, gebeugt und voller Gram. Und das fast dreieinhalb Jahrzehnte. Martha hat einen Suizidversuch überlebt, den sie gemeinsam mit ihren vier Töchtern begehen wollte, als die Rote Armee einmarschierte. Marthas Leiden dauerte lebenslang. Der Krieg, in den sie geraten war, endete erst mit ihrem Tod. Das, so scheints, ist unabänderlich auch das Schicksal der 91jährigen Wilhelmine Hennemann. Ihr begegnen die Leser in dem ungewöhnlichen Roman „Magnolienschlaf“, den Eva Boronsky geschrieben hat. Eine Nachgeborene, die Sinn für sinnfällige Lebenslinien hat.
Ungewöhnlich ist der Roman, weil er keine dieser beliebig-gleichförmigen Geschichten erzählt.
Ungewöhnlich ist das literarische Präludium, mit dem der Roman eingeleitet wird. Da gibt’s Worte aus der „Deutschen Wochenschau“ vom 5. März 1945. Eingestimmt wird in das Schwierig-Schlimme, das im Folgenden aufkommen wird. Es muß geahnt werden, dass nicht friedlich werden wird, was friedlich anfängt: Die Begegnung zweier Frauen unterschiedlicher Generationen, die Großmutter und Enkelin sein könnten. Frauen verschiedener Völker: Deutsche, die Greisin, Russin die Junge. Gebrechlich, die Alte. Pflegerin, die Andere. Das sieht, wie es zunächst aussieht, nach der Geschichte eines Pflegefalls aus. Das wär´ dann das Gewöhnliche.
Was Wilhelmine und Jelisaweta zu tragen und zu ertragen haben macht den schmalen Roman nicht nur außergewöhnlich. Es macht ihn wichtig und wesentlich. Äußerlich gesehen bleibt die Geschichte eindeutig die Geschichte einer Pflege und wird auch nichts anderes werden. Und ist doch etwas gänzlich Anderes. Ist in wichtigen Teilen die Konfrontation der deutsch-russischen Vergangenheit, die offensichtlich nicht ihr Ende hatte, als der zweite Weltkrieg vorüber war. Wann endet ein politischer Krieg im privaten Leben? Wer denkt darüber nach? Heute? Eva Boronsky ganz gewiß.
Die Fortsetzung des Krieges unter anderen Konstellationen, das ist´s, was die Schriftstellerin den Lesern zumutet. Was nicht bedeutet, dass ihr Buch eine Zumutung ist. Gar eine Verlängerung der Grauen des Krieges. Aber die Folgen, die andauernden fatalen Folgen, sind sichtbar, hörbar, spürbar für beide Frauen. Sie selbst sind die Folgen. Sie wissen um die Angst, die Leben zerstört hat. Sie wissen um die Gewalt, die Leben geboren hat. Die greise Wilhelmine wie die jugendliche Jelisaweta. Und sie geraten, durch sich, miteinander mitten hinein in die Ressentiments der Deutschen gegenüber den Russen, der Russen gegenüber den Deutschen.
Es ist, was und wie geschildert wird, auszuhalten. Eva Boronsky ist eine Schriftstellerin, die sowohl deutlich wie distanziert erzählt, was sie erzählt. Die Deutlichkeit ist nicht unbedingt immer im gewählten Vokabular. Sie ist in der Aussage der oft kargen, harten Sätze. Der so sanktionierte Lakonismus nützt der Verdeutlichung im Erzählen, das sich gern auch aufs Andeuten verläßt. Der Leser ist gefordert, der zweite Autor zu sein, der Geschichte nicht nur aus dem Schulunterricht kennt. Wer nicht so gut und so weit ist, der kommt durch „Magnolienschlaf“ auch mit seinen historischen Kenntnissen weiter. Das Gestern ist in der Gegenwart. Ob wir es glauben oder nicht. Man muß es nur vergegenwärtigen, wie es Eva Boronsky in ihrem Roman getan hat. Man muß es nur wahrnehmen. Als Lektüre! Oder als „Kleines Fernsehspiel“. Müßte sich nur noch jemand der Sache annehmen!

Eva Boronsky: Magnolienschlaf. Aufbau Verlag: Berlin 2011

Im Gegenlicht

Sonntag, Januar 2nd, 2011

in mem. G.N.Ajgi

Scheint es, als sei nichts zu sehen; dabei
Ist es nur der Kohlehaufen
Unserer Augen, auf
Dem die tausend Dinge
Ihr Unwesen treiben
Als sei die Sehnsucht nach dem Feuer
Nichts als eine vollkommen
Harmlose Angelegenheit

Manchmal
Ist es dunkel in der Welt; dann
Wird jeder Lichtstreif
Zum Rauchzeichen
Und die Schädelknochen
Des Hühnergotts beginnen
Sich ihrer mineralischen Struktur
Zu erinnern

Zwischen dem, was man sieht, und
Allem anderen
Hängt der Körper des
Planeten im Raum, vom
Sternenwind
Bisweilen als Sturm
Durchwandert, wandert, wand