Archive for November, 2010

nicht! – imperative

Samstag, November 27th, 2010

wirf mich nicht
weg
wie ein einmal
getragenes hemd

hänge mich nicht
zurück
in den schrank
wie deinen hochzeitsanzug

stelle mich nicht
auf deine füße
die mich tragen
wenn wir tanzen

stelle dich
mir

im zwischen der nacht

Montag, November 22nd, 2010

Die Wortkästen der Zeit
zerbrechen am Bau
der Veränderungen
Ihre Wurzeln zerfallen
wie die Knochen der Gefallenen
Der Dienst ist getan
stecken geblieben
unbelohnt in den
Worten, die schon lange nicht
mehr fließen
stocken
im Nebel der Erinnerungen
Aufrecht -
wer den Worten
eine neue Bindung
leiht.

Erster Tag

Donnerstag, November 18th, 2010

Ankommen im Morgen : wenn
die Radfahrer kindisch klingeln

Omnibusse in ihrer Fülle
zum Schlanksein verhelfen

Hilfspolizisten hilflos pfeifen
zartfühlende Mädchen das Haus

verlassend auf die Straße spucken
Arbeiter in blauen Jacken ihren Hintern

heben über die Abortöffnung im Beton
Fleischhändler mit roten Händen

ihre schweren Messer schwingen
Rikschas keine Rücksicht nehmen

miniatur in bewegung

Donnerstag, November 11th, 2010

übermorgen

wird morgen morgen

nicht sein: wir

findet dort was

ich

träume, noch

in sich un-

endlich

nennbar vorläufig

substanz

und schön, dass du hier bist

Schläft der unruhig

Donnerstag, November 11th, 2010

Nocturne

Verblasen

die frühen Klosterfelder

ja so trink

schläft der unruhig

im Erdäpfelreich Larven, zum Aufstieg

jetzt bereit

Preussische Prokrustesbetten waren uns Heimstatt

ja so trink

diese Demut Demeters

wir haben uns aneinander gewöhnt

dem Weib der Mann, schmerzhaft inkliniert

schwängern pro foufou

Schimpansen schimpfen in Berlin über

faule Kompromisse im Hinblick

auf Importbananen

liebloseste Wendungen der Rede

machen die Runde

Karstadt!

Kollegen kauen teilnahmslos Kaugummi

Oh, I miss You!

das Kindlein aus Neukölln

schläft das unruhig

trinkt an Männerbrüsten

wälzt wimmernd seinen Kiesel

Über mich aber schiebt sich -

gottendlich -

der emotionslose Zodiac-Killer

18.5.07/26.12.09

Beijings Magistralen / nachts

Donnerstag, November 4th, 2010

Mondtrunken wandert das Auge vom Himmel
auf die immergleiche Zeitwüste
aus Stein / wo die Menschen sich
im Zaubern versuchen / in Wolkenkratzern
Höhe erklimmen / ihren Rausch
in Quadern & Quadraten austoben

Wüst liegt die Stadt / Öde weitet die Pupillen
betonsperrig rahmt der Horizont die Welt
unübersehbar zerfließend ins Grau der Moderne

Wo kann ich bleiben / innehalten vom Wandern
mein trunkenes Gebet hinausschrein
zum Schweigen bringen das gute Gewissen
welches als Mondaug in jedem Himmel wohnt
gütig / zwinkernd / von Weisheitsfalten
umrandet / Vater du / trauriger Vater