Archive for August, 2010

Wueste : Seidenstrasze

Freitag, August 20th, 2010

graue : gelbliche : braeunliche flaeche

gewoelbt : abgestumpft : endlos & heisz

an den raendern von staubhaufen gesaeumt

in der mitte von einer glatten : schnellen

strasze durchschnitten

Mittwoch, August 18th, 2010

Die Nacht in Erdöl versunken:

Auf dem Meeresgrund

Die Sonne in

Tiefer Meditation; so

Tot kein Herz kein Ohr

Dessen Trommelfell -

Hitzige Paarung

Dreier Augen & After -

Nicht schon auf dem

Asphalt, Asphalt

Der Milchstraße gekocht hätte

Anoushehs Traum

Mittwoch, August 11th, 2010

Eines Nachts öffnete sich der Himmel
Über der Stadt die Engel
Hatten einen Schrotthaufen
Von der Größe eines Kinder-
Zimmers nach außerhalb
Der bewohnten Zonen
Geschossen; meine Glieder
Begannen zu jucken – Griff
Des Auges nach den Sternen:
Farbe und Bewegung verschmolzen
Zu einem Film ohnegleichen (ich sehe
Die Schneehasen hoppeln durch eine
Schwerelos-Endlosschleife puls-
Ierender Kindheit, Ierender Kindheit
Von auf der Tonspur lichtlosen Denkens
Heraus geschnittenen Parabeln) nichts
Andres ergibt mehr ein Gleichgewicht
- – - – - – Seitdem arbeite ich
An den Stellen meines Lebens wo
Es über die Oberfläche hinaus
Schwappt Fisch wo die Dinge zwischen
Fall und Befreiung schweben wo
wir die Sonnensegel hissten

(Frei : featuring : Kubrick : SPACE TOURISTS. 2009)

Behindertes Begehren

Mittwoch, August 11th, 2010

Ein gutes Buch ist so selten wie ein guter Banker, ein guter Lehrer, ein guter Arzt, ein guter Journalist. Eines der besseren Bücher der guten Bücher ist „Ruf mich bei deinem Namen“ des Amerikaners André Aciman, der in Alexandria geboren wurde. Der Roman beginnt: „´Später!´. Das Wort, die Stimme, die Attitüde. Ich hatte noch nie erlebt, dass sich jemand mit einem ´Später´ verabschiedete -…“. Auch ein Trivialroman könnte so beginnen und hätte dann einen ausgezeichneten Anfang. Acimans Roman ist alles andere als trivial, obwohl seine Story, oberflächlich betrachtet, nicht fern des Trivialen ist. Simpel gesagt: Was die Leser zu lesen bekommen ist eine Sommer-Sonne-Strand-Geschichte, die am häuslichen Pool, an italienischen Gestaden, in geräumiger Professorenvilla, im provinzialischen Städtchen unter südlichen Himmel stattfindet. In dieser Umgebung und Atmosphäre treffen zwei „Knaben“ aufeinander: der 17-jährige Professorenbengel Oliver und der aus den USA angereiste Student David. Trotz ihrer Jugendlichkeit sind die Beiden geprägte Persönlichkeiten, die ihrer natürlichen Unmittelbarkeit hinderlich ist. Diese Behinderung, auch im Begehren, weiß der Erzähler geschickt in feinsinnigen Szenen zu variieren. So ist für die dauernde Spannung des Romans gesorgt. Das Erwarten, das Unerfülltsein, das Wiedererwarten, das Wiederunerfülltsein garantieren das Auf und Ab, das die Neugier der Leser immer neu anstachelt, obwohl der Roman in den Handlungen eher handlungsarm ist. Die eigentliche Bewegung findet in den Gedanken der gleichermaßen musisch begabten und orientierten Hauptpersonen statt. Immer dominiert das Geistige, obwohl das körperliche Begehren, also die schwer zu bekennenden, dann doch mit ungeteilter Lust zu lebenden Gefühle, maßgeblich die Begegnung von David und Oliver bestimmen. Sie sind Empfindsame, überaus Empfindsame, die unentschieden sind in ihrer Entschiedenheit. Ihre Gefühle pendeln: Von Frau zu Mann, von Mann zu Frau. David und Oliver erleben sich in ihrem Unvermögen, angesichts aller möglichen Möglichkeiten. Sie erfahren miteinander, in ihrer Unvollkommenheit, Momente des Vollkommenseins. Sie sind Menschen voller Spaß an der gebildeten, bildenden Sprache, Menschen, die sich aussprechen wollen und immer wieder einander sprachlos machen.

Kurzum, sie sind nicht einfache schlichte Menschen. Sie sind zu schön, zu klug, zu selbstgewiß. Zumindest werden sie so vom Autor aus gutem Grunde geschildert. Er will Distanz zu den Figuren, will dass sich niemand verliebt in die Schönheit, die Klugheit, die Selbstgewißheit. Das wäre die Sache des Trivialromans. Das wäre die Sache eines schwülstigen Schwulenromans. Das wäre die Sache eines beliebigen Unterhaltungsromans.

„Ruf mich bei deinem Namen“ ist ein unterhaltender Roman eines starken, sprachkundigen Schriftstellers. Der Roman hat die Qualität, die einst eine Erzählung wie Stefan Zweigs „Verwirrung der Gefühle“ oder James Baldwins Roman „Giovannis Zimmer“ hatten. Das Sprachbewußtsein von André Aciman bestimmt die literarische Konstruktion seines Romans. Szenen und Dialoge sind derart konzentriert und komprimiert, dass sie ohne weiteres in ein anderes Medium zu übertragen sind. Der Leser des Buches sieht einen Film. In dem ist mehr zu sehen als nur eine Sommergeschichte. Die Leser nehmen teil an Lebens-, Menschengeschichten, die, in ihrer Besonderheit, so besonders dann doch nicht sind. Das ist das Gute, das André Aciman so gut geschildert hat, dass sein Roman mit Genuß gelesen werden kann. Mit Genuß? Kann man das heute noch sagen? Ja, warum denn nicht? Weil einem so viele Bücher gar keinen Genuß mehr bieten?!

André Aciman: Ruf mich bei deinem Namen. Aus dem Amerikanischen Renate Orth-Guttmann. Deutscher Taschenbuch Verlag: München 2010. dtv 13894. 286 Seiten

Begierde begehrenswert ?

Dienstag, August 3rd, 2010

Hat sich wohl allmählich so entwickelt! Das, was „erotischer“ Roman genannt wird, ist eine Domäne der Damen geworden. Eine Wahrnehmung, die nicht erst aufkommt, wenn einem die Anthologie „Heiße Begierde“ zwischen die Finger gerät. Elf Frauen und drei Männer wurden von einer Herausgeberin namens Marie van Helden eingeladen, etwas zum Mehr-Personen-Sex zum besten zu geben. Schlicht gesagt, die Schreiber unterhalten mehr oder weniger flott mit Storys von mehr oder weniger flotten Dreiern. Wer will, kann auch Orgie dazu sagen. Wer Orgie sagt und erwartet, kann auch von Geschichten sprechen, die den Vorzug haben, voller orgiastischer Vollendung zu sein. Wenn das keine traumhaften Phantasien sind! Phantastische Phantasien sind´s, die in der Mehrzahl auch als pure Pornographie abgetan werden können, sofern zwischen Erotik und Porno zu unterscheiden ist.
Leichter und bestimmter ist festzustellen und festzulegen, wie eine Geschichte geschrieben wurde. Die meisten wurden von Leuten verfaßt, die mit Maske Courage zeigen das heißt, sich hinterm Keuschheitstuch des Pseudonyms verbergen. Desto maskenhafter, desto konstruierter, schlüpfriger, schematischer, also schlechter die Geschichte. „Locker machen“ wird den Begierig-Begehrenden eins ums andere Mal zugerufen! Das Lockermachen hätte die Sache der Geschichtenschreiber sein sollen. Dann wäre sicher mehr Spaß in den körperlichen Umschlingungen und Verschlingungen gewesen, weil Sex, wie bekannt, zuerst im Kopf anfängt. In den Storys stürzen sich Gehirnlose gern zu schnell aufs und ins Geschlechtliche. Das ist dann der Höhepunkt – der Phantasielosigkeit der erotischen Phantasie.
Eine erotische Geschichte muß keine Trivialgeschichte äußerer Effekte und so der Effekthascherei sein. Sinnlichkeit und Sinnigkeit des Sex ist in den Texten so arrivierter Autorinnen wie Anne West und Nina George. Ihre Beiträge machen die Anthologie zu einem Musterbuch heißbegehrter Erotika. Jener Erotik, die Geist, Witz, Charme hat, weil sie geistreich, witzig, ernsthaft-ironisch geschrieben ist. So wird die Lust am Lesen lustvoller Geschichten geweckt und gesteigert. So wird die Last des Lesens lustloser Lustgeschichten eliminiert. „Heiße Begierde“ muß man nicht begehren. „Heiße Begierde“ gelesen, ist gut zu unterscheiden, was im Begehren weniger begehrenswert ist.
Heiße Begierde. Erotische Phantasien. Hg. Marie van Helden. KnaurTaschenbuch Verlag: München 2010. Bd. 50532, 294 Seiten, 7,95 Euro