Monatliche Archive: März 2008

Ankunft

Von | 31. März 2008

Die Fahrt auf dem Fluss hatte einige Jahre gedauert: das Geriesel der Quellen, gleichmäßiges Plätschern, so wie Gewohnheiten irgendwann Ge- Danken sind & sich abwenden von dem Ort, da sie das Licht der Welt Erblickten. Alles fließt. Die Erinnerung schult sich zunächst in der Beob- Achtung der Ränder – vom Hier & Jetzt aus beginnt… Weiterlesen »

A und O

Von | 31. März 2008

A und O Engel schreiben nicht mit der Feder Sie sind an alpha beten Vor dem Richtstuhl mit dem goldenen Buch in dem sie nicht stehen So überfliegen sie die Seiten mit ausgreifendem Flügel Beschreiben den Bogen Zurück zum Anfang von omega

Zu Feldern zusammengefaltete Flügel

Von | 27. März 2008

Welimir Chlebnikow Aus: Blitze-Schwestern 4. Segel Seelenwanderung 51 Himmel, sei du nun fortan aus Stein! In die Weite treibt’s mich hinein. 61 Ich bin das Buch der ausgetrockneten Meere. 62 Und ich werde ein Messerchen sein. Zu Feldern zusammengefaltete Flügel … [vgl. Ossip Mandelstam, Achtzeiler]

Mittagessen mit Eberhard Spengler. Ein sehr sachliches Experiment

Von | 26. März 2008

Die Serviette war aus bleichweißem, gestärkten Leinen. Eberhard Spengler lüftete sie vom Teller, entfaltete sie als hätte er Geburtstag und somit Überraschungen zu erwarten – die Erwartung war das, was es auszukosten galt, – und wurde urplötzlich von dem Drang befallen, sie sich um den Hals zu legen und dann langsam immer fester zusammenzuziehen. Unter… Weiterlesen »

Etwas Erbauliches

Von | 26. März 2008

In der Nacht vor Weihnachten schrieb sie einen Roman. Weil der Schnee nicht hatte kommen wollen. Das Thermometer war auf drei Grad Celsius stehen geblieben, es roch nicht nach Fichtennadeln, es roch nach Benzin und schmutzigem Regen. Schmutziger Regen hat einen eigenen Klang. Man weiß, dass volle Mülltonnen vor der Haustür stehen und vor den… Weiterlesen »

Subfébrile

Von | 25. März 2008

Was nun? Ein paar Abende hatte ich im Haus verbracht, jetzt stand ich auf dem weißgekachelten Flur der Heilanstalt, ein Kind mit Zöpfchen, falschen Erwachsenenhandschuhen und rutschenden Söckchen. Adressen vergisst man nicht. Sogar Gedichte hatte ich in meine Tasche geschoben. Ein Handgepäck, innen verstärkt für fragiles Transportgut. „Komm in den totgesagten Park und schau…“ Gleich… Weiterlesen »

Inskriptionen. Die Erste

Von | 24. März 2008

Die erste Runde der Inskriptionen nähert sich dem Ende. Bis zum 31. März können noch Texte für die Anthologie Nr. 1 eingeschrieben werden. Die Redaktion liest schon eifrig und wird im April die Auswahl zusammenstellen. Damit geht Inskriptionen ins zweite Jahr und, wenn frei nach Platon Papier so etwas ist, wie der kleine Tod des… Weiterlesen »

W A H R H E I T

Von | 23. März 2008

Die ausgesprochene Lüge nennt gern sich Wahrheit sie ist eine tausendköpfige Hydra In ihrer Unbezwingbarkeit hadert sie dennoch mit diesem Geschehnis Und so sprechen ihre häßlichen Häupter dass es bereits geschehen ist Vergessen kann man es – die Bestie sprach es aus nicht abzuschlagen ist ihre Behauptung Selbst wenn sie einen Kopf verliert ist er… Weiterlesen »

Süße Provinz

Von | 23. März 2008

Süße Provinz +++ nicht hinaus : hinein wollen wir +++ immer tiefer : in die Berge +++ Schluchten hinab : mit gellendem Schrei +++ hinterm Bach liegt die Provinz anderer Zunge +++ ein reißendes Dazwischen : kälter als Eis +++ schreckt niemanden : die beiden Alten +++ sind als Jungen drüber gestiegen : zu einer Zeit… Weiterlesen »

Leipzig nießt

Von | 21. März 2008

Die Messe ist gelesen, ich schlage die Montagszeitung auf und sehe: Nießen. Jetzt muß ich den Namen doch erwähnen. Der Überschrift wegen. Ein fülliger Barde mit rotblondem Haar, rotblondem Bart, schwarzer Brille. Der im Neuen Rathaus die Arme hochreißt wie ein gedopter Radrennfahrer auf der Zielgeraden. Kämpferisch, sportlich, wie der Liebhaber des Pferderennsports, der zwei Tage vorher die… Weiterlesen »

Untemperiert

Von | 21. März 2008

Unzensiert. untertemperiert hat sie dich gekannt. genannt. protokollierte das leben, polierte kalte in schale getränkte luft-endendelust. nichtaufdasnicht temperaturen… temperaturen hielten sie fest. die gibt sie nicht auf – auf dem tisch hinter dem flash seit urzeiten unter diesem druck der herunter-hinnieden gestiegenen – aus dem tickticktack – unzensiert nur tintenes ticken – flashback – oberflächenstahlhimmel tragen… Weiterlesen »

Dreiecke

Von | 17. März 2008

Die Anfrage, obwohl vor einiger Zeit gestellt, hatte noch niemand beantwortet. Auch wir waren nicht zuständig. Sie war nicht korrekt formuliert und bereits zweimal an den Anfragenden zurückgewiesen worden. Ich habe sie übernommen – mit dienlicher Deutung fällt sie in unsere Kompetenzen, zumal nach der Anzahl der Wörter abgerechnet wird.   «Was sehen Sie?»  … Weiterlesen »

Stilles Murmeln

Von | 16. März 2008

Ein kleiner Junge sitzt auf seinem Bett. Im Kinderzimmer, das ganz im gedämpften Licht des Morgens schwimmt, liegt eine Stille wie von Jahrhunderten. Das Fenster an der Schmalseite des Raums ist mit Vorhängen zugezogen, deren orangebraune Färbung alles Anwesende in eine melancholische Stimmung taucht. Der Junge sitzt auf der Bettkante und betrachtet seine Hände. Da… Weiterlesen »

Alte Sünden (4): Schwermut

Von | 13. März 2008

Quantentränen in Kadmiumträumen ohne Erinnern woran und wozu. Beschleunigung auf annähernd Sinnlosigkeit. Mit der Lichtgeschwindigkeit einer welken Tomate allein im großen Garten, wo die Wüstennacht endet. Neue Messungen. Black Box im Geschenkartikelformat. Unter Lampenschirmen erhellt, im Oberlicht schwimmend. Wenn die Temperaturen aus den Dünsten der Meßfühler steigen, ganz als sei alles Maß und Zahl. Alles… Weiterlesen »

Alte Sünden (3): Sängerei

Von | 12. März 2008

„Aber die Mona Lisa verfaulte von innen, so wie sich Augustäpfel schweren Herzens ihrer eigenen Süße übergeben, nicht sehr weit vor den Toren des Winters, dessen Salz unerreichbar bliebe“ zwischen Wodka und sauren Gurken. Ich zitiere: Es erschöpft sich nicht in der bloßen Beschreibung. Ein Blatt Papier oder die Welt, wie die Texte neuerdings genannt… Weiterlesen »

Alte Sünden (2): Raserei

Von | 11. März 2008

Den teuren Toten. Im leisen Nachhall der Luft, aus den straffen Zügeln einer Verbeugung, bin ich emporgewachsen, bin ich im Innern des pelzigen Zeichens dreifingerdick zusammengepreßt. Ohne alle Rücksicht rase ich vorwärts, durchquere gigantische Weiten mit kosmischer Geschwindigkeit, passiere Salzsterne und Neutronenhäuser, nehme drei Umläufe gratis bei Jupiter in der Hoffnung auf Blitze, wie sie… Weiterlesen »

Alte Sünden (1): Trägheit

Von | 11. März 2008

Das Auge des Fernsehers schwarz Der Klavierdeckel festgeklebt Der Videorecorder kaputt Der Teppich mit Staub überzogen Das Kinderzimmer leer Die Puppen liegen verstreut Dem Schaukelpferd fehlt ein Steigbügel Ein Mottenflügel zerbröselt Die Fliege noch unversehrt So wie ich auf meiner Couch

Pardon, kennen Sie Z-Bosonen?

Von | 7. März 2008

Unvollendete Freya-Variation aus dem Nachlass. SoKo-Kila war verliebt in Quaakie-Z. Unsterblich verliebt. Aber Quaakie verband sich fest mit Elektrouny. Das ist das ganze Drama. Am Anfang war noch Hoffnung, die sie trug. Die Normierungsoperationen im Eichfeld waren, obwohl als unterirdische Konstellation vollzogen – oh Loki, Loki mit den schnellen Augen, alte Schmalzlocke aus Capri-O –… Weiterlesen »

Radikalität

Von | 2. März 2008

Sie ist einfach, jeder versteht sie. Sie kommt aus dem Bauch eines Kindes. Sie mag Honig und hat Angst vor Wespen. Sie erschuf die Welt, den Gott wie auch das Paradies. Sie erfand das Bienenwachs und machte aus Federn Flügel. Sie dultet keinen Herrn neben sich, über sich oder unter sich. Ihre blonde Seele steckt… Weiterlesen »