Archive for Februar, 2008

Nur Traum

Donnerstag, Februar 28th, 2008

Ein neues Zeitalter hat begonnen. Niemand hat es gedacht, doch nun ist es da. Wie konnte es geschehen? Zuerst wurde das Rauchen verboten. Unter dem Vorwand der Gesundheitsprävention. Die Leute nahmen es hin und saßen fortan ohne ihren Glimmstengel in den Kneipen, glaubten, das wäre alles. Die Regierung fühlte sich ermutigt. Als nächstes war das Trinken dran. Nein, die Zustände wie während der Prohibition kehrten nicht wieder. Es gab es keinen Widerstand, keinen Untergrund. Die Leute waren so gesättigt und schwach, beschäftigt mit ihren Eigentumswohnungen und Kleinwagen, daß niemand auf die Idee kam, Schwarzbrennereien zu gründen. Um den Stoff für noch mehr Geld zu brennen. Es wäre eine phantastische Umverteilungsaktion geworden. Neue proletarische Kreise wären zur Elite aufgestiegen, erst in der Mafia, dann in der Regierung. All das blieb aus.

Stattdessen beschlossen die Oberen, schamlos mutig, das Fallenlassen von Papier auf die Straße unter Strafe zu stellen. Was wäre ein Gesetz ohne Strafen anderes als ein hornloses Nashorn? Binnen eines Jahres folgte die Wiedereinführung der Todesstrafe. Die Leute jubelten. Die Todesstrafe wollten sie schon immer zurück haben. Endlich wieder Köpfe rollen sehen. Die Todesstrafe gepaart mit dem universellen menschlichen Bedürfnis nach Sauberkeit und Ordnung auf der Straße entsprach vollkommen dem Volkswillen. Von wegen, Demokratie und Faschismus seien Gegensätze. Faschismus ist der vollendete Ausdruck der Demokratie, unverstellt, schrankenlos.

Ich erkenne an den gebohnerten, im staubigen Sonnenlicht glänzenden, menschenleeren Straßen, daß das neue Zeitalter ausgebrochen ist. Die Züge füllen sich mit Gesetzesbrechern; ich meine die Güterzüge. Der Bahnhofsvorsteher, der mir seit langem als freundlicher Kollege vertraut ist, lächelt. Jetzt hat er endlich alle Hände voll zu tun. Ich lächle zurück, denke, ich könnte, indem ich ihm helfe, das System unterminieren. Ich sehe die furchtsamen Gesichter in den Öffnungen und Ritzen der Waggons. Die lächelnde Visage des Bahnhofwarts. Die gespenstisch glänzenden leeren Straßen. Zur Demokratie gehört der Dreck, er zeugt vom Leben. Der Tod hat keine Zeugen. Nur den Bahnhofswart, der die Weichen so stellt, daß die Waggons direkt in den Schlund des Verbrennungsofens hineinrollen. Und mich, der mitmacht, um zu protestieren, zu sabotieren. Aber daraus wird nichts.

Einmal, wenn der Bahnhofsvorsteher eingeschlafen ist, stelle ich die Weiche um und manöviere den Zug auf ein Abstellgleis, hoffe, daß die uns zahlenmäßig haushoch überlegene Meute der zum Tode verurteilten Straßenbeschmutzer aufbegehren, uns überwältigen würde. Stattdessen blickt sie furchtsam, in Schreckstarre, durch die Ritzen im Holz und nichts geschieht. Sie fragt demütig, wann die Fahrt weitergehen würde. Ehe ich mich versehe, hat ein EU-Kommissar den Mißstand erkannt, ist hinzugeeilt, hat den Waggon in den Orkus gelotzt und mich von meiner wunderbaren Arbeitsstelle gefeuert. Beinahe wäre ich selbst vorm Tribunal gelandet und verurteilt worden.

Nautilus

Mittwoch, Februar 27th, 2008

Seit vielen Jahren kreuzt die Nautilus in den Meeren. Sie ist gewunden wie eine Spirale, früher ähnelte sie einer spitzen Zigarre. Kein Hafen steht unter ihrem Namen, ihr Heimathafen sind die Ozeane. Wenn sie einen Hafen anläuft und wir auf Große Liege gehen, so lasse ich die Luken für Neugierige öffnen. Ich zeige ihnen das Schiff und schildere das Rätsel: die Rufe der Wale, den Liebestanz der Seepferdchen, das Gift der Nesselquallen, den aufsteigenden Wasserqualm der Schwarzen Raucher, das Verschlucken der Kontinente, die schwarze Stille der Tiefsee. Oft bleibt jemand an Bord – fast jeder in meiner Besatzung schloss sich so der Suche an. Sie wissen, dass wir nichts finden werden.

Die Nautilus erreicht den Grund der See. Dort unten wächst das Leben langsamer als ein Gebirge. Das Witjastief ist längst nicht mehr der tiefste Ort. Aber der Borstenwurm, der dort schwebte, ist vielleicht noch derselbe. Der Teil des Meeres, den ich erkundet habe, ist so klein wie ein Sandkorn gegen den Himmel, und so groß wie ein Planet gegen eine Sternschnuppe. Ich habe Ruinen gefunden, von denen ich nicht sagen kann, ob sie die Überreste von Atlantis sind oder eine Laune der Natur. Ich habe Städte gesehen, deren Bewohner ich nicht erkannte und deren Häuser ich nicht zählen konnte. Andere Städte trieben in der Strömung und hatten weder Häuser noch Straßen. Ich habe Metropolen entdeckt, von denen ich nicht weiß, ob sie Städte waren oder Wiederholungen einer einzigen Struktur. Vielleicht wächst auch die Zeit hier anders, und die Nautilus ist hier unten eine von ihrer Hülle begrenzte kausale Wirklichkeit, umgeben von komplexeren Zeitlichkeiten. Sie ist nichts weiter als ein Sonderfall in der Ganzheit. Aber das eigene Schiff zur Ausnahme zu erklären ist derselbe Fehler, wie die Erde zum Mittelpunkt der Welt zu erheben. Es ist vielleicht nur wenig besser, wenn ich unsere Wirklichkeit einen Einzelfall nenne, der von unendlich vielen weiteren Einzelfällen umgeben ist. Jeder dieser Einzelfälle ist, ich kann keine Gewissheit darüber haben, eine Welt mit eigenen Gesetzen.

Ich weiß, dass alles die Schrift ist. Die Städte sind die Schrift, das blaue Licht unter der Meeresoberfläche, die gewaltigen Seebeben, die lebensreichen Korallenriffe, die uralten Quastenflosser, auch die Nautilus. Ich kann die Schrift nicht lesen. Kein Zeichen scheint sich zu wiederholen, jeder Buchstabe ist nur einmal vorhanden. Ich habe es aufgegeben nach einer Grammatik zu suchen, nach einem Muster, nach irgendeiner Form einer Ordnung. Die ich gefunden hatte, musste ich verwerfen, letztlich war es immer meine Ordnung und nie die der Schrift. Keiner meiner plumpen Versuche war der unendlichen Mannigfaltigkeit auch nur ansatzweise angemessen. Die Schrift wandelt sich. Sie ist schneller geschrieben und wieder ausgelöscht, als ich sie verstehen kann. Ich weiß, es ist vermessen, die ganze Schrift lesen zu wollen, doch ohne dieses Ziel hat die Suche keinen Sinn. Manchmal, in Momenten höchster Konzentration, verstehe ich ein oder zwei Zeichen. Dann sehe ich einen gewaltigen zarten Klang, höre eine Farbe, dir mir noch nicht einmal in meinen Träumen begegnet ist. Ich habe hier die Wörter «sehen» und «Klang», «hören» und «Farbe» benutzt, aber ich weiß, dass keines dieser Worte das Verstehen der Schrift beschreibt. Wenn ich sage, dass die Schrift klingt wie eine klackende Tastatur, und dieser Gedanke kam mir, leider, dann begehe ich wieder den alten Fehler. Es gibt keine geeignete Methode, mein kurzes Verstehen mitzuteilen, weil die gemeinsame Erfahrung fehlt, die die Voraussetzung allen Verstehens ist.

Selten habe ich Gelegenheit, die Schrift zu studieren. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendein Gerät sich für eine Aufgabe schlecht geeignet zeigt oder ausfällt. Entweder lasse ich es reparieren, auswechseln, oder ich konstruiere es ganz neu. Es ist nicht einfach, etwas an der Nautilus zu verändern, selbst wenn es nur eine Schraube ist. Jede Verbesserung hat Auswirkungen auf die Balance des Systems und zieht weitere Änderungen nach sich. Ich muss versuchen, alle möglichen Folgen eines noch so kleinen Umbaus bereits vorher abzuschätzen. Jede Änderung kann sich leicht zu einer Gefahr für die Nautilus entwickeln. Einmal ausgeführt, ist es fast unmöglich eine Änderung wieder zurückzunehmen. Ich habe schon erwähnt, dass die Nautilus früher die Form einer spitzen Zigarre hatte. Damals schien es mir wichtig, möglichst schnell durch das Wasser zu stoßen. Später war mir anderes bedeutsam, darum windet sie sich heute über meinem Panoramafenster. Um die neuen Probleme zu lösen, arbeite ich an einer neuen Form, vielleicht wird die Nautilus in den nächsten Jahren zu einem Dodekaeder. Betrachte ich die Entwicklung der Nautilus über die Jahrzehnte, so muss ich zugeben, dass es keine neuen Teile auf der Nautilus gibt. Was früher der Bug war, ist jetzt das Heck. Mit dem begrenzten Material schaffe ich die Nautilus, die ich gerade brauche. Ich träume von einem vollkommenen Schiff, das alle bekannten und noch unbekannten Anforderungen erfüllt. Aber ich weiß, dass ich bis zum Ende meiner Tage auf die Nautilus angewiesen bin.

Romantisches Sujet

Dienstag, Februar 26th, 2008

für Elisa

Weder Caspar David Friedrich noch Alexander Sergejewitsch Puschkin waren je auf

Island. Deshalb können sie auch nicht Valahnúkur gesehen haben, Felsklippe

mit grünem Schopf, Nordpunk im Atlantik: Das Geheimnis dieses Ortes

schwankt zwischen Golfstrombewegung und Grönlandpassage, ausgleichendem

Fluss durch die Weltmeere und Gegenstromprinzip auf Willensbasis, das

von der Schneeschmelze bis zum Hochofen tausend Sekunden mit dem Klappern zweier

Kochtopfdeckel zu füllen versteht. Auf dieser Klippe steht ein Mensch & sieht

die vielen Federn, die vom Vulkanschopf unter seinen Füßen eingefangen werden:

Ja, immer mehr Federn, bis es reicht – dann wird kurz die Erde erzittern, ein

Knall, und wir heben ab zum Flug Richtung Mond.

Der Atem einer Ärztin : dicht

Sonntag, Februar 24th, 2008

Der Atem einer Ärztin : dicht

am Ohr : ein tiefes Schniefen

Keuchen : Flüstern : das sagt

nichts : vor allem : bilde

dir nichts ein : auf ihre kalte

Nase : hinterm Ohr

holt sie sich Wärme

nicht bei dir : das war’s

das war es nicht : sie tanzt

& zieht dich auf’s Parkett

die keusche : einst

tanzte sie Ballett : wildledern

ihre Stiefel & ihre Füße

setzt sie nach deinen

laienhaften Schritten : schweigt

& spricht : springt & schleicht

ein Kichern huscht übers Holz

& holt dich zurück auf den Boden

Bär : l : in : Aale

Sonntag, Februar 17th, 2008

Verloren ist der Tag an einen kahlen
Zweig : kontrastreich stachelt er ins Abendrot
auf meinem Teller tummeln sich die Zahlen
die Schornsteine am Horizont : sie fallen aus dem Lot

Die Nacht ist kurz mit Liebe & Verbrechen
du hast es nicht gehalten : dein tödliches Versprechen
abgewirtschafteten Spelunken fliehst du in die Arme
& rettest deinen kalten Arsch ins Warme

Aus allen Wettbewerben bist du ausgeschieden
Glanz & Gloria marschiern : an dir vorbei
Krieg meinen sie & sagen Frieden
du bist schon lange satt : vom Augen-Ohren-Brei

Die Kunst : sie ist zu Nachrichten verkommen
du hast dich mit dem Bissen übernommen
zu sagen hast du nichts : drehst dich im Kreis
auf deiner Schläfe steht ein Tropfen Schweiß

Langsames Erwachen

Sonntag, Februar 17th, 2008

Kein Erwachen, nur das Aufschlagen der Augen.

Kein Augenöffnen, nur die Feststellung des Daseienden.

Keine Feststellungen, nur Beschreibung des Augenblicks mit Tautropfen im Nebel.

Keine Beschreibung, nur Benennung von etwas, das als Ganzes nicht zu sehen ist.

Ja noch nicht einmal Benennung: als ob Worten ein gemeinsamer Nenner eigen wäre, so ein Tropfengesicht unter der nicht sichtbaren Sonne im Licht.

Und dennoch – etwas geschieht. Die Worte wollen nicht bleiben, wo sie sind. Die Worte müssen sich bewegen, und der Nebel um sie herum bewegt

Sich mit. Und dennoch. Langsames Erwachen. Ich denke an Paul Celan & sage halblaut zu mir selbst: Guten Morgen.

Ma Bohème

Samstag, Februar 16th, 2008

Das Leben drückte mir
einen süßen Judaskuss auf die Lippen –
mir Unwürdigem,
der schon im Schatten des Kreuzes
fröstelte.
So tauschte ich
Jünger gegen Jünglinge
und verschacherte das große Buch
gegen ein Lustspiel.

Das Leben schloss mich
schon vor der Erkenntnis
aus dem Paradiese aus;
nicht mal ein kurzer Blick
war mir vergönnt.
Aber ich, verkommener Engel
entsage dieser trüben Hoffnung.

Das Leben ist verdammt
teuer, wenn man überlegt,
womit Eva einen Apfel
oder Prometheus einen Funken
bezahlen musste.
Und ich, dekadenter Tor,
verschwende munter
große Worte.

Als der Mond von Osten auf die Erde herabschien

Samstag, Februar 9th, 2008

Odysseus an Penelope

O Schmerzvermählte, in Ewigkeit

Wartende, als Mutter eines Traums

Wie ein wolkiger Himmel über der

Wüste, deren Durst die reine Idee

Des Durstes weit noch überstiege:

Wasserfrau an der Seite des Meers,

Ich kann deine Träume jauchzen

hören im bauchigen Weltall des

Donnernden Berges, dessen Stimme

den Erdklang trägt inmitten

Aller Stimmung, dessen Grollen

den Himmelsgeist befällt wie

Die Umlaufkraft einen planetarischen

Pilger, meine Nichtgekannte – deine e-

Lektrostatischen Schuppen geglättet

unterm Tagwerk der Arme & mit

Augen aus Mondsichelhirse bei

Tage die Ernte hilfloser Worte ein-

Bringend, ich murmele für dich.

… mit besten Grüßen, Thomas B. Fragment

Freitag, Februar 8th, 2008

“Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt, oder im Überschwenglichen, außer meinem Gesichtskreise, suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewußtsein meiner Existenz. Das erste fängt von dem Platze an, den ich in der äußern Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins Unabsehlich-Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer. Das zweite fängt von meinem sichtbaren Selbst, meiner Persönlichkeit, an, und stellt sich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar ist, und mit welcher (dadurch aber auch zugleich mit allen jenen sichtbaren Welten) ich mich, nicht wie dort, in bloß zufälliger, sondern allgemeiner und notwendiger Verknüpfung erkenne. Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit, als eines tierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkt im Weltall) wieder zurückgeben muß, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen. Der zweite erhebt dagegen meinen Wert, als einer Intelligenz, unendlich, durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz mir ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens so viel sich aus der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseins durch dieses Gesetz, welche nicht auf Bedingungen und Grenzen dieses Lebens eingeschränkt ist, sondern ins Unendliche geht, abnehmen läßt.”

( x : y , Leipzig 1989 , S. 191 f. )

 Und ich versuchte Tireisias zu erklären, wie denn der Sternenhimmel aussähe. Da lachte er … Ich aber, Ödipus, schwieg.

Kannst du es rauschen hör’n im Weiß der Dinge, soo Zungenspitze aus dem Rückenmark?

Freitag, Februar 8th, 2008

[Versuch einer Bestimmung der Grenze(n), welche die bekannte und unbekannte Welt durchzieht bzw. formen / erster Versuch]

http://www.jens-rosch.de/plan214.htm

Die Frage nach der literarischen Verwandtschaft von Film und Dichtung bzw. Roman und Sujet – was ist das Allgemeine der Geschichte, was das Besondere am bindungsfähigen Bild-Wort? – führt auf das Problem zu bestimmen, welche als Spur erinnerbare weil spontan erkennbare Linien (im Sinne des Fließens von Aufmerksamkeit) sich im sogenannten Unendlichen treffen und welche nicht. Oder anders gefragt: Welches Außen ist das innen der Geschichte, dem ich als Er sein Leben sowohl zu entreißen als auch zu überantworten hätte? Mikro- und Makrokosmos in der Suche nach Einheit & Gestalt, Welt der Gespenster oder Träume im Tag_Nacht_Schema der Wahrnehmung, vielleicht das Krieg-Frieden-Schicksal / “Liebe”…

Jede Antwort hätte das spezifische Problem mit solchen Worten zu formulieren, die im Prinzip jeder versteht: Inszenierung von Gestalt, von intuitivem Verstehen … Und vielleicht erst später! Besser zumindest als ein zu schnelles Verstehen, so wie der Tod immer noch ein weit verbreitetes Klischee ist und förmlich nach Auferstehung schreit:- O Werther, Werther;

“toter Indianer, Kuckucksnest.”

Jewgeni Jessenin: Visuelle Anapäste

Montag, Februar 4th, 2008

Ah, ein goldenes Blätterkreiseln + Auf den rosigen Wassern des Teichs, ++ Gerade so wie ein Schmetterlingsschwarm + Seine Lebensziele erreicht.

Hemmungslos heut verliebt in den Abend, + Nah beim Herzen verfällt gelber Grund. ++ Schlanker Wind – ewig Himmelsflüchter, – + Fährt der Birke mit Macht in den Mund.

- Und die Seele so kühl wie das Tal, + Schäfchenblau dämmert Staub in der Ferne, ++ Bis es aufschimmert und verklingt + Dicht am Ohr so als Sternenglöckchen.

Habe bisher noch nie so verhalten + Auf den weisen Körper gehört, – ++ Buh, wie weit doch die Trauerweide + Ihre Wurzeln ins Rosige streckt.

Ou, wie gut wär’s als Heuschoberlächeln + In ‘nem Mondgesicht Gras zu zerkaun… ++ Wo nur, wo bist du – stille Freude, – + Die das Weltall liebt, die nichts will?

John Coltrane, N.Y. 1959-05-05

Freitag, Februar 1st, 2008

http://www.michalevy.com/giantsteps_download

“Nicht Bach, Meer sollte er(s) heißen”

Aber die Erde ist doch negativ aufgeladen

Freitag, Februar 1st, 2008

Frei flottierende Subjekte, keine

Subjekte, nein, ein einziges

Prädikat: negativ aufgeladen.

Früh mit dem Licht unter der

Regenrinne in ewigdauerndem

Hinabfallen, begriffen als Sequenz

Idylle? Beruhigung, Horror?

Aber versehen, kaum versehen

Mit neuen Attributen: Hans, Max,

Paul & Paula – alle im Haus.

Hier draußen zuckt es manchmal

Am Himmel, Gedanken auf der

Flucht, welches Hirn

Werden sie heute wohl treffen?