Archive for Januar, 2008

Tauschwert

Donnerstag, Januar 31st, 2008

for  cry  &  vici

Mein Schwert aus Tau hat dem Morgen seinen Kopf abgeschlagen. Nun sitzt er als blutloser Fleischberg vor den Felsen aus Erinnerung.

Mein Schwert aus Tau hat die salzige Schneide deiner Tränen, vergossen in den langen Nächten, da der Neumond begann, sich seiner Lichtlosigkeit zu schämen.

Das Schwert aus Tau – ich habe es gestern auf einer Wiese liegen gelassen & mit diesem Akt der Selbstentwaffnung dem Erstbesten geschenkt – blinkt nun mit der Schneide seiner Halme kühl in den Morgendämmerungen des Frühlings.

Frühe Prosaskizzen, Jugendsünden

Mittwoch, Januar 30th, 2008

Frühe Prosaskizzen 

Die Tür steht halboffen, ich gehe hinein. Dort liegt er, auf der Jugendstilcouch. Sein Kopf mit dem vollen nackenlangen Haar ruht in seiner Handfläche. Er scheint nicht zu schlafen. Die andere Hand hält ein Buch mit zwei Fingern zwischen den Seiten. Es knistert leise. „Warum schaust du nicht? Hast du mich nicht kommen hören?“ Ich gehe noch zwei oder drei Schritte auf ihn zu. Ich höre meine roten Schuhe auf dem Parkett: klick-klack. – „Du Narzist!“ Ich sehe auf die Hand, die das Buch hält. Wunderschön, schlank ist sie wie die Aubrey Beardlsleys oder wie die eines Pianisten. Die soviel Leidenschaft in sich birgt, wirkt jetzt so kühl und stilisiert als wäre sie von Marmor. „Ich weiß du schläfst nicht!“ Auf dem Tisch steht eine Jugendstilvase, in ihr eine gelbe, welkende Rose. Der Narzist sieht sie nicht. Er atmet nur ihren Duft und denkt, er müsse sich nun nicht mehr waschen: „Was kann so gut riechen wenn nicht ich?“ Dieser Zynismus, der mich zeitweilig überkommt, wenn er wie eine Statue daliegt, total anämisch, und jede Leidenschaft in mir umbringt. Hassen kann ich nicht. Die Raserei der Küsse ist mir wohlbekannt, die des Hasses kaum. Ich kann nicht hassen. Ich kann nur genauso kalt sein wie er. Träge und kalt wie blaues Glas. Wie das blaue Glas der Vase. „Wirf die Vase nicht um, beweg’ dich nicht! Laß mich deine Kälte fühlen!“  

(1988)  

Als ich viel später, so lange danach, den Raum durch die immer noch weit offen stehende Tür betrete, ist es still. Beinahe unnahbar still. Die Stille ist zu einer festen Form geworden und nichts deutet mehr auf irgend etwas hin, das zu einer anderen Zeit hätte gewesen sein können. Nichts – außer den vielen sinnlos verschütteten und zerbrochenen Überresten, die irgendwann einmal ein nicht mehr bestimmbares Ganzes gewesen sein müssen, jedes mit seiner individuellen Funktion. Doch diese verstreuten Fetzen sagen nichts mehr darüber aus. … Dieses Zimmer scheint zu atmen und ich weiß, ich weiß … es ist mir, als wäre ich nicht mehr allein hier. Denn diesem Zimmer ist ein bestimmter Gedanke zugeordnet, eine Idee, eine Stimmung. Eine Person? Die ganze Zeit davor, vor dem Moment meines Eintretens, wußte ich es. Es war kalt in den anderen Zimmern, mir war es kalt dort, und das so tief im Sommer, in den grellsten Stunden des Tages. Der Sommer war doch heiß. Ich würde dort sein, wären meine Visionen Realität…

Ironisches Mundzucken. Eine Betrachtungsweise.

Mittwoch, Januar 30th, 2008

“I won’t bore you with the detail, baby…”

Die Mundwinkel meines Freundes waren jeweils ein Halbmond, und nur wenn sie aus irgendeinem subtilen Grund ironisch zu zucken begannen, verbargen sich die kleinen Monde für Augenblicke hinter dem hochmütigen Rot der Lippen. 

„Wie leise dein Mund schon wieder zu zucken beginnt“, sinnierte ich, nachdem ich ihn eine Weile im Halbschatten der wogenden Platanen betrachtet hatte. „Was für ein Gedanke ist es nur, der deine schönen und für manchen Gespielen zu blasiert erscheinenden Lippen in solch zarte Bewegungen versetzt? Du wirst ihn mir doch verraten, nicht wahr? Spätestens dann, wenn der Schatten der am tiefsten hängenden Zweige den Bogen deiner Nase berührt.“

Mein Mund ist Vollmond. Ich bin eine Frau. Frauen haben viele Münder – winzige Polypen oder Schnecken, an den entlegensten Teilen des Körpers. Nicht selten führen sie nach innen. Doch davon möchte ich heute nicht erzählen, auch wenn es manchen vielleicht reizt und es darüber eine Menge Wissenswertes zu berichten gibt. Das wird zuvor sehr sorgfältig ausgewählt. Weiche saugende Rundporen oder längliche zuckenden Schlangenzungen sind der Männer Sache nämlich nicht. Einige wenige haben jedoch die entscheidende Winkelkrümmung um den Mund herum und dürfen mir bei Gelegenheit eine mehr oder minder schamlose Sottise zuflüstern.

abg

Sonntag, Januar 27th, 2008

welcher könig hat hier +++ gehaust : durch die zerbrochnen scheiben +++ faucht der sturm : hier kannst du +++ dame sein : oder ass : das ist die frage +++ hier drehst du auf dem rad deine runden +++ deine lakeien sind fortgerannt : kein geschäft +++ geht gut : außer der senfladen dort +++ in der ecke : verschwinden wir +++ raus +++ fauchst du & meinst den süßen duft der brach +++ liegenden felder : in den furchen bricht sich der gold +++ glanz des untergangs : wir treten +++ in die pedale : um der finsternis zuvor +++ zu kommen

Weltuntergang

Sonntag, Januar 27th, 2008

Gerade eben hat Thor Baldur erschlagen.

Der Regen nimmt unmerklich zu.

Die gesprochenen Sätze der Mutter-

Sprache gehen ungewollt in eine

Versform über, das bleierne

Drücken in der Brust -

Zittern der lebendigen Körper wie vor einem

Vulkanausbruch & Schweigen aller Steine

In den unbedeutsamsten Tonarten

Des Windes – verweist auf

Den ewigen Fortgang der Dinge,

Im Volksmund Hölle genannt:

Nach dem nächsten Beben der Sinne

Werden die Bedeutungen zu ver-

Wittern anfangen & Augen-

Blick für Blick zer-

Fallen, bis nichts mehr bleibt als

Ein Mund zwischen Ohren im Sturm.

früher : erfrorener

Montag, Januar 14th, 2008

vom Reif bedeckt : ein Zeichen ersehnter +++ Kälte : der Morgen steigt kuglig aus den weißen +++ Hügeln empor : wie früher : erfrorener +++ Winter : niemand sehnt sich nach dir +++ Sehnen : unaussprechliches Wort +++ neuromantisch : unmöglich +++ der Morgen kugelt über die Hügel : als wäre keine Zeit +++ vergangen : keine Epoche : seit Arnim +++ die Winter leuchten warm : im Morgenlicht

Amor fugit

Montag, Januar 14th, 2008

Im Fell vor das Haus

gerannt.

Mit Mundschutz

angetan.

Brauch ich

nur fünf

Mal fünf Meter Person

für einen Reigen

Mannsgestalten -

Materie.

Wolken, Berge, Motten, Flöhe

rudern abwärts,

bringen zum Frösteln,

zum Experiment.

Die Säulen des Herakles

Sonntag, Januar 13th, 2008

Nun steht der Mensch am Rand derWelt, vor sich das Meer in all seinerPracht & hinter sich das menschliche

Unglück: “Wer bin ich”, fragt

Des Kopfes Stimme, fragt eine

Stimme aus dem Loch, “wo

geht es hin auf dieser Reise?” -

Die Wellen schäumen krachend & kalt,

der Globus im Kopf faßt keinen Fluß

Mehr, ohne den Grund einer Wellen-

bewegung hat nicht ‘mal das Fragen

Seinen tragenden Rhythmus, von

Bö zu Bö springt die ziehende Herde, Ge-

Danken – o Himmel! – mit Ziegenhörnern

gaukeln den Schiffern ihr Mutter-

Haus vor: “Hier steh’ ich, jung”, ein

Gemäuer von Säulen wie Riesen-

Schenkel in die Erde gerammt, “- so

mußt auch du stehn, bist du erstmal

Verständig, Junges!” – dann brüllte der Ozean.

Rauschen

Samstag, Januar 5th, 2008

schschschschsch

ihj-ihj-ihj-ihhjj

en, nenenenene

Wikinger des Südens

Samstag, Januar 5th, 2008

doc schi wa go proudly presents: das Dritte

Klassikdiskussion, MarshalMc? Nachtrag Deutscher Herbst+30, x

Freitag, Januar 4th, 2008

http://realitystudio.org/media/towers_open_fire.mov

Ändert sich die objektive Bedeutung eines Tracks, wenn man ihn/es//sie : auf zwei Spuren gleichzeitig abspielt, analog wie die Verwandlung eines ja zum jaja?

Ist sogenanter subjective Sinn ein DawkinSCHeis Gen? Wenn ja, von welchem Stamm. Wenn nein, wauruhm!

Ezra P. hatte unterschieden: Melopoiea, … & Logopoi. “Warum [nur] sehe ich dem Radwechsel mit (solcher) Ungeduld zu???

Sie nannten mich Sophus//: gez. Egil S.

Freitag, Januar 4th, 2008

Lie, Sophus, geb. 1842 Nordfjordeid am Nordfjord, gest. 1899 Kristiania (Oslo)

“Nash und Sidon waren beileibe keine Ausnahmeerscheinungen. Cantor etwa verfiel ebenfalls Wahnvorstellungen, und auch Gödel wurde paranoide Schizophrenie bescheinigt. Und nicht zuletzt wurde aus dem Mathematiker, der nur an Primzahltagen mit seiner Frau schlief, ein gewalttätiger Krimineller. Dann wäre da noch der >>U n a b o m b e r<< Theodore Kaczynski, der 1962 von der University of Michigan den akademischen Titel des Ph.D. in Mathematik verliehen bekam.” [Paul Hoffman: Der Mann, der die Zahlen liebte. Die erstaunliche Geschichte des Paul Erdös und die Suche nach der Schönheit in der Mathematik. Berlin 1999, S. 320f.]

-Amigo, haste die neue mit?

–Abbaklah.

(Lächeln wie ein Biß von s k ö l l : “dante? langsama knirschnda)

 -ne, leider nich. Zu lange doot… abba Grim un sinn son, letzte Woche -wo deer ma zulangt… jut amigo, krug uff king crimson – also denne, skál

[Nanu sachma, wohast'de Symmetriegruppe vastekt?! OK. Ick singe nie wieda.]

Illusion : London

Donnerstag, Januar 3rd, 2008

Und noch eins …