Monatliche Archive: Juli 2007

Tanz’, Brüderchen, aber sieh zu, daß du niemandem auf die Füßchen trittst

Von | 28. Juli 2007

WELIMIR CHLEBNIKOW   Tod der Zukunft    I.     Mein Freund, wofür? Verwandter, gewandt! Zurück! – Den Tempel aus Schüssen in meiner Hand, Fünf Augen, Fünf dunkle Flecken. Ganz in Blut zucken Gimpel röter-röter auf dem Hemd. Ließen flatternd sich nieder im Gebüsch, meiner Brust. Ich starb und röchle, wie traurig. Fünf Löcher in meiner Brust.   … Weiterlesen »

Chlebnikow

Von | 28. Juli 2007

Als Chlebnikow starb, bezeichnete ein überaus vorsichtiger Kritiker sein ganzes Werk als „unsinnige Versuche, die Sprache und den Vers zu erneuern“, und erklärte im Namen „nicht nur der literarischen Konservativen“ sein „unpoetische Poesie“ für nutzlos. Alles hängt natürlich davon ab, was der Kritiker unter dem Wort Literatur verstand. Wenn man unter Literatur die Peripherie der… Weiterlesen »

Im Vektorraum (5)

Von | 23. Juli 2007

Dafür tobte in seinem Innern ein Wirbelsturm. Er hätte nicht beschreiben können, an welchem Ort sich die Luftschichten wie wild ineinander schoben, was sie alles mit sich rissen und dem ewigen Kreislauf der Dinge als geschredderte Ursubstanz neu zur Verfügung stellten. Er wußte nicht einmal, ob er es noch war, der dem Toben der Elemente… Weiterlesen »

Driftend

Von | 22. Juli 2007

Die Schiffe treiben im Nebel. Baumspitzen zwischen Felsen steigen und sinken. Die Münder verschlossene Flaschen im Keller – die größte der Sorgen, daß der Wein nicht nach Kork schmecken möge. Die Bacchanten sielen sich in ozeanischer Gesundheit. Der Prophet schluckt herunter, was ihm nicht bekommen kann. Alles fließt, kein Sand weit und breit.

Hauptstraße : Dresden

Von | 15. Juli 2007

Sitzen & Gehen : Fischgeruch ohne Meer : das gelbe Haar der Frauen Brummen der Fahrzeuge im Hintergrund : anorganisches Hüsteln der Platane : vergeßliche Aggregatzustände des Sommers : eingewickelt in Salzteig : schwer verdauliches Lachen gerissener Dichter : am Erdende wer viel verkauft : hat schon verloren

Orpheus : im Sommer

Von | 15. Juli 2007

Wo Orpheus singt : ist Sommer er hat sich gesammelt : nicht gesungen ich habe nichts gehört : er hat seine Verkörperungen versammelt : die Geister blieben unsichtbar : wir haben geflüstert : gestammelt hätte er doch : hätte er doch uns in Tiere verwandelt : dich & dich & dich & mich : damit… Weiterlesen »

Im Vektorraum (4)

Von | 14. Juli 2007

Egal wie es passiert – es passiert immer wieder. Er streckte seine Hand aus nach dem Gegenstand dort vorn, er versuchte den Arm zu bewegen, seine rechte Schulter schob sich um winzige Unendlichkeiten nach vorn, doch die Hand blieb liegen wo sie war. Er ließ sich in seinem Sessel zurückfallen, sein Rücken versank im gepolsterten… Weiterlesen »

Leipzig – Orpheus

Von | 8. Juli 2007

Ich schließe die Augen & bin dir unheimlich nah spür dich direkt körperlich sagtest du ich fühlte mich so angerührt vollkommen fertig glaub mir die bezaubernde falsche Nähe im Netz transportierte Streichel einheiten ich war richtig high davon stranguliert

Im Krater

Von | 3. Juli 2007

Augensternwasser rinnt die Himmelskugel hinab, schlimmer als tausend Sternschnuppen kurz vorm Erkalten. Die Kohle glüht unterm Weltengrill, alle Besen bereit fürs große Fegen. So viel Wolkensalat zwischen Himmel und Erde, immer dunstig. Der Geysir erwartet seine Stunde. Wenn die Raumbezirke aneinander reiben und sich zu durchdringen beginnen, wird die kommende Verdunklung spürbar: eine Nacht, länger… Weiterlesen »