Monatliche Archive: Mai 2007

Im Vektorraum (3)

Von | 25. Mai 2007

Sie rappelte sich auf und äugte zu dem runden Gegenstand hinüber. Der Ball holperte über die Erde und kam zwei Meter weiter zum Stillstand. Zwischen den Sträuchern kam ihre Mutter zum Vorschein und begann mit gedämpfter Stimme auf sie einzureden. Sie brachte ihr die blaue Gummikugel, rund wie die geheime Seele des Universums, und sie… Weiterlesen »

Im Vektorraum (2)

Von | 24. Mai 2007

Sie zuckte und zitterte, dann sank der andere Arm in sich zusammen, ihre Brust nahm Fahrt auf, und sie krachte auf den Boden. Zwar das Blau nun aus ihren Augen verschwunden, wie die Sonne hinter einem Wolkenberg verschwindet, doch leuchteten im Zwischenreich ihres Hirns noch deutliche Fetzen zwischen den Bäumen des Waldes, aus dem ihre… Weiterlesen »

Im Vektorraum (1)

Von | 17. Mai 2007

Egal wo es passiert – es passiert immer wieder. Sie streckte ihre Hand aus nach dem Gegenstand dort drüben und versuchte, die Finger an jene Stelle zu bringen, wo das Blau seine Verlockungen und Verzückungen verströmte, als wäre der strahlende Himmel ein Teil ihrer Netzhaut.

Skandale inflationär

Von | 14. Mai 2007

Skandale versucht jeder zu inszenieren, der im Kulturbetrieb tätig ist. Tanz mit einer Klobürste im Haar splitternackt auf der Straße – was früher ein gemeiner Schulwitz war, mit dem man den Nachbarjungen ärgerte (heute heißt es mobbte), gerät zur scheinbar freiwilligen Selbstinszenierung. Das Zauberwort heißt Aufmerksamkeit. Sie verschafft Ruhm & Geld. Indem jeder nach ihr… Weiterlesen »

Außenprüfung

Von | 14. Mai 2007

Heute hat mich Franz Kafka besucht : ein Schmalhans Finanzbeamter : mit wachem Blick inspizierte er meine Räume : die Küche : zum Schluß fragte er : wo ich schlafe : es gibt kein Bett bei mir : nur ein Klappsofa das schien ihm sympathisch zu sein : ein sparsamer Typ den er hier überprüfe :… Weiterlesen »

Relativitätstheorie

Von | 4. Mai 2007

Wenn man älter wird : verkürzt sich die Zeit mit der Familie zugebracht : für einen Jungen erscheint eine Stunde wie ein Tag : eines Tages erscheint ein Tag mit der Familie wie eine Stunde die Eltern sind alt geworden : die Geschwister verstreut : glücklich : wer noch Eltern & Geschwister hat Die Dichter… Weiterlesen »

Die subtile Abschließung der Hermetik

Von | 1. Mai 2007

Gegenwartslyrik hat hermetisch zu sein. Man muß nicht Hermine heißen, um als zeitgenössische Lyrikerin zu gelten, aber ein niedlicher Dr. phil. in osteuropäischen Sprachen oder pietistischer Astronomie kann nicht schaden. Hauptsache, unverständlich. Klare Konturen, aber bitte nicht sichtbar. Dabei waren – man erlaube mir den zeitgeschichtlichen Rückblick – hermetische Gedichte stets in Perioden politischer Unterdrückung… Weiterlesen »